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Packungsbeilagen

Tödliche Leseschwäche

01.09.2007  20:58 Uhr

Packungsbeilagen

Tödliche Leseschwäche

PTA-Forum /Viele Senioren haben Schwierigkeiten, den Text der kleingedruckten Packungsbeilagen zu entziffern. US-amerikanische Wissenschaftler um David W. Baker von der Northwestern University hatten dazu mehr als 3000 Senioren interviewt.

Die Senioren mussten Fragen zu ihrer Gesundheit beantworten und in diesem Zusammenhang kurze medizinische Texte lesen. Je nachdem, wie gut und schnell die Testpersonen die Texte begriffen, stuften die Wissenschaftler die Gesundheitskompetenz der älteren Menschen als gut, mäßig oder ungenügend ein. Das Ergebnis: Diejenigen Senioren, die die Texte nicht verstanden oder lesen konnten, haben ein um mehr als 50 Prozent höheres Risiko, früh zu sterben. Auch diejenigen, die nur mühsam mit geschriebener Sprache zurecht kommen, verpassen dadurch wichtige Gesundheitsinformationen, berichtet das Team jetzt in der Fachzeitschrift Archives of Internal Medicine.

Bei der Durchsicht der Sterberegister knapp sechs Jahre später fanden Baker und seine Kollegen heraus, dass fast 40 Prozent der Teilnehmer mit ungenügender Gesundheitskompetenz verstorben waren, von den mittelmäßigen Lesern knapp 30 Prozent. Die Senioren, welche die medizinischen Texte am besten begriffen, hatten mit unter 20 Prozent die niedrigste Sterblichkeit.

Aus diesen Ergebnissen leitet Baker nun die Forderung ab, medizinische Informationen in leicht verständlicher Sprache zu verfassen. Außerdem vermutet der Mediziner, dass den meisten älteren Patienten Bilder und Videos zur Vermittlung wichtiger Inhalte helfen könnten.

Auch in Deutschland wurde in der Vergangenheit mehrfach die Verständlichkeit der Packungsbeilagen untersucht. 2001 fand in Jena eine Patientenbefragung statt, bei der 11,2 Prozent der 197 Teilnehmer angaben, sie würden durch die Packungsbeilagen verunsichert. Sind die Texte zu umfangreich, fällt es den Patienten schwer, die für sie wichtigen Informationen zu finden, in vielen Fällen erzeugen lange Texte Angst und führen sogar zur Non-Compliance. Dies bestätigt die im Januar 2003 durch das GfK-Marktforschungsinstitut durchgeführte Befragung von 2054 Personen: Knapp jeder Zweite hat ein Medikament nicht mehr eingenommen, nachdem er in der Beilage die beschriebenen Risiken gelesen hatte, oder fühlte sich durch die Texte verunsichert und verängstigt.