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Clotrimazol bei Vaginalpilz

Trend zur Kurztherapie

13.04.2015  12:25 Uhr

Von Verena Arzbach, Düsseldorf / Eine Vaginalmykose mit Jucken und Brennen ist unangenehm und schränkt im Alltag stark ein. Viele Frauen bevorzugen bei der Therapie mit Clotrimazol inzwischen die Ein-Tages-Hochdosistherapie: Sie ist unkompliziert anzuwenden und lindert die Beschwerden schnell.

»Seit der Einführung von topischem Clotrimazol haben sich die Therapiezeiten bei der Vulvovaginalmykose stark verkürzt«, erklärte Professor Hans-Jürgen Tietz, Leiter des Instituts für Pilzkrankheiten in Berlin, bei einer Pressekonferenz der Firma Bayer beim Fortbildungs­kongress der Frauenärztlichen Bundesakademie in Düsseldorf. Von ursprünglich fast einer Woche (Sechs-Tage- Therapie) ging die Therapiedauer über drei Tage bis schließlich auf nur einen Tag zurück. »Viele Patientinnen wünschen sich die einmalige Anwendung. Sie ist unkompliziert und lässt sich gut in den Alltag integrieren«, so Tietz.

Der häufigste Erreger von Vaginalmykosen ist Candida albicans. Für mindestens 90 Prozent der Infektionen sei diese Pilzspezies verantwortlich, sagte Tietz. Mittel der Wahl zur Behandlung sei in diesen Fällen das Antimykotikum Clotrimazol, das die Ergosterolsynthese der Pilzzellen hemmt, sagte Tietz.

Studien zeigen, dass sich die Ein- und Drei-Tagestherapie mit Clotrimazol bezüglich der Wirksamkeit nicht unterscheiden. Bei der Ein-Tages-Hochdosistherapie (Canesten® Gyn Once oder Vagisan® Myko Kombi) gingen aber die typischen Symptome einer Vaginalmykose, wie der teilweise starke weißliche Ausfluss, Rötung, Juckreiz und Brennen, schneller zurück, so das Ergebnis einer Untersuchung, sagte Tietz. Die Formulierung für die Ein-Tages-Therapie enthält 500 mg Clotrimazol, bei der Drei-Tages-Therapie werden 200 mg Clotrimazol täglich, also insgesamt 600 mg, verabreicht. Nach der einmaligen Applikation der 500-mg-Vaginaltablette bildet sich ein Wirkstoffdepot: Über 72 Stunden werde eine fungizid wirksame Clotrimazol-Konzentration im Vaginalsekret aufrechterhalten, erklärte Tietz.

Pilze mögen Säure

Der Zusatz von Milchsäure bei Canesten Gyn Once erhöht die Wasserlöslichkeit von Clotrimazol und sorgt dafür, dass der Wirkstoff schnell aus der Vaginaltablette freigesetzt wird. Außerdem wirke Clotrimazol im Sauren am besten, erklärte der Facharzt für Mikrobiologie. Die Pilze vermehren sich bei niedrigen pH-Werten rasant, dann könne der Arzneistoff effektiv wirken.

Aber: »Jenseits der Therapie, zum Beispiel zur Prophylaxe von Vaginalpilzinfektionen, sollte keine Säure eingesetzt werden«, sagte Tietz. »Denn Pilze lieben Säure.« Der Rat, nach einer Pilzinfektion zur weiteren Prophylaxe ein Präparat mit Milchsäurebakterien anzuwenden, halte sich dennoch hartnäckig. Das sei jedoch grundlegend falsch, so Tietz. Im Gegenteil, die Milchsäurebakterien könnten sogar eine erneute Pilzinfektion begünstigen. Hilfreich und angebracht seien die Säureprodukte dagegen zur Vorbeugung bakterieller Harnwegsinfekte. /