PTA-Forum online
Mobbing

Gift für das Betriebsklima

25.04.2016  09:34 Uhr

Von Andreas Nagel / In jeder Apotheke kommt es gelegentlich zu Meinungsverschiedenheiten oder Reibereien zwischen Mitarbeitern. Das ist nicht grundsätzlich negativ, denn gerade aus der Diskussion unterschiedlicher Auffassungen entstehen oft kreative Arbeitsergebnisse. Wenn Differenzen allerdings dauerhaft zu Angriffen auf einzelne Mitarbeiter führen, sind Gegenmaßnahmen dringend erforderlich.

Der Begriff Mobbing stammt aus dem Englischen (to mob = anpöbeln, über jemanden herfallen). Als Mobbing bezeichnet man allgemein Angriffe auf eine Person durch Beleidigungen, Verleumdungen, Intrigen, Spott, Gerüchte, Drohungen, Beschimpfungen, Verdächtigungen, Ausgrenzungen oder Sticheleien. Im Extremfall versuchen Kollegen etwa, die fachliche Arbeit gezielt zu sabotieren, zum Beispiel durch bewusste Falschinformationen, durch Einbau von Fehlern oder durch absichtliches Verlegen von Unterlagen. Von Mobbing spricht man allerdings erst dann, wenn derartige Angriffe systematisch und über einen längeren Zeitraum erfolgen. Eine eindeutige Definition des Begriffs Mobbing gibt es nicht, als Faustregel gilt aber, dass Mobbing vorliegt, wenn der Betroffene mindestens einmal in der Woche und mindestens ein halbes Jahr lang angegriffen wird.

Auslöser von Mobbing sind in den meisten Fällen persönliche Differenzen oder Antipathien zweier Mitarbeiter. Daneben können aber auch Stress, Überforderung, Konkurrenz- und Leistungsdruck, Neid oder ein drohender Arbeitsplatzabbau zu einem schlechten Betriebsklima und damit zu einem gereizten und aggressiven Umgang unter den Mitarbeitern führen. Wer ständig gestresst und überlastet ist, ist sicherlich kein angenehmer Gesprächspartner und erst recht kein hilfsbereiter Kollege. Bei Unterforderung, Monotonie und Langeweile am Arbeitsplatz kann Mobbing auch zu einer Ersatzbeschäftigung für einzelne Mitarbeiter werden.

Bei dem Betroffenen führt Mobbing oft zu psychischen und auch physischen Beschwerden oder Erkrankungen. Mobbing-Opfer empfinden ihren Arbeitsplatz plötzlich als Feindesland, und der Beruf, der ihnen bisher immer Spaß gemacht hat, wird nun zur Qual. Für die Apotheke bedeutet Mobbing oft finanzielle Einbußen – durch häufige Krankmeldungen und Fehlzeiten, verringerte Leistungsfähigkeit und eine hohe Fluktuation der Mitarbeiter.

Früh wehren

Werden Sie selbst zum Opfer von Angriffen, sollten Sie sich wehren und klarmachen, dass Sie sich nicht alles gefallen lassen. Je früher Sie sich wehren, desto größer ist die Chance, den Konflikt im Keim zu ersticken, weil der Angreifer merkt, dass er auf Wider­stand stößt. Viele Mobbingopfer scheuen die direkte Auseinandersetzung und nehmen Angriffe oft über einen langen Zeitraum taten- und kommentarlos hin. Aber je länger Sie schweigen, desto mehr werden Sie zum Opfer. Der Rat, die Angriffe einfach zu überhören oder zu ignorieren, ist meist wenig hilfreich. Eine schlagfertige Antwort hilft gegen Mobbing meist mehr als Schweigen. Fragen Sie den Mobber daher offensiv, was genau er mit seiner Bemerkung meint oder was er mit seinem Verhalten bezwecken will. Der Erklärungszwang bringt einige Angreifer bereits aus dem Konzept.

Auch wenn es schwerfällt: Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Gegner. Greifen Sie ihn aber keinesfalls persönlich an, sondern fragen Sie ruhig und sachlich unter vier Augen nach den Gründen für sein Verhalten. Auch so zeigen Sie, dass Sie Angriffe nicht taten­los hinnehmen. Manchen Menschen ist die Wirkung ihres Verhaltens auch gar nicht bewusst. Sie registrieren nicht, dass sie durch ihren rauen Umgangston andere beleidigen. Wenn im Gespräch keine Einigung erzielt werden kann, so können Sie ankündigen, im Wiederholungsfall die Apothekenleitung zu informieren.

Bei fortgesetzten Angriffen sollten Sie unbedingt ein »Mobbing-Tagebuch« führen. Notieren Sie, wann und wie Sie angegriffen wurden und versuchen Sie, Kollegen als Zeugen zu gewinnen. Nur so können Sie die Attacken in späteren Gesprächen konkret darstellen und beweisen. Suchen Sie möglichst auch Unterstützung im Kollegenkreis. Wenn Sie andere Kollegen auf Ihrer Seite haben, merkt der Mobber schnell, dass er sich mit seinem Verhalten nicht nur gegen Sie, sondern auch gegen weitere Kollegen stellt.

Holen Sie sich bei Bedarf zusätzlich Rat von Personen Ihres Vertrauens. Das können Freunde, Verwandte oder ein Arzt sein. Im Internet finden sich auch viele Beratungsstellen, die sich auf Mobbing spezialisiert haben. Hilfreich können auch Online-Diskussionsforen sein, in denen Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen und wertvolle Verhaltenstipps erhalten können.

Sollte der Mobber nicht nachgeben, besprechen Sie das Thema mit der Apothekenleitung. Ein verantwortungsvoller Chef wird sich im Interesse seiner Apotheke und des gesamten Teams um das Thema kümmern.

Letzter Ausweg

Ein Arbeitsplatzwechsel ist der letzte Ausweg, wenn alle Maßnahmen keine Veränderung bewirkt haben. Vielleicht besteht auch die Möglichkeit, in eine andere Filiale oder in einen anderen Arbeitsbereich zu wechseln, in dem Sie dem Mobber nicht mehr begegnen. Auch wenn der Mobber in diesem Fall »gewonnen« hat: Gesundheit und Lebensqualität sollten in diesem Fall wichtiger sein.

Wenn Sie Zeuge von Mobbing gegen Kollegen werden, so haben Sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder Sie halten sich aus dem Konflikt heraus, indem Sie so tun, als ob Sie die Angelegenheit nicht interessiert oder als hätten Sie nichts bemerkt – oder Sie versuchen, dem Gemobbten zu helfen. Sie können den mobbenden Kollegen unter vier Augen auf sein Verhalten ansprechen. Oder Sie informieren weitere Kollegen über den Vorfall, stellen sich gemeinsam auf die Seite des Gemobbten und gehen zusammen gegen den Mobber vor. Sie können auch Ihren Chef über den Vorgang informieren. Ein guter Chef wird in diesen Fällen selbst geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen.

Rückendeckung vom Chef

Die Apothekenleitung sollte bereits durch präventive Maßnahmen für ein gutes Betriebsklima in der Apotheke sorgen, damit es erst gar nicht zu Mobbing kommt. Dazu gehören etwa eine akzeptable Arbeitsbelastung ohne übermäßigen Stress, eine gerechte Urlaubs- und Dienstzeitenplanung und keine ungerechtfertigten Sonderrechte für einzelne Mitarbeiter, die den Unmut der übrigen Kollegen wecken könnten. Regelmäßige Mitarbeiterbesprechungen und gemeinsame Freizeit­aktivitäten sorgen ebenfalls für ein gutes Verhältnis unter den Kollegen.

Sollte es dennoch zu Mobbinghandlungen kommen, so ist es Aufgabe der Apothekenleitung, energisch gegen den Mobber vorzugehen und dem Gemobbten Rückendeckung zu geben. Keinesfalls darf die Apothekenleitung das Verhalten tolerieren oder wegsehen. Zunächst sollte in einem sachlichen und ruhigen Gespräch mit dem Mobber deutlich gemacht werden, dass sein Verhalten in der Apotheke nicht geduldet wird. Im Wiederholungsfall kann diese Aussage auch vor dem gesamten Apothekenteam wiederholt werden. Die Apothekenleitung sollte sich bei dieser Gelegenheit auch noch einmal nachdrücklich als Ansprechpartner und Vermittler für zukünftige Konfliktsituationen anbieten. Bei völliger Uneinsichtigkeit des Mobbers ist seine Entlassung die beste Lösung. /

Tipps für Mobbing-Opfer

  • Wehren Sie sich frühzeitig
  • Suchen Sie, wenn möglich, das Gespräch mit dem Mobber
  • Führen Sie ein Mobbing-Tagebuch
  • Suchen Sie Zeugen und Verbündete im Kollegenkreis.
  • Holen Sie sich Rat bei Beratungsstellen
  • Informieren Sie die Apotheken­leitung
  • Wechseln Sie notfalls den Arbeitsplatz