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Schwangerschaftsbeschwerden

Typische Nebenwirkungen lindern

13.05.2014  15:28 Uhr

Von Maria Pues / Die Schwangerschaft genießen – das fällt nicht immer leicht, wenn der Magen meutert oder der Darm streikt. Viele der typischen Beschwerden im Laufe einer Schwangerschaft lassen sich aber mit den richtigen Tipps gut managen.

Typische Nebenwirkungen der Schwangerschaft führen viele Frauen mit dem Wunsch nach Linderung in die Apotheke. Ein Arzneimittel möchten die meisten von ihnen nicht einnehmen, da sie eine Schädigung des Ungeborenen befürchten. Häufig ist eine Pharmakotherapie auch gar nicht erforderlich. Beschwerden wie Krampfadern, Sodbrennen oder Schwangerschaftsübelkeit lassen sich oft bereits mit kleinen Alltags-Tipps von PTA und Apotheker in den Griff bekommen. Bei stärkeren Leiden gibt es jedoch auch Arzneimittel, die während der Schwangerschaft angewendet werden dürfen.

Meuterei im Magen

Manche Frau hat noch gar nicht recht bemerkt, dass sie schwanger ist, da stellt sich auch schon die dazugehörige Übelkeit ein. Bis zu drei von vier Frauen leiden im ersten Schwangerschaftsdrittel daran, aber nicht bei allen Frauen ist sie gleich stark ausgeprägt. Grund für die Übelkeit ist die hormonelle Umstellung, vor allem der rasche Anstieg des Schwangerschaftshormons b-HCG. Bestimmte Speisen – manchmal bereits der Geruch oder nur der Gedanke daran – führen zu einem flauen Gefühl in der Magen­gegend. Geht das jetzt neun Monate so weiter? Nein, PTA und Apotheker können werden Mütter beruhigen. In den allermeisten Fällen legen sich die Beschwerden im Laufe des ersten Trimenons (siehe auch Schwangerschaftsübelkeit: Morgens immer schlecht).

Zur Vorbeugung gegen die unangenehmen Attacken können sie werdenden Müttern empfehlen, häufiger kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen anstelle der gewohnten drei Hauptmahlzeiten. Schwangere, die vor allem morgens unter der Übelkeit leiden, können sich bereits abends eine kleine Ration Zwieback oder Knäckebrot auf dem Nachttisch bereitstellen und noch vor dem Aufstehen zu sich nehmen. Auch Trockenfrüchte, trockene Haferflocken und Nüsse eignen sich gut. Aber auch Aktivität hilft – das haben Studien gezeigt. Wer sich viel bewegt oder im Beruf steht, leidet demnach seltener unter morgendlicher Übelkeit.

Wenn vorbeugende Maßnahmen nicht erfolgreich sind, helfen häufig angenehme Aromen, zum Beispiel von Zitrone oder Ingwer. So lindern ein Melissen- oder Ingwertee akute Beschwerden. Unterwegs eignen sich Bonbons oder ein wenig Zitronen- oder Minzöl auf ein Taschentuch getupft und »verwedelt«. Aus dem Bereich homöopathischer Arzneimittel kann Nux vomica D6 zum Einsatz kommen. Bei anhaltenden und insbesondere starken Beschwerden, vor allem mit Erbrechen sollten PTA und Apotheker zum Arztbesuch raten, denn bei häufigem Erbrechen besteht die Gefahr, dass der Körper zu viel Flüssigkeit verliert. Der Arzt kann entscheiden, ob die Anwendung von Dimenhydrinat angezeigt ist. PTA und Apotheker sollten Patientinnen dann unbedingt darauf aufmerksam machen, dass das Arzneimittel müde macht.

Tipps bei Sodbrennen

  • Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen
  • Trockenes Weißbrot, Milch oder Kartoffeln neutralisieren überschüssige Magensäure
  • Scharfe Gewürze, Fruchtsäfte und sehr fettige Speisen meiden
  • Oberkörper nachts hochlagern

Streik im Darm

Auch im weiteren Verlauf der Schwangerschaft können sich kleinere, aber dafür häufigere Mahlzeiten bewähren, nämlich um einer Verstopfung vorzubeugen. Hormonelle Veränderungen machen den Darm träge, und er transportiert den Nahrungsbrei langsamer als gewohnt. So kommt es häufig zu Verdauungsbeschwerden. Frisches Obst und Gemüse enthält neben Vitaminen auch Ballaststoffe. Trockenobst wie Backpflaumen sowie Leinsamen oder Flohsamen stellen – zusammen mit ausreichenden Trinkmengen – eine sinnvolle Ergänzung dar, um eine geregelte Verdauung zu unterstützen. Ziel ist es, dass Stuhlgang ohne Pressen möglich ist, da Pressen das ohnehin erhöhte Risiko für Hämorrhoidalbeschwerden weiter steigert. Sollte dies ohne Arzneimitteleinsatz nicht möglich sein, stellen Lactulose und Macro­gol die erste Wahl dar. Kurzzeitig können, wenn auch diese ohne den gewünschten Effekt bleiben, auch Bisacodyl oder Natriumpicosulfat verwendet werden. Aus dem Bereich der Homöopathie eignet sich Carbo vegetabilis D6.

Keinesfalls angewendet werden sollen pflanzliche Abführmittel mit Antrachinonderivaten wie in Sennesblättern oder Faulbaumrinde. So wird bei Sennosiden unter anderem eine Uterus-stimulierende Wirkung im zweiten und dritten Trimenon sowie ein Abgang von Kindspech beim Feten diskutiert. Dies gilt auch für Rizinusöl, von dessen Gebrauch ebenfalls abzuraten ist.

Kleine Mahlzeiten vermindern außerdem die Häufigkeit von Sodbrennen. Diese tritt mit fortschreitender Schwangerschaft aus zwei Gründen vermehrt auf: Zum einen beansprucht das wachsende Ungeborene immer mehr Raum, zum anderen vermindert die Hormonlage den Tonus des Sphinkters zwischen Speiseröhre und Magen, der ein Zurückfließen des Mageninhalts in die Speiseröhre verhindern soll. Leichte Säurebeschwerden lassen sich häufig schon mit einem Stück trockenen Weißbrots oder einem Glas Milch lindern. Treten die Beschwerden vor allem nachts auf, kann man ihnen vorbeugen, indem man mit hochgelagertem Oberkörper schläft. Lindern diese Maßnahmen das Sodbrennen nicht, können PTA und Apotheker zunächst Antacida wie Magaldrat oder Hydrotalcit empfehlen. Im Bereich der Homöopathie steht Capsicum D6 zur Verfügung. Auf ärztliche Verordnung hin können auch H2-Blocker wie Ranitidin oder bei einer Refluxösophagitits Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol eingesetzt werden.

Hilfe bei Verstopfung

  • Auf eine ballaststoffreiche Ernährung achten: Viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte
  • Genügend trinken
  • Backpflaumen, Leinsamen oder Flohsamen können eine geregelte Verdauung unterstützen
  • Erste Wahl bei Arzneimitteln sind Lactulose und Macrogol
  • Vorsicht: Auf keinen Fall pflanzliche Abführmittel wie Aloe, Sennesblätter, Faulbaumrinde oder Rhabarberwurzel in der Schwanger­schaft empfehlen. Auch Rizinusöl ist nicht geeignet!

Nachgiebige Gewebe

Im späteren Verlauf der Schwangerschaft sorgt der Organismus mehr und mehr dafür, dass sich Bindewebe lockert. Für eine reibungslose Entbindung ist dies eine gute Vorbereitung. Allerdings kommt es zuvor häufig zu einigen typischen Beschwerden: Hämorrhoiden, Krampfadern und Zahnfleischentzündungen.

Um Hämorrhoidalbeschwerden vorzubeugen, können PTA und Apotheker zu einer ballaststoff- und flüssigkeits-reichen Ernährung raten. Wer allerdings bereits vor der Schwangerschaft unter Hämorrhoiden gelitten hat, bei dem verstärken sich diese häufig. Wenn das Hämorrhoidalpolster nicht mehr vollständig schließt, können Stuhlreste zu Hautreizungen und Juckreiz führen. Betroffene können dem durch eine milde Hautreinigung vorbeugen. Dazu reicht es meist aus, die Analregion nach dem Stuhlgang zusätzlich nur mit Wasser ohne weitere Zusätze zu reinigen. Hautberuhigend wirken auch warme Sitzbäder mit Gerbstoffzusatz oder Kamillenextrakt. Bei Bedarf können außerdem Wundsalben, zum Beispiel mit Hamamelis­extrakt, zum Einsatz kommen.

Auch Krampfadern und Schwellungen in den Beinen sind eine Folge nachgebenden Bindegewebes. Um diesen vorzubeugen, können PTA und Apotheker Schwangeren zu regelmäßiger Bewegung raten, die die Venen-Muskel-Pumpe unterstützt: zum Beispiel Rad fahren, Schwimmen oder Spaziergänge. Auch Stütz- oder Kompressionsstrümpfe – je nach Intensität der Beschwerden – eignen sich als vorbeugende Maßnahme, vor allem in Kombination mit Bewegung. Ein mildes Venen­training lässt sich außerdem in der heimischen Dusche oder Bade­wanne durchführen, nämlich in Form Kneippscher Güsse oder Wechsel­duschen. Im Sitzen die Beine hoch­zu­legen, unterstützt den Rücktransport des Blutes und hilft, Flüssigkeitsansammlungen in den Unterschenkeln vorzubeugen oder diese wieder abzubauen. Homöopathische Unterstützung sowohl bei Hämorroidalbeschwerden als auch bei Krampfadern und Ödemen kann Aesculus D6 darstellen.

Dringend abraten sollten PTA und Apotheker Schwangeren von entwässernden Arzneimitteln oder Tees in der Selbstmedikation. Auch Hausmittel zum Entwässern wie Reistage oder kochsalzarme Kost eignen sich für werdende Mütter nicht. Hartnäckige Ödeme bedürfen vielmehr ärztlicher Begutachtung. Treten diese außerdem bereits relativ früh im Schwangerschaftsverlauf auf und kommt ein erhöhter Blutdruck hinzu, besteht die Gefahr, dass es sich um eine ernsthafte schwangerschaftsbedingte Erkrankung, eine Gestose, handelt.

Hämorrhoiden vorbeugen

  • Ballaststoffreiche Ernährung
  • Ausreichend trinken
  • Regelmäßig bewegen, um die Verdauung anzukurbeln
  • Beckenbodenübungen stärken das Muskelgewebe
  • Milde Hautreinigung: Analregion nach dem Stuhlgang mit Wasser reinigen
  • Sitzbäder mit Gerbstoffen oder Kamillen­blüten­extrakt wirken beruhigend, ebenso Wundsalben mit Hamamelis

Empfindliches Zahnfleisch

Auch das Bindegewebe des Zahnfleisches kann im Verlauf der Schwangerschaft an Stabilität einbüßen. Entzündungen oder Wucherungen können die Folge sein. Bei empfindlichem Zahnfleisch können PTA und Apotheker Schwangeren raten, vorübergehend auf eine weichere Zahnbürste umzusteigen. Mundspülungen können die Menge an Plaque-bildenden Bakterien reduzieren. Aus der Homöopathie eignet sich Calendula D6. Zahnärztliche Kontrollen im Verlauf der Schwangerschaft stellen sicher, dass Entzündungen im Mundraum frühzeitig behandelt werden.

PTA und Apotheker können bei werdenden Müttern durch eine aktive Beratung punkten. Frühzeitig über mögliche Beschwerden und ihre Ursachen aufgeklärt, können diese durch kleine Verhaltensänderungen ihre Beschwerden häufig effektiv bessern. Sollte die Anwendung von Arzneimitteln unumgänglich sein, sollten PTA und Apotheker wissen, welche sich im Einzelfall eignen. /

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