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Placeboeffekt gezielt nutzen

06.04.2018
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In Doppelblindstudien hat sich immer wieder gezeigt, dass nicht nur die getesteten Arzneimittel, sondern auch die eingesetzten Placebos eine Wirkung zeigen. Der Anteil der Patienten, die darauf ansprechen, ist je nach Anwendungsgebiet unterschiedlich groß.

In der Behandlung von Schmerzen, depressiven Verstimmungen oder Reizdarmsyndrom liegt er beispielsweise mit etwa 40 Prozent besonders hoch. Wie lässt sich dieser Effekt fassen – und nutzen?­ Professor Dr. Paul Enck, Universitätsklinikum Tübingen­, be­richtete beim Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psycho­therapie in Berlin über sogenannte »open-label placebo«-Studien (OLPS), in denen ausschließlich Placebos getestet werden. Die Patienten sind dabei informiert: Sie wissen, dass es sich um ein Medikament ohne Wirkstoff handelt, welches aber wirken kann, wenn es regelmäßig angewendet wird. Mittlerweile liegen OLPS unter anderem für die Behandlung von Depression, Fatigue­, chronischem Juckreiz, ADHS und Heuschnupfen vor – alle mit posi­tivem Ergebnis. Werden Ärzte in Zukunft also auch Placebos verschreiben? (ais)