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Künstlicher Darmausgang

Hilfsmittel für Stomaträger

23.04.2018
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Von Caroline Wendt / Wer einen künstlichen Darmausgang bekommt, hat einen chirurgischen Eingriff vor sich, der das Leben verändert. Doch PTA und Apotheker können die Patienten beruhigen: Moderne Hilfsmittel ermöglichen mittlerweile einen fast normalen Alltag mit Stoma.

Das Wort Stoma kommt aus dem Griechischen und bedeutet »Mund« oder »Öffnung«. In der Medizin stellt ein Stoma allgemein eine künstliche Öffnung zu einer Körperregion dar. Der Begriff­ kann auch eine künstliche Harnableitung bezeichnen. Ein Gasteostoma, ein künst­licher Mageneingang, wird in der Regel als perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) bezeichnet. Müssen­ Patienten längere Zeit be­atmet werden, wird durch einen Luftröhrenschnitt ein Tracheo­stoma gesetzt­. In der Regel ist mit Stoma jedoch ein künstlicher Darmausgang gemeint­, der genauer als Anus praeter bezeichnet wird.

Genaue Zahlen, wie viele Menschen in Deutschland mit einem künstlichen Darmausgang leben, sind nicht bekannt. Die Selbsthilfevereinigung Deutsche Ilco schätzt die Zahl der Stoma­träger auf mehr als 100 000 Menschen. Dem Heil- und Hilfsmittel­report 2013 der Barmer Ersatzkasse zufolge leben in Deutschland 160 000 Patienten mit einem Anus praeter – eine Schätzung der Kasse aus den Daten ihrer Versicherten.

Ein künstlicher Ausgang wird etwa bei chronisch entzündlichen Darm­erkrank­ungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis­ ulcerosa, einer angeborenen Dickdarmanomalie, Fisteln oder einer Polyposis­, also einer starken Ver­mehrung von Polypen im Dickdarm, gelegt. In 70 Prozent der Fälle ist Krebs die Ur­sache für einen Anus praeter, so die Deutsche Krebsgesellschaft.

Verschiedene Ausgänge

Je nach Grunderkrankung und nach betroffenem Darmabschnitt werden verschie­dene Stoma-Arten unterschieden. Bei einer Krebserkrankung oder einer CED kann es beispielsweise nötig sein, einen Teil des Dickdarms zu entfernen. Bleibt bei der Operation ein Stück des Dickdarms erhalten, wird der künstliche Ausgang als endständige Kolostomie bezeichnet. Die Öffnung befindet sich dann meist in der linken unteren Bauchhälfte. Ist der Schließmuskel intakt, kann der Ausgang unter Umständen nach dem Abklingen der Entzündung wieder zurückverlegt werden­. Da der Dickdarm dafür zu­ständig ist, der Fäzes Flüssigkeit zu entziehen, kann die Konsistenz des Stuhls nach einer operativen Verkürzung des Darms variieren. Je kürzer der verbliebene Dickdarmabschnitt, desto flüssiger ist der Stuhl.

Bei einer Polyposis wird häufig der gesamte Dickdarm entfernt. Ein Dünndarmausgang wird als Ileostoma bezeichnet und befindet sich meist auf der rechten Bauchseite. Der Ausgang liegt 2 bis 4 Zentimeter oberhalb des Hautniveaus, damit der noch flüssige Stuhl gut abfließen kann. Dabei ist es wichtig, dass bei der Operation auch ein Teil der Darmschleimhaut nach außen­ gestülpt wurde: Der Stuhl enthält zu diesem Zeitpunkt der Verdauung noch viele Enzyme, welche die Haut stark reizen würden.

Anstelle eines endständigen Ausgangs besteht bei manchen Er­kran­­k­ungen auch die Möglichkeit, einen doppel­läufigen Anus praeter zu legen. Dabei wird eine Schlaufe des Darms an die Bauchdecke verlegt und so durchtrennt, dass zwei Öffnungen ent­stehen. Der nach dem Ausgang liegende Teil des Darms wird bei dieser Metho­de nicht entfernt, sondern le­diglich vorübergehend außer Funktion gesetzt. Auch bei einer Kolonfistel bleibt der Restdarm erhalten. Hier wird nur eine Verbindung zwischen Dickdarm und Bauchdecke gelegt. Aus diesem­ Stoma tritt nur dann Stuhl aus, wenn es unterhalb des Stomas zu Stauungen­ kommt.

Hohe Anforderungen

Damit Patienten mit einem künstlichen Darmausgang einen möglichst unkomplizierten Alltag erleben können, müssen Hilfsmittel zur Stomaversorgung sicher und unauffällig sein. Der Beutel, der den Stuhl auffängt, muss diesen sicher und geruchsdicht aufnehmen. Aber auch Darmgase passieren den Anus praeter. Daher sind die Beutel meistens mit einem Aktivkohlefilter versehen, durch den Verdauungsgase geruchsneutral entweichen können.

Bei den Hilfsmitteln zur Stoma­versorgung sind je nach Art, Lage und Größe des künstlichen Darmausgangs verschiedene Systeme vorteilhaft. Bei einteiligen Systemen sind Beutel und Haftfläche untrennbar miteinander verbunden (zum Beispiel Softima® Aktive Kolostomie Beutel). Diese Systeme müssen bei einem Beutelwechsel komplett ausgetauscht werden. Das bedeutet, dass die Haut oft gereizt und viel Material verbraucht wird. Deshalb sollten diese Beutel nicht häufiger als dreimal täglich gewechselt werden. Vorteil der einteiligen Systeme ist, dass sie sehr flexibel und unauffällig sind. Bei Beutelsystemen aus zwei Teilen verbleibt die Haftplatte einige Tage auf der Haut, während nur der Beutel gewechselt werden muss (zum Beispiel Biotrol® Post-Op Beutel). Der Beutel wird mit einem Rastring (Druckknopfsystem) oder mit einer klebenden Verbindung an der Basisplatte befestigt.

Des Weiteren muss unterschieden werden, ob es sich um ein geschlossenes oder ein offenes Beutelsystem handelt. Geschlossene Beutel eignen sich zur Versorgung eines Kolostomas, wenn der Stuhl eine annähernd feste Konsistenz hat. Hier wird der gesamte Beutel entsorgt, wenn er gefüllt ist. Ist der Stuhl hingegen flüssig und wird unregelmäßig über den Tag verteilt abgegeben, wie bei einem Ileostoma, können offene Beutelsysteme von Vorteil sein. Die sogenannten Ausstreifbeutel lassen sich an einer Seite öffnen und mit einer Klammer wieder verschließen. So kann der Patient den Inhalt entleeren und den Beutel weiter verwenden. Dieses System dürfte für Berufstätige oder Reisende sinnvoll sein, die tagsüber keine Gelegenheit haben, den Beutel zu wechseln.

Die Öffnung des Beutels oder der Basisplatte muss individuell an die Größe des Stomas angepasst werden. Die Hersteller der Beutel stellen hierfür Messkarten zur Verfügung. Das Stoma sollte eng umschlossen sein, ohne dass der Ring der Messkarte den künstlichen Ausgang berührt. Verwendet der Patient einen Karayabeutel (siehe unten), muss er die nächst größere Ringgröße wählen. Liegen Narben oder Vertiefungen direkt neben dem Stoma, können Patienten Probleme bei der Abdichtung des Stomas bekommen. Konvexe Haftflächen von Basisplatten oder Beuteln sind schüsselförmig zur Bauchdecke hin gewölbt und verbessern durch einen höheren Druck die Dichtigkeit. Aber Vorsicht: Durch zu starken Druck kann es zu Nekrosen kommen.

Haut schützen

Auch die Haut, die den künstlichen Darmausgang umgibt, muss richtig versorgt werden – Verdauungsenzyme und Feuchtigkeit können ansonsten leicht zu Hautreizungen führen. Bei Karaya-Beuteln handelt es sich um Systeme mit einer besonders hautschonenden Abdichtungsscheibe (zum Beispiel Curagard® oder Stomahesive®). Karaya ist das Harz des indischen Stinkbaums (Sterculia urens). Es nimmt Feuchtigkeit auf und verhindert so, dass die Haut durch Schwitzen wund wird. Beutel mit Karayaring müssen sowohl in der Apotheke als auch beim Patienten zu Hause trocken lagern. Aus dem gleichen Material sind auch Hautschutzplatten erhältlich. Beutelsysteme mit solch hautschonender Abdichtscheibe müssen jedoch mit einem Gürtel befestigt werden, weil sie nicht über einen Rastring oder eine Klebefläche halten.

Karaya-Pasten können Patienten auftragen, um ihre Haut zusätzlich zu schützen. Außerdem helfen diese Pasten, kleinere Hautunebenheiten, zum Beispiel von Operationsnarben, auszugleichen. Haftsprays helfen, die Klebekraft von Beuteln zu verstärken. Spezielle Pflasterentferner dienen der behutsamen Ablösung von Kleberesten.

Entleert sich ein Anus praeter regelmäßig und kontrollierbar, können Patienten auch Stomakappen verwenden. Diese können zum Beispiel beim Schwimmen, in der Sauna oder beim Geschlechtsverkehr getragen werden. Durch einen Entlüftungsfilter können Gase entweichen. Spezielle Stomakappen aus Schaumstoff quellen auf, wenn sie mit Darminhalt in Berührung kommen. Größere Mengen an Stuhl können jedoch nicht zurückgehalten werden. Beim sogenannten Erlanger Magnetverschluss ist unter der Haut des Stomas ein Magnetverschluss eingepflanzt. /