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Schwangerschaftsstreifen

Bauch in Bestform

25.04.2017
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Von Elke Wolf / Mit der Freude über den wachsenden Bauch wächst meist auch die Furcht vor Schwangerschaftsstreifen. Weil diese Striae gravidarum genannten Geweberisse nach der Geburt nicht völlig verschwinden, spielt die Vorbeugung eine umso größere Rolle.

Der Name täuscht: Schwangerschaftsstreifen bekommen nicht nur Schwangere. Die Mehrheit der Frauen und auch einige Männer entdecken irgendwann den ungeliebten Streifen-Look an Po, Oberschenkeln, Bauch oder Brust. Nach schneller Gewichtszu- oder -abnahme, bei schwachem Bindegewebe, bei der Einnahme von Glucocorticoiden sowie bei hochgewachsenen, schlanken Mädchen oder Jungen in der Pubertät können solche Dehnungsstreifen entstehen. Denn die Haut kann schnelle Wachstumsschübe nur schlecht abfangen.

Schwangerschaftsstreifen entstehen, weil elastische Fasern des Bindegewebes aufgrund mechanischer und hormoneller Umstände reißen. Für gewöhnlich sorgt das Bindegewebe dafür, dass die Haut elastisch bleibt. Es besteht aus einem feinen Netz kollagenhaltiger Fasern. Wird die Haut über Gebühr gedehnt, trennen sich einzelne Fasern voneinander, feine Risse entstehen. Hinzu kommen hormonelle Einflüsse auf die Fibroblasten; der erhöhte Cortisolspiegel während der Schwangerschaft beeinträchtigt die Qualität von Kollagenfasern, sodass sie leichter reißen.

 

Erkennbar sind diese Prozesse an zunächst violett-roten, nach einigen Monaten bis Jahren weißlich glänzenden Streifen, die an den Stellen mit der höchsten Zunahme des Umfangs entstehen, also besonders am Bauch, aber auch an Brüsten, Hüften und Oberschenkeln. Während die Streifen am Bauch gewöhnlich von oben nach unten verlaufen, sind sie an der Brust strahlenförmig zur Brustwarze hin angeordnet. Die Striae sind etwa einen bis mehrere Zentimeter lang und können bis zu einem Zentimeter breit werden.

 

Sind elastische Fasern erst einmal gerissen, kann ihr Erscheinungsbild bestenfalls gemildert werden. Die zerstörte Hautstruktur lässt sich nicht wieder reparieren. Diese Zusammenhänge sollte die PTA im Beratungsgespräch der Schwangeren vermitteln. Daher ist es sinnvoll, bereits während der Schwangerschaft vorbeugend aktiv zu werden, und zwar schon dann, wenn noch keine Veränderungen sichtbar sind. Ziel ist es, die Elastizität der Haut und ihre Durchblutung zu fördern, um das Ausmaß der Geweberisse möglichst klein zu halten. Allerdings ist auch das keine Garantie dafür, gänzlich streifenfrei die Schwangerschaft zu überstehen. Die Beschaffenheit des Bindegewebes ist Veranlagungssache.

Lipide satt

Zur Vorbeugung eignen sich regelmäßige Massagen mit lipidhaltigen Zubereitungen,­ wie Körperölen oder speziellen Schwangerschaftsstreifencremes. Sie sollten konsequent zweimal täglich über die gesamte Dauer der Schwangerschaft durchgeführt werden.­ PTA empfehlen am besten Emulsionen vom Typ W/O oder O/W mit hohem Lipidanteil. Dieser kann über 70 Prozent betragen. Als Lipidkomponente eignen sich etwa Jojobaöl, Mandelöl, Avocadoöl oder Vitamin-E-haltiges Weizenkeimöl, genauso wie Sheabutter. Silikone oder Nebenprodukte der Erdöl-Verarbeitung wie Paraffine und Vaseline sind abzulehnen. Als weitere sinnvolle Zusätze kommen Fibroblasten stimulierende Inhaltsstoffe infrage, wie Flavonoid-haltige Pflanzenextrakte oder solche von Centella asiatica, dem Tigergras oder dem asiatischen Wassernabel, mit sogenannten Asiaticosiden.

Daneben ist auch die Liste der Zusatzstoffe genau zu studieren: Konservierungsmittel wie Propylparaben oder halogenierte Substanzen wie Chlorphenesin sind wegen Verdachts auf eine hormonähnliche Wirkung beziehungsweise ihres allergischen Potenzials abzulehnen. Auch einige Duftstoffe bergen ein gewisses Kontaktallergie-Risiko. PTA sollten am besten zu geruchsneutralen Zubereitungen raten.

 

Tatsache ist, dass viele topische Präparate zur Prävention angeboten werden, ohne dass deren Wirksamkeit belegt ist. Allerdings handelt es sich auch um Kosmetika und nicht um topische Arzneimittel. Unbestritten ist aber auch, dass das regelmäßige Eincremen und Massieren den Stoffwechsel des Bindegewebes und die Durchblutung stimuliert. Und: Das tägliche Eincremen versorgt die strapazierte Haut mit Fett und Feuchtigkeit. Zudem wird auch das in den letzten Schwangerschaftsmonaten störende Jucken der Haut an den gedehnten Stellen gemindert. Nicht zuletzt können Massagen und Eincremen das Wohlgefühl steigern und entspannen.

Bindegewebe stärken

Die Körperpflege kombiniert die Schwangere am besten mit einer Bürsten- oder Zupfmassage. Bei Letzterer wird die Haut an den Problemzonen mit zwei Fingern angehoben, durchgeknetet und wieder losgelassen. Etwa drei bis zwei Wochen vor dem Geburtstermin sollte die Massage nur noch sehr sanft ausfallen, um keine Wehen zu initiieren.

 

Unterstützend kann auch die langfristige Einnahme der Schüßler Salze Nr. 1, Calcium fluoratum, und Nr. 11, Silicea, sein. Äußerlich können die dazu passenden Salben angewandt werden, von denen je ein erbsengroßes Stück auf die Handinnenfläche gegeben wird und damit die betroffenen Hautstellen ein- bis zweimal täglich eingerieben werden.

Hilfe vom Hautarzt

Viele Frauen leiden nach der Geburt unter den außerordentlich störend wirkenden, violetten Striae, wenn das vorbeugende Pflegeprogramm nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat. Da hilft auch oft nicht die Aussicht, dass sich der Farbton mit den Monaten in Richtung weiß verschiebt. Eine Besserung sollen hautärztliche Anwendungen wie Laser, Dermasanding, Micro-Needling oder Ultraschall bringen. Eine Entfernung ist nicht möglich. /

Anti-Streifen-Programm

  • Regelmäßig Sport treiben, etwa Schwangerschaftsgymnastik oder Schwimmen
  • Häufige Bindegewebsmassagen
  • Sorgfältige Pflege mit ­lipid­reicher Zubereitung
  • Regelmäßige Wechselduschen
  • Ausgewogene Ernährung, um nicht zu schnell zuzunehmen. Eine Gewichtszunahme von etwa 10 bis 12 kg liegt im ­nor­malen Bereich.