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Modellprojekt ARMIN

»Qualität gibt es nicht zum Nulltarif«

25.04.2016
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Von Daniel Rücker, Palma de Mallorca / Ab Anfang Juli können Patienten sich bei ihrem Arzt oder Apotheker für die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) einschreiben. ABDA- Präsident Friedemann Schmidt und Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbands, zeigten sich überzeugt, dass das Projekt fachlich und finanziell für die Apotheker wichtig ist.

PZ: ARMIN ist das Vorzeigeprojekt der deutschen Apotheker für eine bessere Versorgung der Patienten. Wie ist der aktuelle Stand?

Fink: Wir stehen kurz vor dem Start der dritten Stufe. Am 1. Juli ist der offizielle Starttermin. Enden soll die Testphase zum Jahreswechsel 2018/19.

PZ: Was sind die Inhalte der dritten Stufe?

Fink: Wir steigen in das Medikationsmanagement ein. Patienten können sich bei ihrem Apotheker und ihrem Arzt für diese Dienstleistung einschreiben.

PZ: Gibt es für die Patienten ausreichend Ärzte und Apotheker für die Einschreibung?

Fink: In Thüringen und Sachsen machen jeweils 1000 Apotheker und 500 Ärzte beim Start mit. Das müsste vorerst reichen. Wir setzen aber natürlich darauf, dass mit dem Erfolg von ARMIN noch mehr Ärzte und Apotheker mitmachen werden.

PZ: Es ist nicht selbstverständlich, dass Ärzte und Apotheker gemeinsam an einem solchen Projekt arbeiten. Was hat den Ausschlag dazu gegeben?

Schmidt: Das ist eine Konsequenz der regionalen Verhältnisse. In Sachsen und Thüringen gibt es sehr souveräne Persönlichkeiten an der Spitze der ärztlichen Berufsorganisationen. Sie waren an unserem Angebot interessiert. In anderen Ländern habe sich die Ärzte leider etwas schwer getan.

Fink: Die Zusammenarbeit funktioniert auch deshalb gut, weil die AOKplus ebenfalls für das Projekt brennt. Die AOK hat auch schon beim Disease-Management-Programm Diabetes gute Erfahrungen mit den Apothekern gemacht. Wir konnten hier dazu beitragen, die Arzneimittelkosten zu senken.

PZ: Dennoch war ARMIN keine Autobahn ins Glück. Was waren die größten Hürden?

Fink: Ganz klar die Infrastruktur. Das war ein enormer Kosten- und Programmieraufwand und technisch sehr anspruchsvoll, die Apotheken-EDV mit der Praxis-Software und der AOK zu verbinden. Deshalb hat sich auch der Start verzögert.

PZ: ARMIN ist zwar das umfassendste neue Konzept für eine bessere Arzneimittelversorgung, aber nicht das einzige. Bundesweit gibt es neben ­ARMIN mindestens 15 weitere Projekte zur Arzneimitteltherapiesicherheit. Welchen Grund hat diese große Vielfalt?

Schmidt: Die Arzneimitteltherapiesicherheit AMTS war das beherrschende Thema der vergangenen Jahre. Die Konsequenz daraus ist nun, dass es in fast allen Bundesländern solche Konzepte gibt. Das ist auch völlig in Ordnung. Es muss aber klar sein, dass die Regeln, nach denen wir ARMIN konzipiert haben, berücksichtigt werden. Es darf keinen Wettlauf zwischen verschiedenen Projekten geben. Wir haben die Verteilung der Aufgaben zwischen Ärzten und Apothekern formuliert und wir haben festgelegt, dass unsere Leistungen zwingend honoriert werden müssen, ARMIN ist Mehrarbeit für die Apotheken. ARMIN ist aber auch der Maßstab, an dem sich alles messen muss. Es ist uns wichtig, dass diese Regeln auch in den anderen Bundesländern umgesetzt werden.

PZ: Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwo in Deutschland Projekte ohne Honorierung für die Apotheker starten, ist nicht unwahrscheinlich. Was machen Sie, wenn Kammern und Verbände eigene Regeln für ihre Projekte aufstellen?

Schmidt: Das müssen wir durchstehen. Natürlich werden Kostenträger Druck auf uns ausüben. Sie werden die von uns angebotenen Leistungen zu einem möglichst niedrigen Preis einkaufen wollen. Deshalb ist es wichtig, dass unser Preisanker hält. Wir werden auch keine Dumping-Angebote machen, um schneller in den Markt zu kommen. Wir setzen auf Qualität, die gibt es nicht zum Nulltarif. Ich erwarte, dass dies in den Bundesländern genauso gesehen wird.

PZ: ARMIN ist ein langfristiges Konzept. Bis zur Perfektion wird noch einige Zeit vergehen. Wann soll ARMIN Teil der Regelversorgung werden? Es gibt das Perspektivpapier 2030. Könnte dessen Umsetzung der Startschuss für den bundesweiten Regelbetrieb sein?

Schmidt: Ich halte das für eine realistische Perspektive für einen bundesweiten Roll-out. Wir haben 2010 mit dem ABDA-KBV-Modell begonnen. 20 Jahre sind ein realistischer Zeitraum für eine solche Aufgabe. /