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Mittelohrentzündung

Süße Prophylaxe

23.08.2010
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Mittelohrentzündung

Süße Prophylaxe

PTA-Forum / Xylit verhindert Karies. Das haben finnische Forscher bereits in den 1970er-Jahren nachgewiesen. Aus diesem Grund enthalten zahlreiche »Zahnpflegekaugummis« den Zuckeraustauschstoff. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass der Zuckeralkohol auch Mittelohrentzündungen positiv beeinflusst.

Laut Leitlinie zur Diagnose und Therapie der akuten Mittelohrentzündung (Otitis media) erkranken etwa 40 Prozent aller Kinder vor dem zehnten Lebensjahr mindestens einmal daran. So stellten finnische Forscher fest, dass Kinderärzte in ihrer Praxis bei etwa jedem dritten Kind unter zwei Jahren eine Otitis media diagnostizierten. Am häufigsten erkranken Kleinkinder zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem vierten Lebensjahr.

Eine akute Mittelohrentzündung bedarf der sofortigen Therapie. Zum einen ist sie äußerst schmerzhaft, zum anderen setzt sie das Hörvermögen der Kinder herab. Bei wiederholtem Auftreten kann dies Langzeitfolgen haben: Wenn die Kleinen in den ersten Lebensjahren häufig unter Otitis media leiden, besteht die Gefahr, dass die Sprachentwicklung des Kindes gravierend und langfristige geschädigt wird.

Gegen die akuten Beschwerden verordnen Ärzte in der Regel Schmerzmittel, Nasentropfen oder ein -spray. Die Eltern sollten darauf achten, dass das kranke Kind möglichst viel trinkt und sich schont, eventuell ist sogar Bettruhe angezeigt. Bessern sich die Ohrenschmerzen nicht innerhalb von 24 bis 48 Stunden, verschreiben die Kinderärzte Antibiotika.

Stillen, Impfen und Xylit

Leider sind den Eltern vorbeugende Maßnahmen kaum bekannt. Studien belegen beispielsweise eindeutig, dass Stillen einen Prophylaxe-Effekt hat: Zum einen spendet Muttermilch dem Kind schützende Antikörper, Immunzellen und Abwehrstoffe, zum anderen verbessert der Saugvorgang die Drainage der eustachischen Röhre, sodass Sekretansammlungen leichter abfließen können. Außerdem raten Experten den Eltern von Säuglingen, auf Schnuller und Flaschenernährung möglichst zu verzichten.

Um das Risiko einer Mittelohrentzündung herabzusetzen, sollten die Eltern in der Gegenwart des Kindes nicht rauchen. Weil Pneumokokken in 60 Prozent der Fälle an der Infektion beteiligt sind, trägt auch die Pneumokokken-Impfung dazu bei, dass die Kinder seltener an Otitis media erkranken. Diese Beobachtung wurde im Labor bestätigt: In Laborversuchen hemmte Xylit das Wachstum von Pneumokokken, denn die Bakterien können den Zuckeralkohol nicht abbauen. Zudem verhindert Xylit, dass die Erreger auf den Epithelzellen der Schleimhaut haften bleiben. Außerdem regt Xylit den Speichelfluss an, wodurch
es zu einem "Spüleffekt" in Mund und Rachenraum kommt.

Zum Effekt des Xylits bei Otitis media haben finnische Forscher eine placebokontrollierte doppelblinde Studie durchgeführt. Das Ergebnis: Wenn Kinder mit ständig wiederkehrenden Mittelohrentzündungen täglich Kaugummi mit insgesamt 8,4 Gramm Xylit kauten, sanken die Erkrankungsraten um 40 Prozent.

Ein Naturprodukt

Die exakte chemische Bezeichnung für Xylit oder Xylitol ist Pentanpentol. Spuren von Xylitol kommen in einigen Gemüsesorten und vielen Früchten vor. Im menschlichen Organismus entsteht Xylitol als Zwischenprodukt des Kohlenhydratabbaus. Industriell wird Xylit aus den Holzabfällen der Papierindustrie hergestellt. Der darin enthaltene Holzzucker (Xylose) oder das Holzgummi (Xylane) werden dazu chemisch hydriert. Heute erfolgt die Gewinnung oft aus den Resten von Maiskolben, deren Körner bereits abgeerntet wurden. Die hohen Kosten des Xylits sind durch den aufwendigen Herstellungsprozess bedingt. Geschmack und Süßkraft von Xylit entsprechen 1 zu 1 dem Haushaltszucker Saccharose.

Xylit ist als Pulver im Handel oder Bestandteil von Kaugummis und Bonbons. Säuglingen und Kleinkindern verabreichen die Eltern Xylit am besten als Sirup. Dieser lässt sich einfach herstellen, indem man 1 Teil Wasser mit 3 Teilen Pulver mischt. Experten raten, Kindern zur Prophylaxe eine Dosis von fünfmal täglich 1 bis 2 g Xylit zu geben. Diese Menge entspricht einem halbem bis einem gestrichenen Teelöffel. Für eine wirkungsvolle Prophylaxe von Mittelohrentzündungen reichen 5 bis 10 g am Tag aus. Am sinnvollsten verteilen Eltern die Gabe auf mehrere Dosierungen pro Tag, denn so wird das Wachstum der Erreger langfristig am besten eingedämmt. Sobald die Kinder alt genug sind, können ihnen die Eltern erklären, dass sie den Sirup oder das reine Pulver bis zu zwei Minuten im Mund behalten und dann erst herunterschlucken sollen.

Gute Verträglichkeit

Wegen des süßen Geschmacks und seiner guten Verträglichkeit halten Kinder die »Therapie« mit Xylit langfristig durch. Im Dünndarm wird der Zuckeralkohol nur zu einem geringen Teil aufgenommen und gelangt daher weitgehend unverändert in den Dickdarm. Überdosierungen können zu Durchfällen führen. Laut Literaturangaben tritt die abführende Wirkung erst bei der Einnahme von mehr als 0,5 g pro Kilogramm Körpergewicht auf. Da in der Therapie Xylit nur in kleinen Mengen verabreicht wird, ist dieser Aspekt allerdings zu vernachlässigen, zumal der Körper sich an die zusätzliche Xylitgaben rasch gewöhnt. Viel wichtiger ist es an dieser Stelle nochmals darauf hinzuweisen, dass der prophylaktische Nutzen vor allem von der regelmäßigen Einnahme von Xylit abhängt.

Noch ein wichtiger Beratungstipp für die Eltern: Da Xylit effektiv auch die Anzahl der Karies verursachenden Bakterien im Mund senkt, sollte das Kind die letzte abendliche Dosis nach dem Zähneputzen erhalten.