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Läusebehandlung

Einwirkzeit und Dosis entscheidend

06.04.2018
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Von Ulrike Viegener / Läusemittel, die zur Selbstmedikation zugelassen sind, wirken teils chemisch, teils physikalisch. Wichtig ist, dass die Herstellerangaben zu Dosierung und Handhabung des jeweiligen Präparats genau beachtet werden.

Bei Kindern ist die Pediculosis capitis nach Erkältungskrankheiten die zweithäufigste ansteckende Erkrankung. Ein Mythos zur Infektion hält sich hart­näckig: Läuse hätten hauptursächlich mit mangelnder Hygiene zu tun. Diese Behauptung ist längst widerlegt, sitzt aber in vielen Köpfen fest. Nicht zuletzt deshalb sind Läuse immer noch häufig ein Tabuthema.

Vor allem Mütter betroffener Kinde­r zögern oft aus falscher Scham, professionelle Hilfe einzuholen. Vor diesem Hintergrund kommt der Aufklärung in der Apotheke eine große Bedeutung zu. Apotheker und PTA sollten nicht nur die Handhabung der abgegebenen Medikamente erläutern, sondern auch ausführlich über Sinn und Unsinn von Begleitmaßnahmen informieren.

Der Befall mit Läusen ist eine nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtige Erkrankung. Die adulte Kopflaus (Pediculus humanus capitis) lebt nur circa drei Wochen. Aufgrund ihrer großen Nachkommenschaft breiten sich die Parasiten jedoch rasch aus. Bis zu 300 verkapselte Eier produziert ein einzelnes Weibchen und heftet sie in Kopfhautnähe fest an den Schaft der Haare an. Die sogenannten Nymphen schlüpfen innerhalb von knapp zehn Tagen, und ein neuer Zyklus beginnt. Die Eihüllen (Nissen), die am Haar kleben bleiben, müssen aus medizinischer Sicht nicht entfernt werden, da von ihnen keine Infektionsgefahr ausgeht. Wer sie aus kosmetischen Gründen entfernen will, löst die fest klebenden Nissen am besten mit Essigwasser und entfernt sie dann mit einem Nissenkamm.

Alle zwei bis drei Stunden zapfen Kopfläuse ihren Wirt an. Die Bisse lösen Immunreaktionen aus, wobei unklar ist, welcher Stoff im Speichel der Haut­parasiten dafür verantwortlich ist. Es entwickeln sich stark juckende Haut­effloreszenzen (Papeln und Quaddeln), die hinter den Ohren und im Nacken, als bevorzugte Beißstellen der Kopflaus, besonders ausgeprägt sind. Der starke Juckreiz, der sich nachts verschlimmert, lässt sich ohne Kratzen kaum aushalten. Entzündungen und bakte­rielle Infektionen der Bissstellen sind deshalb ein häufiges Folgeproblem. In diesem Fall sollte keine Selbstmedika­tion erfolgen, besser verweist man die Betroffenen an einen Arzt.

Weit mehr als die Hälfte aller Menschen, die von der Kopflaus befallen sind, entwickeln allerdings keine Krankheitszeichen. Außerdem tritt der Juckreiz als Leitsymptom vor allem bei Erstbefall oft erst nach vier Wochen auf. Das Risiko ist demzufolge groß, dass sich weitere Personen anstecken. Epidemien zum Beispiel in Kinder­tagesstätten sind in aller Regel darauf ­zurückzuführen, dass der Kopflaus­befall bei einem asymptomatischen Träger längere Zeit unentdeckt bleibt.

Was kaum bekannt ist: Kopfläuse können gefährliche Bakterien über­tragen. Das betrifft zwar nur Erreger, die in Entwicklungsländern heimisch sind, im Zuge der Migration kann das Phänomen aber auch bei uns relevant werden. So wurden im Jahr 2015 in ­Bayern bei Flüchtlingen aus Somalia, Äthiopien und Eritrea 15 Fälle von Läuserück­fallfieber registriert. Auch klassisches Fleckfieber und Fünf-Tage-Fieber ­können durch Kopfläuse übertragen werden.

Läuse springen nicht

Da Kopfläuse zwar schnelle Läufer, aber, im Unterschied zu Flöhen, keine Springer sind, können sie nur durch engen Körperkontakt von einem Opfer zum nächsten gelangen. Bettwäsche und Kleidung spielen als Übertragungsquellen kaum eine Rolle, da die Parasiten außerhalb ihres Wirts nicht lange überleben. Exzessive Waschaktionen, wie sie nicht selten stattfinden, um Läuse zu bekämpfen, machen deshalb keinen Sinn.

Auf Nummer sicher gehen

Grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Anti-Läuse-Mitteln stehen zur Auswahl: chemisch wirksame Mittel, also Arzneimittel, und physikalisch wirksame Mittel, die zu den Medizinprodukten zählen. Für alle Mittel gilt: Die richtige Anwendung der Topika muss im Beratungsgespräch ausführlich erklärt werden. Handhabungsfehler limitieren nämlich häufig den Behandlungserfolg. Laut vorliegenden Daten ist davon auszugehen, dass jeder dritte bis vierte Therapieversuch ein Fehlschuss ist. Viele Anwender gehen zu sparsam mit dem Läusemittel um, tragen es unregelmäßig auf und/oder waschen es zu früh wieder aus. Wichtig ist, dass die Anwender die Herstellerangaben bezüglich Dosierung und Einwirkzeit sehr genau befolgen.

Nach acht bis zehn Tagen soll die Anwendung noch einmal wiederholt werden, weil die meisten Läusemittel nur die adulten Parasiten, nicht aber ihre Eier vernichten. Die zweite Anwendung wird durchgeführt, um frisch geschlüpfte Nymphen zu erwischen. Obwohl manche Präparate auch gegen die Läuseeier wirken sollen und laut Herstelleraussagen nur einmal angewendet werden müssten, empfiehlt das Robert-Koch-Institut, in jedem Fall auf Nummer sicher zu gehen. Also: Egal welches MitteI – immer eine zweite Anwendung! Es braucht beim ersten Mal nur ein einziges Ei durchzurutschen, schon ist der Behandlungserfolg zunichte gemacht.

Laut der Deutschen Pediculosis Gesellschaft ist bei der Auswahl des Läusemittels darauf zu achten, dass seine Wirkung nachgewiesen ist. Auch bei den angebotenen Kämmen, mit denen der Therapieerfolg überprüft wird, bestehen Qualitätsunterschiede. Besonders gut eignet sich laut Pediculosis-Gesellschaft der Bug Buster Kit mit einem Kamm aus gelbem Kunststoff, auf dem die Läuse sehr gut sichtbar sind. Obwohl eine britische Studie bei alleiniger Anwendung des Bug Buster Kit eine hohe Eliminationsrate dokumentiert, wird empfohlen, den Kamm immer in Kombination mit einem anerkannten Läusemittel einzusetzen.

Die klassischen pedikuloziden Wirkstoffe sind Pyrethrine. Sie sind die wichtigsten Inhaltsstoffe von Pyre­thrum-Extrakten, die aus getrockneten Blüten verschiedener Chrysanthemenarten gewonnen werden. Eine analoge, neurotoxische Wirkung besitzen synthetisch hergestellte Pyrethroide wie Permethrin. Die pedikulozide Wirkung von Pyrethrinen und Pyrethroiden gilt unverändert als gut, trotz Diskussionen um mögliche Resistenzen von Läusen gegen den Wirkstoff.

Resistenzlage unklar

Die verwendeten Pyrethrum-Extrakte sollten auf den Gehalt an Pyrethrinen standardisiert sein. Das ist zum Beispiel bei Goldgeist forte® der Fall, einem Pyre­thrum-Extrakt, der sechs unterschiedlich aktive Pyrethrine enthält. Diese sind in ihrem Verhältnis monografiekonform standardisiert und führen dazu, dass die Läuse zunächst paralysiert (Knock-Down-Effekt) und anschließend abgetötet werden (Kill-Effekt). Auch Läuse, die eine sogenannte Knock-Down-Resistenz entwickelt haben, werden eliminiert. Die klinische Relevanz von Resistenzen gegen Pyrethrine und Pyrethroide bleibt unklar. In ausländischen Studien sind Resistenzen beobachtet worden. Belastbare Daten aus systematischen Studien fehlen aber bislang, was speziell auch für Deutschland gilt. Neurotoxische Pedikulozide können Unverträglichkeitsreaktionen und Allergien auslösen. Dasselbe gilt auch für Hilfsstoffe wie Piperonylbutoxid, die zur Stabilierung nativer Pyrethrine eingesetzt werden. Bei stark aufgekratzter Haut besteht ein erhöhtes Risiko, dass die Inhaltsstoffe der Topika in tiefere Hautschichten eindringen und in den Blutkreislauf gelangen. Deshalb sind in diesem Fall alternative Läusemittel zu bevorzugen.

Tod durch Ersticken

Auf physikalischem Weg wirken Dimeticon-Präparate (zum Beispiel Jacutin®, Etopril®, NYDA®). Das Silikon Dimeticon setzt an der Achillesferse der Läuse an: dem Tracheensystem, mit dem die Parasiten atmen. Dimeticon-Produkte dringen in die feinen Tracheen ein und verkleben sie. Die Läuse erleiden daraufhin einen Erstickungstod. Auch die Eier der Läuse werden vernichtet, trotzdem soll auch mit Dimeticon eine zweite Behandlung nach acht bis zehn Tagen erfolgen. Die Entwicklung von Resistenzen ist angesichts des Wirkmechanismus von Dimeticon theoretisch auszuschließen. Anwender sollten wissen, dass Dimeticon-haltige Mittel brennbar sind. Behandelte Haare sollten nicht in die Nähe offener Flammen kommen, und auch glühende Gegenstände wie ein Fön bergen ein Risiko. /

Tipps für das Beratungsgespräch

Anwendungsfehler kommen bei der Läusebehandlung häufig vor. Deshalb sollte im Beratungsgespräch das richtige Vorgehen ausführlich erläutert ­werden:

  • Die Haare dürfen vor dem Auftragen des Läusemittels nicht zu nass sein, sonst wird der Wirkstoff zu stark verdünnt. Manche Präparate werden aufs trockene Haar aufgetragen.
  • Haare und Kopfhaut müssen mit dem jeweiligen Mittel gut durchfeuchtet werden.
  • Es ist darauf zu achten, dass auch der Bereich hinter den Ohren sowie der Nacken genug Wirkstoff abbekommen.
  • Als Richtwerte gelten: Für kurze Haare werden 25 bis 50 ml benötigt, für mittellange Haare 50 bis 75 ml und für lange Haare 75 bis 100 ml.
  • Die Haare sollten Strähne für Strähne behandelt werden, wobei das Mittel immer vom Haaransatz bis zu den Spitzen aufgetragen wird.
  • Die vom Hersteller angegebene Einwirkzeit ist unbedingt zu beachten.
  • Anschließend werden die Haare vom Ansatz zur Spitze mit einem Nissenkamm ausgekämmt, wobei der Kamm nach jeder Strähne an einem Papiertuch abgestreift wird.
  • Danach werden die Haare mit einem normalen Shampoo gründlich gewaschen.
  • Nach acht bis zehn Tagen soll die Behandlung zur Sicherheit noch einmal wiederholt werden.