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Weltblutspendertag

Geschenk zum Leben

26.05.2014
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Von Brigitte M. Gensthaler / Etwa 15 000 Blutspenden werden nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) deutschlandweit täglich benötigt. Um diese große Menge sicherzustellen, engagieren sich viele ehrenamtliche Helfer und freiwillige Blutspender. Sie alle stehen im Mittelpunkt des Weltblutspendertags am 14. Juni.

In diesem Jahr findet der Weltblutspendertag bereits zum elften Mal statt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Födera­tion der Rotkreuz- und Rot­halb­mond­gesell­schaf­ten (IFRK) haben den Gesundheitstag 2004 ins Leben gerufen. Damit wollen sie auf die Bedeutung der freiwilligen, unbezahlten Blutspende hinweisen und weltweit Menschen motivieren, ihr Blut zu spenden und so Leben zu retten. Vor allem aber stellen die Initiatoren am 14. Juni die Menschen in den Mittelpunkt, die mit ihrer Blutspende anderen helfen.

Darauf weist auch das aktuelle Motto der DRK-Blutspendedienste hin: »Danke für das uneigennützige Geschenk«. Mit dieser Aussage verfolge das DRK eine doppelte Absicht, erklärt Friedrich-Ernst Düppe, Pressesprecher der DRK-Blutspendedienste, gegenüber PTA-Forum: »Wir wollen denjenigen Menschen danken, die mit ihrer Blutspende unmittelbar und uneigennützig zur Patientenversorgung beigetragen haben. Gleichzeitig wollen wir das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Blutspende in der Öffentlichkeit wach halten.« Im Vordergrund stehe immer die freiwillige unentgeltliche Blutspende – so wie sie vom deutschen Transfusionsgesetz gefordert wird. Nach eigenen Angaben sichert das DRK mit 3,6 Millionen Vollblutspenden jährlich 75 Prozent der notwendigen Blutversorgung in Deutschland.

Weltweit finden am Weltblutspendertag viele Veranstaltungen statt. Jedes Jahr übernimmt ein anderes Land die Schirmherrschaft, 2014 ist es Sri Lanka. Die WHO-Experten haben daher als internationales Motto »Sicheres Blut für gesunde Mütter« gewählt – ein in Entwicklungsländern sehr wichtiges Thema. In Deutschland sei dies jedoch nicht passend, erklärt Düppe. Das DRK habe sich daher für die Botschaft des Dankes entschieden.

Warum der 14. Juni?

Den 14. Juni als Gedenktag haben die Initiatoren ganz bewusst ausgewählt: An diesem Tag wurde der Pionier der Transfusionsmedizin, Dr. Karl Landsteiner (1868–1943), geboren. Er entdeckte die verschiedenen Blutgruppen und stellte 1901 fest, dass das Blut in manchen Fällen verklumpt, wenn einem Menschen Blut einer anderen Blutgruppe als seiner eigenen übertragen wird. Er entwickelte das AB0-System der Blutgruppen. Für diese wissenschaftliche Leistung erhielt Landsteiner 1930 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. Zusammen mit dem Amerikaner Alexander S. Wiener entdeckte er 1940 den Rhesusfaktor. Diese beiden neuen Erkenntnisse bilden bis heute die Grundlage der modernen Transfusionsmedizin.

Weniger als 5 Prozent der Menschen in Deutschland spenden Blut. Daher kommt es immer wieder zu Engpässen in der Versorgung schwer kranker Menschen, denn der Bedarf ist groß. Beispielsweise bekommt ein Patient nach einer Hüftoperation oder dem Einsetzen eines künstlichen Gelenks im Schnitt zwei bis fünf Blutspenden, nach einer Gehirnoperation vier bis zehn. Bei einer Lebertransplantation sind bis zu 100 Blutspenden vonnöten, bei der Übertragung anderer Organe reicht etwa ein Zehntel. Diese Zahlen nennt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in der Informationsbroschüre »Blutspende – geschenktes Leben«.

Jeder Bestandteil wertvoll

Das Blut wird – außer bei der Eigenblutspende – aber nicht als Vollblut transfundiert, sondern vorher in verschiedene Bestandteile aufgetrennt. Die Patienten erhalten immer nur den Bestandteil, den sie brauchen: rote Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) oder Plasma. Rote Blutkörperchen und Blutplättchen werden zum Beispiel bei Patienten mit Leukämie eingesetzt oder um Blutungen nach einem Unfall zu behandeln. Beide Zelltypen spielen eine wichtige Rolle bei Operationen, denn sie sollen Blutverluste während des Eingriffs ersetzen.

Blutplasma kann in seiner Ursprungsform verwendet werden, insbesondere bei akuten Blutungen, wenn Blutgerinnungsfaktoren fehlen. Es wird außerdem für therapeutische Zwecke in Plasmaeiweiße wie Immunglobulin, Gerinnungsfaktoren oder Albumin aufgetrennt.

Da die einzelnen Blutbestandteile so wertvoll sind, ist es auch möglich, nur diese zu spenden. Bei der sogenannten Plasmapherese läuft das Vollblut des Spenders durch eine Apheresemaschine, die nur das Plasma extrahiert und den Rest direkt wieder dem Spender zuführt. Ähnlich verläuft die Thrombozyt­apherese, bei der gezielt die Thrombozyten herausgefiltert werden.

Zehn Minuten reichen

Eine Vollblutspende dauert nicht lange: In fünf bis zehn Minuten fließen etwa 500 ml aus dem Körper in ein Beutelsystem. Bis auf den Einstich der Kanüle in die Vene ist dies nicht schmerzhaft. Bei der ersten Spende sollte jeder insgesamt mit etwa einer Stunde rechnen – von der Aufnahme der persönlichen Daten, der Registrierung und der ärztlichen Untersuchung bis zur Blutentnahme und der Ruhepause danach.

Gefahren für die Gesundheit bestehen beim Blutspenden »grundsätzlich nicht«, versichert der DRK-Pressesprecher. Da nur sterile Einwegmaterialien verwendet werden, sei eine Infektion ausgeschlossen. Ob die Entnahme von 500 ml Blut ein Risiko für den Spendewilligen bergen kann, untersuche zuvor immer ein Arzt. Bei Verdacht auf Risiken lehne der Arzt die Spende ab.

Jeder Spender erhält einen Blutspenderpass. Da der Körper den Verlust erst wieder ausgleichen muss, ist eine erneute Spende frühestens nach 60 Tagen möglich. Als Faustregel gilt, dass Männer bis zu sechs Mal und Frauen bis zu vier Mal pro Jahr Vollblut spenden können, Plasma und Blutplättchen auch häufiger.

Wer darf Blut spenden?

Das Blutspenden ist in Deutschland gesetzlich streng geregelt. So ist ein Mindestalter von 18 Jahren festgeschrieben. Ansonsten kann jeder Gesunde bis 68-Jährige Blut spenden. Bei Älteren entscheide der Arzt individuell, ob eine Spende möglich ist, erklärt Düppe. Maßgeblich sei der Gesundheitszustand des Seniors, denn das Transfusionsgesetz verpflichtet die Spendedienste auf eine Schutzfunktion gegenüber dem Spendewilligen. »Wenn Menschen bei bester Gesundheit sind und seit Jahren oder Jahrzehnten Blut spenden, bestehen keinerlei Bedenken gegen eine Spende auch in höherem Alter.«

Aus Sicherheitsgründen sind Drogenkonsumenten und Träger von übertragbaren Infektionen wie HIV oder Hepatitis C vom Blutspenden ausgeschlossen. Wer eine große Operation hinter sich hat, muss mindestens vier Monate bis zur nächsten Blutspende warten.

Blut spenden kann man in vielen Krankenhäusern, beim Blutspendedienst des DRK sowie bei kommunalen und privaten Blutspendediensten. Düppe verweist auf die Webseite des DRK (www.drk-blutspende.de) und die kostenlose Rufnummer 0800 1194911 (vom Telefonfestnetz aus), bei der Interessenten die nächsten Spendetermine in ihrer Region erfahren und Fragen stellen können. Zudem gebe es kostenlose Apps für Smartphones mit vielen Informationen.

Der Nachwuchs fehlt

In Deutschland spenden mehr als zwei Millionen Menschen regelmäßig Blut. Jedoch scheiden altersbedingt jedes Jahr mehr Blutspender aus, als Jüngere nachkommen. »Uns fehlt die Genera­tion der Spender zwischen 25 und 40 Jahren. Dagegen sind wir in der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen vor allem durch die Kontakte in Schulen relativ gut aufgestellt«, sagt Düppe.

Rund um den Weltblutspendertag bieten Blutspendedienste verschiedene Infoaktionen und Sonderspende­termine an. Das Deutsche Rote Kreuz ehrt am 14. Juni bei einem Festakt in Berlin jeweils 65 Spenderinnen und Spender aus der gesamten Bundesrepublik –- stellvertretend für alle anderen.

Eine direkte Beteiligung von Apotheken an den Veranstaltungen zum Weltblutspendertag ist laut Düppe nicht vorgesehen. Apothekenteams könnten aber in den Regionen daran mitwirken, Menschen zur Blutspende zu motivieren. Insbesondere die Altersgruppe der 25- bis 40-Jährigen müsse verstärkt angesprochen werden. »Da bieten sich viele unterschiedliche Partnerschaften an.« Details sollten die Partner miteinander absprechen. /