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Hypertonie

Hochdruck in der Schwangerschaft

13.05.2014  15:27 Uhr

Von Verena Arzbach / Hypertensive Erkrankungen treten in 6 bis 8 Prozent aller Schwangerschaften auf. Besonders gefürchtet ist die Präeklampsie – etwa jeder zehnte Todesfall bei Schwangeren steht im Zusammenhang mit der Erkrankung. Eine rechtzeitige Diagnose sowie die richtige Therapie sind daher besonders wichtig.

Während der Schwangerschaft können verschiedene Formen von Bluthochdruck auftreten. So gibt es Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft Hypertonie-Patientin waren. Von einer echten Gestationshypertonie sprechen Experten dann, wenn erhöhte Blutdruckwerte erstmals nach der 20. Schwangerschaftswoche auftreten und spätestens zwölf Wochen nach der Geburt wieder in den Normbereich fallen. Eine Präeklampsie liegt vor, wenn die Schwangere zusätzlich zum neu aufgetretenen Bluthochdruck vermehrt Eiweiß mit dem Urin ausscheidet. Häufig kommen noch Ödeme hinzu.

Wie eine Präeklampsie entsteht, können Forscher noch nicht genau erklären. Im Verdacht steht ein Zusammenwirken verschiedener Ursachen, möglicherweise spielen die Immunsysteme von Mutter und Kind eine Rolle, ebenso scheint die Einnistung der Plazenta gestört zu sein. Zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine Präeklampsie gehören Übergewicht, Diabetes, Mehrlingsschwangerschaften, ein Alter von über 35 Jahren und ein Bluthochdruck, der schon vor der Schwangerschaft bestand.

Um die Erkrankung rechtzeitig zu erkennen, misst der Arzt im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen den Blutdruck und untersucht den Urin auf Eiweiß. Berichtet eine Schwangere über sehr starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Flimmern vor den Augen, ist das ein Alarmzeichen für eine Präeklampsie. In solch einem Fall muss die Schwangere umgehend einen Arzt aufsuchen. In schwerwiegenden Fällen kann ein Notkaiserschnitt erforderlich sein, um schwere Schäden bei Mutter und Kind zu verhindern.

Die Therapieziele bei der Behandlung von Schwangeren mit Hypertonie sind andere als bei nichtschwangeren Erwachsenen. In erster Linie muss das Risiko von Komplikationen bei der Mutter verringert werden, gleichzeitig muss das ungeborene Kind geschützt werden. Mittel der Wahl ist laut Leitlinie zur Diagnostik und Therapie hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen der Wirkstoff Methyldopa. Infrage kommen auch der Betablocker Meto-prolol und der Calciumantagonist Nifedipin. Bei der Akutbehandlung der Präeklampsie haben sich die orale Gabe von Nifedipin sowie eine intravenöse Verabreichung von Urapidil oder Dihy­dralazin bewährt.

Die häufig zur Bluthochdruckbehandlung eingesetzten ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten sind in der Schwangerschaft hingegen nicht geeignet. Denn sie können bei Anwendung im zweiten und dritten Trimenon die Nierendurchblutung des Feten stark einschränken und eine Fehlentwicklung der Niere bedingen. In der Folge kann dies zu einer verminderten Menge an Fruchtwasser (Oligohydramnion) führen sowie zu verschiedensten Schädigungen beim Neugeborenen, zum Beispiel Anurie (verminderter Harnfluss), Verknöcherungsstörungen, einer unreifen Lunge und versteiften Gelenken. Zwar gibt es mittlerweile Hinweise, dass die Anwendung eines ACE-Hemmers auch im ersten Drittel der Schwangerschaft das Risiko von Fehlbildungen leicht erhöht, der Zusammenhang ist jedoch nicht sicher. /

Medikament Dosierung Anmerkungen
geeignet Methyldopa 250 – 500 mg oral 2-4 x tgl. Mittel der 1. Wahl
eingeschränkt geeignet Nifedipin retard 20-60 mg retard oral Keine teratogenen Effekte nachgewiesen
Metoprolol 25-100 mg 2 x tgl. Allgemein bei Betablockern erhöhtes Risiko von fetalen Wachstumsverzögerungen
nicht geeignet Diuretika Potenzielle Einschränkung der Plazentadurchblutung
ACE-Hemmer Kontraindiziert im 2. und 3. Trimenon; akutes Nierenversagen bei Neugeborenen möglich, Oligohydramnion
AT1-Antagonisten Oligohydramnion, Schädelknochenhypoplasie; wie ACE-Hemmer potenziell teratogen und nephrotoxisch für das Neugeborene
andere Antihypertensiva Ungenügende Informationen zur Anwendung in der Schwangerschaft

Quelle: S1-Leitlinie: Diagnostik und Therapie hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen, Stand: 12/2013