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Arzneipflanzen-Porträt

Süßholz

25.04.2017
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Glycyrrhiza glabra Schmetterlingsblütler (Fabaceae)

Merkmale

Ausdauernde Staude, 1 bis 2 m hoch

Lange, kräftige Pfahlwurzel mit Nebenwurzeln und stark verholztem Wurzelstock (Rhizom).

Unpaarig gefiederte Blätter, bis 20 cm lang, eiförmige bis breitelliptische Fiederblättchen, unterseits drüsig behaart.

In den Blattachsen kleine zart-lila Schmetterlings­blüten, dicht stehend in 10 bis 15 cm langen Trauben

Früchte: 2 cm lange Hülsen mit 3 bis 5 nierenförmigen Samen

Heimat

südöstliches Europa bis nach China

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

Getrocknete ungeschälte oder geschälte Wurzel und ­deren Ausläufer. Die Wurzeln werden alle drei Jahre im Spätherbst ausgegraben, gewaschen, ggf. geschält und an der Sonne getrocknet. Das Europäische Arzneibuch kennt zwei Monographien: Süßholzwurzel (Liquiritiae radix) sowie Süßholz­wurzeltrockenextrakt als Geschmackskorrigens (Liquiritiae extractum siccum ad saporandum). Die Qualität von standardisiertem Süßholztrockenextrakt (Liquiritiae extractum siccum normatum) ist im Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC) festgelegt.

Inhaltsstoffe

Triterpensaponine (hauptsächlich Glycyrrhizin), Flavonoide, Isoflavonoide, Phytosterole,Polysaccharide

Anwendung

Dyspeptische Beschwerden und Sodbrennen

Schleimiger erkältungsbedingter Husten

Süßholzwurzel wurde vom Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt.

Verwendet werden: geschnittene Süßholzwurzel zur Teebereitung, Trockenextrakt in löslichen Instant-Tees und Kautabletten, alkoholische Auszüge in Tropfen.

Empfohlene Dosierung

5 bis 15 g Droge pro Tag, entsprechend 200 bis 600 mg Glycyrrhizin

Nebenwirkungen

Bei längerer Anwendung und höherer Dosierung: mineralcorticoide Effekte: Natrium- und Wasser-Retention, Kaliumverlust, Ödeme, Bluthochdruck, in seltenen Fällen Myoglobinurie (Eiweiß des Muskel­gewebes im Harn).

Wechselwirkungen

Kaliumverluste durch andere Arzneimittel wie Thiazid- und Schleifendiuretika können verstärkt werden; dadurch erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Digitalisglykosiden.

Kontraindikationen

Chronische Leberentzündung, Bluthochdruck, Nierenerkrankung, Kaliummangel, Schwangerschaft

Abgabehinweis

Nicht länger als vier bis sechs Wochen einnehmen, Dosierungsempfehlungen nicht überschreiten.

Zubereitung

1 bis 1,5 g fein geschnittene oder grob pulverisierte Süßholzwurzel mit 150 ml Wasser versetzen, kurz aufkochen und nach 10 bis 15 Minuten abseihen.

Nomen est omen

Der Name Süßholz kommt nicht von ungefähr: Glycyrrhizin ist 50 Mal süßer als Saccharose.

Aus der Süßholzwurzel wird auch die wichtigste Zutat für die Lakritzherstellung gewonnen: der »Süßholzsaft« (Liquiritiae succus). Dazu werden die frischen Wurzeln zerkleinert und mit Wasser viele Stunden gekocht. Der gewonnene Saft wird bis zur zähflüssigen Konsistenz eingedickt. Bei diesem Vorgang bildet sich das typische Lakritzaroma.

100 g Lakritzware enthalten maximal 200 mg Glycyrrhizin. Produkte mit einem höheren Gehalt müssen als »Stark-Lakritz« gekennzeichnet sein, auf der Packung ist die Höchstverzehrmenge angegeben.

Präparatebeispiele

Sidroga Magen-Heiltee

Kombi-Präparate: Emser Pastillen mit Süßholz zuckerfrei, Gasteo®, Gastritol®, Heumann Bronchialtee Solubifix®, Husten- und Bronchialtee Sidroga, Iberogast® Muc Sabona® Sirup