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Dermatologie

Immer Ärger mit Pickeln

22.07.2011  16:27 Uhr

Von Ursula Sellerberg / Jugendliche mit starker Akne finden schwerer einen Ausbildungsplatz und werden häufig mit dem Vorurteil konfrontiert, sich nicht ausreichend zu pflegen. Trotz ihres Leidens lassen sich nur etwa 15 bis 30 Prozent ärztlich behandeln. Dabei verbessert eine Therapie nicht nur das Aussehen, sie verhindert vor allem lebenslange Akne-Narben.

Mehr als 70 Prozent der Jugendlichen haben Akne, allerdings variieren Schweregrad und Dauer der Hautprobleme sehr stark. Bei den meisten Teenagern wächst sich Akne zu Beginn des Erwachsenenalters aus, nur jeder zehnte leidet noch nach seinem 25. Geburtstag daran.

Fragt ein junger Mensch mit Akne in der Apotheke nach einem geeigneten Präparat, müssen PTA oder Apotheker entscheiden, ob er besser zunächst den Dermatologen aufsuchen sollte. Leichte Akneformen können Jugendliche durchaus mit Produkten der Selbstmedikation behandeln. Treten Pickel aber außer im Gesicht noch auf Brust und Rücken auf, ist der Arztbesuch erforderlich. Auch Akne bei kleinen Kindern oder bei Erwachsenen gehört in die Hand eines Facharztes. Dieser prüft unter anderem, ob die Akne möglicherweise eine Nebenwirkung von Arzneimitteln ist, zum Beispiel eines Antiepileptikums, von Chloroquin oder Lithium, eventuell auch eines Anabolikums, das zum Muskelaufbau oder zum Doping eingenommen wird.

Zunächst nur Hautunreinheiten

Unreine Haut gilt als Vorstufe der Akne und heißt daher auch Prä-Akne. Vor allem die hormonellen Veränderungen in der Pubertät regen die Hautdrüsen an, zu viel Talg zu produzieren. Ein »fett-feuchter Zustand« ist dann für die Haut charakteristisch. Weil sich in den Talgdrüsenfollikeln immer mehr Talg sammelt und sich an deren oberer Öffnung vermehrt Hornzellen zu festen Konglomeraten zusammenschließen, verstopft schließlich ein Pfropfen aus Talg und Hornzellen den Abfluss. Dadurch entstehen Mitesser, auch Komedonen genannt. Bestimmte Substanzen wirken noch zusätzlich komedogen, weil sie den Follikeleingang so sehr reizen, dass er sich verschließt und Mitesser entstehen. Deshalb sollten Menschen mit unreiner Haut solche Substanzen strikt meiden (siehe Tabelle). Das gilt übrigens genauso für Reinigungspräparate, die nur kurz Kontakt mit der Haut haben.

Komedogene Substanzen (Beispiele)

Substanz Bestandteil von
Butylstearat Kosmetika (Lösungsmittel)
Cetylalkohol Kosmetika (Emulsionsstabilisator)
Erdnussöl Seifen, Badezusätze, Salben
Hexylenglykol Kosmetika, Shampoos, Salben (Lösungsvermittler)
Isopropylmyristat Kosmetika (Lösungsvermittler, Spreithilfsmittel)
Kakaobutter Massageöle, Salben
Kokosöl Seifen, Massageöl, Salben
Lanolin (auch acetyliert) Salben, Seifen
Maiskeimöl Cremes, Salben
Natriumlaurylsulfat Shampoos (Lösungsvermittler)
Octanol Parfüm, desinfizierende Seifen (Schaumhemmer)
Olivenöl Massageöle, Seifen, Kosmetika
Ölsäure Seifen
Polyethylenglykol (PEG) 300 Salben, Kosmetika, Externa (Lösungsvermittler)
Safloröl Kosmetika (farbgebend)
Sesamöl Salben, Kosmetika
Stearinsäure Kosmetika
Quelle: Pflegekosmetik, Raab, Kindl

Manche Mitesser entzünden sich. Schuld daran sind vor allem Bakterien der normalen Hautflora, zum Beispiel Propionibacterium acnes. Dieser Mikroorganismus bildet Lipasen, die Fette aus dem Hauttalg spalten. Die freien Fettsäuren wiederum reizen die Haut und wirken ebenfalls komedogen. Weitere Enzyme, die das Bakterium ausscheidet, sorgen dafür, dass die Follikelwand einreißt. Dann dringen die freien Fettsäuren in den Follikel ein und locken Entzündungsbotenstoffe sowie weiße Blutkörperchen an. Das Gewebe rund um den Follikel beginnt sich zu entzünden. Wenn sich die Entzündung ausbreitet, bilden sich rote Knötchen (Papeln) oder sogar Eiterbläschen (Pusteln). Greift die Entzündung schließlich auf tiefere Hautschichten über und gehen dort Zellen zugrunde, kann nach dem Abheilen eine Narbe zurückbleiben.

Während der Hautarzt schwere Akneformen fast immer mit oralen Arzneimitteln therapiert, reicht bei einer leichten Akne die äußerliche Behandlung aus. Ziele der Therapie sind, die Follikelausgänge wieder zu öffnen und die Talgproduktion zu senken. Außerdem sollen Bakterien bekämpft und bereits vorhandene Entzündungen gehemmt werden. Manche Arzneistoffe vereinen gleich mehrere dieser Wirkungen. Hingegen gelten folgende Substanzen als obsolet oder unwirksam und werden deshalb nicht mehr zur Behandlung empfohlen: Glukokortikoide, Chlorhexidin, Hexachlorphenon, Polividon-Iod, Schwefel und Triclosan.

Vorab noch ein wichtiger Hinweis: Die Behandlung einer Akne braucht Zeit. Erfolge zeigen sich oft erst nach mehreren Wochen. PTA und Apotheker müssen die Patienten daher zum Durchhalten motivieren. Wenn sich nach sechs Wochen Therapie der Hautzustand nicht bessert, sollte der Patient den Arzt aufsuchen.

Hornhaut lösende Keratolytika

Verschiedene Wirkstoffe können das Keratin zersetzen und so Hornzellen auflösen. Manche Keratolytika sind rezeptpflichtig (wie Retinoide, Azelainsäure), andere apothekenpflichtig (wie Benzoylperoxid, Salicylsäure). Für die Selbstmedikation eignet sich Benzoylperoxid (BPO), weil es keratolytisch und antibakteriell wirkt.

Manche Präparate müssen nach dem Auftragen sofort wieder abgewaschen werden (wie Benzaknen® W Suspension, Aknefug oxid® Wash), andere Gele und Cremes verbleiben auf der Haut (wie Cordes BPO®). Letztere muss der Patient ein- bis dreimal täglich auf die gesamte erkrankte Haut auftragen, nicht punktuell auf jeden Pickel oder Mitesser. Produkte mit niedrigen Konzentrationen zwischen 2,5 und 3 Prozent sind für die Anwendung im Gesicht bestimmt, höhere zwischen 5 und 10 Prozent für die Haut im Dekolleté oder auf dem Rücken. Die Behandlung dauert circa acht Wochen, in hartnäckigeren Fällen auch länger.

Dazu drei wichtige Abgabehinweise: Versehentlich ins Auge oder auf die Lippen geratene Creme oder Waschlotion muss sofort mit reichlich Wasser ab- und ausgespült werden. Die behandelte Haut muss vor direkter Sonnenbestrahlung geschützt werden. Weil BPO farbige Textilien bleicht, sollten die Patienten in dieser Zeit nur weiße Handtücher und Bettwäsche benutzen.

Auch Salicylsäure (wie in Aknefug liquid®) wirkt keratolytisch, antiphlogistisch und schwach antimikrobiell. Sie kommt als 1-prozentige Lösung in Ethanol oder Iso­propanol in den Handel oder wird von Ärzten entsprechend rezeptiert. Die Patienten reiben ihre betroffene Haut ein- bis zweimal täglich mit einem getränkten Wattepad ab. Als durchaus erwünschter Nebeneffekt verringert der Alkohol den Hautglanz. Schwangere dürfen Salicylsäure nur auf sehr kleinen Flächen anwenden.

Abrasiva bei unreiner Haut

Peelings oder Abrasiva dienen dazu, die obersten Hornzellen mechanisch abzutragen. Dadurch verhindern sie, dass neue Mitesser entstehen. Als Wirkstoff kommt unter anderem Aluminumoxid (wie in Brasivil® Peeling) zum Einsatz. Während sich Peelings bei unreiner Haut oder zur Nachbehandlung einer BPO-Therapie bewährt haben, sind sie für schwere Formen der Akne ungeeignet. Der Eiter würde dabei bloß großflächig verteilt und damit entstünden wieder neue Entzündungen.

Abrasiva werden ein- bis mehrmals pro Woche angewendet. Grundsätzlich gilt: Je länger das Abrasivum auf der Haut verrieben wird, desto stärker ist seine Wirkung. Zu langes Rubbeln kann die Haut allerdings zu sehr reizen. Neben den mechanischen Abrasiva werden auch chemische Peelings mit Glycol- oder Fruchtsäuren, in Kosmetika meist bis zu 10 Prozent, eingesetzt. Um die Haut an den Effekt höherer Konzentrationen von Fruchtsäure zu gewöhnen, wird deren Konzentration langsam gesteigert. Zubereitungen mit Konzentrationen über 15 Prozent darf nur der Hautarzt anwenden.

Therapeutika auf Rezept

Retinoide reduzieren zuverlässig die Neubildung von Talg, allerdings sind sie alle verschreibungspflichtig. Der Arzt kann folgende drei topische Wirkstoffe verordnen: Tretinoin (wie Airol® Lösung/Creme), Iso­tretinoin (wie Isotrex® Gel/Creme) und Adapalen (wie Differin® Gel/Creme). Die Präparate muss der Patient ein- bis zweimal täglich über mindestens acht Wochen hinweg oder länger anwenden. Fast immer führen sie (wie die innerliche Therapie auch) zu einer Erstverschlimmerung. Die Haut schuppt, brennt und rötet sich, sodass die Akne zu Behandlungsbeginn regelrecht aufzublühen scheint. Darüber sollten die Patienten unbedingt informiert werden. Die positive Wirkung setzt dann nach vier bis sechs Wochen ein.

Tipp für Personen mit empfindlicher Haut: Sie können Retinoide zu Beginn der Behandlung zuerst nur einmal täglich auftragen, am besten abends, sodass die Rötungen über Nacht verschwinden. Wenn sie auf diese Weise den Therapiestart gut vertragen haben, können sie die Anwendung schließlich auf zweimal täglich steigern.

Bei schweren Ausprägungen einer Akne raten Hautärzte dazu, Retinoide einzunehmen. Typische Nebenwirkungen sind trockene Haut und Schleimhäute. Dies äußert sich als Kopfschuppen, trockene Lippen und Augen oder als Nasenbluten und Borkenbildung in der Nase. Unter Umständen vertragen die Betroffenen während der Behandlung Kontaktlinsen nicht mehr. PTA oder Apotheker können im Einzelfall als Zusatzmedikation künstliche Tränen oder eine Wundcreme für die Nase empfehlen. Bei Isotretinoin sind als Nebenwirkungen außerdem noch Depressionen oder Psychosen bekannt.

Weil Retinoide in der Schwangerschaft zu schweren Missbildungen des Ungeborenen führen, dürfen junge Frauen im gebärfähigen Alter diese Substanzen nur dann einnehmen, wenn sie sicher verhüten. Übrigens ist auch die äußerliche Anwendung in der Schwangerschaft kontraindiziert. Bei der Rezeptbelieferung heißt es daher aufgepasst: Bei Frauen im gebärfähigen Alter dürfen PTA oder Apotheker ein Rezept über ein orales Isotretinoin nur dann einlösen, wenn das Rezept nicht älter als sieben Tage ist.

Rezeptpflichtig sind auch Präparate mit dem Wirkstoff Azelainsäure (Skinoren® 15 % Gel/20 % Creme). Der Arzneistoff wirkt keratolytisch, bakteriostatisch und antiphlogistisch. Der Patient muss Creme oder Gel meist zweimal täglich dünn auftragen. Eine deutliche Besserung ist im Allgemeinen nach etwa 4 Wochen zu sehen, die Therapie kann auch über mehrere Monate durchgeführt werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Rötung, Schuppung oder Juckreiz.

Mit Antibiotika gegen Keime

Antibiotika hemmen das Wachstum und die Vermehrung von Mikroorganismen. Sie kommen bei Akne äußerlich oder innerlich zum Einsatz. Alle Präparate sind verschreibungspflichtig. Externa enthalten die Arzneistoffe wie Erythromycin (wie Eryaknen® Gel), Clindamycin (wie Basocin® Gel/Lösung) und Nadifloxacin (wie Nadixa® Creme), manchmal auch in Kombination mit anderen Wirkstoffen. Zur systemischen Therapie verordnen Dermatologen ihren Patienten Präparate mit Doxycyclin (wie Doxakne® tabs) oder Minocyclin (wie Aknosan® Filmtabletten).

Lokal werden Antibiotika in der Regel zwei bis sechs Wochen lang ein- bis dreimal täglich aufgetragen. Brennt oder rötet sich die Haut, liegt das in den meisten Fällen an den Hilfsstoffen und nicht an den gut verträglichen antibiotischen Wirkstoffen: Oft reizt der Alkoholzusatz aus den Gelzubereitungen die Haut.

Bei der oralen Therapie sind zwei Hinweise für die Patienten wichtig: Lange Sonnenbäder können zu einer phototoxischen Reaktion führen. Außerdem sollten sie die Tabletten nicht gleichzeitig mit Milch, Mineralstoffen oder Antacida einnehmen, weil die darin enthaltenen zweiwertigen Kationen wie Calcium oder Magnesium die Resorption der Antibiotika deutlich beeinträchtigen.

Antibabypille hilft Frauen

Dass eine Akne mit Beginn der Pubertät ausbricht, hat seine Ursache im ansteigenden Testosteronspiegel. Sowohl die Eierstöcke als auch die Hoden produzieren dieses Hormon. Durch den hohen Gehalt an Testosteron im Blut werden die Talgdrüsen zur massiven Talgproduktion angeregt. Das erklärt, warum sich eine Akne bessern lässt, sobald man den Testosteronspiegel senkt. Das Prinzip können sich nur Frauen zunutze machen: Sie können durch die zusätzlich Einnahme weiblicher Hormone wie Estrogene und antiandrogene Gestagene die Wirkung des Testosterons abschwächen. Gleichzeitig wirken diese Hormonpräparate als Verhütungsmittel. Verschiedene Antibabypillen (wie Diane®, Valette®) kann der Arzt Frauen mit mittelschwerer oder schwerer Akne sogar zu Lasten der Krankenkasse verordnen. Üblicherweise beträgt die Therapiedauer mindestens ein Jahr.

Aknepatienten hilft neben Arzneimitteln auch eine kosmetische Beratung: Zur täglichen Hautreinigung sollten sie nur pH-neutrale Syndets oder Waschgele benutzen, denn die »klassischen« Seifen wirken komedogen. Spezialprodukte für Aknepatienten enthalten oft noch komedolytische Zusätze wie Fruchtsäuren, Glykol­säure, Salicylsäure oder Milchsäure. Gesichtswässer auf Basis konzentrierter, ethanolischer Lösungen entfetten die Haut so stark, dass wieder zu viel Talg produziert wird. Wer ein Make-up auftragen möchte, um die Pickel zu überdecken, sollte O/W-Emulsionen bevorzugen. Sie nehmen den Überschuss an hauteigenem Talg auf und vermindern den Fettglanz.

Übrigens: Mangelnde Hygiene ist zwar nicht die Ursache für Akne, dennoch kann das Befolgen einiger Regeln die Ausbreitung von Keimen verhindern. Die Haut sollte zweimal täglich gereinigt, Handtücher und Waschlappen täglich gewechselt ­werden.

Ernährungsempfehlungen runden ein Beratungsgespräch ab. Eine strenge Akne-Diät gibt es nicht, dennoch scheinen fette und süße Lebensmittel sowie solche mit einem hohen glykämischen Index das Entstehen von Pickeln zu fördern. Akne wird in diesem Zusammenhang auch »metabolisches Syndrom der Haut« genannt. Weiterhin stehen Coffein, Alkohol und Nicotin im Verdacht, eine Akne zu verschlechtern. Ob der Verzicht auf Schokolade, Pizza und Pommes frites der eigenen Haut gut tut, kann jeder Aknepatient selbst ausprobieren. Davon profitiert nicht nur seine Haut, sondern sein ganzer Körper. /

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sellerberg(at)yahoo.de