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Betriebliche Altersvorsorge

Das Einkommen danach

22.07.2011
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Von Iris Priebe / Sich mit Versicherungen zu befassen, ist nicht jedermanns Sache. Tatsächlich sind viele überflüssig und lohnen sich nur für die Versicherungsgesellschaften. Jedoch sollte sich jeder Arbeitnehmer mit einer Versicherung ernsthaft auseinandersetzen: mit der privaten Altersvorsorge. Denn Arbeitgeber und Staat unterstützen das Sparen für den Lebensabend.

Wer immer noch glaubt, von der staatlichen Rente könne er im Alter gut leben, wird aller Voraussicht nach am Ende seiner beruflichen Laufbahn ein böses Erwachen erleben. Im Jahre 2000/2001 bekannten die Politiker Farbe und erklärten den Bundesbürgern, dass durch die Reform der gesetzlichen Rentenversicherung und die damit beschlossenen Kürzungen ihre Renten geschmälert würden. Jeder müsse nun selbst das Manko ausgleichen.

Auf dieser Grundlage entstanden zunächst die Riester-, später die Rürup-Rente, und den Beschäftigten wurde nahe gelegt, diese abzuschließen. Allerdings wurde es den Versicherern überlassen, Produktpakete zu schnüren, sie den zukünftigen Rentnern zu erklären und zu verkaufen. Viele Menschen fühlten und fühlen sich mit den unterschiedlichen Angeboten und der Wahl überfordert. Das Ende vom Lied: Kaum ein Arbeitnehmer schloss eine private Altersvorsorgeversicherung ab.

Prinzip betriebliche Altersvorsorge

Etwas übersichtlicher gestaltet ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV), auf die jeder deutsche Arbeitnehmer seit Januar 2002 einen Rechtsanspruch hat. Das bedeutet, der Arbeitgeber ist verpflichtet, dem Arbeitnehmer eine bAV anzubieten. Hierbei kümmert sich der Arbeitgeber um den Abschluss. Die bAV bietet aber beiden – sowohl dem Arbeitnehmer als auch dem Arbeitgeber – Vorteile. Daher ist es eigentlich unverständlich, dass bislang nur rund 29 Prozent der Deutschen einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen haben.

Am 1. Januar 2012 tritt für Angestellte in der Apotheke ein neuer Tarifvertrag zur betrieblichen Altersvorsorge in Kraft (Ausnahme NRW und Sachsen siehe unten). Der Tarifvertrag ist deswegen so besonders interessant, weil dieser erstmals verpflichtend Beiträge und Zuschüsse durch den Arbeitgeber vorschreibt. Diese Förderung der Altersvorsorge sollten sich Mitarbeiter in Apotheken nicht entgehen lassen, vor allem weil der Staat das Sparen bezuschusst!

Fester Arbeitgeberbeitrag

Der betriebliche Rentenaufbau kann auf zwei Wegen erfolgen. Zum einen sind Apothekenleiter ab 2012 verpflichtet, eine sogenannte Anschubfinanzierung zu leisten. Mit ihr steht den Arbeitnehmern ein fester monatlicher Arbeitgeberbeitrag zu, der in eine Direktversicherung eingezahlt wird. Dieser Beitrag richtet sich nach den Wochenarbeitsstunden des Arbeitnehmers: Arbeitet er weniger als 10 Stunden sind es 10 Euro, über 10 Stunden sind es 15 Euro, bei mehr als 20 Stunden 22,50 Euro und bei mehr als 30 Stunden 27,50 Euro. Auszubildende zur pharmazeutisch-kaufmän­nischen Angestellten erhalten 10 Euro.

Variable Entgeltumwandlung

Wer clever ist, nutzt zusätzlich noch die freiwillige Entgeltumwandlung. Hierbei kann der Arbeitnehmer Teile seines Bruttogehalts der betrieblichen Altersvorsorge zukommen lassen. Die Vorteile sind:

1. Für diesen Betrag fallen keine Steuern und Sozialabgaben an. Zwar werden später wieder von der Rente Steuern einbehalten, doch nach aktueller Gesetzgebung werden diese erheblich geringer ausfallen, als die derzeitigen Steuersätze auf das Gehalt.

2. Der Arbeitnehmer erhält auf seinen Anteil nochmals einen Zuschuss in Höhe von 20 Prozent vom Arbeitgeber. Das kostet auch den Arbeitgeber nichts, denn er spart ja die Lohnnebenkosten und Beiträge zur Berufsgenossenschaft und reicht sie quasi nur an seinen Angestellten weiter. Kaum verständlich ist daher, dass sich die Arbeitgeberverbände in Nordrhein-Westfalen und Sachsen dazu sperren (siehe später im Text).

Maximal 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrundlage dürfen Arbeitnehmer auf diese Weise umwandeln. Diese liegt zurzeit (2011) bei monatlich 5 500 Euro. Demnach können Arbeitnehmer maximal 220 Euro im Monat in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen, und Arbeitgeber maximal 44 Euro zuschießen.

Der Arbeitgeber zahlt die vereinbarten Beiträge in eine Direktversicherung ein, die er eigenständig auswählen kann. Da die Renditen von Versicherer zu Versicherer jedoch erheblich schwanken, empfiehlt es sich, gemeinsam mit dem Arbeitgeber nach einer attraktiven Police zu suchen. Oft ist es für den Arbeitgeber sogar angenehm, wenn der Arbeitnehmer bereits nach einem Angebot Ausschau gehalten hat und dieses benennen kann.

Zum Beispiel bieten das Versorgungswerk des Bundesverbandes PTA (BVpta) sowie die Apothekengewerkschaft Adexa ihren Mitgliedern gemeinsam mit deutschen Versicherern die sogenannte ApothekenRente an. Dort wird – wie bei anderen deutschen Versicherern auch – bis zum 31. 12. 2011 eine Verzinsung von 2,25 Prozent garantiert. Ab dem 1. 1. 2012 wird der ­Garantiezins allerdings auf 1,75 Prozent ­gesenkt. Daher der Tipp: Wer bisher keinen Vertrag hat, sollte noch in diesem Jahr ­einen Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge abschließen!

Leider gleichen diese Garantiezinsen derzeit nicht einmal die Inflationsrate aus, die in den letzten Jahren im Mittel bei ­ 4,2 Prozent lag (www.inflation-deflation.de). Damit sich das Sparen also wirklich lohnt, müssen die Verbraucher die Renditen deutscher Produkte auch einmal mit ausländischen Anbietern vergleichen. Beispielsweise sind nach intensiver Prüfung seit einigen Jahren britische Rentenprodukte hierzulande zugelassen mit im Schnitt deutlich höheren Renditen wie bei Generation business von Canada Life.

Das Pro und Contra: Deutsche Produkte sind besonders auf Sicherheit ausgelegt, weil die Versicherer die eingezahlten Beiträge größtenteils in Rentenpapiere investieren. Deren Wert unterliegt kaum Schwankungen und sie sind deshalb sehr sicher. Nachteilig ist, dass sie nur gering verzinst werden und geringe Erträge erzielen. Britische Versicherer investieren die Anwartschaften zu einem hohen Prozentsatz in risikoreichere Produkte wie Aktienfonds, doch bieten diese immer noch ein hohes Maß an Sicherheit.

Qual der Wahl

Welcher Versicherer ist der richtige? Eine allgemeingültige Empfehlung lässt sich nicht geben. Jeder muss selbst Zeit investieren und verschiedene Anbieter vergleichen. Dabei erleichtern vier Fragen die Entscheidung:

1. In welche Kapitalanlageformen investiert der Anbieter und mit wie viel Prozent? Ein hoher Anteil an Rentenpapieren bedeutet hohe Sicherheit, ein hoher Aktienanteil etwas weniger Sicherheit, dafür in der Regel höhere Erträge.

2. Wie sah die durchschnittliche prozentuale Entwicklung des Produkts in den letzten fünf Jahren aus? Lag sie bei den garantierten 2,25 Prozent oder sogar höher bei ­ 4 oder 6 bis 8 Prozent?

3. Mit welcher Note bewerten die großen Ranking-Agenturen (Fitch, Standard & Poor’s, Moody’s, A.M. Best) den Anbieter aktuell? Rankingagenturen bewerten die Bonität (Kreditwürdigkeit) der Lebensversicherer. Dies sagt zwar nichts über die Qualität des Produkts aus, weist aber darauf hin, ob der Versicherer sorgfältig mit dem ihm anvertrauten Geld wirtschaftet.

4. Wie hoch ist die Ablaufleistung, also mit welcher Summe Geldes kann der Kunde am Ende wahrscheinlich rechnen?

Geld bleibt

Inzwischen ist es leichter geworden, beim Wechsel des Arbeitsplatzes die bereits erworbenen Anwartschaften – also die schon eingezahlten Beiträge – mitzunehmen. Verstirbt der Versicherte während der Ansparung, gehen die bereits gezahlten Anwartschaften auf die Hinterbliebenen über. Das Geld geht also zu keiner Zeit verloren.

Der konkrete Vertrag

Wer sich für eine Entgeltumwandlung entscheidet, schließt mit seinem Arbeitgeber eine Entgeltumwandlungsvereinbarung ab. Hier werden die Namen des Arbeitgebers und Arbeitnehmers sowie das Datum des Arbeitsvertrages in der Apotheke und der abzuführende Beitrag erfasst. Das Formular finden Interessierte unter www.apothekenrente.info, Service-Center, Download-Antragsformulare.

Ausnahme NRW und Sachsen

Der Tarifvertrag zur betrieblichen Altersvorsorge gilt, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer beiderseits Mitglied in einer Gewerkschaft sind oder sich der Arbeitsvertrag an den Tarifvertrag anlehnt. Für die Kammerbezirke Nordrhein und Sachsen gilt der neue Tarifvertrag zur betrieblichen Altersvorsorge jedoch nicht, da in Nordrhein zwischen den Tarifpartnern ein eigener Tarifvertrag ausgehandelt wurde und Sachsens Apothekenleiter aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten sind. Die nordrheinischen Apothekenmitarbeiter haben dennoch einen Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung in eine Direktversicherung, jedoch ohne Zuschuss durch die Arbeitgeber! Sächsische Apothekenangestellte können auf Grundlage des § 1 a BetrAVG (Betriebsrentengesetzes) einen Teil ihres Gehaltes in eine betriebliche Altersvorsorge umwandeln. /

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irispriebe(at)gmx.de