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Osteoporose

Starke Knochen, starkes Leben

27.08.2009
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Osteoporose

Starke Knochen, starkes Leben

von Birgit Carl und Anna Laven

Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass in Deutschland vier bis sechs Millionen Menschen an Osteoporose erkrankt sind. Das Kuratorium Knochengesundheit beziffert die Zahl der Osteoporosepatienten in Deutschland aktuell sogar auf 7,8 Millionen. PTA und Apotheker können Betroffene fundiert beraten und auch in der Prophylaxe und Früherkennung aktiv werden.

Das Wort Osteoporose stammt aus dem Griechischen und bedeutet Knochenschwund (osteon = Knochen, poros = Loch). Bei dieser Skeletterkrankung geraten Knochenabbau und -neubildung aus dem Gleichgewicht, und die Knochen verlieren ihre Belastbarkeit. So entstehen bereits bei kleinen Belastungen Frakturen, und zwar hauptsächlich an der Wirbelsäule, am Oberschenkelhals oder, wenn auch seltener, an den Armen (Handgelenk und Oberarmkopf) und am Beckenknochen. Die Betroffenen leiden unter starken Schmerzen und verlieren ein großes Stück Lebensqualität. Häufig führen die Knochenbrüche zu Immobilität und Pflegebedürftigkeit.

Im Laufe des Lebens unterliegen die Knochen einem ständigen Auf- und Umbauprozess. Spezielle Zellen in der Knochensubstanz, die Osteoblasten, lagern fortwährend Material wie Calciumphosphat und Kollagen in den Knochen ein, und die Osteoklasten vernichten alte, »brüchige« Substanz. Ein Osteoklast baut in etwa die Menge ab, die 100 Osteoblasten in die Knochenmatrix einlagern. Während der Jugend steigt die Knochendichte an und erreicht ungefähr zum dreißigsten Lebensjahr den höchsten Wert (peak bone mass). Danach überwiegen die Abbau-Prozesse (Osteoklasie).

Bei Männern beginnt altersbedingt der Verlust an Knochenmasse im Durchschnitt ab dem 55. Lebensjahr und verläuft kontinuierlich, bei Frauen mit dem Beginn der Wechseljahre. In den ersten Jahren direkt nach der Menopause (letzte Regelblutung) verliert der Körper besonders viel Knochenmasse, da der positive Einfluss der Östrogene auf den Knochen nicht mehr wie zuvor vorhanden ist. Danach verläuft die Osteoklasie wie bei den Männern kontinuierlich. Fast 80 Prozent der an Osteoporose Erkrankten sind Frauen, aufgrund der hormonellen Ursachen besonders Frauen nach den Wechseljahren.

Damit die Knochen stabil aufgebaut werden, ist vor allem eine calciumreiche Ernährung wichtig. Studien zeigen, dass eine gute Calciumversorgung während der Kindheit und Jugend für stabile Knochen im Alter sorgt. Eine hohe peak bone mass ist ein gutes Polster für den Abbau der Knochensubstanz in späteren Jahren. Der Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zeigt, dass Kinder und Jugendliche gerade in den wichtigen Wachstumsjahren nicht ausreichend mit Calcium versorgt sind. So fehlen den 4- bis 6-jährigen Mädchen durchschnittlich 130 mg täglich, den 7- bis 9-Jährigen 280 mg und den 13- bis 14-Jährigen sogar 380 mg.

Gesunde Knochen von Anfang an 

Die unzureichende Knochenbildung in jungen Jahren ist eine häufige Ursache für Osteoporose im Alter. Die Calcium-Substitution im Erwachsenenalter kann diesen Mangel nicht mehr kompensieren. Das macht deutlich, wie wichtig eine calciumreiche Versorgung und Ernährung in der Kindheit und Jugend, eigentlich schon ab den ersten Schwangerschaftsmonaten ist.

PTA und Apotheker können Eltern für das Thema Knochengesundheit der heanwachsenden Generation sensibilisieren. Dies kann durch Vorträge in Kindergärten und Schulen geschehen, aber zuallererst in der täglichen Beratung. Geben PTA oder Apotheker zum Beispiel ein Präparat mit Vitamin D und Fluorid für die Zähne ab, können sie im Anschluss wichtige Tipps zur knochengesunden Ernährung geben. 

Die richtige Ernährung macht’s

Für gesunde, starke Knochen sorgt die ausreichende Zufuhr von Calcium, Vitamin D3, Vitamin K, Vitamin B12, Folsäure und Vitamin C. Auch Zink, Magnesium und Kupfer sind für den Knochenstoffwechsel nötig. Eine bewusst zusammengestellte, bedarfsgerechte, gesunde Mischkost, wie sie die DGE empfiehlt, gewährleistet die optimale Versorgung mit allen Nährstoffen. Besonders wichtig für den Knochenaufbau sind Calcium und Vitamin D3. So enthalten 50 bis 60 g Käse 400 mg Calcium, ein Glas Milch etwa 300 mg. Mineralwasser mit mehr als 150 mg Calcium pro Liter und mit Calcium angereicherte Fruchtsäfte tragen zur optimalen Versorgung bei. 

Vitamin A, Natrium und Phosphor beeinflussen hingegen den Knochenstoffwechsel negativ, sie sollten nur in Maßen zugeführt werden.

Pflanzliche Lebensmittel sollten täglich, Fleisch- und Wurstwaren maximal zwei- bis dreimal in der Woche auf dem Speiseplan stehen. Kochsalz, Kaffee und Alkohol sind neben Phosphat, zum Beispiel in Wurst, weitere Calciumräuber, deren Verzehr nicht übertrieben werden. Für Kinder, die Milch nicht vertragen oder nicht mögen, sollten die Eltern eine Substitution mit Calciumpräparaten in Erwägung ziehen.

Wo immer möglich, sollten in der Küche Milchprodukte Verwendung finden. So kann ein calciumreiches Joghurtdressing das Essig-Öl-Dressing ersetzen, Käsewürfel passen gut zum Salat, und viele Speisen gewinnen an Geschmack und Ernährungswert, wenn sie eine Käsekruste erhalten. Ein Teelöffel Magermilchpulver in der Sauce oder im Dessert liefert immerhin 60 mg Calcium. Calciumreicher Sesamsamen (gegebenenfalls leicht angeröstet) ergänzt Salate, Müslis oder Gebäck und schmeckt angenehm nussig. 

Bestimmung der Knochendichte

Für die Stabilität der Knochen sind ihre Dichte und Qualität, also die Mikroarchitektur des Knochens, entscheidend. Derzeit lässt sich jedoch nur die Knochendichte zuverlässig messen. Der Goldstandard zur Bestimmung der Knochendichte ist die DXA-Knochendichtemessung (Dual-Energie-Röntgen-Absorptionsmetrie). Mit der DXA-Methode bestimmt der Ortho-päde an der Lendenwirbelsäule oder am Oberschenkelknochen (Femur) die Dichte des Knochens. Den erhaltenen Wert vergleicht er mit dem Durchschnittswert einer bestimmten Patientengruppe. Meist dient der Wert einer Gruppe gesunder 30-jähriger Frauen als Referenzwert, da um das dreißigste Lebensjahr die Knochendichte am höchsten ist. 

Laut WHO ist der Befund normal, solange die gemessene Knochendichte nur um die Standardabweichung (SD) unter dem Durchschnittswert dieser Vergleichsgruppe liegt. Die Abweichung der Werte um 1 bis 2,5 SD vom Normalwert gilt als sogenannte Osteopenie. Mit diesem Begriff bezeichnet der Fachmann die Verminderung der Knochendichte als mögliche Vorstufe einer Osteoporose. Wenn der gemessene Wert mehr als 2,5 SD niedriger liegt und der Betroffene schon eine oder mehrere Frakturen erlitten hat, ist die Osteoporose manifest. 

Häufig beurteilt der Arzt den Messwert anhand des sogenannten T-Score-Werts. Ein T-Score von -1 bedeutet, dass der gemessene Wert um eine Standardabweichung niedriger liegt als der Wert der Vergleichsgruppe junger Frauen. 

Viele Menschen wissen nicht, dass sie osteoporosegefährdet sind. Daher nutzen einige Apotheken die Knochendichtemessung, um ihre Patienten oder Kunden für das Thema Osteoporose zu sensibilisieren. Allerdings messen die für den Apothekenalltag geeigneten Geräte mit Ultraschall, und die Messwerte korrelieren nicht mit der DXA-Messung. 

Service der Apotheke 

Dennoch eignet sich dieser in vielen Apotheken angebotene Service als Screening-Methode. Schnell, ohne Strahlenbelastung und einfach während des Apothekenbesuchs durchführbar, erreicht dieser Test Patienten, die sonst vielleicht nie auf die Idee gekommen wären, eine solche Messung durchführen zu lassen. Je nach Messwert können PTA oder Apotheker in einer individuellen Beratung den Anstoß geben, den Arzt aufzusuchen, damit sie rechtzeitig Prophylaxe- oder Therapiemaßnahmen einleiten und so ihre Knochen stark für das Leben machen.

E-Mail-Adresse der Verfasserinnen:
info(at)lavenseminare.de