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Besorgniserregende Epidemie

26.05.2014  16:25 Uhr

Von Annette van Gessel / In Französisch-Polynesien grassiert derzeit das Zika-Virus. Gleichzeitig ist dort auch das Dengue-Fieber verbreitet, dessen Symptome nur schwer von einer Infektion mit dem Zika-Virus zu unterscheiden sind. Nun haben Wissenschaftler Zika-Viren auch bei europäischen Touristen diagnostiziert.

Das Zika- und das Dengue-Virus gehören beide zu den Flaviviren. Übertragen werden sie von Stechmücken wie der Gelbfiebermücke Aedes aegypti, die auch auf Madeira heimisch ist, und der Tigermücke Aedes albopictus, die in weiten Teilen Südeuropas lebt. In beiden Fällen können Ärzte lediglich die Symptome behandeln, denn gegen Zika- und Dengue-Viren gibt es keine Impfung und kein Medikament, das die Erreger abtötet. Auch die eindeutige Diagnose ist schwierig, weil die Symptome und die Laborwerte bei beiden Erregern so ähnlich sind. Das Labor von Dr. Jonas Schmidt-Chanasit am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg ist eines von zweien in Europa, die das Zika-Virus nachweisen können.

 

Zum ersten Mal diagnostizierte der Virologe Zika-Viren in der Blutprobe eines Saarländers, der im vergangenen November von einer Rundreise durch Thailand zurückgekehrt war. Als Zeichen der Infektion schwollen die Fußgelenke des Mannes an, seine Glieder schmerzten, gefolgt von Ausschlag auf Rücken und Brust, der sich auf Gesicht, Arme und Beine ausbreitete. Hinzu kamen Fieber und Übelkeit. Die für viele Viruserkrankungen typischen Beschwerden verschwinden nach ein paar Tagen. Der Mann hatte den Arzt aufgesucht, weil er Insektenstiche bemerkt hatte und sich schlapp fühlte. »Wir haben also eine Zika-Virus-Analyse gemacht. Und dann hat sich herausgestellt, dieser Reiserückkehrer ist also mit dem Zika-Virus infiziert gewesen und hat diese Infektion nach Europa importiert«, so Schmidt-Chanasit.

Weltweit sind etwa 30 000 Menschen an Zika-Viren erkrankt. Von den Osterinseln – 3500 Kilometer vor Chile – wurden zuletzt 40 Fälle gemeldet. Sorge bereitet den Virologen vor allem, dass bei diesem Ausbruch ungewöhnlich viele Erkrankte unter Lähmungen leiden, dem Guillain-Barré-Syndrom. 60 Patienten mit dieser neurologischen Komplikation, die im Extremfall tödlich verläuft, werden aus Polynesien gemeldet, wo momentan Zika- und Dengue-Viren gleichzeitig grassieren. Zum Vergleich: Am Dengue-Virus erkranken jedes Jahr 400 Millionen Menschen, doch für Dengue wurden lediglich 20 Fälle von Guillain-Barré beschrieben, so Schmidt-Chanasit. Aus anderen Gebieten, in denen das Zika-Virus vorkommt, gibt es bisher keine Meldungen von Guillain-Barré. /

Quelle: Deutschlandfunk online