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Antibiotika

Lebensretter bei Infektionskrankheiten

27.08.2009
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Antibiotika

Lebensretter bei Infektionskrankheiten

von Brigitte M. Gensthaler

Die Entdeckung und Entwicklung der Antibiotika gehören zu den Highlights in der Medizin und Pharmazie. Denn mit diesen Medikamenten lassen sich auch schwere bakterielle Infektionskrankheiten besiegen. Nun drohen die »Wunderwaffen« stumpf zu werden. 

Noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts starben in Europa viele Menschen an Tetanus, Wundinfektionen, Blutvergiftung, Diphtherie, Lungen- oder Hirnhautentzündungen, die von Bakterien ausgelöst werden. Neben guter Hygiene und wirksamen Impfstoffen haben vor allem Antibiotika dafür gesorgt, dass viele bakterielle Infektionen, zumindest in Industrieländern, ihren Schrecken verloren haben. 

Ein Schimmelpilz macht Karriere

Ein bisschen Unordnung am Arbeitsplatz gab den Anstoß zu einer genialen Entdeckung. Im September 1928 fand der schottische Arzt Alexander Fleming in seinem Londoner Labor eine Agar-Platte, die mit einem Schimmelpilz verunreinigt war. Die Bakterien, die er eigentlich anzüchten wollte, wuchsen in der Umgebung des Eindringlings nicht mehr. Anstatt die Schale einfach wegzuwerfen, untersuchte Fleming den Schimmel und züchtete ihn weiter. Bald stellte er fest, dass »sein« Schimmelpilz Penicillium notatum eine Substanz produzierte, die das Wachstum von Staphylokokken und anderen Bakterien verhinderte. Die Kulturbrühe des Pilzes nannte er »Penicillium«. Da er aber keine konzentrierte Penicillin-Lösung herstellen konnte, fand seine Entdeckung wenig Beachtung. Zudem blickte die wissenschaftliche Welt zur selben Zeit auf den deutschen Bakteriologen Gerhard Domagk, der mit Erfolg die ebenfalls gegen Bakterien wirksamen Sulfonamide entwickelte. 

Im Jahr 1941 konnte erstmals ein Mensch mit »Penicillin G«, der »Muttersubstanz« aller Penicilline, behandelt werden. Doch als der wertvolle Arzneistoff den Ärzten nach fünf Tagen ausging, starb der Patient an seiner Infektion. Dank großer Fortschritte in der Forschung gab es jedoch bald genügend Penicillin aus speziell gezüchteten Pilzkulturen.

Nobelpreise für Antibiotika-Forscher

Mehrere Wissenschaftler wurden für ihre Antibiotika-Forschung mit dem Nobelpreis geehrt. 1939 erhielt der Mediziner Gerhard Domagk den Nobelpreis für die Entdeckung der antibakteriellen Wirkung des Sulfonamids Prontosil. Zudem entwickelte er wichtige Tuberkulosemittel. Wegen des NS-Regimes konnte Domagk den Preis erst 1947 persönlich entgegennehmen. Für die Erforschung des Penicillins erhielten der Mediziner und Mikrobiologe Alexander Fleming, der Chemiker Ernst Boris Chain und der Mediziner und Pathologe Howard Walter Florey im Jahr 1945 den Nobelpreis für Medizin. 

Die Tatsache, dass sich verschiedene Keime gegenseitig blockieren, war schon lange bekannt. Die Forscher nannten dieses Phänomen »Antibiose«. Der daraus entwickelte Begriff »Antibiotika« wird heute für alle antimikrobiell wirksamen Stoffe verwendet – egal, ob sie von Pilzen, Bakterien oder aus dem Syntheselabor stammen. Im Unterschied dazu umfasst der Begriff »Antiinfektiva« alle Wirkstoffe, die in geringen Konzentrationen Mikroorganismen schädigen oder abtöten können. Dies sind neben Bakterien beispielsweise Viren, Pilze oder Würmer. Wichtig: Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren oder Pilze. 

Kein Mensch ist keimfrei

Nach ihrem Aussehen unterscheidet man stäbchenförmig, kugelig (kokkoid) und spiralförmig (spirochätal) geformte Bakterien. Während einige Sauerstoff zum Wachsen brauchen (aerob), kommen andere ohne aus (anaerob). Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der Ort des Wachstums. Die meisten Bakterien leben extrazellulär, nur wenige vermehren sich intrazellulär.  

Ein wichtiges Merkmal für die Einteilung der Bakterien entwickelte der dänische Pathologe Hans C. J. Gram im Jahr 1884. Die nach ihm benannte Gramfärbung zeigt an, wie groß der Anteil des Gerüstbausteins Murein in der Bakterienzellwand ist. Man unterscheidet grampositive und gramnegative Bakterien (Tabelle 1). Die Gramfärbung eines Bakteriums gibt wichtige Hinweise für die Auswahl des »passenden« Antibiotikums.

Tabelle 1: Grampositive und gramnegative Bakterien

Einteilung Beispiele
Grampositiv Staphylokokken, z. B. Staphylococcus aureus, Streptokokken, z. B. Streptococcus pneumoniae, Clostridium, Enterokokken
Gramnegativ Enterobakteriaceen, z.B. Escherichia coli, Proteus, Klebsiellen, Enterobacter, Haemophilus influenzae, Legionellen, Salmonellen
Spirochäten Borrelien, Treponema, Leptospira

Jeder Mensch ist natürlicherweise von unzähligen Keimen besiedelt. Bakterien wie Staphylokokken, Streptokokken und Corynebakterien befinden sich beispielsweise auf Haut und Schleimhäuten, Laktobazillen tummeln sich in der Vagina der Frau und Escherichia (E.) coli bevölkern den Darm. Diese Bakterienflora ist normal (physiologisch). Die Bakterien lösen erst Krankheiten aus, das heißt, sie werden pathologisch, wenn sie sich an »falschen« Orten ansiedeln und das Immunsystem sie nicht abwehren kann. Beispielsweise können E. coli in der Harnblase eine Entzündung oder Streptokokken in der Lunge eine Pneumonie hervorrufen.  

Eine Vielzahl anderer Bakterien, die beim Menschen nicht zur natürlichen Flora gehören, lösen schwere Infektionskrankheiten wie Cholera, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten oder Hirnhautentzündung aus. Vor diesen zum Teil lebensbedrohlichen Erkrankungen schützen heute vorbeugend Impfungen.  

Zum Angriff gerüstet

Antibiotika sind wahre »Wunderwaffen« gegen Bakterien. Heute stehen etliche Wirkstoffklassen zur Verfügung, die die unerwünschten Eindringlinge auf vielfältige Weise angreifen. Der Trick dabei: Sie attackieren Bakterien bereits in Konzentrationen, die für den Körper weitgehend ungefährlich sind. Trotzdem greift jedes Antibiotikum auch die natürliche Flora an, sodass sich unerwünschte Wirkungen nicht immer vermeiden lassen. Bekanntes Beispiel: Eine Störung der Darmflora führt zu Durchfällen oder lässt Candida-Hefen Überhand gewinnen. 

Generell wirken Antibiotika auf unterschiedliche Weise. Töten sie die Bakterien ab, ist die Wirkung bakterizid. Hemmen sie nur deren Wachstum oder Vermehrung, werden sie als bakteriostatisch bezeichnet. Das körpereigene Immunsystem ist in beiden Fällen nicht arbeitslos. Es muss die Zelltrümmer beseitigen oder die übrig gebliebenen Keime zerstören. Viele Antibiotika haben beide Wirkqualitäten. Manche Substanzen wirken 

  • immer bakteriostatisch wie Sulfonamide;
  • überwiegend bakteriostatisch wie die  -Tetra-cycline;
  • immer bakterizid wie Aminoglykoside;
  • nur während der Vermehrungsphase der Bakterien bakterizid wie die Penicilline.

Wichtige Antibiotika-Gruppen

Die Penicilline gehören nach wie vor zu den wichtigsten Antibiotika. Chemisch gesehen sind es Beta-Lactam-Verbindungen. Der zuerst entwickelte Wirkstoff, Penicillin G oder Benzylpenicillin, muss gespritzt werden. Ein großer Fortschritt gelang mit Substanzen zum Schlucken: Daher heißt Phenoxymethylpenicillin auch Penicillin V – für »Victory«. 

Penicilline werden mitunter kombiniert mit Beta-Lactamase-Hemmstoffen wie Clavulansäure, Sulbactam und Tazobactam. Diese wirken selbst nicht antibiotisch, hemmen aber das Enzym Beta-Lactamase, das den Arzneistoff zerstört. Ärzte verordnen Oral-Penicilline bei leichten bis mittelschweren Infektionen, zum Beispiel Mandel- oder Lungenentzündung (Tonsillitis, Pneumonie), bakterieller Bronchitis, Infektionen im Hals-Nasen-Ohren-(HNO)-Bereich oder Haut- und Weichteilinfektionen. Beispiele sind Flucloxacillin, Ampicillin oder Amoxicillin. 

Zu den Beta-Lactam-Verbindungen gehören auch die Cephalosporine, Carbapeneme und Monobactame, die ein breites Wirkspektrum haben. Die beiden letztgenannten Gruppen werden intravenös bei schweren Infektionen eingesetzt. Oral-Cephalosporine werden zum Beispiel bei Atemwegs-, Haut- und komplizierten Harnwegsinfektionen verordnet. Es gibt auch spezielle Indikationen: Ceftriaxon ist bei Hirnhautentzündung gut wirksam, da es die Blut-Hirn-Schranke überwindet. Ceftazidim wirkt gegen Pseudomonas-Keime, die immer schwer zu behandeln sind. 

Makrolide wie Erythromycin, Clarithromycin, Roxithromycin und Azithromycin wirken vorwiegend bakteriostatisch, in höherer Konzentration teilweise bakterizid. Sie werden meist bei Infektionen der Atemwege, des HNO-Bereichs, der Haut und Weichteile verordnet. Um Infektionen bei zahnmedizinischen Eingriffen vorzubeugen, müssen manche Patienten vorab Clindamycin einnehmen.  

Hauptindikation der Tetracycline sind Infektionen der Atem- und der Harnwege sowie die Borreliose. Ihr Wirkspektrum ist breiter als das der Penicilline und sie erfassen auch Keime, die intrazellulär wachsen. Daher helfen Doxycyclin und Co. zum Beispiel bei Chlamydien-Infektionen im weiblichen Unterleib. Minocyclin wird bei Akne eingesetzt. 

Sehr beliebt bei den Ärzten sind die Fluorchinolone (Gyrasehemmer), da diese Wirkstoffe ein breites Spektrum an Keimen abtöten. Norfloxacin und Enoxacin helfen bei unkomplizierten Harnwegsinfekten. Ciprofloxacin, Ofloxacin und Levofloxacin sind zudem bei Infektionen der Atemwege, von Haut und Weichteilen sowie des Darms wirksam. In schweren Fällen bekommt der Patient die Antibiotika als Spritze. Klingen die akuten Beschwerden ab, kann er die Behandlung mit Tabletten fortsetzen.

Sulfonamide sind heute nahezu »out«. Ausnahme: Sulfamethoxazol plus Trimethoprim wird als Cotrimoxazol häufig bei Harnwegsinfektionen gegeben. Der Rat, besonders viel zu trinken, gilt zwar grundsätzlich für die Patienten. Nehmen sie Cotrimoxazol ein, hilft die Flüssigkeit noch zusätzlich, Nierenschäden zu vermeiden.  

Problemfall Resistenz

Die Euphorie über die hohe Wirksamkeit der Antibiotika erhielt einen Dämpfer, als Mediziner die Abwehrmechanismen der Bakterien erkannten. Bei mehrfachem Kontakt mit einem Antibiotikum können sie Resistenzen entwickeln. Das heißt, sie werden unempfindlich gegen dieses Arzneimittel. Manche Keime sind auch von Haus aus widerstandsfähig gegen bestimmte Antibiotika (primär resistent). 

Je häufiger ein Wirkstoff eingesetzt wird, umso eher bilden sich Resistenzen dagegen. Daher kritisiert die Weltgesundheitsorganisation, dass Antibiotika häufig bei »falschen«, meist viralen Infektionen, in zu geringer Dosierung, zu kurz oder zu lang eingesetzt werden. Dann werden die Wunderwaffen »stumpf«. Es zeigt sich, dass der Anteil resistenter Keime in Ländern, in denen die Ärzte sehr häufig Antibiotika verordnen, ansteigt. Beispiel Frankreich: Hier ist die Resistenzrate gegen gängige Antibiotika viermal so hoch wie in Deutschland, berichtet die Initiative »Zündstoff Antibiotika-Resistenz«.  

Doch auch in Deutschland steigt der prozentuale Anteil der widerstandsfähigen Keime. Vor allem in Krankenhäusern bereiten Bakterien, die gegen die meisten oder sogar alle Antibiotika unempfindlich sind, den Ärzten Kopfzerbrechen. Man schätzt, dass hierzulande 40 000 Menschen jährlich an bakteriellen Infektionen sterben, die sie sich im Krankenhaus zugezogen haben. Besonders gefährdet sind alle, deren Immunsystem (noch) nicht auf Hochtouren läuft. Dies sind frühgeborene Babys, aber auch Senioren, Menschen mit Krebs oder AIDS oder Patienten nach einer Organtransplantation. 

Paradebeispiel ist der Methicillin- oder multiresistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA. Der normale Hautkeim Staphylococcus aureus besiedelt schätzungsweise die Haut von 20 bis 50 Prozent aller Menschen. Deutlich seltener ist die MRSA-Variante. Für die völlig gesunden Träger wird es erst dann problematisch, wenn MRSA in den Körper einwandert und sich dort ausbreitet. Ist das Immunsystem geschwächt, kann MRSA dramatische Wundinfektionen, eine Lungenentzündung oder Blutvergiftung auslösen, die kaum noch behandelbar ist. 

Für schwerste Fälle 

In den letzten Jahren kamen nur wenige Antibiotika mit neuem Wirkmechanismus auf den Markt. Diese Substanzen gelten als Reserve-Antibiotika für die parenterale Anwendung im Krankenhaus. Sie sollten nur bei Patienten mit schweren lebensbedrohlichen Infektionen eingesetzt werden, wenn kein anderes Mittel hilft. Dazu gehören zum Beispiel Vancomycin und Teicoplanin, Aminoglykoside wie Gentamicin und Tobramycin (in Kombination mit Beta-Lactam-Antibiotika), Linezolid und Tigecyclin. 

Der verantwortungsvolle Umgang mit Antibiotika trägt entscheidend dazu bei, Resistenzen zu vermeiden. Bei Atemwegsinfekten sind sie oft unnötig, denn bis zu 80 Prozent dieser Infekte gehen auf das Konto von Viren. Ebenso ist Fieber allein kein Grund für Antibiotika; sie sind keine »Fiebermittel«. 

Antibiotika korrekt einsetzen

Idealerweise sucht der Arzt das Antibiotikum erst dann aus, wenn er den Erreger kennt (»gezielte« Therapie). Allerdings dauert es etwa zwei Tage, bis das sogenannte Antibiogramm vorliegt. In der ambulanten Therapie wählt der Arzt daher ein Mittel, das zum Patienten und zu den typischen Erregern »seiner Infektion« passt (Tabelle 2). Beispielsweise wird eine Lungenentzündung oft von Streptokokken (»Pneumokokken«) ausgelöst. Wenn es dem Patienten nach drei bis vier Tagen nicht besser geht, war die gewählte Arzneisubstanz falsch – oder er hat das Medikament nicht richtig eingenommen.

Tabelle 2: Die kalkulierte Therapie berücksichtigt drei Faktoren

Faktor Kriterium
Bakterium häufigste Erreger der jeweiligen Infektion
Mensch Alter, Impfstatus, Allgemeinzustand, Begleiterkrankungen, Vortherapie, Dauer der Infektion
Antibiotikum Wirkspektrum, Wirksamkeit, Pharmakokinetik und -dynamik, Verträglichkeit, Wirtschaftlichkeit

nach Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e. V.

Bei der Abgabe eines Antibiotikums können PTA oder Apotheker wertvolle Hinweise zur Einnahme geben. So sollen die Patienten Antibiotika mit reichlich Wasser schlucken, nie mit Milch, Kaffee oder schwarzem Tee. Tetracycline und Chinolone bilden Komplexe mit zwei- und dreiwertigen Kationen. Daher der Tipp: Die Medikamente außer mit Milch auch nie zusammen mit Eisen-, Aluminium- oder Magnesiumpräparaten einnehmen. Dass der Patient auf Alkohol verzichten sollte, versteht sich von selbst. 

Ein häufiger Fehler betrifft das Einnahmeintervall. »Dreimal täglich« bedeutet »alle acht Stunden« und nicht »zu den Mahlzeiten«, denn meist vergeht zwischen Abendessen und Frühstück deutlich mehr Zeit. Sinkt die Antibiotika-Konzentration nachts unter einen Schwellenwert, können sich die Bakterien munter vermehren. 

Ebenso falsch ist die zu kurze oder zu lange Einnahme. Viele Patienten beenden die Therapie, wenn sie sich besser fühlen oder weil sie Nebenwirkungen befürchten. Faustregel: Eine Antibiotikatherapie dauert meist sieben bis zehn Tage. Ausnahmen sind zum Beispiel die einmalige oder dreitägige Einnahme bei unkomplizierten Harnwegsinfekten der erwachsenen Frau. Grundsätzlich gilt, dass der Patient das Medikament so lange einnehmen muss, wie vom Arzt verordnet.

Dringend warnen sollten PTA oder Apotheker, wenn ein Patient Antibiotika, die er in der Hausapotheke aufgehoben hat, ohne Gespräch mit einem Arzt einnehmen will.  

Alle Antibiotika haben Nebenwirkungen. Bekannt sind Magen-Darm-Probleme wie Durchfall oder das Überhandnehmen von Hefepilzen, wenn die normale Darmflora geschädigt wurde. Manche Patienten entwickeln unter der Therapie mit Beta-Lactam-Antibiotika infolge einer allergischen Reaktion einen Hautausschlag. Wegen ihrer allergenen Potenz dürfen diese Wirkstoffe nie lokal angewendet werden. 

Tetracycline lagern sich in Knochen und Zähne ein. Daher sind sie bei Kindern unter acht Jahren sowie Schwangeren kontraindiziert. Beratungstipp: Der Patient soll während der Therapie intensive Sonneneinstrahlung vermeiden. 

Chinolone können die Reißfestigkeit der Sehnen herabsetzen. Während der Therapie und bis zu drei Monate danach sollten die Patienten deshalb auf Sport verzichten, der die Sehnen belastet. 

Aminoglykoside können bei systemischer Gabe Nieren und Ohren schwer schädigen und sogar Taubheit auslösen. Wenn ein Patient berichtet, dass er schwer hört oder es »im Ohr rauscht«, müssen PTA oder Apotheker ihm zum sofortigen Arztbesuch raten. 

Atemwege im Fokus

Zu den häufigsten Leiden gerade bei Kindern gehören Atemwegsinfekte. Oft kann man die Eltern beruhigen: Bis zu zehn Infekte pro Jahr sind bei Kindern im Alter bis zu vier Jahren normal! Selbst bei 10- bis 14-Jährigen besteht kein Grund zur Sorge, wenn sie sieben Infekte pro Jahr erleiden. Meistens sind Viren die Übeltäter. Dann sind Antibiotika fehl am Platz. Dies gilt im Normalfall für die Rachen- und Mandelentzündung. Enthält der Rachenabstrich jedoch A-Streptokokken, wird der Arzt Penicillin V für zehn Tage verordnen. Wenn der Patient dieses Antibiotikum nicht verträgt, kommen als Alternative Cephalosporine oder Makrolide infrage.  

Patienten mit leichten Halsschmerzen und Schluckbeschwerden können PTA oder Apotheker in der Selbstmedikation Lutschtabletten oder Lösungen mit Lokalanästhetika empfehlen. Auch pflanzliche Extrakte aus Ätherisch-Öl- oder Schleimdrogen lindern die Beschwerden. Lokal-Antibiotika zeigen keine Wirkung. Bei der akuten Mittelohrentzündung (Otitis media) verschreiben Ärzte heute Antibiotika viel zurückhaltender als noch vor zehn Jahren. Sind die Kindern älter als zwei Jahre, raten sie den Eltern meist zum Abwarten. Schmerzmittel und abschwellende Nasentropfen erleichtern den Kleinen die Pein. Klingen die Ohrenschmerzen innerhalb von 48 Stunden nicht ab, sind Antibiotika angezeigt. Mittel der Wahl ist Amoxicillin (meist fünf Tage). Tipp: Viel trinken! Das erhöht die Resorption und verringert Nebenwirkungen im Darm. Kleinkinder unter zwei Jahren sollten meist sofort sieben bis zehn Tage lang ein Antibiotikum einnehmen. 

Eine akute Bronchitis mit Husten geht fast immer auf das Konto von Viren. Also kein Antibiotikum! Eine Lungenentzündung wird von Viren oder Bakterien ausgelöst. Häufig sind Streptokokken die Übeltäter; sie sprechen oft gut auf Amoxicillin (sieben bis zehn Tage) an. In zweiter Linie kommen Cephalosporine und Amoxicillin plus Clavulansäure zum Einsatz. Sogenannte atypische Erreger, zum Beispiel Mykoplasmen, Chlamydien oder Legionellen, werden mit Doxycyclin oder Makroliden bekämpft. 

Wenn die Harnwege brennen

Harndrang, Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen sind die typischen Zeichen einer Blasenentzündung. Die meisten Frauen kennen das Problem, das häufig auf das Konto von E. coli geht. Eine unkomplizierte Harnwegsinfektion liegt vor, wenn nur Blase und Harnröhre betroffen sind. Klagt der Patient aber über Flankenschmerzen und Fieber, ist Vorsicht geboten, denn dann befinden sich die Keime möglicherweise bereits im Nierenbecken. Apotheker und PTA sollten in einem solchen Fall dringend zum Arztbesuch raten. 

Die Standardtherapie der unkomplizierten Harnwegsinfektion bei Erwachsenen erfolgt mit Cotrimoxazol, Fluorchinolonen oder Amoxicillin. Manchmal greifen die Ärzte auch zu dem »alten« Antibiotikum Nitrofurantoin. Haben sich die Bakterien in Richtung Nierenbecken ausgebreitet, kommen auch Cephalosporine zum Zug. In der Beratung darf der Hinweis auf reichliches Trinken sowie Blasen-Nieren-Tees nicht fehlen.  

Was Frauen wissen sollten

Wenn der Arzt ihnen ein Antibiotikum verordnet hat, sind Frauen oft unsicher, ob die Therapie die Verhütung beeinflusst. Tatsächlich werden Frauen, die mit der Pille verhüten, nach einer Antibiotika-Therapie häufiger ungewollt schwanger. Manchmal hat dies eher »menschliche« Gründe: Bei zu starken Schmerzen und Fieber vergessen manche Frauen die Pille. Aber auch bei korrekter Einnahme kann es zu Störungen kommen. Leidet die Frau an Durchfall – auch eine mögliche Antibiotika-Nebenwirkung – oder muss sie bald nach der Pilleneinnahme erbrechen, werden die Hormone nicht ausreichend resorbiert. Außerdem beschleunigen manche Arzneistoffe den Abbau der Sexualhormone. Tipp: PTA oder Apotheker sollten der Frau empfehlen, zusätzlich zur Pille beispielsweise ein Kondom oder Diaphragma zu verwenden – sicher ist sicher. 

Ob eine Schwangere Antibiotika einnehmen kann, muss der behandelnde Arzt gemeinsam mit der Frau entscheiden und dabei zwischen Nutzen und Risiken abwägen. Fast alle Antibiotika passieren die Plazenta. Kein Wirkstoff ist absolut sicher. Ist die Mutter durch die Infektion jedoch stark belastet oder gefährdet, ist eine Therapie nötig. Experten empfehlen, dabei auf neue Wirkstoffe zu verzichten. Die »Klassiker« in der Schwangerschaft sind Penicilline und Cephalosporine; bislang sind keine schädlichen Effekte bekannt. Kontraindiziert sind Aminoglykoside, Gyrasehemmer, Sulfonamide und -Tetra-cycline, da diese Arzneistoffe teratogen oder für den Feten toxisch wirken. 

Ebenso ist in der Stillzeit Vorsicht geboten, denn alle Antibiotika gehen in die Muttermilch über. Auch hier wird der Arzt der Frau bevorzugt Penicilline oder Cephalosporine verordnen, wenn die Therapie unumgänglich ist.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
bm.gensthaler(at)t-online.de