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Thrombose

Die stille Gefahr

25.04.2016  09:34 Uhr

Von Verena Arzbach / Mehr als 500 000 Menschen sterben in Europa pro Jahr an den Folgen einer venösen Thromboembolie (VTE). Die Anzeichen einer Thrombose können unspezifisch sein oder ganz fehlen, daher wird die Gefahr nicht immer richtig gedeutet. Besonders bei langem und beengtem Sitzen auf Reisen sind Risikopatienten gefährdet.

Veränderungen der Strömungsgeschwindigkeit des Blutes, Erhöhung der Blutviskosität und Schäden an der Gefäßwand: Diese als Virchow-Trias bezeichneten Kriterien sind ursächliche Faktoren bei der Entstehung einer Thrombose. Es bildet sich zum Beispiel im Bein ein Blutgerinnsel, das eine Vene verstopfen und so den Rückfluss des Bluts zum Herzen verhindern kann. Im besten Fall löst sich ein solcher Blutpfropf wieder von selbst auf. Doch er kann sich auch von der Gefäßwand ablösen und in die Lungenarterien ausgeschwemmt werden, wo er eine lebensbedrohliche Lungenembolie auslösen kann.

Frühe Diagnose

Patienten nehmen in einigen Fällen (einseitige) Schmerzen oder ein Kribbeln im Bein wahr, es kann auch anschwellen und rot werden. Die Vorgänge im Körper können allerdings zunächst auch völlig unbemerkt verlaufen. Schmerzen oder Atemnot treten mitunter erst auf, wenn größere Lungengefäße verstopft sind. Dann kann allerdings bereits akute Lebensgefahr bestehen. Daher ist eine frühzeitige und korrekte Diagnose so wichtig. Dann kann der Arzt schnell handeln und die richtige Behandlung einleiten. Schwerwiegende Komplikationen können so meist verhindert werden.

Es gibt verschiedene Faktoren, die die Entstehung einer Thrombose begünstigen. Dazu zählen etwa Krampfadern, Gerinnungsstörungen und die Einnahme oraler Kontrazeptiva oder von Hormonersatzpräparaten. Auch Schwangere, Übergewichtige, Raucher und Personen über 60 Jahre haben ein erhöhtes Thrombose-Risiko. Und gerade zur Reisezeit wichtig: Lang andauerndes und beengtes Sitzen, etwa im Flugzeug, Auto oder Bus, steigert besonders bei Risikopatienten die Gefahr, dass sich ein Blutgerinnsel bildet. Besonders gefährdet sind dabei Patienten, die bereits eine Thrombose oder Embolie hatten oder die kurz zuvor operiert wurden.

Die Therapie einer VTE muss so schnell wie möglich eingeleitet werden. Die Patienten erhalten zunächst eine Antikoagulation mit einem hoch- oder niedrigmolekularen Heparin, dem Faktor-Xa-Hemmer Fondaparinux (Arixtra®) oder mit einem der neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) Dabigatranetexilat (Pradaxa®), Rivaroxaban (Xarelto®), Apixaban (Eliquis®) oder Edoxaban (Lixiana®). Die Behandlung wird mit einem Vitamin-K-Antagonisten oder einem NOAK anschließend über längere Zeit fortgesetzt. Eine zusätzliche Kompressionstherapie mit Strümpfen, Bandagen oder Stumpfhosen soll Ödeme verringern, die Fließgeschwindigkeit des Bluts erhöhen und die Venenklappenfunktion stärken. Auch moderates sportliches Training ist nach einer Thrombose möglich und wichtig. So unterstützt Bewegung die Kompressionstherapie, indem sie die Muskel-Venen-Pumpe und den Abbau des Thrombus beschleunigt.

Strümpfe schützen

Um einer Thrombose vorzubeugen, sollten Risikofaktoren wenn möglich ausgeschaltet werden; Patienten sollten also zum Beispiel das Rauchen aufgeben oder Krampfadern entfernen lassen. Bei einer längeren Reise sollten Risikopatienten zur Prävention Kompressionsstrümpfe (Klasse 1) tragen beziehungsweise niedermolekulares Heparin ins Unterhautfettgewebe der Bauchdecke oder des Oberschenkels spritzen. Bei Gesunden sind diese Maßnahmen vor einer Reise laut Expertenmeinung in der Regel überflüssig. Ausdrücklich nicht zur Prophylaxe empfohlen wird Acetylsalicylsäure (ASS). Denn ASS wirkt primär im arteriellen Bereich blutverdünnend, nicht im venösen. Es ist daher nicht dort wirksam, wo die Antikoagulation nötig ist. /

Auf Reisen vorbeugen

  • Die Zehen im Sitzen bewegen, mit dem Fußgelenk kreisen, Sitz­position häufig wechseln.
  • Häufig aufstehen und im Bus- oder Flugzeug-Gang umherlaufen.
  • Bei der Autofahrt regelmäßig Pausen einlegen.
  • Viel trinken, aber Alkohol und Koffein meiden.
  • Beine nicht übereinanderschlagen.
  • Weite, bequeme Kleidung tragen.