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Homöopathie

Hilfen im Wochenbett

13.05.2014  15:28 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler / Mit der Geburt eines Kindes beginnt eine neue Epoche im Leben der Eltern. Die Zeit nach der Entbindung ist für die Frau körperlich und seelisch oft sehr anstrengend. Homöopathische Mittel können ihr bei gesundheitlichen Problemen helfen.

In den ersten sechs bis acht Wochen nach der Entbindung, dem sogenannten Wochenbett, bilden sich die schwangerschaftsbedingten Veränderungen im Körper zurück. Durch die hormonelle Umstellung schrumpft die Gebärmutter; Schleim, Gewebereste und Blut werden abgestoßen. Dieser Wochen- oder Lochialfluss ist wichtig, damit sich keine Entzündungen in der Gebärmutter bilden. Das Stillen des Babys gibt einen wichtigen Impuls für die Rückbildung des Uterus. Auch Verletzungen der Geburtswege müssen heilen. Das neue Leben mit dem Baby erfordert viel Kraft, und oft fühlen sich junge Mütter daher sehr erschöpft. Homöopathika können die Phase der Rückbildung und Wundheilung gut unterstützen.

Um das richtige Mittel zu finden und die Möglichkeit der Selbstmedikation abzuklären, sollten PTA oder Apotheker die Frau nach den vorherrschenden Beschwerden, den Begleitsymptomen und der vermuteten Ursache fragen. Auch das seelische Befinden ist wichtig. Bei starken Beschwerden oder einem ausgeprägten Stimmungstief sollte das Apothekenteam zum Arzt­besuch raten.

China

Wenn Frauen bei einer schweren Geburt oder durch starken Lochialfluss viel Blut verlieren, fühlen sie sich häufig sehr erschöpft, schwach und ausgelaugt. Manche beschreiben ihren Zustand als »völlig saft- und kraftlos«. Beim Aufstehen und selbst bei kurzen Gängen in der Wohnung wird manchen so schwindelig, dass sie sich abstützen müssen.

Das Mittel China wird aus dem Roten Chinarindenbaum (China succirubra und C. pubescens) gewonnen (nicht verwechseln mit »Cina«, Wurmsamen). Es ist eine wertvolle »Erholungsarznei« nach schweren Krankheiten, Operationen und großem Verlust von Körpersäften, aber auch bei körperlicher und geistiger Überanstrengung. Typisch sind starke Schweißneigung und Appetitlosigkeit. Die Frau ist nicht nur ex­trem erschöpft, sondern auch reizbar und reagiert überempfindlich auf Berührung, Geräusche und Gerüche. Bei Kälte, Zugluft, nach dem Essen und nachts verschlimmert sich der Zustand, während Wärme gut tut.

Manche Frauen erleben in den Tagen und Wochen nach der Geburt ein seelisches Tief (»Baby blues«) bis hin zur Depression. Dann ist der Arzt­besuch unerlässlich. Bei leichten Beschwerden kann ebenfalls China helfen. Die Frau sollte von China D6 dreimal täglich fünf Globuli nehmen.

Bellis

Der Klassiker zur besseren Wundheilung nach der Geburt ist Bellis perennis, das Gänseblümchen. Häufig wird es als »Arnica der Geburtshilfe« bezeichnet. Bellis hat sich bewährt bei starken Wundschmerzen in der Gebärmutter. Es fördert die Wundheilung nach der Entbindung, auch bei Dammriss oder einer schmerzhaften Dammnaht. PTA oder Apotheker können das Mittel auch Frauen nach Kaiserschnitt empfehlen, wenn sie sich innerlich wund und wie zerquetscht fühlen. Kälte macht alles noch schlimmer, Wärme, Essen, leichte Bewegung und Massage tun hingegen der Frau gut. Bellis fördert die Heilung der Geburtswege und die Rückbildung der Gebärmutter, mildert Blut­ergüsse und normalisiert den Wochenfluss.

Auch Arnica montana ist im Wochenbett nicht fehl am Platz. Vor allem nach invasiven geburtshilflichen Maßnahmen wie Dammschnitt, Zangen­geburt oder Kaiserschnitt und bei schmerzhaften Nachwehen kann das bewährte Wundheilmittel helfen.

Die Frau nimmt dreimal täglich fünf Globuli Bellis D6 beziehungsweise Arnica D6 ein.

Wenn die Brust schmerzt

Acidum nitricum

Bei tiefen, auch blutenden Einrissen und starkem Wundsein der Brustwarzen hilft Acidum nitricum D6 (Sal­petersäure). Typisch sind stechende splitterartige Schmerzen. Auch an den Mundwinkeln, am After oder der Scheide können Rhagaden auftreten. Urin und Wochenfluss sind oft scharf und übelriechend.

Empfohlene Dosierung: dreimal täglich fünf Globuli.

Belladonna

Wenn eine Brustdrüsenentzündung (Mastitis) plötzlich beginnt und sich mit Schwellung, Rötung und Hitze­gefühl bemerkbar macht, ist Belladonna (Atropa belladonna) D6 ein gutes Akutmittel. Oft klagt die Frau über klopfende Schmerzen und Fieber. Akutdosierung: stündlich fünf Globuli, bei Besserung reduzieren auf dreimal täglich fünf Globuli.

Achtung: Bei Verdacht auf eine Mastitis sollte das Apothekenteam die Frau auf jeden Fall an den Arzt verweisen.

Phytolacca

In der Potenz D6 hat sich Phytolacca ebenfalls bei einer Mastitis bewährt. Die Brust ist hart und knotig geschwollen, das Stillen sehr schmerzhaft. An den Brustwarzen bilden sich oft kleine Risse und Geschwüre.

Akutdosierung: stündlich fünf Globuli, bei Besserung reduzieren auf dreimal täglich fünf Globuli.

Calendula

Ebenfalls ein Klassiker ist Calendula officinalis, die Ringelblume, die einen starken Bezug zur Haut hat. Bei offenen Wunden sowie bei Schürf-, Riss- und Schnittwunden hat sich das Mittel bewährt. Ist der Damm zwischen Scheide und After während der Entbindung eingerissen oder wurde aufgeschnitten, leiden viele Frauen an starken Schmerzen, vor allem beim Sitzen, Gehen und auf der Toilette. Calendula fördert die Bildung von neuem Gewebe und lässt die Naht schneller verheilen. Das Mittel hilft übrigens auch bei wunden eingerissenen Brustwarzen.

Die Frau nimmt dreimal täglich fünf Globuli Calendula D6. Calendula gibt es auch als Salbe, Creme oder Gel sowie in flüssiger Form für Umschläge und Sitzbäder.

Phytolacca

In den ersten Tagen nach der Geburt setzt die Milchbildung ein. Bei vielen Frauen kommt es zum »Milcheinschuss« mit schmerzhaften spannenden Brüsten. Bei einem Milchstau verhärten sich manchmal die Brüste knotig und schwellen an (siehe Kasten). Die Schmerzen beim Stillen können in den ganzen Körper ausstrahlen.

Phytolacca americana, die Kermesbeere, hat einen besonderen Bezug zur Brustdrüse und kann den Milchfluss regulieren. In der Potenz D12 wird sie zur Anregung des Milchflusses und bei Milchstau eingesetzt. Die Frau nimmt zweimal täglich fünf Globuli.

Wenn der Milchfluss versiegen soll, also zum Abstillen, nimmt die Frau von Phytolacca D2 vier- bis fünfmal täglich fünf Globuli. /