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Adoniskraut

Giftiger Frühlingsbote

23.05.2013
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Von Gerhard Gensthaler / Um die Entstehung des Adonisröschens rankt sich eine blutrünstige Sage. Das Kraut wird mit dem Tod des schönen Adonis in Verbindung gebracht. Die Kenntnis seiner Wirkung auf das Herz hat ebenfalls eine lange Tradition. Noch heute werden Präparate aufgrund der enthaltenen Cardenolid-glykoside zur Herzstärkung eingesetzt, allerdings immer unter strenger Kontrolle eines Arztes.

Der griechischen Sage nach entstand das Adonisröschen als Folge todbringender Eifersucht. Die Göttin Artemis war rasend eifersüchtig, weil die Göttin Aphrodite den wunderschönen Adonis als Geliebten erwählt hatte. Sie verwandelte sich in einen Eber und zerfleischte den schönen Adonis auf der Insel Zypern. Überall dort, wo sein Blut hin tropfte, verwandelte die trauernde Aphrodite es in ein Adonisröschen. Gemeint ist hier wohl das Sommer-Adonisröschen, das leuchtend rot blüht. In der römischen Mythologie existiert die Sage ebenfalls, nur leicht modifiziert. Hier schickt der eifersüchtige Mars einen Eber, um Adonis zu töten, weil dieser sich mit Venus (römische Entsprechung der Aphrodite) eingelassen hatte.

Auch die Tradition des Adoniskraut als Heilpflanze reicht weit zurück. Bereits Hippokrates (um 460 bis 370 v. Chr.) verwendete Adoniskraut zur Herzstärkung. Die Autoren der Kräuterbücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert nannten das Adonisröschen ebenfalls als Mittel gegen Herzschwäche und bei Wassersucht. Später wurde es bei Steinleiden und Harnbeschwerden eingesetzt. Der deutsche Botaniker Hieronymus Bock (ca. 1489 bis 1554) empfahl das Adonisröschen, das er »Schwarze Nieswurz« nannte, bei Wassersucht, bei Schwindel sowie bei Flechten und anderen Hauterkrankungen. Dabei kannte er auch schon seine Giftwirkung: »… so ihemandts schwarze Nieswurz brauchen wollte, der neme nicht ober ein Quinten, das er nit schaden dadurch empfange …«

Das Frühlings-Adonisröschen gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Adonis vernalis L., Ranunculaceae) und ist unter einer ganzen Reihe anderer Synonyme bekannt, so als Böhmische Christwurz, Doniröschen, Gelb Christwurzel, Herzesche, Hühnerfrecker, Teufelsauge und Feuerröschen. Im Englischen erhielt es den Namen Yellow Pheasants Eye, Oxeye oder Spring Adonis. Auch der französische Name adonide de printemps bezieht sich auf den Frühling. Im Spanischen heißt es botón de oro.

Die Pflanze bevorzugt Standorte mit steppenartigem Charakter und wächst verstreut auf trockenen, kalkhaltigen, sonnigen oder leicht beschatteten Abhängen. Sie besiedelt sehr häufig Halbtrocken- und Trockenrasen sowie lichte Eichen- und Kiefernwälder. Folglich liegt das Zentrum ihrer Verbreitung in den Steppenheiden Südosteuropas und Russlands. Von dort ist die Pflanze nach Mitteleuropa eingewandert, hier vor allem in die thüringische Trockenebene. Etwa 30 bis 35 verschiedene Arten sind bekannt. Da das Adonisröschen in Deutschland recht selten vorkommt, steht es streng unter Naturschutz.

Die mehrjährige 10 bis 40 Zentimeter hohe Pflanze überdauert den Winter mit kräftigem, schwarzbraunem Wurzelstock. Dieser treibt im Frühjahr blühende und nicht blühende, einfache oder verzweigte Sprosse, die wiederum stark geschlitzte Blätter austreiben. An den Enden der fertilen Triebe entstehen in den Monaten April und Mai je eine strahlige leuchtend gelbe Blüte, die geöffnet einen Durchmesser von bis zu 7 Zentimeter haben kann. Da die Blüten keinen Nektar absondern, werden sie nur von pollensammelnden Bienen und Käfern bestäubt.

Als Arzneidroge dienen die oberirdischen Teile (Adonidis herba) der blühenden Pflanze. Das Kraut muss möglichst frisch verarbeitet werden, da nur die sachgemäß getrocknete Droge ihre Wirkung über längere Zeit behält. Eine Stabilisierung der herzwirksamen Glykoside erfolgt durch halbstündiges Erhitzen auf 60 °C, dem sich eine Trocknung bei 30 °C anschließt. Adoniskraut ist geruchlos und schmeckt aromatisch, bitter.

Hilfe für das Herz

Die Droge enthält etwa 1 Prozent der Digitalis ähnlich wirkenden Glykoside Adonidosid, Adonivernosid, Cymarin und Adonitoxin. Aus dem Hauptwirkstoff Cymarin entstehen durch Hydrolyse k-Strophantidin und D-Cymarose. Weitere Inhaltsstoffe sind 26 andere Cardenolide, Flavonoide, Adonit und Cholin.

Vorsicht, Adoniskraut ist giftig! Die Pflanze beziehungsweise die isolierten Cardenolide sind potenziell gefährlich und dürfen nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden. Adonis vernalis wird nicht als Einzeldroge, sondern nur in Kombinationspräparaten mit anderen Cardenolid-haltigen Pflanzen und in homöopathischen Mitteln eingesetzt.

Die Kommission E bewertete die Droge in ihrer Monographie von 1988 positiv und empfahl ihren therapeutischen Einsatz bei leicht eingeschränkter Herzleistung, besonders bei nervöser Begleitsymptomatik. Wie die Digitalisglykoside wirken auch die Glykoside des Adonisröschens ausgezeichnet auf das geschädigte Herz. Im Gegensatz zu diesen kumulieren sie aber nicht und können somit über längere Zeit als Bestandteil von Herz-Kreislauf-Mitteln verordnet beziehungsweise eingenommen werden. Die Droge besitzt positive inotrope und venentonisierende Eigenschaften. Cardenolide verstärken die Kontraktionskraft des Herzmuskels, ohne die Pulsfrequenz zu steigern.

Da die Glykoside sehr empfindlich sind, werden standardisierte Trockenextrakte der frischen Pflanze verwendet, seltener Tinkturen. Die pulverisierte Droge enthält etwa 0,25 Prozent Cardenolidglykoside, die auf ein Äquivalent von 0,2 Prozent Cymarin eingestellt werden. Wegen der potenziellen Nebenwirkungen muss der Arzt die Dosierung sorgfältig wählen. Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 0,6 Gramm Pulver, die maximale Einzeldosis 1 Gramm und maximale Tagesdosis 3 Gramm. Die Patienten sollten die Dosierungsempfehlungen des Arztes unbedingt einhalten und ihre Herzfunktion regelmäßig kontrollieren lassen.

Anbautipps

Das Adonisröschen gilt als schwer kultivierbar, aber ein Versuch lohnt sich. Als Standort eignet sich ein kalkhaltiger Boden in einer sehr trockenen, sonnigen Lage. Achtung: Schnecken lieben das Adonisröschen besonders. Die Pflanze bremst das Wachstum der benachbarten anderen Pflanzen. Sie will alleine hervorstechen, Königin sein, was ihr mit den großen, wunderschönen, gelben Blüten auch gelingt.

Besser als Tinktur

Als Bestandteil konfektionierter Herztees ist Adoniskraut weniger wirksam als in einer Tinktur, da die Glykoside zum Teil nicht wasserlöslich sind. Zudem werden manche gelöste Wirkstoffe durch die Magensäure zerstört.

Als Nebenwirkungen können Reizungen des Magen-Darm-Trakts, Appetitlosigkeit, Herzrhythmusstörungen, Pulsbeschleunigung und nervöse Unruhe auftreten sowie bei Männern eine Vergrößerung der Brust. Bei Überdosierung wurden Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen und Durchfälle beschrieben, aber keine tödlichen Vergiftungen. Auch Tiere, beispielsweise Pferde, Hunde und Katzen, können sich beim Fressen mit der Pflanze vergiften, dabei zeigen sie die gleichen Symptome wie der Mensch. Zubereitungen mit Adoniskraut sind für Schwangere, Stillende sowie Kinder tabu. /

E-Mail-Adresse des Verfassers

gerhard.gensthaler(at)t-online.de