PTA-Forum online
Neue Forschungsergebnisse

Omega-3-Fettsäuren nicht nur fürs Gehirn

23.07.2010  14:46 Uhr

Neue Forschungsergebnisse

Omega-3-Fettsäuren nicht nur fürs Gehirn

PTA-Forum

Seit einiger Zeit widmen sich Forscher intensiv den Omega-3-Fettsäuren. Unter anderem untersuchen sie, inwieweit Omega-3-Fettsäuren die Hirnentwicklung und geistige Leistungsfähigkeit von Kindern und Erwachsenen beeinflussen. Dazu befragte PTA-Forum den Lebensmittelchemiker und Fachpharmakologen Privatdozent Dr. Gunter P. Eckert vom Pharmakologischen Institut der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

PTA-Forum: Die Zahl der Arbeiten zu Omega-3-Fettsäuren ist für Laien kaum noch überschaubar. Welche Effekte gelten als gesichert und auf welche offenen Fragen konzentrieren sich die Wissenschaftler zurzeit?
Eckert: Bekannt ist, dass Omega-3-Fettsäuren wie die Eicosapentaensäure und die Docosahexaensäure im menschlichen Organismus existenzielle Aufgaben erfüllen. Beispielsweise sind sie Bestandteile der Zellmembranen und dienen als Ausgangsstoffe für stoffwechselaktive Substanzen. Sie sind zudem unverzichtbar für Wachstum, Funktion und Differenzierung von Organen wie des Gehirns und der Augen. Seit kurzem mehren sich Studien über den Einfluss dieser Fettsäuren auf das Denk- und Sehvermögen. Dabei stehen unterschiedliche Personengruppen im Fokus des Interesses – von Säuglingen und Kleinkindern über ADHS-Patienten bis hin zu Senioren.

PTA-Forum: Nach Ansicht von Experten gehören die Eicosapentaensäure und die Docosahexaensäure zu den wichtigsten Nährstoffen für werdende Mütter. Wie
beeinflussen sie die Schwangerschaft?
Eckert: Der Kinderarzt Professor Dr. Berthold Koletzko vom Münchner Universitätsklinikum erforscht seit langem die Auswirkungen der Ernährung auf die Schwangerschaft. Im Rahmen der Veranstaltung in Hamburg präsentierte Koletzko epidemiologische Untersuchungen und Metaanalysen. Das Ergebnis: Die hohe Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren kann die Schwangerschaftsdauer verlängern und das Geburtsgewicht des Kindes erhöhen. Weitaus bemerkenswerter ist allerdings, dass die Nährstoffe die Gefahr von Frühgeburten vor der 34. Woche um etwa 30 Prozent reduzierten, bei Risiko-Schwangerschaften sogar um über 60 Prozent.

PTA-Forum: Weiß man denn, warum Ungeborene von den Omega-3-Fettsäuren profitieren?
Eckert: Über Nabelschnur und Muttermilch gibt die Mutter Omega-3-Fettsäuren an ihr Baby ab. Der Versorgungsstatus des Kindes hängt also unmittelbar davon ab, wie viel Fisch die Mutter isst oder ob sie ein Fischöl-Präparat einnimmt. In der zweiten Schwangerschaftshälfte und in den Monaten nach der Geburt wird Docosahexaensäure in großen Mengen in Gehirn und Retina des Kindes eingebaut. Das ermöglicht überhaupt erst Denken, Lernen und Sehen. Doch damit nicht genug: Omega-3-Fettsäuren treiben die Entwicklung der Säuglinge und Kleinkinder bis zum Schulalter nachweislich voran.
Koletzko zeigte in Hamburg Studien, die ergaben, dass die Kinder von Müttern mit hoher Docosahexaensäure-Aufnahme bessere kognitive und motorische Fähigkeiten und eine höhere Sehschärfe aufwiesen als eine Vergleichsgruppe. In anderen Untersuchungen wiederum schnitten Vier- und Achtjährige in puncto Intelligenz, Sozialverhalten und Sprachverständnis besser ab als schlechter versorgte Gleichaltrige.

PTA-Forum: Sie selbst haben in Hamburg zum Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperakti­vitäts-Syndrom referiert. Was hat diese Störung mit Omega-3-Fettsäuren zu tun?
Eckert: 3 bis 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden unter ADHS und den damit verbundenen psychischen, sozialen und emotionalen Problemen. Als Ursache der Erkrankung werden genetische, neurobiologische und psychosoziale Faktoren sowie Umwelteinflüsse diskutiert. Zahlreiche Untersuchungen sprechen beispielsweise für Veränderungen im Dopaminhaushalt des Gehirns der Betroffenen. Im Laufe der kindlichen Entwicklung führt dies dazu, dass die Funktion der Aufmerksamkeitssysteme gestört ist. Ebenso ist der Abbau überschüssiger Synapsen vermindert.
Neueren Beobachtungen zufolge sind die Plasma-Spiegel an Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure bei ADHS-Patienten überdurchschnittlich häufig zu niedrig. Dies scheint mit den Verhaltens­auffälligkeiten zu korrelieren. Einige Forscher sahen daher in den Omega-3-Fettsäuren eine neue Behandlungsoption und untersuchten dies in Studien. Die Ergebnisse lassen aufhorchen: Bei einem Teil der Betroffenen lindern hohe Dosen von Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure die Symptome. In diesen Fällen konnte ganz auf ADHS-Medikamente verzichtet werden.

PTA-Forum: Große Hoffnungen werden in die Forschungen zu Docosahexaensäure und Alzheimer-Demenz gesetzt. Wie bewerten Sie die Ergebnisse?
Eckert: Hier möchte ich mich auf den Biologen Professor Dr. Tobias Hartmann von der medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes beziehen. Der Kollege forscht intensiv auf diesem Gebiet. Er vertritt die Auffassung, dass dieselben genetischen Merkmale, die bei Alzheimer-Kranken zur Zerstörung von Nervenzellen führen, auch auf den Fettstoffwechsel Einfluss nehmen. Infolgedessen sinkt die Docosahexaensäure-Menge im Gehirn. Diese Omega-3-Fettsäure ist als Strukturbestandteil im Gehirn ­­jedoch unverzichtbar.
Einige Publikationen weisen nun darauf hin, dass Omega-3-Fettsäuren möglicherweise zum Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit beitragen. Bei Patienten mit Alzheimer-Demenz hätten sie laut Hartmann in einigen Fällen sogar das Gedächtnis wieder verbessert. Voraussetzung ist allerdings, dass sie in einem sehr frühen Krankheitsstadium verabreicht werden. Da die Arzneimitteltherapie derzeit wenig Alternativen bietet, sieht Hartmann in Omega-3-Fettsäuren eine viel versprechende Option gegen das Fortschreiten einer Alzheimer-Erkrankung.

PTA-Forum: 16 Prozent der Deutschen essen selten oder nie Fisch. Wie können diese Menschen Defizite ausgleichen?
Eckert: Laut Experten brauchen gesunde Kinder jeden Tag mindestens 200 mg und Erwachsene 300 mg Omega-3-Fettsäuren. Schwangere und Stillende sollen zusätzlich mindestens 200 mg Docosahexaensäure aufnehmen. Diese Mengen lassen sich durch zwei Mahlzeiten mit fettem Seefisch wie Lachs, Hering oder Makrele pro Woche decken.
Eine Alternative für Menschen, die­ keinen Fisch mögen, sind apothekenexklusive Nahrungsergänzungsmittel mit 60 Prozent Omega-3-Fettsäuren aus hochgereinigten Fischöl-Konzentraten, zum Beispiel Doppelherz® system Omega-3 Konzentrat. Die Produkte liefern 300 mg Eicosapen­ta­ensäure und 200 mg Docosahexaensäure in einer einzigen Kapsel täglich. Sie sind geruchs- und geschmacksneutral sowie sehr gut verträglich und auch für Schwangere empfehlenswert.

TEILEN
Datenschutz