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Freund oder Feind

22.07.2011
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Sind Bakterien nun die Freunde oder Feinde der Menschen? Feinde natürlich, würden sicher viele spontan antworten. Doch wie so häufig gibt es auch hier kein eindeutiges Ja oder Nein. Dazu eine bekannte Tatsache: Die Zahl der Bakterien sowohl im als auch auf dem menschlichen Körper übersteigt bei weitem die Anzahl aller Zellen. Ohne bestimmte Bakterienarten wären die Menschen gar nicht lebensfähig. Den Darm besiedelt eine Vielzahl unterschiedlicher Bakterien – sie bilden die Darmflora, helfen bei der Verdauung und verdrängen so manchen pathogenen Eindringling. Ähnliches gilt für die Hautflora, die meisten Keime dort sind harmloser Natur.

Diese Zusammenhänge sind sogar Laien bekannt. Wenige dürften hingegen wissen, dass Bakterien inzwischen als Produktionsstätten für wichtige Arzneistoffe dienen. Allerdings haben vorab Gentechniker ihr Erbgut verändert, damit die Organismen bestimmte Proteine herstellen. Neben den Bakterienkulturen setzt die Pharmaindustrie auch Zellkulturen von Säugetieren ein. So lassen sich beispielsweise monoklonale Antikörper produzieren. Wie diese Substanzen die Therapie von Autoimmunerkrankungen revolutioniert haben, beschreibt Dr. Gudrun Heyn im Titelbeitrag Biologika: Ständig neue Therapieoptionen. Zahlreiche gentechnisch hergestellte Proteine ermöglichen jetzt die Behandlung seltener Erkrankungen. Biologika ersetzen fehlende körpereigene Enzyme, beispielsweise bei Patienten mit Morbus Fabry oder Morbus Gaucher. Für die Betroffenen ein Segen – denn ohne diese Hightech-Arzneimittel müssten sie Behinderungen hinnehmen und mit einer deutlich verkürzten Lebens­erwartung rechnen.

Die geschilderten Beispiele zeigen nur eine Seite der Medaille: die positiven Effekte der Nutzung von Bakterien. Manche ihrer Vertreter rufen nach wie vor lebensgefährliche Infektionen hervor. Mitte des letzten Jahrhunderts hatten Forscher noch die Hoffnung, durch die Entwicklung von Antibiotika die pathogenen Bakterien in den Griff zu bekommen. Dies hat sich leider nicht erfüllt und wurde unlängst durch die Erkrankungsfälle aufgrund eines pathogenen Escherichia-coli-Stammes, der EHEC-Bakterien, noch einmal bestätigt. Trotz Aufnahme auf die Intensivstationen der Kliniken und Einsatz aller medizinischen Möglichkeiten konnten die Ärzte nicht verhindern, dass Patienten an der Infektion starben. Einige werden wahrscheinlich ihr Leben lang auf eine Dialyse angewiesen sein. Kurz nach Auftreten der ersten Infektionen war den zuständigen Behörden klar, dass sich die EHEC-Infektion über Lebensmittel verbreitet hatten. Doch dauerte es einige Zeit, bis die Quelle endlich gefunden wurde.

Auch wenn EHEC sehr in den Blickpunkt der Medien und in die öffentliche Diskussion geriet, sind in den meisten Fällen andere Keime die Verursacher heftiger Durchfälle, an erster Stelle die Salmonellen, an zweiter Staphylococcus aureus. Allerdings spielt auch hierbei eine Rolle, welcher Stamm die Infektion verursacht hat. Viele der Durchfälle verlaufen ganz unspektakulär und heilen spontan wieder aus, beispielsweise bei Enteritis-Salmonellen. PTA Martin Fieker hat für Sie die wichtigsten bakteriellen Auslöser für Durchfallerkrankungen zusammengefasst: Durchfallerkrankungen: Versteckte Gifte in Lebensmitteln. Wenn Sie alle erforderlichen Hygienemaßnahmen beachten, können Sie manche Infektion verhindern. Einen erholsamen Sommer wünscht Ihnen

Annette van Gessel

Apothekerin für theoretische und praktische Ausbildung