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Beratung bei Atemwegserkrankungen

Für den Ernstfall proben

03.09.2007
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Beratung bei Atemwegserkrankungen

Für den Ernstfall proben

Birgit Carl und Anna Laven, Aachen

Kurz wirksame Beta-2-Sympathomimetika heißen in der Asthmatherapie Reliever (Helfer) und lindern akute Atemnot. Asthma bronchiale ist mit Basismedikamenten dann optimal therapiert, wenn der Patient nur selten einen Reliever inhalieren muss. Zu den Basisarzneimitteln zählen Cortison, lang wirksame Beta-2-Sympathomimetika und Theophyllin. Die lang wirksamen Arzneisubstanzen heißen Controler und werden auch miteinander kombiniert.

Ganz auf kurz wirksame Beta-2-Sympathomimetika wie Salbutamol oder Clenbuterol zu verzichten, gelingt keinem Asthmapatienten. Denn jeder Asthmatiker weiß aus Erfahrung, dass Stress, Pollen, Staub, Sport, kalte Luft oder andere Faktoren einen Asthmaanfall auslösen können und er in solchen Situationen auf ein kurz wirksames Beta-2-Sympathomimetikum angewiesen ist. Erhöht sich der Bedarf des Patienten im Verlauf der Therapie deutlich, muss die Basismedikation besser angepasst werden. Patienten mit weit fortgeschrittenem Asthma benötigen meist mehr Hübe eines kurz wirksamen Beta-2-Sympathomimetikums. In diesen Fällen verhindert die geänderte Basismedikation oft Anfälle nicht.

Sprühabstand beachten

Asthmapatienten sollten wissen, wie oft sie den verordneten Wirkstoff inhalieren dürfen. Beispielsweise sollten sie bei Salbutamol nicht mehr als zehn Einzeldosen à 0,1 mg pro Tag anwenden. Zum einen wirkt die weitere Dosissteigerung nicht besser, zum anderen erhöht sie das Risiko von Herzrhythmusstörungen oder lässt den Blutdruck deutlich ansteigen.

Manche Patienten setzen Salbutamol auch gezielt zur Vorbeugung ein, indem sie 10 bis 15 Minuten vor dem Kontakt mit einem Allergen oder vor einer größeren Anstrengung einen Sprühstoß inhalieren.

Müssen sie Salbutamol regelmäßig anwenden, inhalieren sie drei- bis viermal täglich 1 bis 2 Einzeldosen im Abstand von mindestens 4 Stunden. Zwischen zwei Sprühstößen sollte der zeitliche Abstand theoretisch drei bis zehn Minuten betragen, da dann der erste Sprühstoß schon seine Wirkung entfaltet hat. Die Praxis zeigt jedoch, dass dieser Zeitraum für Patienten mit akuter Atemnot unakzeptabel ist. Als kürzest möglicher Abstand zwischen zwei Hüben haben sich fünf bis zehn Atemzüge bewährt. Auch die Anweisung, den nächsten Sprühstoß erst dann auszulösen, wenn sich die Atmung wieder normalisiert hat, halten Patienten mit Atemnot nicht ein.

Gerade im Notfall ist es wichtig, dass der Patient den Umgang mit dem Dosieraerosol »wie im Schlaf« beherrscht. Deshalb sollte er im Vorfeld üben und nochmal üben, damit er auch unter dem extremen Stress der Luftnot das bestmögliche Ergebnis erzielt. Die Routine hilft ihm, Fehler wie das Belassen der Schutzkappe auf dem Dosieraerosol während der Inhalation zu vermeiden. Ein guter Rat für Patienten: »Proben Sie im nächsten Monat jeden Tag den Ablauf zehnmal hintereinander, ohne den Sprühstoß auszulösen. So üben Sie praktisch wie ein Westernstar, der das Ziehen des Revolvers ohne Abfeuern auch viele Male einstudiert hat, um im Fall der Fälle sicher und schnell handeln zu können. Achten Sie dabei besonders auf Ihre Atmung.«

Gut geschulte Asthmatiker handeln bei akuter Atemnot nach dem so genannten Notfallplan. Wenn der Peak-flow um mehr als 20 Prozent des eigenen Durchschnittswerts abfällt, die Zahl der Atemzüge pro Minute unter 25 und der Puls unter 120 Schlägen pro Minute liegt, die Patienten aber normal sprechen können, inhalieren sie zunächst ein bis zwei Hübe des Relievers. Anschließend warten sie zehn Minuten ab, während sie sich das Atmen durch den Kutschersitz, mit Lippenbremse und Entspannungsmaßnahmen erleichtern. Tritt danach keine Besserung ein, inhalieren sie erneut ein bis zwei Sprühstöße. Gleichzeitig nehmen sie eine Dosis ihrer Basismedikation, eines Theophyllin- und/ oder Cortisonpräparates ein, zum Beispiel 50 mg Prednisolon. Bessert sich ihr Zustand auch dann nicht, muss sofort ein Notarzt gerufen werden.

Kontrolle in der Apotheke

Da kurz wirksame Beta-2-Sympathomimetika Asthmapatienten innerhalb weniger Minuten eine deutliche Linderung verschaffen, wenden die Patienten die Dosieraerosole gerne an. Besonders diejenigen, die Cortisonpräparate äußerst skeptisch beurteilen, ändern oft eigenmächtig die Therapie. Falls PTA oder Apotheker im Rahmen der Pharmazeutischen Betreuung ein deutlicher Mehrverbrauch an kurz wirksamen Beta-2-Sympathomimetika auffällt, sollten sie gezielt nachfragen. Doch Achtung: Einige Patienten verteilen ihre Notfallarzneimittel gerne an unterschiedlichen Stellen, zum Beispiel am Arbeitsplatz, in der Sporttasche und neben dem Bett, damit sie für alle Fälle ein Dosieraerosol sofort griffbereit haben. Es ist also durchaus möglich, dass der Patient »nur« seine alten verfallenen Sprays gegen neue austauscht. Deshalb gilt wie immer: Vorsicht mit voreiligen Schlüssen, sondern lieber mit dem Patienten ins Gespräch kommen. Am besten mit einer Frage, zum Beispiel: »Ich sehe gerade, dass Sie in letzter Zeit vermehrt xy verordnet bekommen. Hat das einen besonderen Grund?«

Beratungstrio Salbutamol 

Spacer schont den Rachen

Wie bei jeder Inhalation kann das Dosierspray den Rachen reizen und Husten auslösen. Als Grund dafür kommen der durch das Treibgas entstehende Kältereiz oder feinste Wirkstoffpartikel in Frage, die sich im Rachen absetzen. Eine Inhalierhilfe in Form eines Spacers kann dies vermeiden. Da großvolumige Spacer viel Platz einnehmen, lehnen Patienten, die die kurz wirksamen Beta-2-Sympathomimetika vor allem unterwegs benutzen, diese häufig ab. Kleinvolumige Spacer sind zwar besser zu transportieren, haben jedoch oft den Nachteil, dass sie die in die Lunge gelangte Wirkstoffmenge nur wenig erhöhen.

Die gleichzeitige Einnahme von Beta-2-Sympathomimetika und Betablockern führt zu einer gegenseitigen Abschwächung der Wirkung und kann das Risiko eines schweren Bronchospasmus erhöhen. Daher sollten Asthmatiker grundsätzlich ein Antihypertonikum einer anderen Wirkstoffgruppe einnehmen. Ist der Einsatz eines Betablockers unumgänglich, so ist ein kardioselektiver Beta-1-Blocker (wie Atenolol, Metoprolol, Bisoprolol, Nebivolol oder auch ausnahmsweise Carvedilol) einzusetzen. Bei Glaukompatienten sollten Augentropfen mit Betablockern durch Präparate mit anderen Wirkstoffen ausgetauscht werden. Der Grund: Betablocker werden aus Augentropfen zu circa 80 Prozent resorbiert. Bei diesem Aufnahmeweg wird die Verstoffwechslung in der Leber umgangen (first-pass-Effekt), und es kommt zu relevanten Plasmakonzentrationen.

Andere Darreichungsformen

Die orale Applikation von kurz wirksamen Beta-2-Sympathomimetika ist selten, im Handel sind Retardarzneiformen oder Säfte für Kinder. Ein Nachteil der oralen Therapie sind systemische Nebenwirkungen wie Tachykardie und Arryhthmien. Vor allem in der Kinderheilkunde ist neben den Säften die Inhalation mit elektrischen Verneblern (zum Beispiel Pari Juniorboy S) beliebt. Hier müssen die Eltern darauf achten, dass möglichst wenig Wirkstoff in die Umgebung gelangt. Diese Vorsichtsmaßnahme gilt grundsätzlich.

 

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