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Arthrose

Schmerzhafter Verschleiß

11.10.2007
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Arthrose

Schmerzhafter Verschleiß

Birgit Masekowitz, Berlin

Sich unbeschwert und schmerzfrei zu bewegen, ist für die meisten Arthrosepatienten kaum noch möglich. Daher suchen viele Betroffene Rat in der Apotheke. Doch welche Symptome sind typisch für Arthrose, welche charakteristisch für entzündliches Rheuma? Wer Arthrose-Patienten fachkundig beraten möchte, braucht detailliertes Fachwissen.

Schätzungen zufolge sind bei circa 80 Prozent der über 65-jährigen arthrotische Gelenkveränderungen nachweisbar. Damit ist Arthrose eine der häufigsten Erkrankungen insbesondere älterer Menschen. Unter Arthrose verstehen Fachleute die übermäßige Abnutzung eines oder mehrerer Gelenke. Arthrose zählt zu den rheumatischen Erkrankungen, einem Sammelbegriff, unter dem mehr als 100 verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst sind. Abhängig von der Pathogenese teilen Mediziner rheumatische Erkrankungen in vier große Hauptgruppen ein:

  • die entzündlich-rheumatischen, zu denen die rheumatoide Arthritis gehört,
  • die degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, die Arthrosen,
  • die weichteilrheumatischen und
  • die Stoffwechselerkrankungen, die rheumatische Beschwerden hervorrufen, zum Beispiel Osteoporose und Gicht.

Wer den Krankheitsverlauf einer Arthrose verstehen will, muss den Aufbau und die Funktion der Gelenke kennen. In jedem Gelenk treffen zwei Knochen aufeinander, die durch Bänder und Muskeln verbunden sind. Innerhalb des Gelenks sind sie mit einer schützenden Knorpelschicht überzogen, die verhindert, dass die Knochen bei Bewegungen direkt aufeinander reiben. Für die optimale Beweglichkeit sorgt die Synovia, die Gelenkflüssigkeit.

Sie wird von der Gelenkinnenhaut, der Synovialmembran oder Synovialis gebildet. Diese Membran kleidet die Gelenkkapsel aus, die das gesamte Gelenk umschließt.

Die Knorpelschicht hat keine eigenen Blutgefäße. Mit den lebenswichtigen Nährstoffe wird sie allein über die Synovialmembran versorgt, und zwar nur dann, wenn das Gelenk bewegt wird.

Belastung übersteigt Belastbarkeit

Gelenke verschleißen, wenn die schützende Knorpelschicht über lange Zeit zu stark oder falsch belastet wird. Neben erblich bedingten Störungen des Knorpels können zum Beispiel auch eine X-Bein-Stellung oder eine leichte Fehlstellung der Hüftgelenke dazu führen, dass die entsprechenden Gelenke punktuell überbelastet werden. Dadurch wird eine Arthrose in diesen Gelenken gefördert. Außerdem kommen zurückliegende Verletzungen wie Knochenbrüche oder permanente einseitige Arbeit, beispielsweise am Fließband, als Auslöser in Frage. Übergewicht spielt insbesondere bei einer Arthrose der Knie- und Hüftgelenke eine entscheidende Rolle. Zwar kann Adipositas alleine keine Arthrose auslösen, übergewichtige Personen erkranken jedoch früher und oft schwerer als Menschen mit normalem Körpergewicht.

Die zu starke Beanspruchung zerstört den Gelenkknorpel, und dieser kann dann den Knochen nicht mehr vor Stößen schützen. Das kann soweit gehen, dass der Knochen teilweise oder ganz frei liegt. In einer solchen Situation bildet der Organismus verstärkt Knochensubstanz, wodurch sich die Gelenke so charakteristisch knotig verdicken und deformieren. Des Weiteren kann abgeriebenes Knorpel- und Knochenmaterial sekundär eine Entzündung der Synovialmembran verursachen.

Wer rastet, der rostet

Zu Beginn der Erkrankung klagen die Betroffenen vor allem über so genannte Anlaufschmerzen: Morgens und nach längeren Ruhepausen scheinen die Gelenke wie eingerostet und schmerzen heftig. Erst nach einer gewissen Zeit kehrt die Beweglichkeit zurück. Hinzu kommt, dass sich Ermüdungserscheinungen viel schneller schmerzhaft bemerkbar machen. Typisch sind auch Knack- und Reibegeräusche in den Gelenken, die durch die aufgerauten Knorpeloberflächen entstehen. Bei kalter und feuchter Witterung sowie durch Belastungen wie Treppen hinunter steigen nehmen die Schmerzen zu.

Im fortgeschrittenen Stadium sind die Schmerzen dauerhaft vorhanden. In der Konsequenz bewegen sich die Betroffenen nur noch eingeschränkt. Ein fataler Fehler wäre es aber, wenn sie ihre Gelenke kaum noch belasten, denn das unterstützt den Krankheitsverlauf sogar. Nur durch regelmäßige Bewegung des Gelenks wird Gelenkflüssigkeit mit den wichtigen Nährstoffen in den Knorpel transportiert. Zudem müssen die Muskeln regelmäßig trainiert werden, die für die Stabilität des Gelenks wichtig sind.

Extremsport schadet eher

Im Unterschied zu früher sind Mediziner mittlerweile davon überzeugt, dass sportliche Aktivitäten ein fester Bestandteil der Arthrosetherapie sein sollten. Sport wirkt sich nicht nur positiv auf die Muskulatur aus, sondern auch auf das psychische Wohlbefinden. Jedoch nicht alle Sportarten sind für Arthrose-Patienten geeignet. Generell sollten sie Sportarten mit einem hohen Verletzungsrisiko meiden. Auch extreme Belastungen der Gelenke wie intensive Drehungen schaden eher.

Neben der täglichen Gymnastik sind die klassischen Ausdauersportarten wie Schwimmen, Rad fahren sowie Aquajogging oder Walking gut geeignet. Wer schon lange Zeit eine bestimmte Sportart ausübt, kann diese durchaus fortführen, eventuell mit geringerer Intensität. Arthrose wird meist erst spät erkannt. Daher sollten PTA oder Apotheker hellhörig werden, wenn Patienten über die typischen Symptome klagen. Doch die Diagnose bleibt in jedem Fall einem Arzt vorbehalten.

Die klassische Therapie der Arthrose ist rein symptomatisch. Sie soll zum einen Schmerzen reduzieren und zum anderen die entzündlichen Prozesse vermindern. Dazu werden neben den reinen Analgetika Paracetamol und Metamizol nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Naproxen oder Ibuprofen eingesetzt. NSAR wirken zusätzlich entzündungshemmend. Allerdings steigt bei längerer Einnahme das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen. Sehr häufig nimmt die Magenschleimhaut Schaden, es kommt zu Blutungen und Geschwüren. Als besser verträglich gelten die selektiven COX-2-Inhibitoren wie Celecoxib, Valdecoxib, Etoricoxib und Lumiracoxib.

In akuten entzündlichen Phasen hilft die Injektion von Cortison in das betroffene Gelenk. Wegen der negativen Wirkungen auf den Knochenstoffwechsel sollten Ärzte Glucocorticoide allerdings nicht öfter als viermal pro Jahr injizieren.

Alternativ oder begleitend zur klassischen Arthrosetherapie stehen den Patienten auch einige apothekenpflichtige Präparate zur Verfügung. Die Chondroprotektiva Glucosamin, Chondroitin und Hyaluronsäure sollen degenerative Prozesse aufhalten und so das Fortschreiten der Arthrose verhindern. Viele dieser Produkte sind als Nahrungsergänzungsmittel im Markt und haben daher ihren Wirkungsnachweis nicht erbracht. Deshalb sollten sich PTA oder Apotheker bei ihrer Empfehlung auf die Präparate konzentrieren, die eine Zulassung als Arzneimittel haben.

D-Glucosamin, ein Derivat der Glucose, ist ein natürlicher Bestandteil des Knorpels und der Gelenkflüssigkeit. Es kann die Struktur und die natürlichen Reparaturmechanismen des Knorpels stärken. Die Wirkung des Glucosamins wird von Fachleuten kontrovers diskutiert. Eine Rolle scheint zu spielen, ob Glucosamin als D-Glucosaminhydrochlorid oder D-Glucosaminsulfat vorliegt.

Studien mit Glucosaminsalzen

Eine 2006 veröffentlichte Studie zur Wirksamkeit von D-Glucosaminhydrochlorid und Chondroitinsulfat sowie einer Kombination beider Wirkstoffe bei Kniegelenkarthrose ergab keinen über einen Placeboeffekt hinausgehenden Nutzen. Lediglich bei Patienten mit sehr starken Schmerzen konnte die Kombination überzeugen.

Die Wirksamkeit von kristallinem D-Glucosaminsulfat wurde in der europäischen GUIDE-Studie untersucht. Die Studienteilnehmer erhielten einmal täglich 1500 mg (Dona®) beziehungsweise Paracetamol oder Placebo. Das Studienergebnis: Kristallines D-Glucosaminsulfat reduzierte nicht nur die Symptome der Kniegelenkarthrose, sondern verhinderte auch das Fortschreiten der Arthrose.

Chondroitinsulfat ist ein mit Schwefelsäure verestertes Glucosaminoglykan, das im menschlichen Bindegewebe vorkommt. Wie bei D-Glucosamin ist der therapeutische Nutzen noch nicht eindeutig geklärt.

Hyaluronsäure ist der Hauptbestandteil der Gelenkflüssigkeit. Sie dient bei allen Gelenkbewegungen als Schmiermittel. Ärzte injizieren Derivate der Hyaluronsäure direkt in das betroffene Gelenk. Die Behandlung erfolgt meist in Form einer Kur: In Abständen von einer Woche verabreichen sie drei bis fünf Injektionen. Diese Therapie lindert die Schmerzen sechs bis neun Monate lang.

Vor allem in frühen bis mittleren Stadien einer Arthrose lindern pflanzliche Arzneimittel die Symptome. Der jüngste Neuzugang ist ein standardisiertes Pulver aus Samen und Schalen der Hagebuttenfrüchte (Litozin®). Als wirksamen Bestandteil identifizierten die Forscher ein aus einem Zuckeranteil und Fettsäuren bestehendes Galaktolipid, das entzündungshemmende und antioxidative Effekte besitzt. Zwei randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudien belegen, dass die Teilnehmer die von Arthrose betroffenen Gelenke besser bewegen konnten. Außerdem reduzierte die langfristige Einnahme von Hagebuttenpulver den Bedarf an klassischen Analgetika.

Sehr viel länger in der Therapie bekannt sind Präparate mit Weidenrindenextrakt, Teufelskralle, Brennnesselblätter- oder Beinwellwurzelextrakt. Letzterer wird in Zubereitungen lokal als Umschlag oder Salbe appliziert, die anderen Phytopharmaka werden eingenommen.

Eine positive Wirkung wird außerdem dem Vitamin E zugeschrieben. Hochdosiert soll es entzündliche Prozesse hemmen und so Schmerzen lindern. Auch hier ergaben Studien, dass die Patienten durch die langfristige Einnahme geringere Dosen klassischer Analgetika benötigten. Mit Blick auf die Nebenwirkungen der starken Schmerzmittel ist dies durchaus ein therapeutischer Nutzen.

Aktion am Welt-Rheuma-Tag

Zahlreiche Vereine und Selbsthilfegruppen bieten Betroffenen Beratung und Unterstützung an. Wichtige Internetadressen enthält der Kasten. So startet zum Beispiel die Deutsche Rheuma-Liga e. V. am Welt-Rheuma-Tag, dem 12. Oktober, eine Informationskampagne zum Krankheitsbild Arthrose. Unter dem Motto »Arthrose? Wir helfen weiter« will der Verband mit großflächigen Plakaten auf seine Beratungsangebote hinweisen. Umfangreiches kostenloses Informationsmaterial, eine spezielle Hotline für Ratsuchende und ein Experten-Forum im Internet stehen Interessierten ab Mitte Oktober zur Verfügung.

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E-Mail-Adresse der Verfasserin:
birgit.masekowitz(at)gmx.de