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Tiermedizin

Ein Thema für die Apotheke

16.09.2008
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Tiermedizin

Ein Thema für die Apotheke

von Iris Kajewicz

Nicht nur verwahrloste Hunde und Katzen sind oft arg geplagt: Flöhe, Zecken, Läuse und auch Würmer machen manchem Haustier das Leben schwer. Wer sich allerdings um die Gesundheit seines Tieres sorgt, kann mit geeigneten Produkten viele Beschwerden verhindern und den Parasiten schnell den Garaus machen.

Die bekanntesten Ektoparasiten sind Flöhe und Zecken, doch auch Milben, Läuse, Haarlinge und Sandmücken können Hunde oder Katzen befallen. Etwa 2000 verschiedene Floharten ärgern als Blutsauger die Tiere. Doch wann hat ein Tier Flöhe und wie gefährlich sind diese für die Familie? Welche Behandlung ist sinnvoll und wie werden die Mittel richtig angewendet? Diese Fragen beantwortete Tierärztin Dr. Regina Thomas während des Tagesseminars zum Thema »Tiermedizin«, das der BVpta in Kooperation mit Bayer HealthCare organisierte. 

Wer beobachtet, dass sich sein Haustier ständig kratzt, sollte schnell handeln, denn Flöhe vermehren sich rasant. Bitte beachten: Nicht nur das Tier muss behandelt werden, sondern ebenso dessen Umgebung, vor allem die Lieblingsplätze des Tieres. Sonst wird die Flohpopulation nicht ausreichend bekämpft, denn nur 5 Prozent der Flöhe befinden sich auf dem Tier; der Rest lebt in dessen Umgebung. Gegen Flöhe im Fell des Tieres hilft bei Hunden ein Bad mit einem Flohshampoo. Für die wasserscheuen Katzen gibt es Puder für das Fell oder Spot-on-Produkte. Spot-on-Produkte sind Tropfen, die aus einer Tube oder kleinen Pipette in den Nacken des Tieres direkt auf die Haut geträufelt werden. Die Umgebung kann mit Sprays flohfrei gemacht werden. Anschließend kann der regelmäßige Einsatz des Staubsaugers helfen, die Floheier und abgestorbenen Flohlarven zu entfernen. Ganz wichtig ist es, den Staubsaugerbeutel immer zu vernichten, da sonst im Beutel eine weitere Flohpopulation heranwächst. Dem erneuten Befall beugen Flohhalsbänder oder Spot-on-Produkte vor. Vielen Tierbesitzern ist nicht bekannt, dass der Floh Hauptüberträger des Bandwurmes ist. Daher ist es wichtig, parallel zu den oben aufgeführten Maßnahmen eine Entwurmung gegen den Bandwurm zum Beispiel mit Tabletten oder Spot-on-Produkten durchzuführen. 

Zeckenstich nicht unterschätzen

Die Gefahren eines Zeckenstiches für Menschen sind bekannt. Doch auch für Hunde und Katzen sind die Blutsauger gefährlich, denn sie übertragen Krankheiten. »Verschiedene Zeckenarten sind unterschiedlich gefährlich«, informierte die Tierärztin. So übertragen beispielsweise mit den Blutparasiten infizierte Auwaldzecken auf den Hund Babesien, die Erreger der Hundemalaria (Babesiose). Das Krankheitsbild der Babesiose ist der menschlichen Malaria sehr ähnlich. Unbehandelt stirbt der Hund in der Regel nach wenigen Tagen oder Wochen. Ein an Babesiose erkrankter Hund überträgt die Erreger nicht auf den Menschen.

Bis vor wenigen Jahren galt die Hundemalaria noch als reine Reisekrankheit, mit der sich der Hund in südlichen Ländern infizieren konnte. Diese Situation hat sich verändert: Inzwischen haben sich die Blutparasiten fast unbemerkt über ganz Deutschland ausgebreitet, sodass Hunde auch hierzulande direkt mit dem Erreger in Kontakt kommen können. Daher ist es wichtig, sein Tier regelmäßig auf Zecken zu untersuchen und diese sofort zu entfernen. Besser jedoch sollte jeder Besitzer Hund oder Katze rechtzeitig von Frühjahr bis Herbst durch spezielle Halsbänder oder Spot-on-Produkte vor den gefährlichen Parasiten schützen. Denn auch hier gilt: »Vorbeugung ist die beste Medizin.« 

Hat eine Zecke zugestochen, woran kann man eine eventuelle Infektion erkennen und wann muss man den Tierarzt aufsuchen? »Bildet sich ein roter Kreis um den Zeckenstich, besteht Borrelioseverdacht«, informierte Thomas. Färbt sich der Urin colafarben, besteht Verdacht auf Hundemalaria. In beiden Fällen ist der Besuch beim Tierarzt erforderlich. 

Auch vor Sandmücken, die südlich der Alpen vorkommen, sollten Halter ihre Hunde mit einem Halsband schützen. Sandmücken übertragen zum Beispiel die Erreger der Leishmaniose, eine für Hunde sehr gefährliche Infektionskrankheit.

Würmer gefährden auch Menschen

Eine konkrete Empfehlung zur Bekämpfung von Würmern bei Hunden und Katzen in Deutschland bietet eine neue Richtlinie deutscher und europäischer Experten. Herausgeber ist das European Scientific Councel Companion Animal Parasites (ESCCAP). Weitere Informationen dazu unter www.esccap.de

Manche Endoparasiten wie Spul-, Haken-, Peitschen- und Bandwürmer befallen nicht nur Hund und Katze, sondern oft auch die Menschen in ihrer Umgebung. Daher sollten Haustiere regelmäßig, möglichst alle drei Monate entwurmt werden. Leben Krabbelkinder in der Familie, sollte das Haustier sogar monatlich eine Wurmkur erhalten. Die erkankten Tiere scheiden die Wurmeier aus, und es besteht ständige Ansteckungsgefahr. Wenn Menschen sich mit Spulwürmern infizierten, bestünde das Risiko, dass diese das ZNS schädigen, zu Lähmungen und letztlich zum Tod führten, so Thomas.

Für die Gesundheit der »besten Freunde« sei auch die Pflege der Zähne sehr wichtig. Damit sich erst gar kein Zahnstein bildet, sollten die Tiere nicht nur Weichfutter zu fressen bekommen. Der Fachhandel bietet hierfür auch spezielle Kauröllchen oder streifen an. Wie auch bei Menschen führt Zahnstein zu starken Entzündungen des Zahnfleisches und Folgeerkrankungen. Ist dennoch Zahnstein entstanden, muss der Tierarzt entscheiden, ob er ihn per Ultraschall entfernt.

Im weiteren Seminarverlauf standen die Knochen und die Gesundheit der Gelenke im Mittelpunkt. Bei jungen Tieren, vor allem bei Hunden, die schnell wachsen, muss der Besitzer auf gute Ernährung und eventuell auf für die Wachstumsphase wichtige Zusatzstoffe achten, damit sich das Tier gut entwickelt.

Gelenkschmerzen lindern

Gelenkbeschwerden machen Hund und Katze meist erst im Seniorenalter zu schaffen. Um Schmerzen vorzubeugen oder diese zu mildern, helfen auch hier bestimmte Nahrungsergänzungsfuttermittel, zum Teil auf pflanzlicher Basis mit Teufelskralle und Weidenrinde. Gefährlich werden können den Tieren dagegen einige Präparate aus der Humanmedizin. Daher ist große Vorsicht geboten, wenn Tierhalter nach solchen Mitteln fragen. Bei stärkeren Beschwerden ist der Gang zum Tierarzt unumgänglich. 

Zum Ende des Tagesseminars lernten die PTA den Hund der Tierärztin kennen. Wie nicht anders zu erwarten, gewann der schwarz-weiße Kerl sofort die Herzen aller Teilnehmer. An ihrem eigenen Hund zeigte Thomas dann etliche praktische Tipps. Wie muss ein Pfotenverband richtig angelegt werden? Wie wird ein verletztes Ohr mit einem Kopfverband als Schutz bis zum Tierarztbesuch fixiert? Was muss man beim Auftragen eines Spot-on-Produktes beachten? 

Insgesamt war der Tag angefüllt mit  Informationen, um Apothekenkunden in Fragen rund um die Gesundheit ihres Tieres weiterhelfen zu können. Und nicht zu vergessen: Von dem neuen Wissen profitieren auch die eigenen Haustiere und die im Familien- und Freundeskreis.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
iriskajewicz(at)web.de