PTA-Forum online
Ciclosporin

Hilfe bei schwerer Neurodermitis

26.05.2014  16:25 Uhr

Von Verena Arzbach / Viele Neurodermitis-Patienten bekommen mit Antihistaminika und Glucocorticoiden den starken Juckreiz und entzündliche Hautekzeme meist gut in den Griff. Lindern konventionelle Therapiemaßnahmen die Symptome nicht, kann der Arzt den Wirkstoff Ciclosporin verschreiben.

Ciclosporin ist ein hoch wirksames Immunsuppressivum, das normalerweise unter anderem nach Nieren-, Herz- oder Lungentransplantationen gegeben wird. Der Arzneistoff soll verhindern, dass der Körper das fremde Organ abstößt. Bei Patienten mit atopischem Ekzem hemmt Ciclosporin die Entzündung. Der Wirkstoff beeinflusst die Aktivität der T-Zellen, verhindert die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe und schwächt die Aktivierung von weißen Blutkörperchen ab. So dringen weniger entzündungsfördernde Zellen in das Hautgewebe, bis die gesamte Entzündungsreaktion abgeklungen ist.

Gegenüber Corticoiden hat Ciclosporin den Vorteil, dass es bei langfristiger Einnahme nicht zu den gefürchteten Steroid-Nebenwirkungen wie Osteoporose oder Pergamenthaut führt. Aber: Während der Therapie muss der Arzt das Blutbild und die Nierenparameter des Patienten alle vier bis sechs Wochen kontrollieren. Da Ciclosporin die Niere schädigen kann, ist die Gabe bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen kontraindiziert.

Beim atopischen Ekzem reichen deutlich geringere Dosen Ciclosporin als nach einer Organtransplantation. Beim akuten Schub sollen die Patienten täglich 2,5 mg Ciclosporin pro Kilogramm Körpergewicht einnehmen, aufgeteilt auf zwei Einzeldosen. Bessern sich die Beschwerden innerhalb von zwei Wochen nicht, kann die Tagesdosis bis auf maximal 5 mg/kg erhöht werden. Ist der Patient mit der Besserung zufrieden, reduziert der Arzt die Dosis schrittweise und setzt Ciclosporin – wenn möglich – ganz ab. Erzielt der Arzneistoff auch nach sechs Wochen keine ausreichende Linderung der Beschwerden, sollten die Behandlung beendet werden.

Infektionen mit Varizellen, Herpes simplex-, Herpes zoster- und anderen Viren sollten vor der Therapie abgeheilt sein. Tritt eine solche Infektionen während der Cicloporin-Therapie auf, muss der Wirkstoff nicht notwendigerweise sofort abgesetzt werden. In einem solchen Fall sollten die Patienten aber sofort ihren Arzt aufsuchen.

PTA und Apotheker sollten Patienten auf den Alkoholgehalt sowohl der Ciclosporin-Kapseln als auch der Lösungen hinweisen. Bei Schwangeren, Stillenden, Alkoholkranken und Epileptikern kann daher die Einnahme zu Problemen führen. Auch Kinder sollten Ciclosporin generell nicht erhalten, da die klinischen Erfahrungen zu gering sind.

Grundsätzlich soll Ciclosporin nicht zusammen mit anderen Wirkstoffen, die bekanntermaßen die Nieren schädigen, kombiniert werden, zum Beispiel mit nicht-steroidalen Antiphlogistika wie Diclofenac, Naproxen und H2-Antihistaminika wie Cimetidin und Ranitidin. Über mögliche Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen sollten Patienten, die Ciclosporin einnehmen, informiert werden.

Da Ciclosporin über Enzyme des CYP-450-Systems verstoffwechselt wird, kann es zu Interaktionen mit anderen Wirkstoffen kommen, die auf dem gleichen Weg abgebaut werden. Auch auf Grapefruitsaft sollten Patienten während der Therapie verzichten: Der Saft kann den Blutspiegel von Ciclosporin deutlich erhöhen. /

Wichtige Beratungshinweise

  • Kapseln erst unmittelbar vor der Einnahme aus dem Blister nehmen
  • Kapseln und Lösungen enthalten Alkohol
  • Während der Therapie keinen Grapefruitsaft trinken
  • Regelmäßige Blutbildkontrollen notwendig
  • Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen beachten
TEILEN
Datenschutz