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Verbrennungen

Notfall Brandverletzung

13.04.2015
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Von Manuela Kupfer / Meist geht es ganz schnell: Nur ein kurzer Moment der Un­acht­samkeit beim Bügeln, Kochen oder Grillen kann zu einer Verbrennung oder Verbrühung führen. In der Regel handelt es sich um eine oberflächliche Verletzung, die von selbst heilt. In schwereren Fällen und bei Kleinkindern ist eine ärztliche Behandlung aber unbedingt notwendig.

Jedes Jahr erleiden in Deutschland Zehntausende Menschen eine thermische Verletzung, die ärztlich versorgt werden muss. Allein bei den Kindern unter 15 Jahren erfasst das Statistische Bundesamt jährlich mehr als 30000 Fälle – 6000 müssen stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Zu den thermischen Verletzungen zählen Verbrühungen und Verbrennungen. Diese können unterschiedliche Ursachen haben, zum Beispiel:

  • heiße Flüssigkeiten oder Dampf (Kaffeetasse, Wasserkocher)
  • starke Hitze (Herdplatte, Backofen, Kaminofen, Bügeleisen, Glätteisen)
  • ionisierende Strahlen (Sonne, Solarium, Röntgenstrahlen)
  • offene Flammen (Kerze, Brände)
  • elektrischer Strom (Hochspannungsleitungen, stromführende Geräte)
  • Gas- oder Sprengstoffexplosionen
  • Reibung.

Unfall im Haushalt

Allen gemeinsam ist eine durch hohe Temperaturen (ab 45 Grad Celsius) bedingte Schädigung der Haut und teilweise tiefer liegender Gewebeschichten. Etwa drei Viertel der Verbrühungen und Verbrennungen ereignen sich im Haushalt und in der Freizeit, besonders gefährdet sind Kleinkinder. Circa 20 Prozent sind auf einen Arbeitsunfall zurückzuführen. Wie schwer eine Brandverletzung ist, hängt von der Höhe der Temperatur und der Dauer der Hitzeeinwirkung ab und wird anhand dreier Faktoren bemessen: der Tiefe der Wunde (Grad), dem Ausmaß (Prozent verbrannter Körperoberfläche) und dem Ort der Verbrennung. Häufig bleibt es nicht bei einer Schädigung der Haut. Je nach Verbrennungsgrad können andere Organe betroffen sein. Begleitende Verletzungen, insbesondere das Inhalationstrauma, müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Je nach den beteiligten Hautschichten werden Verbrennungen in vier Schweregrade eingestuft. Bei einer Verbrennung ersten Grades ist nur die Epidermis (Oberhaut) geschädigt. Sie ist stark gerötet, geschwollen und schmerzt. Da es aber nicht zum Zelltod kommt, heilt die Verletzung vollständig aus und Narben sind nicht zu erwarten. Bei Verbrennungen zweiten Grades ist auch die Dermis (Lederhaut) betroffen. Sie besteht aus Bindegewebe, das von Nerven, Blut- und Lymphgefäßen durchzogen ist, Talg- und Schweißdrüsen sowie Haarwurzeln enthält. Infolge der Hitzeeinwirkung werden die Gefäßwände geschädigt, Flüssigkeit tritt aus, die sich unterhalb der Epidermis sammelt und als Blase sichtbar wird. Dieser Schweregrad wird weiter unterteilt in die Grade 2a und 2b. Bei der Verbrennung vom Grad 2a zeigen sich meist geschlossene Blasen. Der Wundgrund ist gerötet und glänzend, stark schmerzempfindlich und empfänglich für Infektionen. Die Heilung dauert etwa zwei Wochen mit geringer Narbenbildung. Bei der Verbrennung vom Grad 2b ist die Dermis weitergehend geschädigt. Die Blasen sind zerrissen, die Wundränder leicht rau, der Untergrund ist weißlich und weniger glänzend, die Schmerzintensität geringer. Häufig ist ein chirurgischer Eingriff erforderlich, es bleiben Narben zurück.

Schwere Verbrennungen

Bei einer Verbrennung dritten Grades sind Epidermis und Dermis vollständig zerstört, zusätzlich ist die Subkutis (Unterhaut), die aus Binde- und Fettgewebe mit zahlreichen Nerven und Blutgefäßen besteht, verletzt. Es tritt keine Flüssigkeit mehr aus, die Haut ist trocken und weißlich bis bräunlich verfärbt. Da die Nervenenden zerstört sind, erfolgt oft keine Schmerzwahrnehmung mehr. Die Haut muss durch ein Transplantat ersetzt werden. Eine Verbrennung vierten Grades hat alle Hautschichten geschädigt, auch die darunter liegenden Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenke können betroffen sein. Die Haut ist verkohlt und entsprechend schwarz verfärbt, es gibt kein Schmerzempfinden.

Neuner- und Handflächenregel

Neben der Ausdehnung in die Tiefe spielt die Fläche der Verbrennung eine wichtige Rolle. Den Schweregrad einer Verbrennung beurteilt der Arzt anhand der Größe der betroffenen Fläche bezogen auf die gesamte Körperoberfläche in Prozent. Bei Jugendlichen und Erwachsenen kann er das Ausmaß anhand der Neunerregel nach Wallace beurteilen (siehe Grafik). Der Körper wird hierbei in Bereiche eingeteilt, die jeweils etwa 9 Prozent oder ein Vielfaches der gesamten Körperoberfläche ausmachen: Kopf und Hals, Arm (je 9 Prozent), Bein, Brust und Bauch, Rücken (je 18 Prozent), Genitale (1 Prozent). Bei Kindern kann die Neunerregel aufgrund anderer Körperproportionen nicht angewendet werden. Ärzte orientieren sich bei Kindern zur Berechnung der verbrannten Oberfläche unter anderem an der Größe der Handfläche des Kindes einschließlich der Finger: Diese entspricht etwa einem Prozent der Körperoberfläche.

Ausmaß erst nach Tagen sichtbar

Mit zunehmender Fläche steigt auch die Intensität der Verbrennungskrankheit (Flüssigkeitsverlust, Stress). Viele Symptome machen sich häufig erst Stunden nach der Verletzung bemerkbar, die Hitzeschädigung kann noch voranschreiten (sogenanntes Nachbrennen). Deshalb lässt sich das Ausmaß einer Brandverletzung erst am zweiten oder dritten Tag endgültig beurteilen. Lebensgefahr besteht bei Erwachsenen, wenn 15 Prozent der Körperoberfläche verbrannt sind, bei Kleinkindern bereits ab 8 Prozent. Diese Zahl halbiert sich, wenn ein Inhalationstrauma hinzukommt. Davon sprechen Mediziner, wenn die Hitze durch Einatmen auch in die Atemwege gelangt und die Schleimhäute dann stark anschwellen lässt. Bei größeren Verbrennungen steht das Opfer zudem unter Schock.

Erste Hilfe

Nach einer Brandverletzung sollten Sofortmaßnahmen eingeleitet und gegebenenfalls der Notruf gewählt werden. Die Hitzequelle muss entfernt, der Betroffene beruhigt, seine Wunden nach etwaiger (nur bei kleinflächigen Verletzungen) Kühlung abgedeckt und sein Körper warmgehalten werden (siehe Kasten). Die Wärmeregulation des Körpers ist aufgrund der fehlenden Schutzfunktion der Haut beeinträchtigt. Deshalb muss eine weitere Auskühlung unbedingt verhindert werden.

Verhalten im Notfall

  • Kleiderbrände sofort löschen
  • Kleidung rasch, aber vorsichtig ausziehen, eingebrannte Teile nicht entfernen
  • Kleinflächige Verbrennungen (bis zur Größe der Hand­fläche des Betroffenen) sofort unter fließendem Wasser (um 20 Grad Celsius) kühlen, kein Eis verwenden – Gefahr von Erfrierungen. Nur verbrannte Körperstellen und nicht am Körperstamm kühlen. Im Gesicht feuchte Tücher verwenden, Atemwege müssen frei bleiben. Große Brandwunden aufgrund Unterkühlungsgefahr nicht kühlen
  • Keine Hausmittel wie Salben, Öle, Puder verwenden
  • Brandblasen nicht öffnen – Infektionsgefahr
  • Brandwunden locker und keimfrei mit metallisierten Folien oder sterilen feuchten Tüchern abdecken
  • Für Wärmeerhalt sorgen
  • Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage
  • Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes beruhigen, Atmung und Kreislauf beobachten, nicht allein lassen

Vorbeugen ist besser

Vor allem leichtere Brandverletzungen heilen gut aus, in schweren Fällen kann aber eine lebenslange Nachbehandlung notwendig sein. Durch entsprechende Sicherheitsmaßnahmen lässt sich ein Großteil der Brandunfälle verhindern (siehe Kasten). Gerade bei Kleinkindern ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Schnell reißen sie heiße Getränke vom Tisch oder Töpfe von der Herdplatte. Die Haut kleiner Kinder ist dünner und wegen des höheren Wassergehalts durch hohe Temperaturen leichter zu schädigen. Schon eine Tasse Tee reicht, um bis zu 30 Prozent der Körperoberfläche eines Kleinkinds zu verbrühen. Das Risiko von Verbrühungen und Verbrennungen lässt sich vermindern, indem mögliche Gefahrenquellen beseitigt oder abgeschirmt werden. /

Sicherheitsmaßnahmen zur Vorbeugung

  • Beim Grillen keinen Brand­beschleuniger verwenden
  • Wärmflaschen nicht mit kochendem Wasser füllen
  • Kinder nicht allein mit offenem Feuer (Kerze, Kamin, Grill) lassen
  • Streichhölzer und Feuerzeuge wegsperren
  • Keine heißen Speisen oder Getränke mit einem Kind auf dem Schoß verzehren
  • Gefäße mit heißen Flüssigkeiten für Kinder unerreichbar platzieren
  • Keine herunterhängenden Tisch­decken verwenden
  • Keine herabhängenden Kabel bei Bügeleisen oder Wasserkochern
  • Auf den hinteren Herdplatten kochen, Herd mit einem Gitter sichern
  • Topf- und Pfannengriffe nach hinten drehen
  • Brennendes Fett in der Pfanne mit einem Deckel ersticken, niemals mit Wasser löschen
  • Fläschchen und Brei aus der Mikro­welle vor dem Füttern selbst probieren
  • Steckdosen mit Kindersicherungen versehen
  • Wunderkerzen und Feuerwerks­körper nicht in Kinderhand geben