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Blutdruckmessung

Warum, wann und wie?

03.06.2013  11:10 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler, München / Dauerhaft zu hoher Blutdruck zählt zu den bedeutenden Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hypertonie rechtzeitig zu erkennen und gut zu therapieren, ist daher wichtig. Wer seinen Blutdruck selbst misst, behält den Überblick – vorausgesetzt, die Messwerte sind richtig. Welche Tipps können PTA oder Apotheker dem Patienten geben?

»Bluthochdruck hat viele Spätfolgen«, warnte der Kardiologe Dr. Alexander Hierl bei einem Presseworkshop der Firma Omron Medizintechnik in München. Hypertonie erhöhe das Risiko für Herzinsuffizienz und -infarkt, Schlaganfall und Demenz. Es drohen aber auch Niereninsuffizienz oder Retinopathie bis hin zur Erblindung. Bei Rauchern steigt das Risiko noch stärker als bei Nichtrauchern.

Während Raucher die Gefahren ihrer Sucht kennen, wissen viele Menschen nicht, dass ihr Blutdruck zu hoch ist. Mindestens die Hälfte der Über-55-Jährigen ist betroffen, vermutlich liegt die Zahl höher. International gelten Blutdruckwerte über 140/90 mmHg als Hypertonie. Bei der Selbstmessung zu Hause sollte der Wert nicht höher als 135/85 mmHg sein, sagte Hierl. Er unterstützte ausdrücklich die Selbstmessung, denn diese fördere die Therapietreue der Patienten.

Diagnose beim Arzt

Zur Diagnose einer Hypertonie misst der Arzt zunächst an beiden Oberarmen zweimal im Abstand von einer bis zwei Minuten, während der Patient sitzt. Später werde immer am Arm mit den höheren Werten gemessen, betonte Professor Dr. Wolfram Delius. Unterschiede bis zu 10 mmHg zwischen den Oberarmen hält der Münchner Kardiologe für akzeptabel. Die Messung im Stehen hilft, Störungen der Blutdruckregulation zu erkennen. Vor der Messung sollte der Arzt den Puls prüfen, informierte Delius. Vor allem bei dicken Menschen müsse die Manschette lang genug sein, damit sie den Oberarm gut umschließt.

Eine wichtige Methode zur korrekten Blutdruckeinstellung ist die ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung (ABDM). Dabei trägt der Patient eine Manschette am Oberarm, die gut fixiert sein muss, und ein Messgerät am Gürtel. Dieses pumpt in definierten Zeitabständen – auch nachts – automatisch die Manschette auf, misst und speichert die Werte.

Das 24-Stunden-Profil zeigt beispielsweise, ob der Blutdruck wie normal in der Nacht deutlich abfällt. Wenn nicht, liegt häufig eine sekundäre Hypertonie vor, erklärte Delius. Das bedeutet, dass der hohe Druck die Folge einer anderen Erkrankung ist, zum Beispiel von Nierenschäden oder Schlafapnoe.

Patienten mit stabil eingestelltem Blutdruck sollten zweimal pro Woche selbst messen, empfahl der Kardiologe. Am besten morgens vor der Tabletteneinnahme, denn dann ist der Druck am höchsten, eventuell abends noch einmal. Bei stark schwankenden Werten sei eine Vergleichsmessung beim Arzt oder in der Apotheke angezeigt.

Korrekte Messung als Grundlage

»Die Selbstmessung ist eine große Hilfe für den Arzt«, sagte Delius. Korrekte Werte liefern wichtige Informationen bei der Neueinstellung und zur Verlaufskontrolle. »Die richtige Beratung ist ganz wichtig für eine korrekte Messung«, sagte der Arzt und warnte davor, Blutdruckmessgeräte im Discounter zu kaufen. Dort könne niemand mit Sachverstand den Käufer beraten.

Die Beratung und Betreuung der Kunden in der Apotheke trage wesentlich zur korrekten Selbstmessung bei, bestätigte Apotheker Kim-Oliver Schneider. Dabei müsse ein gutes Gespräch nicht lange dauern. Fünf bis zehn Minuten reichten meist aus. »In der Apotheke profilieren wir uns über gute Beratung. Wir beraten den Patienten so, dass er zu Hause exakt messen kann. Das ist unser Anspruch.«

Schneider plädierte dafür, dass PTA und Apotheker dem Kunden das Messgerät nicht nur erklären, sondern ihn in der Apotheke auch selbst messen lassen. Dann könnten sie Handhabungsfehler schnell erkennen. Beispielsweise streifen manche Patienten die Oberarmmanschette über Pullover oder Sakko oder legen sie nur locker an, weil sie die aufgepumpte Manschette stört. »Die Manschette muss etwa 3 cm über der Armbeuge fest am Arm anliegen«, informierte Schneider. Der Patient solle sich vor der Messung hinsetzen und zur Ruhe kommen. Vor allem bei Handgelenksgeräten sei die richtige Haltung des Arms entscheidend. Am besten stützt der Patient den Ellbogen auf den Tisch und hält das Handgelenk in Herzhöhe. Hängt der Arm nach unten, sind die Messwerte zu hoch; streckt man ihn nach oben, sinken die Werte. Handgelenkgeräte sind nicht geeignet für Menschen mit unregelmäßigem Puls oder Vorhofflimmern.

Die Deutsche Hochdruckliga prüft regelmäßig neue Blutdruckmessgeräte und verleiht ein Prüfsiegel für deren Messgenauigkeit, das Interessierte unter www.hochdruckliga.de/messgeraete-mit-pruefsiegel.html abrufen können. /

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