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Zecken beim Hund

Der Feind im Fell

13.04.2015  12:25 Uhr

Von Maria Pues / Kluge Köpfe beugen vor und gehen mit ihrem Vierbeiner gut vor­bereitet nach draußen. So sollten auch Hunde mit Repellents oder Akariziden versorgt werden, um sich den Feind erst gar nicht ins Fell zu holen. Was Hundebesitzer sonst noch wissen müssen, fasst der folgende Artikel zusammen.

Über 850 Zeckenarten gibt es weltweit; vor allem drei davon sollten Hundebesitzer kennen: den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), der hierzulande am häufigsten vorkommt, die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus), die inzwischen ihren Weg aus dem Mittelmeerraum zu uns gefunden hat, und die Auwald- oder Buntzecke (Dermacentor reticulatus), die bis vor einiger Zeit vor allem in Baden-Württemberg und dem Saarland heimisch war und sich inzwischen bundesweit verbreitet hat.

Die drei Zeckenarten sehen nicht nur unterschiedlich aus (siehe Abbildungen weiter unten), sondern sie haben auch unter­schiedliche Lebensgewohnheiten und übertragen unterschiedliche Erkrankungen. Natürlich kann eine Zecke grundsätzlich mehrere Arten von Krankheitserregern gleichzeitig transportieren. Dies kommt jedoch nur selten vor. Manche Zecke ist umgekehrt auch gar nicht infiziert. Nicht jeder Stich führt zu einer Infektion und nicht jede Infektion zu einer Er­krankung. Manche der von Zecken übertragenen Erreger können zu schwerwiegenden Er­krankungen führen. Über diese sollten PTA und Apotheker Besitzer von Hund und/oder Katze informieren, genauso wie über Präventionsmöglichkeiten und Maßnahmen bei Zeckenstichen.

Die häufigste Zeckenart

Von den hiesigen Zeckenarten ist der Holzbock der häufigste. Er bevorzugt feucht-warmes Klima, am liebsten Temperaturen von 14 bis 23 °C und 80 Prozent relative Luftfeuchte. Am häufigsten findet man ihn in Mischwäldern mit dichtem Unterholz, aber auch Parks, Wiesen und Gärten sind beliebte Aufenthaltsorte. In lichten Nadelwäldern fühlt er sich weniger wohl. Bei Temperaturen ab etwa 7 °C wird er aktiv, meist von etwa März bis Oktober.

Dass sich Zecken nicht von Baumwipfeln auf Spazier­gänger mit und ohne Hund fallen lassen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Dass man sie jedoch je nach Entwicklungsstadium in unterschiedlichen Höhen der Vegetation findet, ist aber möglicherweise weniger bekannt. So finden sich Larven selten über 10 bis 20 cm über dem Boden; daher kommen für sie vor allem kleine Nager als Blutspender infrage. Bereits bei ihrer ersten Mahlzeit können sich Zecken mit Erregern infizieren. Nymphen findet man bis zu einer Höhe von 40 bis 50 cm und adulte Zecken 75 bis 100 cm (höchstens bis 150 cm) über dem Wald-, Park- oder Gartenboden, meist also in Knie- bis Hüfthöhe.

Dort sitzen sie und warten. Mit dem sogenannten Hallerschen Organ können sie bestimmte Informationen aus der Umgebung aufnehmen, wie etwa Geruchsstoffe oder die Ausatemluft möglicher Wirtstiere. Von diesen werden sie dann meist im Vorbeigehen und ganz unbemerkt aufgenommen. Auch wenn ihre letzte Blutmahlzeit Monate zurückliegt, suchen sie erst einmal nach einer geeigneten Stichstelle: eine gut durchblutete Hautregion, schön warm und mit nur dünner Haut und möglichst wenig Haaren. Der Wirt merkt vom Einstich nichts, denn die Zecke gibt mit ihrem Speichel ein Lokalanästhetikum und einen Gerinnungshemmer ab.

FSME und Borreliose

Der Holzbock kann verschiedene Krankheitserreger auf den Hund übertragen: vor allem Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)-Viren, Borrelien und Bakterien der Gattung Anaplasma. Dabei werden FSME-Viren bereits wenige Minuten nach dem Stich übertragen. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis drei Wochen. Dennoch ist das Risiko einer Infektion relativ gering. In Hochrisikogebieten rechnet man mit 1 bis 4 Prozent FSME-infizierten Zecken. Wesentlich größer (durchschnittlich 30 Prozent mit starken regionalen Unterschieden) ist das Risiko, auf eine Zecke mit Borrelien zu treffen. Allerdings findet eine Übertragung erst nach rund 24 bis 48 Stunden nach dem Stich statt. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich zwei bis fünf Monate. Viele Hunde entwickeln keine starken Symptome; eine Borreliose-Infektion kann jedoch zu Gelenkentzündungen führen.

Berichtet ein Hundebesitzer, dass sein Tier plötzlich hohes Fieber bekommen hat, erbricht, unter Durchfall sowie unter Gelenkschmerzen und neurologischen Störungen leidet, kommt neben anderen Erkrankungen eine Anaplasmose infrage, die allerdings eher selten auftritt. Die Inkubationszeit beträgt wenige Tage. Oft klingen die Symptome zunächst wieder ab, treten aber unbehandelt alle zwei bis drei Wochen wieder auf.

Gefährlich nur für Hunde

Wählerischer als der heimische Holzbock ist die Braune Hundezecke bei der Wirtswahl. Sie befällt praktisch nur Hunde. Auch bezüglich anderer Lebensgewohnheiten unterscheidet sich der Zuwanderer aus dem Süden von hiesigen Zeckenarten. So verkriecht sich der Holzbock bei Sonne, Wind und trockener Luft am liebsten im feuchten Unterholz und Boden von Laubwäldern. Die Braune Hundezecke bevorzugt hingegen trockene und warme Standorte mit Temperaturen zwischen 25 und 30 °C. Bei Temperaturen unter 20 °C ruht ihr Entwicklungszyklus. Den hiesigen Winter überlebt sie im Freien nicht. Daher verkriecht sie sich in Zwingern oder Wohnungen. Findet man drinnen lebende Zecken, kann es sich daher um die Braune Hundezecke handeln. Auch ist ihr Entwicklungszyklus mit drei Monaten erheblich kürzer als der des Holzbocks. Da ein Weibchen bis zu 6000 Eier legen kann, kann es innerhalb weniger Monate in Wohnung oder Zwinger zu einer Zecken-Bevölkerungsexplosion kommen. Die Braune Hundezecke kann Babesiosen (auch Hundemalaria genannt), Ehrlichiosen und Hepatozoonosen übertragen. Babesia canis zerstört rote Blutkörperchen des Wirtstieres. Dadurch kommt es nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Wochen zu Abwehr- und Entzündungsreaktionen. Oft zeigen die Hunde unspezifische Symptome wie Fieber, Schwäche und Blutarmut. Blasse Schleimhäute und dunkler Urin sind ein weiterer Hinweis auf diese gefährliche Erkrankung. Die Tiere benötigen eine rasche tierärztliche Behandlung.

Ehrlichia canis, der Erreger der Ehrlichiose, befällt nach einer Inkubationszeit von rund einer Woche hingegen die weißen Blutkörperchen. Oft wird eine Infektion lange Zeit nicht bemerkt. Erst in späteren Krankheitsphasen kann sich eine erhöhte Blutungsneigung etwa durch Nasenbluten bemerkbar machen.

Bei ansonsten gesunden Hunden meistens symptomlos verläuft eine Infektion mit Hepatozoon canis. Sie wird übertragen, wenn der Hund eine infizierte Zecke verschluckt. Erst wenn Hunde etwa durch andere Erkrankungen geschwächt sind, macht sich eine Hepatozoonose bemerkbar, oft durch unspezifische Symptome wie Fieber, Gewichtsabnahme oder Durchfall.

Auch die Auwaldzecke findet man heute nicht mehr nur in ihrem ehemaligen Hauptverbreitungsgebiet im Südwesten Deutschlands, sondern in vielen Regionen. Wie ihr Name sagt, fühlt sie sich besonders in Auwäldern entlang der Flüsse mit sehr nassen oder feuchten Böden wohl. Sie hat von Februar bis Dezember Saison, also fast das ganze Jahr über. Wie die Braune Hundezecke kann sie eine Babesiose übertragen.

Wirksam schützen

Um Hunde gegen Zeckenstiche zu schützen und so das Risiko einer Krankheitsübertragung zu reduzieren, stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung. Wichtig für Apothekenkunden ist die Information, ob es sich bei einem Präparat um ein Repellent handelt, das Zecken fernhalten soll, und/oder um ein Akarizid, das Zecken abtötet. Häufig erwarten sie von einem Präparat, auf ihrem Vierbeiner fortan keine Zecke mehr zu finden. Bei einem reinen abtötenden Mittel ist der Kontakt zwischen Haustier und Zecke aber erforderlich, damit die Zecke mit dem Mittel in Kontakt kommt. Dies kann zu der irrtümlichen Annahme führen, das Mittel wirke nicht.

Parasiten-Abwehr

Zu den Zecken-Abwehrstoffen gehören die Wirkstoffe Deltamethrin (wie in Scalibor®), Flumethrin (zusammen mit Propoxur in Kiltix® und zusammen mit Imidacloprid in Seresto®), Permethrin (wie im verschreibungspflichtigen Exspot®) und die Kombination aus Permethrin und Imidacloprid (wie im verschreibungspflichtigen Advantix®). Alle wirken zusätzlich abtötend. Manche Heimtierbesitzer berichten, dass sie auch mit ätherischen Ölen gute Erfahrungen bei der Zeckenabwehr gemacht haben. Diese lässt sich damit erklären, dass es Zecken erschwert, mittels des Hallerschen Organs ein Wirtstier zu erkennen. Systematische Studien, wie sie zur Zulassung von Arzneimitteln erforderlich sind, gibt es hierzu allerdings nicht. Und: Der Hund muss den fremdartigen Geruch auch tolerieren.

Zu den Akariziden gehören Dimpylat (auch Diazinon, wie in Trixie®), Fipronil (wie in Frontline® oder Fiproline®), die Kombination aus Fipronil mit S-Methopren (wie in Frontline Combo®), Propoxur (wie in Bolfo®) und die Kombination aus Propoxur und Flumethrin (wie in Kiltix®) sowie Pyriprol (wie in Prac-tic®).

Für Katzen nicht geeignet

PTA und Apotheker sollten Besitzer von Hund oder Katze außerdem darauf hinweisen, dass bestimmte Wirkstoffe, die für Hunde gut geeignet sind, bei Katzen keinesfalls angewendet werden dürfen. Darauf wies im vergangenen Jahr auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in einer Presseinformation hin. Für Katzen ungeeignet sind danach unter anderem Exspot, Advantix spot on für den Hund oder Preventic Permethrin. Der Grund: Katzen können die enthaltenen Wirkstoffe nicht abbauen, da ihnen das erforderliche Enzym zur Glucuronidierung fehlt.

Um das Risiko für eine Übertragung von Erkrankungen per Zecke auf den Hund zu vermindern, ist es außerdem wichtig, dass Tierhalter ihren Vierbeiner regelmäßig und nach jedem Ausflug in Wald und Flur nach den Blutsaugern absuchen und diese unverzüglich entfernen. Dazu muss man die Zecke möglichst nah an der Haut greifen und langsam herausziehen. Eventuell erleichtert eine leichte Drehung das Entfernen – auch wenn Zecken kein Gewinde haben. Zum Entfernen stehen verschiedene Werkzeuge zur Verfügung, etwa Zeckenzangen oder -karten, kleine Haken (Tick-Twister®) sowie Pinzetten (am besten mit einer gebogenen Spitze). Welches sich jeweils eignet, hängt unter anderem von der Größe beziehungsweise dem Entwicklungsstadium der Zecke ab. Kleine Exemplare sind dabei erfahrungsgemäß besonders schwer zu greifen. Wichtig ist, dass die Zecke dabei nicht gequetscht wird, da dies das Risiko für eine Übertragung von Krankheitserregern erhöht, die Zecken grundsätzlich in jedem Entwicklungsstadium übertragen können.

Richtig entsorgen

Wohin mit den Biestern, wenn man sie erfolgreich entfernt hat? Nicht in die Mülltonne und nicht in die Toilette, denn dies überstehen Zecken meist unbeschadet. Was Zecken alles auszuhalten imstande sind, haben Forscher untersucht, etwa Aufenthalte in Waschmaschinen, Wäschetrocknern und Aquarien. Wer die Zecken nicht zerquetschen möchte, kann sie in ein verschließbares Glas mit 40-prozentigem Alkohol, Chlorreiniger oder Desinfektionsmittel geben. So werden nicht nur eventuelle Krankheitserreger quantitativ entsorgt, sondern, wenn es sich um eine befruchtete weibliche Zecke handelt, möglicherweise auch mehrere tausend Nachkommen in Form von Zeckeneiern. /

Impfung für den Hund

Anders als beim Menschen gibt es für Hunde Impfstoffe gegen Borreliose. Sie schützen gegen zwei beziehungsweise drei der kursierenden Borrelienarten. Interessanterweise wirkt der Impfstoff nicht im Hund, sondern in der ihn parasitierenden Zecke. Die vom Hund gebildeten Antikörper gelangen beim Saugakt in die Zecke und verhindern dort, dass Borrelien aus dem Verdauungstrakt in den Speichel und damit in das Wirtstier gelangen können. Das Für und Wider der Impfung wird zuweilen heftig diskutiert. So schützt die Impfung nur gegen die enthaltenen Bakterienstämme. Außerdem muss der Tierarzt vor der Impfung testen, ob der Hund bereits mit Borrelien infiziert ist, ohne Symptome ausgebildet zu haben. Auch bleiben dem Hundehalter die übrigen Schutzmaßnahmen nicht erspart. Bei Hunden, die sich viel im Freien aufhalten, oder bei Reisen in Regionen mit hoher Zeckendichte kann sie aber einen zusätzlichen Schutz darstellen. Eine Impfung gegen FSME gibt es für Hunde nicht.