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Selbstmedikation bei PMS

Die Last mit den Tagen vor den Tagen

Manchmal äußern sich Depressionen oder Schilddrüsenerkrankungen in ähnlichen Symptomen wie das PMS. Der entscheidende Unterschied besteht in der Zyklusabhängigkeit der Beschwerden. Bei starken Spannungsgefühlen in der Brust oder auch bei Menstruationsstörungen muss die Patientin einen Arzt aufsuchen. Gleiches gilt für Frauen, die aufgrund der heftigen Beschwerden nicht mehr arbeitsfähig sind.

Fragen für das Beratungsgespräch (Beispiele)

  • Welche Beschwerden treten bei Ihnen auf? Sind Sie in den Tagen depressiv, ängstlich, abgeschlagen und müde? Oder eher gereizt und aggressiv? Haben Sie Konzentra­tionsschwierigkeiten und Probleme ein- und durchzuschlafen?
  • Wann treten die Beschwerden auf, immer vor der Regelblutung?
  • Wie lange dauern die Beschwerden? Verschwinden sie zu Beginn der Menstruation?
  • Seit wann bestehen diese Beschwerden, bereits seit mehreren Zyklen?
  • Wie beeinflussen die Beschwerden Ihr Alltagsleben?
  • Können Sie Auslöser für Ihre Beschwerden benennen, bestimmte Lebens- oder Genussmittel, zu wenig Schlaf, Stress?
  • Nehmen Sie Arzneimittel ein und wenn ja, welche?
  • Haben Sie Ihre Beschwerden bereits behandelt und wenn ja, womit und mit welchem Erfolg?

Mönchspfeffer

Im Rahmen der Selbstmedikation eignet sich Mönchspfeffer (Vitex agnus castus) für die Behandlung des PMS. Vitex agnus castus gehört zur Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae). Zur Extraktherstellung werden die pfefferkorngroßen Früchte verwendet. Mönchs­pfeffer-Extrakte enthalten Iridoidglykoside, Flavonoide sowie ätherische Öle und Fettsäuren. Neben der ­Indikation des PMS wird Mönchspfeffer auch bei Zyklusunregelmäßigkeiten und schmerzhaftem Spannungsgefühl in den Brüsten eingesetzt. Für den Einsatz bei prämenstruellen Beschwerden, Regel­tempo­anomalien und Mastodynie hat die ehemalige Kommission E des Bundesgesundheitsamts eine positive Monographie formuliert.

Studien konnten zeigen, dass Mönchspfefferextrakt dopaminerg wirkt und und die Prolaktinfreisetzung hemmt. Als Folge normalisiert sich die Ausschüttung des follikelstimulierenden Hormons (FSH) und des luteinisierenden Hormons (LH), die den Menstrua­tionszyklus regulieren (siehe auch Grafik). Die Tagesdosis für Mönchspfeffer beträgt 30 bis 40 mg Droge. Um eine Wirkung zu erzielen, sollten die Frauen ein Fertigpräparat mindestens drei Monatszyklen einnehmen.

Nebenwirkungen, die bei der Anwendung von Vitex-agnus-castus- Präparaten auftreten können, sind juckende, allergieartige Ausschläge. In dem Fall muss die Frau das Präparat ­absetzen und eventuell einen Arzt aufsuchen. Aufgrund der dopaminergen Wirkung des Mönchspfeffers kann es zu Wechselwirkungen mit Dopamin-Rezeptor-Antagonisten wie Neuroleptika kommen.

Traubensilberkerze

Eine weitere Heilpflanze gegen PMS-Beschwerden ist die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa), die zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) gehört. Inhaltsstoffe des medizinisch verwendeten Wurzelstocks sind Triterpenglykoside, Phenolcarbonsäuren und Flavonoide. Obwohl die Arzneipflanze hauptsächlich bei Beschwerden in den Wechseljahren eingesetzt wird, hat sie sich auch bei Menstruationsbeschwerden bewährt. Auch hierzu hat die ehemalige Kommission E eine positive Monographie verfasst.

Sinnvoll ist der Einsatz von Cimicifuga zur Behandlung des PMS vor allem, wenn psychovegetative Beschwerden im Vordergrund stehen. Die Tages­dosierung beträgt 40 mg Droge. Auch hier müssen sich die Frauen gedulden: Es dauert circa einen Monat, bis die Wirkung einsetzt. Ohne ärztlichen Rat sollten die Frauen das Präparat mit ­Cimicifuga-Extrakt jedoch nicht länger als sechs Monate einnehmen. Mögliche Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, allergische Hautreaktionen sowie Gewichtszunahme. Wechselwirkungen sind keine bekannt.

Schildert die Frau, dass sie vor allem depressiv verstimmt ist, können PTA oder Apotheker ihr ein Johanniskraut-Präparat empfehlen, eventuell ein Kombinationspräparat mit Cimicifuga und Johanniskraut. Johanniskrautpräparate sind die einzigen Arzneimittel zur Behandlung von leichten, depressiven Episoden im Rahmen der Selbstmedikation. Die Tagesdosis liegt zwischen 600 und 900 mg standardisiertem Extrakt. Auch hier ist in der Regel eine mehrwöchige Einnahme nötig, damit sich die volle Wirkung entfalten kann.

Zwar bevorzugen viele Frauen pflanzliche Arzneimittel, da sie meist nebenwirkungsarm sind. Dennoch sollten PTA und Apotheker erwähnen, dass gerade bei Johanniskraut-Extrakt die möglichen Wechselwirkungen relativ hoch sind. Johanniskraut-Extrakt beeinflusst die Leberenzyme des Cytochrom-P450-Systems. Es induziert bestimmte CYP-Enzyme und kann somit die Plasmaspiegel von Arzneistoffen erniedrigen, die über diese Enzyme abgebaut werden. Klinisch relevant sind Interaktionen mit Johanniskraut beispielsweise bei Immunsuppressiva wie Ciclosporin, HIV-Präparaten wie Indinavir, Zytostatika wie Imatinib und oralen Antikoagulanzien wie Phenprocoumon. Auch Patientinnen, die mit hormonellen Kontrazeptiva verhüten, sollten möglichst auf die gleichzeitige Einnahme von Johanniskrautpräparaten verzichten. Durch Induktion der CYP-Enzyme kann die kontrazeptive Wirkung vermindert oder sogar aufgehoben sein. Daher sollten PTA oder Apotheker die Frau auf jeden Fall fragen, ob sie weitere Arzneimittel einnimmt.

Als Nebenwirkung kann Johanniskraut die Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Licht erhöhen, sodass es bei starker Sonnenbestrahlung zu sonnenbrandähnlichen Reaktionen kommen kann. Selten wird von Magen-Darm-­Beschwerden berichtet.

Kontrollierte Studien ergaben, dass sich Calcium und Magnesium positiv sowohl auf die physische als auch psychische Symptomatik des PMS auswirken. Die beobachteten Effekte werden mit einem Ungleichgewicht des Parat­hormonsystems erklärt, einer weiteren Hypothese für die Ursachen des PMS. Für Calcium liegt die empfohlene Tagesdosierung bei 1200 mg, für Magnesium von 200 bis 400 mg. Allerdings ist auch hier erst nach etwa einem Monat mit einem Wirkungseintritt zu rechnen. Beide Mineralien sind nebenwirkungsarm. PTA oder Apotheker sollten vor der Abgabe eines Präparats auf mögliche Interaktionen mit Arzneistoffen hinweisen. Eine Komplexbildung mit den mehrwertigen Kationen kann zum Beispiel die Wirkung von Bisphosphonaten, Schilddrüsenhormonen oder einigen Antibiotika wie Gyrasehemmern und Tetracyclinen einschränken.

Essenzielle Fettsäuren

Eine weitere Behandlungsoption für die Beschwerden des PMS ist Pyridoxin (Vitamin B6). Erklärt werden die positiven Effekte mit der Funktion des Vitamins als Cofaktor bei der Serotoninsynthese. Die Datenlage zu Pyridoxin ist allerdings nicht eindeutig.