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Fruchtbarkeit

Den Eisprung ermitteln

13.05.2014  15:27 Uhr

Von Inga Richter / Es gibt viele Gründe, warum es mit dem Kinderwunsch manchmal nicht recht klappen will. Als Hauptursache gilt die verspätete Familienplanung. Im Handel erhältliche Fertilitätstests dienen als Hilfestellung, um die fruchtbaren Tage einzugrenzen beziehungsweise die Fruchtbarkeit der Frau zu überprüfen.

Bereits im Altertum strebten Frauen danach, die Familienplanung selbst zu bestimmen. Sie gaben zerriebene Akazienblätter mit Honig auf eine Mullbinde und führten diese in die Vagina ein. Schwämme sollten die Samen aufsaugen, Zedernöl, Bleisalbe oder Weihrauch vermischt mit Olivenöl dienten als natürliche Spermizide. Inzwischen ist das Problem Verhütung geklärt. Schwanger zu werden dagegen scheint längst nicht mehr selbstverständlich zu sein.

Schätzungen zufolge bleiben heutzutage etwa 15 Prozent aller Paare ungewollt kinderlos, Dunkelziffer unbekannt. Allein in Deutschland bieten über 70 Kinderwunschzentren sowie weitere Kliniken In-vitro-Fertilisationen (IvF) an, die »Befruchtung im Glas«. In Kinderwunschforen stellen Tausende Frauen die Frage, wieso es einfach nicht klappen will. Werden die Deutschen etwa unfruchtbar? Nein, sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. (BvF), »aber Frauen werden heutzutage später schwanger.«

Frühe Wechseljahre

Theoretisch sind Frauen zwar bis zum Eintritt in die Wechseljahre empfängnisbereit. Doch bei einigen beginnt das Klimakterium mit Mitte 50, bei anderen mit 40. So oder so: Bereits ab dem 30. Lebensjahr produzieren die Eierstöcke weniger Eizellen. Niemand will Panik verbreiten oder gar den Frauen ihr Recht auf Ausbildung, Studium und Berufstätigkeit verwehren. Doch: »Die meisten Frauen, die in unsere Klinik kommen, sind über 35 Jahre«, bestätigt Dr. Thomas Hahn vom Kinderwunschzentrum Wies­baden.

Allerdings steht nicht das Alter allein dem Kinderwunsch im Wege. Ein unregelmäßiger Lebensrhythmus, Alkoholkonsum, Rauchen, Stress oder Erkrankungen verändern sowohl die Eizellenreifung und die allgemeine Empfängnisbereitschaft der Frau als auch die Zahl und Aktivität der männlichen Spermien. Albring nennt weitere Faktoren: »Leistungssportlerinnen bräuchten im Prinzip keine Antibabypille, da sie durch den Stress des Sportes nicht schwanger werden.« Auch häufige Saunagänge können die Entwicklung der Keime behindern, zu enge Hosen sabotieren die Spermiogenese des Mannes.

Zumal ist die Sache mit den fruchtbaren Tagen längst nicht so klar, wie sie sein sollte. »Junge Mädchen lernen in der Schule alles über Empfängnisverhütung«, sagt Hahn. »Doch über ihre Fertilität wissen sie nichts.« Tatsächlich erweist es sich bei näherem Hinsehen auch als komplizierte Angelegenheit, die empfängnisbereiten Tage anhand natürlicher Methoden zu ermitteln.

Kalender, Schleim und Thermometer

Die Kalendermethode ist nichts anderes als ein Tagebuch über den Verlauf des Zyklus: Wie viele Tage liegen zwischen den Blutungen, verläuft der Zyklus regelmäßig, wann könnte der Eisprung sein? Bei der sogenannten Billings-Methode überprüft Frau regelmäßig die Konsistenz ihres Gebärmutterschleims, der sich zu Beginn der Fruchtbarkeitsphase verflüssigt. Ein wichtiger, weil messbarer Parameter zur Bestimmung der fruchtbaren Tage ist die Körperkerntemperatur: »Die Basaltemperaturmethode beruht auf der Beobachtung, dass die Körpertemperatur etwa zwei Tage nach dem Eisprung messbar ansteigt und bis zum Beginn der Regelblutung erhöht bleibt«, informiert der BvF. Diese Messung kann mit jedem Thermometer erfolgen, Hauptsache, es hat eine sehr feine Skalierung. Denn die Temperaturänderung beträgt etwa 0,5 bis 1,6° Celsius.

Kurzes Zeitfenster für Befruchtung

Zwei Tage nach dem Eisprung ist es für eine Befruchtung definitiv zu spät. Das Ei ist ein kurzlebiger Zeitgenosse. Nach nur 18 bis 24 Stunden stirbt es ab. »Fruchtbar ist man nur in der Zeit vor dem Eisprung«, erklärt Susanne Kramarz vom BvF, insbesondere 72 Stunden davor. Je nachdem, wie lange die Spermien des Mannes im Körper der Frau überleben, im Schnitt bis zu drei Tage, dauert die fruchtbare Phase der Frau etwa fünf bis maximal sieben Tage pro Zyklus. »Die Temperaturkurve bringt die Erkenntnis, ob überhaupt eine Ovulation stattfindet«, so Albring, »und ob diese in einem normalen 14-tägigen Abstand zur nächsten Regel erfolgt.« Nach dreimonatiger Messung könne der Frauenarzt bei unerfülltem Kinderwunsch anhand dieser Informationen gezielte Untersuchungen einleiten, wie Ultraschall oder die Bestimmung der Hormonwerte.

Wer es schneller wissen will, muss noch genauer vorgehen. Denn an den fruchtbaren Tagen vor dem Eisprung sinkt die Temperatur zunächst um etwa 0,2 Grad. »Aber nur, wenn man am Abend zuvor keinen Alkohol konsumiert, keinen Sport getrieben und mindestens fünf Stunden geschlafen hat«, so Kramarz. Erkältungen oder Medikamenteneinnahme führen die Tempe­raturwerte ebenfalls ad absurdum. Erschwerend kommt der Faktor Selbstdisziplin hinzu: Die Temperaturmessung muss jeden Morgen zur selben Uhrzeit, kurz nach dem Aufwachen, aber vor dem Verlassen des Bettes erfolgen. Um den Frauen derartige Prozeduren zu vereinfachen, bietet der Markt inzwischen eine Reihe verschiedener Fertilitätstests an.

Recht neu im Handel ist zum Beispiel der Ovula Ring: »Der Ovula Ring besteht aus einem Kunststoffring mit einem High-Tech-Sensor, der Ihre Temperatur im 5-Minuten-Takt, 288 Mal pro Tag, aufzeichnet«, wirbt der Internetauftritt der Herstellerfirma VivoSensMedical GmbH. Ähnlich einem Tampon führt die Frau das Miniaturgerät in die Scheide ein, verbindet am Ende eines Zyklus das USB-Stick-ähnliche Lesegerät mit dem PC und überträgt so die Temperaturdaten an eine webbasierte Auswertungssoftware. »Wir empfehlen vorerst die Messung über drei Zyklen«, erklärt Susann Laue vom Marketing der Firma im Live Chat. Danach analysiere das System die Temperaturmuster und errechne eine Prognose für den folgenden Zyklus.

Selbstständig messen

Der Erfinder Professor Dr. Henry Alexander, Reproduktionsmediziner am Kinderwunschzentrum City Leipzig, erklärt: »Meine Vision war, etwas zu entwickeln, mit dem Frauen ohne große Umstände ihre exakte Körperkerntemperatur aufzeichnen können.« Laut Unternehmen erleichtert der Ring die Diagnostik und optimiert Kinderwunschbehandlungen, denn die Frau kann die Messung unabhängig und selbstständig durchführen.

Familienplanung oder Verhütung

Ähnliche Messsysteme bietet der weltweite Markt schon längst. Beispielsweise die online über den Hersteller erhältlichen Fertilitätstests Lady-Comp und Baby-Comp, Mini Computer, mit denen Frau jeden Morgen mit dem Temperaturfühler unter der Zunge die Körpertemperatur misst. Die Genauigkeit, so verspricht der Hersteller Valley-Electronics, liegt bei einem Hundertstel Grad Celsius. Leuchtet ein roter Punkt, bedeutet dies, dass die Frau fruchtbar ist, also am Tag des Eisprunges – und an den fünf Tagen davor. »Beide Geräte kann man für die aktive Familienplanung sowohl für eine natürliche Verhütung als auch für die Kinderplanung einsetzen«, sagt Monika Pflüger von Valley Electronics. So wie es wohl bei allen Geräten der Fall sein dürfte, die fruchtbare von den unfruchtbaren Tagen abgrenzen. Im Vergleich mit dem Lady-Comp bietet der Baby-Comp zusätzlich eine Bestätigung der Schwangerschaft ab dem 18. Tag, die Berechnung des Geburtstermins und sogar eine Geschlechtsprognose des zukünftigen Nachwuchses.

Hormone zeigen Zyklusstadium

Ohne Temperaturmessung, dafür aber mit Hormonen arbeitet das in Apotheken erhältliche Clearblue®, ein digitaler Ovulationstest mit dualer Hormonanzeige: »Wenn sich der Tag des Eisprungs nähert, produziert der Körper eine größere Menge Estrogen, welches eine Verdickung der Gebärmutterschleimhaut bewirkt und zu einem spermienfreundlichen Milieu beiträgt«, informiert die Webseite.

Außerdem sorgt Estrogen für einen Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH), welches 24 bis 36 Stunden später das Ei aus seinem Follikel platzen lässt, so dass es in den Eileiter gelangen kann. Die Clearblue-Produktpalette reicht von einem einfachen Testgerät mit Teststäbchen für den Urin bis hin zu Advanced-Fertilitätsmonitoren mit Datenspeichern, Erinnerungsalarm, integriertem Schwangerschaftstest oder anderen Tools. Je nach Gerät können vier bis sechs fruchtbare Tage ausgemacht werden, mit einer Zuverlässigkeit von 89 bis 99 Prozent.

Messgerät Bezugsquelle Preise
OvulaRing 24h Temperaturmessung Online erhältlich über verschiedene Anbieter 212 Euro Starterpaket plus 20 bis 30 Euro für die Folgemonate
Clearblue® digitaler Ovulationstest mit dualer Hormonanzeige:
  • Estrogen
  • LH
Apotheken Etwa 30 Euro plus Teststäbchen (20 St. circa 30 Euro)
Clearblue Advanced Fertilitätsmonitoren Apotheken Ab 150 Euro, Teststäbchen 20 Stück etwa 30 Euro
OvuSense TM Temperaturmessung; zeigt exakt den Eisprung an; anhand winzigster Temperaturschwankungen lässt sich auch erkennen, wenn kein Eisprung erfolgt ist. Online Shop (Großbritannien) 449 Euro; etwa einmal jährlich Ersatzsensor: 145£ / 176 Euro
Baby-Comp Lady-Comp Online Shop 695 Euro 495 Euro

*Preise schwanken je nach Apotheke

Zwar ist der Anstieg von LH ein Vorbote der Ovulation. Aber etwa jede fünfte Frau habe durch das Polyzystische Ovarialsyndrom einen erhöhten LH Wert und somit würden Hormon-Tests oftmals eine Ovulation anzeigen, obwohl gar keine stattgefunden hat – oder andersherum, sagt Robert Milnes von der britischen Firma Fertility Focus. Der Hersteller vertreibt den Fertilitätstest OvuSenseTM, der ebenfalls mit Temperaturmessung arbeitet. Laut Milnes ist der Temperaturanstieg aufgrund des erhöhten Progesteron-Spiegels nach der Ovulation besser zur Bestimmung der fruchtbaren Tage geeignet. Progesteron wird nach der Ovulation ausgeschüttet, um die Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung des befruchteten Eis vorzubereiten.

Temperatur­messung nachts

Der Sensor von OvuSense misst, ebenfalls vergleichbar mit einem Tampon, jede Nacht alle fünf Minuten die exakte Durchschnittstemperatur, die – im Gegensatz zum Ovula Ring – jeden Morgen abgelesen werden kann. »Die Körperkerntemperatur ist wesentlich präziser durch die Messung der Vaginaltemperatur zu ermitteln«, sagt Milnes. Den Studien der Firma zufolge, so Milnes, sieht der Monatszyklus auf der Temperaturskala aus wie folgt: Ab dem Zeitpunkt der Menstruation sinkt die Körperkerntemperatur um etwa 0,5° Celsius ab, bis zu einem Tiefpunkt von etwa 35,8° Celsius. Danach steigt die Temperatur binnen zwei Tagen um 0,3° Celsius bis zum Eisprung, der stets am dritten Tag erfolgt, um dann durch das Progesteron bedingt, weiterhin anzusteigen bis zur nächsten Regelblutung. Milnes: »Demnach ist es mit OvuSense möglich, die Ovulation vorherzusagen.« Und zwar bereits von der ersten Nutzung an.

Bin ich noch fruchtbar?

Zwei weitere Hormone können helfen, die verbliebene Zeit bis zum Beginn der Wechseljahre abzuschätzen: Das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das Anti-Müller-Hormon. Ersteres gibt Aufschluss über den Zustand, letzteres über die Anzahl der verbliebenen Eizellen. Eine entsprechende Blutuntersuchung in Kombination mit einer Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter bildet die Individuelle Gesundheitsleistung namens »Ferticheck«, die Hahn und Kollegen vor etwa fünf Jahren entwickelt haben. Ein positives Ergebnis des Tests bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, man könne sich noch ewig Zeit lassen. »Es ist eine Momentaufnahme des Ist-Zustandes«, sagt Hahn. Wie lange dieser anhält, weiß niemand. /