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Bagatellbeschwerden

Rote Augen und verstopfte Nase

13.05.2014  15:27 Uhr

Von Annette Immel-Sehr / Im Verlauf einer Schwangerschaft verändert sich der Körper der Frau auf vielfältige Weise. Das macht sich auch in Bereichen bemerkbar, die auf den ersten Blick gar nichts mit dieser besonderen Zeit zu tun haben, beispielsweise an Augen, Nase und Mund.

Die Augen jucken, sind gerötet und ein Fremdkörpergefühl tritt auf. Die hormonelle Umstellung während der Schwangerschaft führt häufig dazu, dass weniger Tränenflüssigkeit ge­bil-det wird und sich die Zusammen­setzung des Tränenfilms verändert. Daher machen vielen Schwangeren trockene Augen zu schaffen. Kontaktlinsen zu tragen, wird dann oft schwierig. Die Linsen können nicht mehr auf dem Auge schwimmen, sondern scheuern oder kleben auf der Hornhaut. Gegen die Beschwerden können PTA und Apotheker einer Schwangeren Tränenersatzflüssigkeit mit Hyaluronsäure empfehlen. Und noch ein weiterer Rat: Kontaktlinsenträgerinnen sollten bis zur Geburt vermehrt ihre Brille tragen. Ist das Baby auf der Welt, norma­lisiert sich der Tränenfilm wieder.

Schlechter sehen

Vor allem im letzten Trimenon haben Schwangere mitunter das Gefühl, ihre Sehkraft ließe nach. Die Erklärung für dieses Phänomen liegt darin, dass der Körper in der Schwangerschaft vermehrt Wasser einlagert. Dies kann auch die Sehschärfe beeinflussen, weil sich Krümmung und Dicke der Hornhaut verändern. In der Regel kehrt nach der Geburt die frühere Sehkraft schnell wieder zurück, sodass es meist nicht erforderlich ist, eine Brille oder stärkere Brillengläser anzuschaffen.

Berichten Schwangere in der Apotheke jedoch, ihr Sehvermögen hätte sich extrem verschlechtert, sie könnten ihre Umgebung nur noch verschwommen erkennen oder sie sähen Blitze vor den Augen, sollten sie umgehend den Frauenarzt aufsuchen. Denn dies könnten Anzeichen für eine Präeklampsie sein – vor allem, wenn der Blutdruck der Frau erhöht ist. Als Präeklampsie bezeichnen Ärzte die Vorstufe einer für die Mutter und das Ungeborene gefährlichen Verengung der Gefäße, die zu Krämpfen führen kann sowie zu irreversiblen Gewebeschäden, beispielsweise der Plazenta.

Hinter einer »verstopften« Nase kann ein Erkältungsschnupfen oder auch ein typisches Schwangerschafts­phänomen stecken: die sogenannte Rhinopathia gravidarum. Hormonell bedingt sind die Nasenschleimhäute besser durchblutet und dadurch leicht geschwollen. In diesem Fall lindert Kochsalzlösung zur nasalen Anwendung oft gut die Beschwerden. Bei starkem Erkältungsschnupfen ist die vorübergehende Applikation von abschwellenden Nasentropfen mit Xylometa­zolin oder Oxymetazolin möglich. Sie sollte jedoch grundsätzlich – unabhängig von der Schwangerschaft – auf maximal acht Tage begrenzt werden, damit keine Nasenspray-Abhängigkeit entsteht. Systemisch wirkende Schnupfenmittel, beispielsweise mit Pseudo­ephedrin, dürfen Schwangere nicht einnehmen.

Heftiger Heuschnupfen

Manche Allergien bessern sich während der Schwangerschaft, bei anderen nehmen die Beschwerden dagegen eher zu – beispielsweise bei einer allergischen Rhinitis. So ist es gut möglich, dass der Heuschnupfen deutlich unangenehmer verläuft als in den Vorjahren, weil die ohnehin leicht geschwollenen Nasenschleimhäute empfindlicher reagieren. Daher sollten Schwangere bekannte Allergene wie Nahrungsmittel oder Pollen so weit wie möglich meiden. Dann bessern sich die Beschwerden oft schon ohne medikamentöse Behandlung deutlich. Ist der Allergenkontakt allerdings nicht zu verhindern oder sind die Allergene gar nicht bekannt, können PTA und Apotheker Schwangeren mit starken Beschwerden ein Antihistaminikum oder Cromoglicinsäure empfehlen. Von den oralen Antihistaminika eignen sich Loratadin und Cetirizin, bei den topischen Antihistaminika gelten Azelastin und Levocabastin als unproblematisch. Beclometason sollten Frauen nach Möglichkeit nicht anwenden, vor allem nicht in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft. Wenn werdende Mütter schon mit einer spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) begonnen haben, können sie diese während der Schwangerschaft in der Regel fortsetzen.

Vorsicht beim Naseputzen

Durch die stärkere Durchblutung der Nasenschleimhäute leiden Schwan­gere nach kräftigem Naseputzen oder Niesen häufig unter Nasenbluten. Dies ist an sich harmlos. Hält die Blutung allerdings länger als 20 Minuten an und ist sie sehr stark, empfiehlt es sich, einen Arzt zu rufen. Bei Nasenbluten sollten Betroffene den Kopf leicht nach vorn beugen und die Nasenflügel zwischen Zeigefinger und Daumen einige Minuten lang zusammendrücken. Ein kaltes Tuch im Nacken kann helfen, die Blutung zu stoppen.

Ist das Nasenbluten zum Stillstand gekommen, sollte die Schwangere die Nase nur sehr vorsichtig putzen, damit sich die getrocknete Kruste nicht ablöst und die Nase erneut blutet. Neigt die Frau zu Nasenbluten, sollte sie die Nasenschleimhäute regelmäßig mit einer wundheilungsfördernden Nasensalbe pflegen.

Mundhygiene wichtig

Besonders in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft klagen viele Frauen über Zahnfleischbluten. Auch dies ist auf die hormonell bedingte bessere Durchblutung der Schleimhaut und eine Lockerung des Gewebes zurückzuführen. Das Zahnfleisch wird empfindlicher, schwillt leicht an und blutet schon bei kleinen Verletzungen, beispielsweise durch das Zähneputzen.

Insgesamt ist das Zahnfleisch in der Schwangerschaft anfälliger für Entzündungen, Zahnärzte sprechen von Schwangerschaftsgingivitis. Da Zahnfleischentzündungen das Risiko einer Frühgeburt erhöhen, ist zur Vorbeugung die konsequente Mundpflege wichtig. Das Zahnfleisch lässt sich durch sanfte Massagen mit dem Finger oder mit einer sehr weichen Zahnbürste kräftigen. PTA und Apotheker können den Frauen Kamillen- oder Salbeitee als Mundspülung empfehlen. Für Lösungen mit Chlorhexidin oder Hexetidin liegen keine ausreichenden Untersuchungen zur Sicherheit in der Schwangerschaft vor. /