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Selbstmedikation

Karies und Parodontose vorbeugen

27.08.2009
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Empfehlungen zur Zahnpflege

  • Nach jeder Mahlzeit die Zähne putzen, nach Säure-Kontakt erst eine halbe Stunde nach der Mahlzeit abwarten. 
  • Einmal am Tag die Zahnzwischenräume gründlich reinigen, am besten abends. 
  • Nach dem Zähneputzen zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten und Getränke vermeiden. 
  • Für Zwischenmahlzeiten frisches Obst oder herzhafte Speisen wiebelegte Brote bevorzugen. 
  • Zweimal jährliche Kontrolle beim Zahnarzt, idealerweise mit zahnmedizinischer Prophylaxebehandlung.

Selbstmedikation

Karies und Parodontose vorbeugen

von Christiane Eickhoff

Zähne und Zahnfleisch ein Leben lang gesundzu erhalten, erfordert viel Sorgfalt und Disziplin. Aber es lohnt sich, weil Karies und Parodontose dem gesamten Körper schaden können. Doch welche Maßnahmen eignen sich für Prophylaxe?

Karies ist eine Erkrankung des Zahnschmelzes und des Dentins. Damit die Zähne »faulen«, müssen eine Reihe von Faktoren zusammen treffen. Zunächst müssen sogenannte Wirtsfaktoren eine Bakterienbesiedlung ermöglichen, das betrifft unter anderem die Mineralqualität der Zähne und die Zusammensetzung des Speichels. Zum anderen müssen niedermolekulare Kohlenhydrate, besonders Zucker aus der Ernährung auf die Zähne längere Zeit einwirken, sich Plaque gebildet haben und nicht zuletzt eine gewisse Zeit verstrichen sein. 

In der Plaque, einem klebrigen, festen Belag auf den Zähnen, siedeln sich Bakterien an, vor allem das Bakterium Streptokokkus mutans. Diese Bakterien wandeln Zucker in Säuren um, welche dann den Zahnschmelz angreifen. Deshalb sind ausreichend lange Pausen zwischen den Mahlzeiten wichtig, damit der Speichel die Säuren neutralisiert und der Zahnschmelz Zeit zur Regeneration erhält. Für die Kariesentstehung ist also weniger die absolute Menge des konsumierten Zuckers von Bedeutung, sondern vielmehr die Häufigkeit und Dauer seines Kontaktes mit den Zähnen. 

Die Vorstufe der Karies ist eine Entkalkung des Zahnschmelzes, erkennbar als weiße Flecken. Diese färben sich durch Einlagerung von Pigmenten aus der Nahrung mit der Zeit oft dunkel. Durch intensive Remineralisierung mit Fluorid ist das Vorstadium noch reversibel. Auch Karies, die nur auf den Zahnschmelz beschränkt ist, lässt sich noch durch intensive Fluorierung beim Zahnarzt und eine geeignete Ernährung beseitigen. Sobald Karies allerdings in das Dentin vorgedrungen ist, muss der Zahnarzt die betroffene Zahnsubstanz entfernen und durch geeignetes Füllungsmaterial ersetzen. 

Zahnfleisch chronisch entzündet

Parodontitis ist die Erkrankung und Zerstörung des Zahnhalteapparates. Der Prozess beginnt mit einer Entzündung des Zahnfleischsaumes. Diese wird durch Bakterientoxine aus der Zahnplaque verursacht und macht sich durch Rötung, Schwellung und Zahnfleischbluten bemerkbar (Gingivitis). Oft ist das Zahnfleisch jahrelang entzündet, bis sich daraus eine Parodontitis entwickelt. 

Durch die Zahnfleischentzündung entstehen sogenannte Taschen zwischen Zahn und Zahnfleisch. Darin sammeln sich Essensreste und Bakterien, und die Entzündung schreitet fort. Das Zahnfleisch weicht zunehmend zurück und gibt die empfindlichen Zahnhälse frei. Im fortgeschrittenen Stadium lockern sich die Zähne und fallen schließlich aus. 

Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie müssten sich in Deutschland etwa 25 Millionen Erwachsene aufgrund einer Parodontitis behandeln lassen; tatsächlich geschieht dies aber viel seltener. Das ist problematisch, denn eine Parodontitis birgt Risiken: Bei jedem Zahnfleischbluten und durch kleine Risse im Gewebe gelangen Bakterien in den Blutkreislauf und erhöhen unter anderem das Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Frühgeburten. Außerdem fördern sie Magenschleimhaut- und Lungenentzündungen und erschweren bei Diabetikern die Blutzuckereinstellung. 

Die Anfälligkeit für Karies und Parodontitis ist zum Teil erblich bedingt. Studien an Zwillingen haben ergeben, dass trotz unterschiedlichen Zuckerkonsums sich der Zustand der Zähne ähnelte. Dennoch macht Zahnpflege Sinn, denn auch gute Erbanlagen schützen nie vollständig vor einer Bakterienbesiedlung und deren Folgen. 

Des Weiteren haben Studien ergeben, dass bei Rauchern das Risiko für Parodontitis um das Siebenfache erhöht ist, da Rauchen die Durchblutung des Zahnfleisches verringert und generell die Immunabwehr schwächt. 

Zähne täglich pflegen

Grundsätzlich gilt: Nach jeder Mahlzeit sollten die Zähne gründlich gereinigt und einmal täglich die Zahnzwischenräume gesäubert werden. Hierzu eignen sich sowohl Handzahnbürsten als auch elektrische Zahnbürsten. Mit der Handzahnbürste die Zähne effektiv zu reinigen, ist schwieriger und erfordert mehr Geduld und Geschick. Eine elektrische Zahnbürste ist dagegen leichter zu handhaben. Grundsätzlich sollten die Kunststoffborsten der Zahnbürste abgerundet sein, damit sie das Zahnfleisch nicht verletzen. Naturborsten sind nicht zu empfehlen, da sie scharfkantig sind und außerdem einen guten Nährboden für Keime bieten. 

Noch ein Tipp: Zahnbürsten spätestens alle drei Monate erneuern, da alte Bürsten weniger Plaque entfernen. Aus Verkaufszahlen lässt sich allerdings abschätzen, dass Deutsche beim Kauf ihrer Zahnbürsten zu sparsam sind und diese zu lange verwenden, durchschnittlich etwa ein halbes Jahr.

Den Profi aufsuchen

Die Fläche der Zahnzwischenräume beträgt etwa ein Drittel der gesamten Zahnoberfläche. Diese Bereiche sind nur mit Zahnseide oder Interdentalbürsten zu erreichen, deshalb ist die tägliche Anwendung dringend erforderlich! Welche Zahnseide dabei verwendet wird, gewachst oder ungewachst, ist zweitrangig. Gewachste Zahnseide rutscht leichter in die Lücken. Für die tägliche Zahnreinigung sind circa 30 bis 40 Zentimeter erforderlich. Auch hier zeigt der durchschnittliche Verbrauch von einem Zentimeter pro Kopf und Tag in Deutschland deutlich, dass viel zu wenig Menschen regelmäßig Zahnseide anwenden. 

Nur mit einer professionellen Zahnreinigung kann der Zahnarzt Plaque und Zahnstein vollständig entfernen. Dabei wird auch der Anteil erfasst, der für die Zahnbürste unerreichbar in den Zahnfleischtaschen liegt. Deshalb sollte jeder zweimal im Jahr seinen Zahnarzt aufsuchen. Außerdem gehört zur Kariesprophylaxe die intensive Fluoridierung. 

Das Angebot an Zahnpasten auf dem Markt ist sehr groß und oft stellen sich Käufer die Frage: Welche Zahnpasta ist die beste? Ein wichtiges Kriterium zur Bewertung ist der Fluoridanteil, da Fluorid den Zahnschmelz remineralisiert und die Zähne so vor Karies schützt. Für Erwachsene sollte der Fluoridgehalt in Zahnpasten 0,1 bis 0,15 Prozent (1000 bis 1500 ppm), für Kinder unter sechs Jahren 0,05 Prozent (500 ppm) betragen. 

Viele Zahnpasten enthalten zusätzliche Bestandteile, zum Beispiel Kräuterextrakte, Vitamin A oder feinste Schleifpartikel. Gegen Zahnfleischentzündungen sollen Vitamin A und Kräuterextrakte helfen. Zahnpasten für empfindliche, frei liegende Zahnhälse enthalten weniger Schleifpartikel oder spezielle Zusätze wie Kaliumchlorid. Pyrophosphate, auch in Kombination mit Copolymer  sollen die Neubildung von Zahnstein verringern. Der Kasten auf Seite 35 fasst die wichtigsten Maßnahmen zur Zahnpflege zusammen.

Mundspüllösungen ergänzen die Pflege mit der Zahnbürste, sind aber kein Ersatz. Empfehlenswert sind sie vor allem, wenn die Reinigung mit der Zahnbürste vorübergehend nicht möglich ist, zum Beispiel bei Mundschleimhauterkrankungen sowie nach operativen Eingriffen. Die Anwender sollten beachten, dass sie manche Präparate nur eine begrenzte Zeit verwenden dürfen.

Chlorhexidindigluconat wirkt am stärksten gegen Plaquebildung und Zahnfleischentzündung. Allerdings erfordert dies eine ausreichend hohe Konzentration und Menge. Hersteller empfehlen, zweimal täglich 10 ml einer 0,2-prozentigen Lösung anzuwenden. Weil sie den Geschmack beeinträchtigen und temporär Zähne und Zunge verfärben, eignen sich diese Mundspüllösungen nicht für den Dauergebrauch. Ein Tipp für die Praxis: Tenside setzen die antibakterielle Wirkung des Chlorhexidindigluconats herab. Deshalb sollten Anwender ihren Mundraum mit der Lösung frühestens eine halbe Stunde nach dem Zähneputzen spülen. Geringer, aber immer noch gut wirkt die Kombination aus Triclosan und Copolymer. Mit ihnen ist auch die längerfristige Anwendung möglich. 

Fluoride beugen Karies vor

Durch die Anreicherung von Fluoriden wird der Zahn widerstandfähiger gegenüber Säureangriffen. Mit fluoridhaltigen Mundspüllösungen lässt sich deshalb das Kariesrisiko reduzieren, wohl aber nicht die Neubildung von Plaque verhindern. Ein wichtiger Hinweis für die Praxis: Einige Präparate enthalten Alkohol und sind deshalb nicht für alle Patienten geeignet, zum Beispiel trockene Alkoholiker. 

Eine Fluoridzufuhr ist besonders in den ersten Lebensjahren wichtig, wenn sich die ersten Zähne bilden. Da der Fluoridgehalt des Trinkwassers in weiten Teilen Deutschlands mit 0,3 mg/l deutlich unter dem empfohlenen Wert von 1 mg/l liegt, empfehlen Experten die Substitution. Deshalb verordnen Kinderärzte Säuglingen und Kleinkindern Fluorid-Tabletten in einer auf das Alter abgestimmten Dosierung. Später kann die Fluoridprophylaxe auch über fluoriertes Speisesalz statt Tabletten erfolgen. Außerdem können fluoridhaltige Zahnpasten, Mundspüllösungen oder Gele den Mangel ausgleichen.

Je nach Fachgesellschaft unterscheiden sich die Empfehlungen zur Fluoridprophylaxe bei Kindern. Einigkeit besteht darin, dass Fluoride zur Prophylaxe anzuraten sind. Uneinig sind sich die Experten dagegen, ob die Fluoride oral oder lokal appliziert werden sollen. 

Die Fachgesellschaft der Zahnärzte (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, DGZMK) bevorzugt grundsätzlich die lokale Fluoridanwendung, da Studien gezeigt hätten, dass diese Art der Applikation am wirksamsten ist. Außerdem halten Zahnärzte die Fluoridprophylaxe in den ersten sechs Lebensmonaten nicht für notwendig und befürworten deshalb in dieser Zeit die alleinige Gabe von Vitamin D (zum Beispiel Vigantoletten®). Das hat einen Vorteil: Fluorid verursacht bei Säuglingen oft Blähungen. Da viele Säuglinge ohnehin unter Blähungen leiden, kann Fluorid die Beschwerden noch verstärken. 

Lokale oder orale Anwendung

Die lokale Fluoridanwendung empfehlen Zahnärzte ab dem ersten Milchzahn mit einmal täglich einer erbsengroßen Menge Zahnpasta (Fluoridgehalt 500 ppm). Von Zahnpasta mit süßem Geschmack raten sie ab, da Kinder diese gern schlucken. Ab dem Alter von zwei Jahren sollte zweimal täglich geputzt werden. Zunächst müssen die Eltern das Zähneputzen übernehmen. Auch wenn die Kinder stolz selbst die Zahnbürste in die Hand nehmen, müssen Eltern die Zähne bis ins Schulalter nachputzen. Ab Schulbeginn sollten sie auf eine Zahnpasta mit höherem Fluoridgehalt umsteigen (1000 bis 1500 ppm). Zusätzlich zur fluorierten Zahnpasta empfehlen Zahnärzte die Anwendung von fluoridhaltigem Speisesalz.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. sowie die meisten Kinderärzte plädieren bei Kindern ab der 2. Lebenswoche dagegen weiterhin für die weit verbreitete, kombinierte Vitamin-D- und Fluoridprophylaxe (0,25 mg/Tag), zum Beispiel mit D-Fluoretten®. Vor allem Kinderärzte befürchten, dass die Aufhebung der systemischen Fluoridgabe die Vitamin-D-Prophylaxe gefährdet, die bis zum Alter von einem Jahr erfolgen sollte. Sie empfehlen den Eltern, ihren Kleinen bis zu einem Alter von drei Jahren Fluoridtabletten zu geben. Ist sicher gestellt, dass die Kinder regelmäßig zweimal täglich die Zähne putzen und zusätzlich mit fluoridhaltigem Speisesalz Fluorid erhalten, werden die Tabletten überflüssig. 

Die Milchzähne schützen

Obwohl die Milchzähne ausfallen, sollten sie dennoch vor Karies geschützt werden. Denn zu frühe Zahnlücken können zu Fehlstellungen im Gebiss oder zu Sprachfehlern führen, außerdem schwächt Karies die Abwehrkräfte. Die Milchzähne müssen auch deshalb besonders sorgfältig gepflegt werden, weil sie viel empfindlicher auf den Angriff der Säure reagieren als die Zähne Erwachsener. Sobald alle Milchzähne durchgebrochen sind, sollten die Eltern mit ihrem Kind erstmalig den Zahnarzt aufsuchen. Von da an sollte der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt zur Selbstverständlichkeit werden. 

Zahngesunde Ernährung

Neben geeigneter Zahnreinigung, regelmäßigen Zahnarztbesuchen sowie der ausreichenden Fluoridzufuhr spielt die Ernährung eine große Rolle für die Zahngesundheit. An erster Stelle steht hier, den Konsum zuckerhaltiger Nahrungsmittel einzuschränken. Dabei ist weniger die absolute Menge entscheidend als die Häufigkeit und Dauer des Konsums. Besonders problematisch sind klebrige Süßigkeiten, mit Honig gesüßte Speisen und Trockenobst, beispielsweise Rosinen im Müsli. Außerdem gefährden säurehaltige Lebensmittel den Zahnschmelz, zum Beispiel Fruchtsäfte, Cola, Salatsaucen oder einige Weißweinsorten. Deshalb der Tipp: Nach dem Genuss von säurehaltigen Speisen mindestens eine halbe Stunde bis zum Zähneputzen warten, da das Putzen sonst den angeweichten Zahnschmelz angreift. Für zwischendurch eignen sich Zahnpflegekaugummis, die man mindestens zwanzig Minuten lang kauen sollte. 

Bei Kindern und Säuglingen sollten die Eltern zum Beispiel darauf achten, dass sie nicht ständig an Flaschen mit zuckerhaltigen Getränken nuckeln. Am besten geben sie den Kindern ausschließlich Wasser oder ungesüßten Tee zu trinken. Grundsätzlich gelten bezüglich der zahngesunden Ernährung für Kinder dieselben Hinweise wie für Erwachsene.

Die Bezeichnung »zuckerfrei« auf Lebensmitteln bedeutet nur, dass diese keine Saccharose enthalten. Andere Zucker wie Glucose, Fructose oder Lactose, die ebenfalls zu Karies führen, können zum Süßen verwendet worden sein. Manche Produkte sind mit Zuckeraustauschstoffen wie Mannitol, Sorbitol und Xylitol oder Zuckerersatzstoffen wie Saccharin, Cyclamat oder Acesulfam versetzt. Die Verpackungen sind dann mit einem Zahnmännchen mit Schirm als zahnfreundlich gekennzeichnet. Neben dem nicht ganz gleichwertigen Geschmack ist von Nachteil, dass Zuckeraustauschstoffe in größeren Mengen blähen und abführen.

Xylitol verhindert Karies

In den 1970-er Jahren begannen Forscher, das Potenzial des Zuckeraustauschstoffs Xylitol zur Reduktion von Karies zu untersuchen. Dabei stellten sie unter anderem fest: Der Austausch von Saccharose durch Xylitol reduzierte die Karieszuwachsrate um 85 Prozent. Erklärt wird dieser Effekt vor allem dadurch, dass die kariogenen Bakterien Xylitol nicht verstoffwechseln können und somit sterben. Studien ergaben folgenden Zusammenhang: Wenn Mütter bis zum 24. Monat nach der Geburt des Kindes viermal pro Tag xylitolhaltige Kaugummis kauten, hatten ihre Kinder im Alter von fünf Jahren um bis zu 74 Prozent weniger Karies als Kinder der Vergleichsgruppe. Außerdem regt Xylitol die Speichelbildung an, was sich zusätzlich positiv auswirkt. Die Xylitolmenge sollte 5 bis 10 Gramm pro Tag betragen, zum Beispiel in Form von Kaugummis oder Lutschpastillen. 

Die zahlreichen Studien machen deutlich, welche Faktoren sich positiv oder negativ auf die Zahngesundheit auswirken. Aus den Ergebnissen können PTA und Apotheker viele verlässliche Empfehlungen ableiten, die sie ihren Patienten und Kunden weitergeben können. Jeder kann entscheidend dazu beitragen, Zähne und Zahnfleisch gesund zu erhalten.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
c.eickhoff(at)abda.aponet.de