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Entzündung der Achillessehne

Leid der Läufer

25.04.2016  09:34 Uhr

Von Carina Steyer / Die Achillessehne ist die längste und dickste Sehne des menschlichen Körpers und oft eine Schwachstelle von Laufsportlern. Eine Überlastung der Sehne endet häufig in einer langwierigen Achillessehnenentzündung. Vorbeugende Maßnahmen und eine schnelle Behandlung von Beschwerden können einer chronischen Entzündung vorbeugen.

Die Achillessehne erstreckt sich vom mittleren Drittel des Unterschenkels bis hinab zur Ferse und verbindet den dreiköpfigen Wadenmuskel mit dem Fersenbein. Während sie an ihren Ansatzstellen weit aufgebreitet ist, verjüngt sie sich im Bereich des Sprunggelenks stark und ist von außen gut tastbar. Im oberen Fersenbereich liegen zwei Schleimbeutel unter der Achillessehne, die zusammen mit dem die Sehne umhüllenden Sehnengleitgewebe vor mechanischer Belastung schützen.

Die wichtigste Funktion der Achillessehne ist die Kraftübertragung beim Abrollen des Fußes: von der sich zusammenziehenden Wadenmuskulatur auf die Ferse. Die Kraft, die dabei auf die Achillessehne wirkt, ist enorm. Bei normaler Gehgeschwindigkeit entspricht sie dem Drei- bis Vierfachen, beim Joggen sogar dem Zwölffachen des Körpergewichts. Gesunde Achillessehnen tolerieren diese Belastungen aber in der Regel problemlos. Bei ungewohnt hohen oder falschen Belastungen können allerdings Schmerzen im Bereich der Achillessehne auftreten. Ursache dafür kann eine Entzündung des Sehnengleitgewebes, der Schleimbeutel, der Sehnenansatzstelle am Fersenbein oder Verschleißerscheinungen im Sehnengewebe sein. Übergreifend sprechen Mediziner dann von einer Achillessehnenentzündung.

Eine solche Entzündung gilt als typische Laufsportverletzung, von der besonders viele Neu- und Wiedereinsteiger betroffen sind. Beide Gruppen neigen dazu, ihren Trainingsumfang und die Trainingsintensität zu schnell zu steigern. Aber auch erfahrene Läufer sind vor Achillessehnenentzündungen nicht gefeit. Schätzungen zufolge ist jeder fünfte Marathonläufer von einer Achillessehnenentzündung betroffen.

Vorbeugung ist wichtig

Um einer Achillessehnenentzündung vorzubeugen, raten Experten zu individuell angepassten Laufschuhen. Die meisten Sportgeschäfte bieten inzwischen Laufbandanalysen an, bei denen zunächst der Fuß und die Fußstellung analysiert werden. Denn Fußfehlstellungen sind weitverbreitet und belasten die Achillessehne unnötig. So knickt beispielsweise bei vielen Läufern der Fuß während der Stützphase zu stark nach innen. Die Stützphase bezeichnet die Zeitspanne vom Aufsetzen des Fußes bis zu dem Punkt, an dem sich der Schwerpunkt des Körpers über dem Fuß befindet. In der Abstoßphase, in der die Ferse vom Boden abgehoben hat, der Fuß aber noch Kontakt zum Boden hat, knickt der Fuß wiederum zu weit nach außen. Angepasste Laufschuhe können solche Fehlbelastungen ausgleichen.

Alternativ bieten auch viele orthopädische Praxen Laufbandanalysen an. Hier werden nicht nur die Füße, sondern auch die Beine und Beinachsen begutachtet. Denn auch Fehlstellungen der Beinachse, sichtbar durch eine X- beziehungsweise O-Bein-Stellung, können zu Beschwerden an der Achillessehne führen. Mit physiotherapeutischen Übungen, die die Muskulatur des Beines gezielt kräftigen, lassen sich Beinachsenfehlstellungen meist ausgleichen. Zusätzlich sollte nach jedem Training die Wadenmuskulatur gedehnt werden. Denn eine verkürzte Wadenmuskulatur begünstigt ebenfalls Achillessehnenentzündungen.

Erste Anzeichen

Die typischen Anzeichen einer Achillessehnenentzündung sind ein unangenehmes Ziehen, dumpfe oder stechende Schmerzen und Schwellungen im Bereich der Achillessehne. Häufig ist der Bereich zusätzlich stark druckempfindlich und warm. In den meisten Fällen ist die Ansatzstelle der Achillessehne am Fersenbein betroffen, sodass viele Läufer die Beschwerden als Fersenschmerzen wahrnehmen. Zu Beginn der Entzündung treten die Symptome meist nur auf, wenn die Sehne gedehnt wird. Das ist beispielsweise am Morgen nach dem Aufstehen, zum Start des Lauftrainings oder beim Treppensteigen der Fall. Nach einigen Minuten vergehen die Schmerzen wieder, sie können aber nach starker Belastung erneut auftreten.

Frühe Selbstbehandlung

Experten raten bereits beim Auftreten der ersten Beschwerden zu einer Trainingspause, auch wenn die Schmerzen im Verlauf des Trainings nachlassen. Zusätzlich lindern Sportpflaster oder Sportsalben mit dem Wirkstoff Diclo­fenac Schmerzen und wirken entzündungshemmend. Ergänzend kann der Bereich mit Kältekompressen oder Quarkwickeln gekühlt werden. In seltenen, ausgeprägten Fällen kann eine Fersenerhöhung die Sehne entlasten oder der Fuß durch einen Gipsverband ruhiggestellt werden. Ein Geheimtipp kommt von Sportmediziner Professor Dr. Christian Gäbler aus Wien. Er em­pfiehlt, ein Vollbad zu nehmen und dabei die Achillessehne fünf Minuten lang mit einer Bürste zu schrubben. Dadurch verbessere sich die Durchblutung und häufig käme es nach mehrtägiger Anwendung zu einer Besserung der Beschwerden. Besonders erfolgreich ist die Behandlung laut dem Experten, wenn die Schmerzen zum ersten Mal auftreten.

Werden die Maßnahmen konsequent eingehalten, sollten die Beschwerden nach sieben bis zehn Tagen abklingen. Dann kann der Patient auch wieder mit einem leichten Lauftraining beginnen. Um erneute Beschwerden zu vermeiden, sollte er die Sehne nach den ersten Trainingseinheiten noch kühlen. Vom Tragen sehr flacher Schuhe wie Flip-Flops oder Sandalen raten Experten in der ersten Zeit nach einer Achillessehnenentzündung ab. Sie beanspruchen die Sehne stark und könnten zu einem Rückfall führen.

Chronisch entzündet

Achillessehnenentzündungen können bei nicht ausreichender Behandlung chronisch werden. Die Schmerzen treten dann dauerhaft und unabhängig von der Bewegung auf, und es kommt zu einer Verdickung der Achillessehne. Häufig führt die Entzündung außerdem zu einer Verhärtung und Verkürzung der Wadenmuskulatur, wodurch die Achillessehne gedehnt und die Schmerzen verstärkt werden. Eine chronische Entzündung steigert die Gefahr eines Achillessehnenrisses enorm. Fast immer zeigen feingewebliche Untersuchungen einer gerissenen Achillessehne vorausgegangene Beschädigungen.

70 bis 80 Prozent der chronischen Achillessehnenentzündungen lassen sich erfolgreich behandeln. Die Therapie ist jedoch meist langwierig und erfordert die Mitarbeit des Patienten. Sie basiert auf drei Säulen: Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, mechanische Entlastung der Achillessehne durch Einlagen sowie exzen­trische Dehnübungen der Achillessehne und der Wadenmuskulatur.

Exzentrische Dehnübungen sind Dehnübungen unter Belastung, die auf einer Treppenstufe durchgeführt werden. Die Fußballen stehen auf der Stufe, die Fersen schweben frei in der Luft. Hebt der Patient den beschwerdefreien Fuß an, verlagert sich das gesamte Körpergewicht auf den betroffenen Fuß. Nun wird die Ferse abgesenkt, sodass Achillessehne und Wadenmuskulatur gezielt gedehnt werden. Mit Unterstützung des gesunden Fußes wird die Dehnung anschließend wieder aufgehoben. Manchmal empfiehlt der Arzt auch, die Dehnübung durch einen Gewichtsrucksack oder Ähnliches zu verstärken.

Eine schwedische Studie konnte zeigen, dass selbst über Jahre bestehende chronische Achillessehnenentzündungen durch die Dehnübung innerhalb von zwölf Wochen ausheilen können. Allerdings müssen die Übungen täglich über mehrere Wochen ausgeführt werden, bis eine Besserung eintritt. Der genaue Wirkmechanismus exzentrischer Dehnübungen ist heute noch unklar, vermutet wird eine Kombination aus mechanischem Effekt und einer veränderten Schmerzwahrnehmung.

Ergänzend werden Gang- und Laufschulungen sowie eine Stoßwellenbehandlung als individuelle Gesundheitsleistung angeboten. Bei diesen Stoßwellen handelt es sich um hochenergetische Ultraschallwellen, bei denen es in Zeitintervallen von weniger als zehn Nanosekunden zu einem Druckanstieg von bis zu 500 Bar kommt. Dem schnellen Anstieg folgt ein langsamerer Druckabfall bis in den negativen Bereich. So bilden sich mikroskopisch kleine Blasen, die durch den Einstrom von Gewebewasser wieder kollabieren und so eine Regeneration des Gewebes induzieren.

Corticoid-Injektion

Bei hartnäckigen Entzündungen kann die Injektion eines Glucocorticoids neben die Sehne erwogen werden. So wird die Entzündungsreaktion schnell gehemmt und Schmerzen gelindert. Liegt die Injektionsstelle allerdings zu dicht neben der Sehne oder wird in die Sehne gespritzt, kann dies die Durchblutung der Sehne verschlechtern. Das wiederum erhöht das Risiko eines Achillessehnenrisses. Die potenziell falsche Anwendung der Methode hat dazu geführt, dass viele Ärzte sie inzwischen ablehnen. Befürworter raten zu einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung und empfehlen maximal zwei Injektionen.

Operative Maßnahmen

Zeigen konservative Therapiemaßnahmen auch nach sechs Monaten keinen Erfolg, kann der Arzt eine operative Behandlung der Achillessehnenentzündung erwägen. Meist kann die Operation minimalinvasiv durchgeführt werden, lediglich bei schwer ausgeprägten Entzündungen kann ein Hautschnitt notwendig werden. Viele Krankenhäuser oder chirurgische Praxen bieten die Operation als ambulante Behandlung an. Nach der Operation muss der Fuß durch einen Spezialschuh oder einen Gips für zwei bis vier Wochen ruhiggestellt werden. /