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Markteinführung

Neue Option bei Lungenkrebs

11.04.2016  09:51 Uhr

Von Sven Siebenand / Die Lebenserwartung von Patienten mit bösartigen Tumoren der Lunge ist oft gering. Nun kam Anfang April mit Necitumumab (Portrazza® 800 mg Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Lilly) ein neues Medikament zur Behandlung der Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Lungenkrebs auf den deutschen Markt. Allerdings ist das neue Arzneimittel nur für die Patienten zugelassen, die noch keine Chemotherapie erhalten haben.

Mit dem neuen Antikörper dürfen Ärzte fortgeschrittene Stadien eines bestimmten Lungenkrebstyps behandeln: das plattenepitheliale, nicht-kleinzel­lige Lungenkarzinom. Zusätzlich muss auf der Oberfläche der Krebszellen des Patienten das Protein EGFR (Epidermal Growth Factor Receptor) nachgewiesen worden sein. EGFR kontrolliert normalerweise das Wachstum und die Teilung von Zellen. Bei Krebszellen ist EGFR jedoch oft überaktiv, was dazu führt, dass sich diese Zellen unkontrolliert teilen. Der Antikörper Necitumumab bindet an EGFR auf der Oberfläche der Krebszellen und trägt dadurch dazu bei, Wachstum und Ausbreitung der Krebszellen zu verringern. Ärzte dürfen Portrazza nur zusammen mit einer Chemotherapie aus den beiden Wirkstoffen Gemcitabin und Cisplatin anwenden. Zuvor dürfen die Patienten keine Chemotherapie erhalten haben.

Necitumumab wird intravenös infundiert. Als Verdünnungsmittel darf ausschließlich 0,9-prozentige Natriumchlorid-Injektionslösung verwendet werden, auf keinen Fall Glucose- Lösung. Die empfohlene Necitumumab-Dosis beträgt 800 mg am ersten und achten Tag eines dreiwöchigen Zyklus. Während der ersten sechs Zyklen erhalten die Patienten den Anti­körper zusammen mit Gemcitabin und Cisplatin, anschließend wird er – solange die Erkrankung stabil bleibt und der Patient die Behandlung verträgt – allein weitergegeben.

Während der Necitumumab-Infu­sionen muss eine entsprechende Ausstattung bereitstehen, um schwere infusionsbedingte Reaktionen direkt zu behandeln. Tritt eine solche Komplikation auf oder eine starke Haut­reaktion, muss die Behandlung eventuell dauerhaft beendet werden. Allerdings kann der Arzt das Risiko schwerer Reak­tionen senken, indem er die Necitumumab-Dosis anpasst, die Infusions­rate verringert oder präventiv Arzneimittel einsetzt. So wird empfohlen, Patienten mit vorangegangenen Überempfindlichkeitsreaktionen vor der Infusion ein Corticoid und ein Antipyretikum zusätzlich zu einem Antihistaminikum zu geben. Zudem muss der Arzt laut Fachinformation vor jeder Infusion eine Prämedikation zur Prophylaxe möglicher Hautreak­tionen in Betracht ziehen.

Sehr häufige Nebenwirkungen des Antikörpers waren in Studien Entzündung der Mundschleimhaut, Hautreaktionen, Erbrechen, Fieber, Gewichts­abnahme sowie niedrige Blutspiegel verschiedener Minerale, etwa Magnesium, Calcium und Kalium. Zu den häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen zählen thromboembolische Ereignisse. Daher sollte der Arzt sorgfältig abwägen, ob er den Antikörper bei Patienten anwendet, bei denen solche Ereignisse aus der Vergangenheit oder andere Risikofaktoren bekannt sind. Liegen mehrere Risikofaktoren vor, sollte er Necitumumab nicht einsetzen, es sei denn, der Nutzen überwiegt noch immer die potenziellen Risiken.

Necitumumab kann den Fetus schädigen oder zu Entwicklungs-Anomalien führen. Daher sollten gebärfähige Frauen während der Behandlung mit dem Antikörper nicht schwanger werden sowie während und bis zu drei Monate nach der letzten Infusion von Portrazza zuverlässig verhüten. Ärzte dürfen das Präparat bei Schwangeren nur anwenden, wenn der potenzielle Nutzen für die Mutter das potenzielle Risiko für den Fetus rechtfertigt. Während der Therapie sollten Frauen das Stillen abbrechen und auch nach der letzten Gabe mindestens vier Monate lang nicht stillen.

Abschließend ein Hinweis zur Lagerung: Das Präparat ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius zu lagern. /

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