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Betriebliche Altersvorsorge

Gehalt umwandeln, Rente aufbessern

03.09.2007  08:44 Uhr

Betriebliche Altersvorsorge

Gehalt umwandeln, Rente aufbessern

PTA-Forum / Derzeit erhalten die meisten Rentner rund 70 Prozent ihres früheren Einkommens als Rente. Diejenigen Arbeitnehmer, die dagegen erst in einigen Jahrzehnten in Rente gehen, werden voraussichtlich mit rund 40 Prozent ihres Durchschnittverdienstes auskommen müssen. Wer also nicht heute selbst für sein Alter vorsorgt, dessen Rente wird nur knapp über dem Sozialhilfesatz liegen.

In der Mai-Ausgabe des PTA-Forums wurde die Riester-Rente als ein Weg der Altersvorsorge vorgestellt. Eine Alternative oder zusätzliche Absicherung ist die Gehalts- oder Entgeltumwandlung beziehungsweise betriebliche Altersvorsorge. Seit 2002 haben Arbeitnehmer sogar einen gesetzlichen Anspruch darauf. Das Prinzip ist simpel: Der Arbeitgeber zahlt dem Arbeitnehmer einen Teil des Bruttolohns nicht aus, sondern stattdessen in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds ein. Die Rente erhalten die Arbeitnehmer nach Eintritt in das Rentenalter oder die Hinterbliebenen nach seinem Tod, üblicherweise lebenslang monatlich. Auf Wunsch können sich die Arbeitnehmer oder Angehörigen die Rente auch als einmalige Kapitalzahlung auszahlen lassen.

Ein Vorteil der Gehaltsumwandlung ist für den Arbeitnehmer beispielsweise die einfache Handhabung. Der Arbeitgeber zieht die Beiträge vom Bruttoeinkommen ab und zahlt sie direkt in die Direktversicherung, Pensionskasse oder einen -fonds ein. Der Arbeitnehmer muss sich nicht selbst wie bei der Riester-Rente um eine Versicherung, Bank oder einen Fondanbieter kümmern. Diese Beiträge werden weder besteuert, noch sind sie sozialversicherungspflichtig, zumindest solange sie 210,00 Euro im Monat beziehungsweise 2.520,00 Euro im Jahr nicht übersteigen. Vorgesehen war die Sozialversicherungsfreiheit vorerst nur bis Ende 2008. Aktuell hat das Kabinett aber einen Gesetzentwurf beschlossen, dass diese Bedingungen über 2008 hinaus unbefristet beibehalten werden.

Der Chef wählt den Weg

Die Rahmenbedingungen sind für alle drei Wege der betrieblichen Altersvorsorge, also die Direktversicherung, die Pensionskasse und den -fonds, gleich, sowohl steuerlich als auch sozialversicherungsrechtlich. Zwar können die Renditen unterschiedlich hoch ausfallen, darauf hat der Arbeitnehmer allerdings keinen Einfluss, weil der Apothekenleiter die Art der Vorsorge alleine auswählt. Der Arbeitgeber muss zum Beispiel bei Einzahlung in einen Pensionsfonds eine Insolvenzsicherung abschließen und Beiträge an den Pensionssicherungsverein bezahlen. Da viele Arbeitgeber diese Beiträge scheuen, suchen sie meistens eine Direktversicherung oder eine Pensionskasse aus.

Folgendes Beispiel erläutert, wie sich die Beiträge für den Arbeitnehmer berechnen: Eine PTA arbeitet Vollzeit im zweiten Berufsjahr. Sie verdient monatlich 1.724,00 Euro brutto, im Jahr also 21.500 Euro. Da sie ledig ist, ist sie in Steuerklasse I. Jeden Monat zahlt ihr Chef 100,00 Euro ihres Bruttoeinkommens in eine Direktversicherung ein. Das kostet sie nach allen Abzügen tatsächlich netto aber nur 49,90 Euro, obwohl ihr die vollen 100,00 Euro als Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge zugute kommen (Berechnung siehe Tabelle).

Rechenbeispiel

Entgeltumwandlung ohne mit
Bruttogehalt monatlich 1724,00 1724,00
Monatsbeitrag Entgeltumwandlung 0,00 100,00
abgabenpflichtiger Betrag 1724,00 1624,00
Lohnsteuer 185,16 160,00
Solidaritätszuschlag 10,18 8,80
Kirchensteuer 16,66 14,40
Krankenversicherung (14,5 + 0,9 %) 140,50 132,35
Pflegeversicherung 18,96 17,86
Rentenversicherung 171,53 161,58
Arbeitslosenversicherung 36,20 34,10
netto monatlich 1144,81 1094,91
tatsächlicher Nettoaufwand 49,90

Wer keine monatlichen Beiträge von seinem Gehalt abzwacken will, kann alternativ bestehende vermögenswirksame Leistungen in Rentenbeträge umwandeln oder Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld dazu nutzen und den kompletten Jahresbeitrag auf einmal zahlen.

Auch der Apothekenleiter hat einen Nutzen von der Entgeltumwandlung: Da sich ja das Bruttogehalt um den Beitrag reduziert, sinken für ihn die Lohnnebenkosten. Ob der Chef für einzelne Mitarbeiter bereits eine betriebliche Altersversorgung eingerichtet hat, muss die PTA bei ihm erfragen. Bisher nutzt nur ein Teil des Apothekenpersonals die Möglichkeit zur betrieblichen Altersvorsorge. Einer der Gründe hierfür ist sicherlich, dass viele Mitarbeiter ihren Rechtsanspruch auf diese Art der Altersvorsorge nicht kennen. Der Apothekenleiter hat im Prinzip eine Fürsorgepflicht für seine Mitarbeiter und müsste sie darauf hinweisen.

Zwar sind die Beiträge des Arbeitnehmers während der Ansparphase steuer- und sozialversicherungsfrei, von den später ausgezahlten Renten müssen wahrscheinlich sowohl Steuern, als auch Krankenversicherungsbeiträge gezahlt werden. Der Steuersatz im Rentenalter ist zurzeit erheblich niedriger als der Steuersatz während der Erwerbstätigkeit. Daher ist die Rendite letztendlich vermutlich trotzdem günstig. Das gilt auch für die Riester-Rente.

Arbeitslos oder berufsunfähig?

Aktuell können sich Arbeitnehmer ihre Rente erst nach Vollendung des 60. Lebensjahres auszahlen lassen. Über das angesparte Kapital kann er vorher nicht verfügen. Wer durch Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Kindererziehungszeiten bedingt kein Gehalt mehr bekommt, kann natürlich keine Entgeltumwandlung mehr durchführen. Viele Verträge sehen vor, dass man die Altersvorsorge privat weiterfinanzieren kann, zum Beispiel ist es möglich, mit einem geringen Mindestbeitrag die Versicherung aufrecht zu erhalten. Ansonsten ruhen die Einzahlungen. Der Anspruch aus den Beiträgen, die bis dahin eingezahlt wurden, bleibt.

Bei einem Riester-Vertrag kann der Arbeitnehmer zwischenzeitlich über das Angesparte verfügen, um ein Eigenheim zu finanzieren. Vor Rentenbeginn muss die entnommene Summe aber wieder auf dem Konto stehen. Das geht bei der betrieblichen Altersvorsorge nicht.

Übrigens: Auch bei einem Arbeitgeberwechsel gehen die angesparten Beiträge nicht verloren. Jeder Euro, der eingezahlt wurde, bleibt erhalten. Der Arbeitnehmer muss allerdings nach Eintritt ins Rentenalter jeden Arbeitgeber, bei dem er einmal tätig war und der Beiträge abgeführt hat, über den Rentenanspruch informieren. Manchmal hat der Arbeitnehmer beim Stellenwechsel auch Glück, und der neue Arbeitgeber übernimmt den laufenden Vertrag. Verpflichtet dazu ist er allerdings nicht.

Zusätzlich zur betrieblichen Altersversorgung sollte der Arbeitnehmer überlegen, eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung abzuschließen. Im Falle einer Berufsunfähigkeit würde diese Versicherung die Beiträge in die betriebliche Altersvorsorge weiter einzahlen. Sinnvoll ist das vor allem für junge Mitarbeiter, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind.

Für sie zahlt die gesetzliche Rentenversicherung keine Berufsunfähigkeitsrente, sondern lediglich eine volle oder halbe Erwerbsminderungsrente, je nachdem wie viele Stunden der Betroffene noch tätig sein kann. Er kann von der BfA außerdem in jeglichen Beruf verwiesen werden, zum Beispiel trotz PTA-Ausbildung als Spielhallenaufsicht.

Weitere Alternativen

Neben der betrieblichen Altersvorsorge als Entgeltumwandlung können sich Arbeitnehmer auch für die Riester-Rente entscheiden. Diese zahlt der Arbeitnehmer zwar aus seinem Nettogehalt, aber der Staat fördert sie durch Zulagen und oft auch durch zusätzliche Steuervorteile. Die Rendite beider staatlich geförderten Altersvorsorge-Formen ist in jedem Fall erheblich höher als bei rein privaten Altersvorsorgen, zum Beispiel Lebensversicherungen, weil deren Beiträge komplett aus dem Nettoeinkommen gezahlt werden müssen und weder Steuerersparnisse bringen noch Zulagen.

Welche Variante der Altersvorsorge am besten ist, hängt von vielen Faktoren ab, so zum Beispiel vom Alter, Familienstand und Einkommen des Arbeitnehmers. Um die optimale Vorsorge herauszufinden, sollte sich die PTA sachkundige Hilfe suchen und von einem Experten individuell beraten lassen, der für sie die verschiedene Möglichkeiten durchrechnen kann. Hier helfen Berater der Verbraucherzentralen ebenso wie der Besuch des Volkshochschulkurses »Altersvorsorge macht Schule.« Bei Fragen zu den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Altersvorsorge-Modelle berät auch das Team der Versicherungsvermittelung für Apotheker GmbH aus Eschborn (Kontakt siehe Kasten).

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