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Arbeitsschutz

Schwanger berufstätig

13.05.2014  15:26 Uhr

Von Anna Hohle / Schwangere Frauen genießen am Arbeitsplatz besonderen Schutz. Um sie und ihr ungeborenes Kind nicht zu gefährden, sind ihnen bestimmte Tätigkeiten verboten. Auch in der Apotheke dürfen werdende Mütter nicht mehr uneingeschränkt eingesetzt werden.

Eine Schwangerschaft ist erst einmal ein Grund zur Freude. Die werdenden Eltern warten gespannt auf das neue Leben und sind mit Untersuchungen und Plänen vollauf beschäftigt. Berufstätige Schwangere sollten dennoch nicht vergessen, dass ihr Arbeitsalltag Risiken für sie und das ungeborene Kind bergen kann. In einigen Berufen gehören Aufgaben wie langes Stehen oder schweres Heben zum Alltag – etwa für Handwerkerinnen, Verkäuferinnen und auch Apothekenmitarbeiterinnen. Für sie sehen die Gesetze deshalb spezielle Regelungen vor, die sowohl der Arbeitgeber als auch die schwangere Angestellte beachten müssen.

Die Vorgaben zum Schutz von Schwangeren und Müttern sind in Deutschland in zwei Gesetzestexten festgeschrieben: Im Mutterschutzgesetz und in der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz. Beide Vorschriften legen sowohl die Rechte der Schwangeren als auch ihre Pflichten fest.

Pflicht jeder Arbeitnehmerin ist es, den Arbeitgeber rechtzeitig über eine Schwangerschaft zu informieren. Angestellte Apothekerinnen, PTA oder PKA müssen dem Apothekenleiter also mitteilen, dass sie schwanger sind. Allerdings gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, wann dies geschehen muss. Inzwischen haben Gerichte festgelegt, dass schwangere Frauen damit bis nach der 12. Schwangerschaftswoche warten können.

Apothekenmitarbeiterinnen sollten sich allerdings nicht allzu lange Zeit lassen, rät Minou Hansen, Rechtsanwältin bei der Apothekengewerkschaft Adexa. »Im Apothekenbereich kann es sinnvoll sein, den Arbeitgeber tatsächlich sofort zu informieren«, erklärt Hansen. Das hat einen einfachen Grund: Schließlich wird in der Apotheke tagtäglich mit Substanzen hantiert, die einem ungeborenen Kind schaden können – auch schon in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten. Nur wenn der Arbeitgeber rechtzeitig Bescheid weiß, kann er die schwangere Mitarbeiterin von diesen Aufgaben freistellen.

Der Umgang mit giftigen und potenziell gesundheitsschädlichen Substanzen ist auch der Arbeitsbereich, der für Schwangere in der Apotheke die größten Risiken birgt. Das Mutterschutzgesetz und auch die Arbeitsschutzempfehlungen der Bundesapothekerkammer legen fest, dass werdende Mütter nicht mit Gefahrstoffen umgehen dürfen, ebenso wenig mit biologischen Arbeitsstoffen und Substanzen, die Krankheitserreger übertragen können oder die potenziell krebserregend, fruchtschädigend oder erbgutverändernd sind oder sein können (CMR-Stoffe aller drei Kategorien). In der Apotheke sind das etwa Vitamin A-Säure, Zytostatika und Virustatika, Lebendimpfstoffe oder Blut. Schwangere dürfen also auch keine Blutzuckermessungen durchführen. Auch ist es ihnen verboten, im Labor mit menschlichem Gewebe oder Körperflüssigkeiten zu hantieren und stechende, schneidende oder bohrende Instrumente zu benutzen.

Ebenfalls schädlich ist für Schwangere das Heben von schweren Lasten, etwa von Lieferungen für die Apotheke. Das Mutterschutzgesetz hat genaue Grenzen dafür festgelegt, wie häufig und wie schwer eine schwangere Arbeitnehmerin heben darf. Regelmäßig dürfen Frauen von Hand dann nicht mehr als 5 Kilogramm anheben, gelegentlich sind Lasten bis 10 Kilogramm zulässig. Größere Gewichte dürfen Schwangere zwar mit mechanischen Hilfsmitteln befördern, aber auch nur dann, wenn sie dadurch nicht übermäßig körperlich belastet werden. Schließlich ist jede Arbeitstätigkeit verboten, die eine Gefahr für die Mutter oder das Ungeborene darstellen könnte.

Öfter mal sitzen

Für Apothekenmitarbeiterinnen scheiden in der Schwangerschaft damit schon einige Alltagsaufgaben aus. Bleibt die Arbeit mit ungefährlichen Stoffen und das Beraten und Verkaufen in der Offizin. Allerdings gehört auch langes Stehen zu den Tätigkeiten, die für Schwangere auf Dauer erschöpfend und schädlich sein können. Deswegen darf eine Frau laut Mutterschutzgesetz nach Ablauf des fünften Schwangerschaftsmonats nicht mehr als vier Stunden Arbeit pro Tag im Stehen erledigen. Außerdem muss der Arbeitgeber für sie eine Sitzgelegenheit bereitstellen, auf der sie sich zwischendurch ausruhen kann.

Aber auch das Gegenteil, also ständiges Sitzen, darf einer Schwangeren nicht zugemutet werden. Sie muss die Möglichkeit bekommen, ihre Arbeit immer wieder kurz zu unterbrechen, um aufzustehen und sich zu bewegen. Das Stichwort heißt hier Abwechslung: Schwangere Mitarbeiterinnen können in der Apotheke weiter viele Aufgaben erledigen, sollten jedoch die Arbeitsposition regelmäßig wechseln. Das Gesetz schreibt außerdem vor, dass der Arbeitgeber eine Liege bereitstellen muss, auf der sich die Schwangere jederzeit ausruhen kann.

Ein weiterer Passus regelt die Arbeitszeiten schwangerer Arbeitnehmerinnen. Werdende Mütter dürfen laut Mutterschutzgesetz nicht in der Nacht zwischen 20 und 6 Uhr und nicht an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden. In der Apotheke betrifft das vor allem die Nacht- und Notdienste – schwangere Angestellte dürfen für diese Dienste nicht eingeteilt werden. Auch dürfen sie keine Mehrarbeit in Form von Überstunden leisten: Mehr als achteinhalb Stunden Arbeit pro Tag und 90 Stunden in zwei Wochen sind für diese Mitarbeiterinnen nicht erlaubt. Minderjährige Schwangere dürfen sogar nur acht Stunden pro Tag beziehungsweise 80 Stunden in zwei Wochen arbeiten. Für Vorsorgeuntersuchungen im Rahmen der Schwangerschaft, die nur während der Arbeitszeit durchgeführt werden können, muss der Arbeitgeber die Schwangere ebenfalls freistellen, ohne dass ihr diese Zeit als Fehlzeit angerechnet wird.

Schutzzeit für die Mutter

Kurz vor der Geburt des Kindes gilt für die Mitarbeiterin dann ein absolutes Beschäftigungsverbot – der sogenannte Mutterschutz. Er beginnt in der Regel sechs Wochen vor der Entbindung und endet acht Wochen danach. Bei Früh- und Mehrlingsgeburten verlängern sich die Fristen. Allerdings bedeutet das nicht, dass Mütter acht Wochen nach der Geburt wieder arbeiten müssen – in der Regel schließt sich die Elternzeit direkt an die Zeit des Mutterschutzes an. Eltern sollten daran denken, diese rechtzeitig zu beantragen: Der Antrag muss spätestens eine Woche nach der Geburt gestellt werden. Umgekehrt kann ein Arzt ein Beschäftigungsverbot auch schon früher als sechs Wochen vor der Geburt aussprechen, wenn er die Schwangere nicht mehr für arbeitsfähig hält. Sie darf durch dieses Verbot jedoch keinen finanziellen Nachteil erleiden und bezieht weiter ihren durchschnittlichen Verdienst. In der Zeit des Mutterschutzes erhält sie ebenfalls ihr reguläres Gehalt. 13 Euro davon – das sogenannte Mutterschutzgeld – zahlt die Krankenkasse.

Auf ihren eigenen ausdrücklichen Wunsch kann eine schwangere Frau auch noch bis kurz vor der Geburt weiter arbeiten. In den acht Wochen nach der Geburt muss sie allerdings laut Gesetz zuhause bleiben. Fängt sie während der Stillzeit wieder an zu arbeiten, sind sie und das Kind weiterhin durch die Rechtsprechung geschützt. Auch stillende Mütter dürfen laut Mutterschutzgesetz nur bis zu gewissen Höchstgrenzen mit potenziell gefährlichen Stoffen umgehen, keine schweren körperlichen Arbeiten erledigen, keine Überstunden leisten und nicht nachts oder am Wochenende arbeiten. Auch haben sie das Recht auf Stillpausen während der Arbeit, die als normale Arbeitszeit gelten und nicht als Pausenzeit gerechnet oder nachgearbeitet werden dürfen.

Rücksicht und Ruhepausen

All diese Einschränkungen machen deutlich: Sowohl der Arbeitgeber als auch die Kollegen müssen auf eine schwangere Mitarbeiterin Rücksicht nehmen, etwa Arbeitsaufgaben umverteilen und ihr mehr Ruhepausen zugestehen. Auch muss sich der Arbeitgeber nach einer Ersatzkraft für Mutterschutz und Elternzeit umsehen und sich mit der Krankenkasse in Verbindung setzen. Einigen Menschen mag das umständlich und vielleicht sogar unerfreulich erscheinen. So mancher Arbeitgeber würde sich einer schwangeren Angestellten deshalb am liebsten entledigen, um den laufenden Betrieb nicht zu verzögern. Doch Schwangerschaft gehört zum Leben und ist sogar durch das Grundgesetz geschützt. »Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft«, heißt es dort.

Ein wichtiger Bestandteil des Mutterschutzgesetzes ist deshalb der Kündigungsschutz. Während der Schwangerschaft, in den vier Monaten nach der Geburt und in der gesamten Elternzeit darf eine Angestellte nicht gekündigt werden. Ausnahmen gelten nur bei Stilllegung des Betriebs oder wenn die Schwangere eine besonders schwere Pflichtverletzung begangen hat. Allerdings ist eine Kündigung nur dann verboten, wenn der Arbeitgeber auch von der Schwangerschaft wusste. Wird einer Schwangeren gekündigt, ohne dass dem Arbeitgeber ihr Zustand bekannt war, muss sie ihm binnen zwei Wochen von der Schwangerschaft Mitteilung machen. Dann wird die Kündigung rückwirkend unwirksam. Diese Regeln gelten auch in der Probezeit.

Arbeitsverträge, die bereits befristet waren, verlängern sich allerdings durch eine Schwangerschaft nicht, sondern laufen regulär aus. Einzige Ausnahme: Es gab weitere ähnliche befristete Verträge und der Arbeitgeber verlängert alle bis auf den der Schwangeren. In diesem Fall könnte es diskriminierend und unzulässig sein, einzig ihren Vertrag nicht zu verlängern. Die Angestellte selbst darf während der Schwangerschaft und der Elternzeit natürlich jederzeit kündigen.

Um sich weitergehend über ihre Rechte und Pflichten in der Schwangerschaft zu informieren, können werdende Eltern den »Leitfaden Mutterschutz« und weitere Broschüren kostenlos beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bestellen. Das Ministerium hat auch die Seite www.familien-wegweiser.de mit vielen nützlichen Informationen eingerichtet. Weiter erteilen die Krankenkassen und Beratungsstellen wie Pro Familia Auskunft zu rechtlichen und sozialen Fragen. Auch die Adexa hat ein Info-Faltblatt zum Thema Schwangerschaft bereitgestellt. Gerät eine schwangere Frau in eine finanzielle oder soziale Notlage, springt in vielen Fällen die Bundesstiftung »Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens« ein. /