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Nach der Geburt

Was Mutter und Kind gut tut

13.05.2014  15:26 Uhr

Von Clara Wildenrath / Hurra, das Baby ist da! Die ersten Wochen nach der Geburt sind für Mutter und Kind eine aufregende, aber auch sehr anstrengende Zeit. PTA und Apotheker können ihnen in der neuen Lebensphase mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Die Strapazen der Geburt sind schnell vergessen, wenn die Mutter ihr Baby zum ersten Mal im Arm hält. Kaum wieder zu Hause, fühlen sich viele Frauen jedoch schnell überfordert. Auch die körperlichen Folgen der Geburt machen ihnen oft zu schaffen. Was Wöchnerinnen jetzt brauchen, ist vor allem Ruhe: Zeit für sich und das Baby, um sich an die veränderten Lebensumstände zu gewöhnen. Professionelle Unterstützung bekommen sie dabei von einer Nachsorgehebamme, die ihnen in den ersten Wochen nach der Geburt zusteht und von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt wird.

Wenn das anfängliche Hochgefühl nicht wie erwartet anhält, zweifeln viele Frauen an ihren Qualitäten als Mutter. Stimmungsschwankungen, Ängste und Tränenausbrüche – der sogenannte Baby-Blues – sind in den ersten Tagen jedoch völlig normal. Auslöser ist der rapide Hormonabfall nach der Schwangerschaft. Dauert das Stimmungstief aber länger als zwei Wochen, kann es sich um eine Wochenbettdepression handeln. Sie tritt bei etwa jeder zehnten Mutter auf und gehört in ärztliche und/ oder psychotherapeutische Behandlung. Sonst kann sie die Mutter-Kind-Beziehung ernsthaft gefährden. Lesen Sie dazu auch Postportale Depression: Tränen statt Mutterglück.

Lästig aber normal ist der starke Wochenfluss (Lochien) in den ersten Tagen nach der Geburt. Das Blut stammt aus der Wunde, die die Plazenta in der Gebärmutterschleimhaut hinterlassen hat. Zum Auffangen eignen sich am besten spezielle Vorlagen aus der Apotheke, später reichen normale Damenbinden. Mit zunehmender Heilung wird das Sekret heller. Nach etwa sechs Wochen versiegt der Wochenfluss normalerweise ganz.

Weil Blut und Wundsekret einen idealen Nährboden für Keime bilden, ist Hygiene in dieser Zeit besonders wichtig. Die Vorlagen sollten spätestens nach ein paar Stunden gewechselt werden. Zur Reinigung des empfindlichen Scheiden- und Dammbereichs genügt klares Wasser. Später kann man bei Bedarf auch ein extramildes, pH-neutrales Waschsyndet verwenden.

Wochenfluss in Gang halten

Vorsicht ist geboten, wenn der Ausfluss plötzlich zum Erliegen kommt: Ursache kann ein Wochenflussstau sein. Wird dieser nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, droht eine Infektion der Gebärmutter. Meist reichen aber einfache Selbsthilfemaßnahmen, um den Wochenfluss zu stimulieren, weiß Eva Juraschko, leitende Hebamme im Perinatalzentrum der Barmherzigen Brüder in Regensburg. Sie hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Geburtsnachsorge. Ihr Tipp: »Wärme und kreisende Massagen im Uhrzeigersinn mit Uterus-Öl.« Diese Ölmischung enthält Zimt, Nelken und andere als wehenfördernd geltende Extrakte. »Oft hilft es auch, sich zwischendurch immer wieder einmal eine Viertelstunde auf den Bauch zu legen«, so Juraschko. »Am besten mit einem zusammengerollten Handtuch zwischen Bauchnabel und Schambein.« Das regt die Gebärmutter an, sich zusammenzuziehen. Kommt der Wochenfluss dennoch nicht wieder in Gang, sollte die Frau aber ihren Gynäkologen konsultieren – spätestens nach drei Tagen oder wenn Fieber oder Schmerzen dazukommen.

Bei den meisten Frauen entstehen bei der Entbindung kleine Risse in der Scheide oder am Damm. Probleme mit der Dammnaht sieht Juraschko dank verbesserter Nahttechniken heute aber nur noch selten. Von Salben oder Sitzbädern rät sie generell ab. Gute Erfahrungen hat sie stattdessen mit gel­beschichteten Analkompressen aus der Apotheke gemacht, die die Wundheilung unterstützen und Infektionen vorbeugen sollen. Frauen, die der Homöopathie gegenüber aufgeschlossen sind, empfiehlt sie Arnika-Globuli.

Zu Gelkompressen rät die Hebamme auch bei entzündeten Brustwarzen. »Lanolin oder Heilwolle helfen ebenfalls oft. Johanniskrautöl und Kamillentinktur verwendet man heute wegen der Allergiegefahr kaum noch«, erklärt Juraschko. Auch Babyspeichel und Milchreste, an der Luft angetrocknet, wirken lindernd.

Damit die Milch leichter fließt, kann die Frau vor dem Stillen einen warmen Waschlappen oder eine Mullbinde um die Brust legen. So beugt sie gleichzeitig einem Milchstau vor. Dieser äußert sich durch rote Flecken und schmerzende Knötchen. »Am besten legt man das Baby dann mit dem Unterkiefer in Richtung des Staus an, da ist die Saugwirkung am stärksten«, empfiehlt Juraschko. Nach dem Stillen helfen kühlende Umschläge mit Quark, Retterspitz-Tinktur oder Coolpacks. Schmerzen und Fieber deuten auf eine Mastitis hin, die ärztlich abgeklärt und eventuell antibiotisch behandelt werden muss.

Rückbildung anregen

Regelmäßiges Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter. Deren rhythmisches Zusammenziehen macht sich in den ersten Tagen oft durch schmerzhafte Nachwehen bemerkbar. Auch der Beckenboden ist durch Schwangerschaft und Geburt stark überdehnt und muss sich wieder regenerieren. Schon im Wochenbett kann die Frau anfangen, ihn wieder zu mobilisieren. Das gelingt am besten, wenn sie sich vorstellt, den Urinstrahl beim Wasserlassen stoppen zu wollen. Dieses kleine Anspannen der Beckenbodenmuskulatur kann man praktisch überall zwischendurch üben – im Liegen, Sitzen oder Stehen. Um die Druckbelastung auf den geschwächten Beckenboden nicht unnötig zu erhöhen, sollten Frauen in den ersten Wochen nach der Entbindung nicht schwer heben. Auch starkes Pressen auf der Toilette ist zu vermeiden. Bei Verstopfung können Milchzucker, Kleie oder ein Klistier Abhilfe schaffen.

Muskeln stärken

Nach etwa sechs Wochen ist es an der Zeit, die erschlafften Muskel- und Gewebeschichten durch gezielte Rückbildungsgymnastik zu stärken. Im Fokus steht hier wiederum der Beckenboden. Aber auch die Stützmuskulatur von Bauch und Rücken wird gekräftigt. Die Übungen lernt man am besten in einem entsprechenden Kurs. Regelmäßiges Training ist die beste Vorbeugung gegen spätere Senkungsbeschwerden und Inkontinenz.

Sichtbare Risse im Unterhautgewebe, die sogenannten Schwangerschaftsstreifen, lassen sich nicht vollständig regenerieren. Durch regelmäßige zupfende und kreisende Massagen mit einem Vitamin-E-haltigen Öl, zum Beispiel Weizenkeimöl, oder mit speziellen Narbenölen oder -cremes, lassen sich die unschönen Auswirkungen jedoch oft mildern. Auch eine Vitamin-E-reiche Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse soll helfen.

Für stillende Mütter sind eine gesunde, vollwertige Ernährung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr besonders wichtig. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) geht von einem Mehrbedarf von durchschnittlich 530 Kilokalorien pro Tag aus. Auch der Vitamin- und Mineralstoffbedarf ist erhöht, vor allem bei Iod und Folsäure. Zusätzlich rät die DGE zur Aufnahme von mindestens 200 mg der Omega-3-Fettsäure DHA (Docosahexaensäure) pro Tag. Diese Menge liefern ein bis zwei Portionen fetter Seefisch pro Woche, zum Beispiel Hering, Makrele oder Lachs. Wer Bedenken hat, den erhöhten Nährstoffbedarf durch eine abwechslungsreiche Mischkost decken zu können, dem können PTA oder Apotheker spezielle Nahrungsergänzungsmittel für die Stillzeit anbieten. Um Überdosierungen zu vermeiden, sollten sie aber gezielt nachfragen, ob die Frau beispielsweise bereits ein Iod-, Algen- oder Eisenpräparat einnimmt.

Nur das Beste

Stillen gilt nach wie vor als das Beste für Mutter und Kind. Zahlreiche Studien belegen, dass es das Risiko für Allergien, Infektionen und späteres Übergewicht des Kindes senkt. Auch die Mutter profitiert: Frauen, die länger als zwölf Monate in ihrem Leben gestillt haben, wiesen in Studien ein geringeres Risiko für Hyper­tonie, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und kardiovaskuläre Erkrankungen auf. Dennoch will oder kann nicht jede Frau ihr Baby stillen – etwa weil sie bestimmte Medikamente einnehmen muss. Für diesen Fall gibt es verschiedene Säuglingsanfangsnahrungen, die zur Fütterung von Geburt an geeignet sind (Prä- oder 1-Nahrung). Für Babys mit einem erhöhten Allergierisiko empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit HA-Nahrung. Soll das Kind zwar ab und zu ein Fläschchen bekommen, aber weiter gestillt werden, bietet die Apotheke Milchpumpen zum Verleih an. /