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Altersblindheit

Expertenbündnis informiert über die AMD

16.09.2008
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Altersblindheit

Expertenbündnis informiert über die AMD

von Brigitte M. Gensthaler

»Bewahren Sie Ihr Augenlicht« heißt eine neue bundesweite Initiative, die die Bevölkerung auf die Symptome und Gefahren der altersbedingten Makuladegeneration, kurz AMD genannt, hinweist. Zugleich fordert sie jeden Bürger auf, einmal jährlich beim Augenarzt einen Augen-Check machen zu lassen.

»Die Diagnose AMD bedeutet einen tiefen Einschnitt in die Lebensqualität des Betroffenen«, sagte Werner Lechtenfeld, Geschäftsführer der Selbsthilfegruppe Pro Retina e. V., bei der Auftaktveranstaltung der Initiative in München. Viele Erkrankte grenzen sich von ihren Mitmenschen ab oder werden ausgegrenzt, weil sie sich »merkwürdig« verhalten. Beispielsweise ignorieren sie auf der Straße bekannte Personen, die auf sie zukommen. Oder sie lassen sich Straßennamen oder Hausnummern vorlesen, obwohl die Hinweisschilder vor ihnen stehen. Dies ist kein Zeichen von Zerstreutheit oder Vergesslichkeit, sondern zeigt die typischen Symptome der Erkrankung: Die AMD beeinträchtigt das zentrale Sehvermögen, da sie den sogenannten »gelben Fleck« am Augenhintergrund, die Macula lutea, zerstört. 

Genau hier liegt die Stelle des schärfsten Sehens. Das bedeutet, dass AMD-Patienten in fortgeschrittenen Krankheitsstadien in der Mitte des Gesichtsfelds nur dunkle Flecken sehen. Sie können sich zwar in vertrauten Räumen orientieren und bewegen, erkennen aber keine Gesichter, können keine Schilder, Fahrpläne oder Zeitung lesen, nicht mehr fernsehen, einkaufen gehen oder Geld zählen. Im gesetzlichen Sinn sind sie blind. »Viele werden abhängig von fremder Hilfe«, sagte Lechtenfeld.

Im Frühstadium stoppen

Dass es gar nicht so weit kommt, ist ein Anliegen der Initiative. »Wir wollen die Bürger informieren und aufklären, denn die AMD birgt ein hohes Risiko zu erblinden, und die Verhütung von Blindheit ist eine wichtige Satzungsaufgabe unseres Verbands«, betonte Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands (DBSV). Im Frühstadium sei die Erkrankung noch zu stoppen. Doch kaum jemand kennt die AMD: In einer Umfrage wussten nur 14 Prozent, dass es sich um eine Augenkrankheit handelt.

Bethke sprach von einer »unterschätzten Volkskrankheit«. Laut Weltgesundheitsorganisation ist die AMD die mit Abstand häufigste Erblindungsursache in westlichen Industrienationen. In Deutschland sind etwa 4,5 Millionen Menschen betroffen und etwa eine halbe Million erkrankt jedes Jahr neu. Nach Angaben des DBSV leidet jeder Dritte im Alter zwischen 75 und 85 Jahren an der trockenen Form, die nur langsam voranschreitet. Viel aggressiver verläuft die feuchte Form, die sich aus der trockenen entwickeln und binnen Monaten oder sogar Wochen zur Erblindung führen kann.  Neben vorgerücktem Alter, weiblichem Geschlecht und erblicher Vorbelastung sind Übergewicht und Fehlernährung wichtige Risikofaktoren. Bei Rauchern tritt die AMD deutlich häufiger und früher auf als bei Nichtrauchern. Auch intensive Sonneneinstrahlung gilt als riskant. Gibt es Frühwarnzeichen? »Der Blau-Sinn und nicht die Rot-Grün-Wahrnehmung wird als erstes geschädigt«, erklärte Dr. Klaus Heckmann vom Bundesverband der Augenärzte Deutschlands. Die Farben erscheinen blasser oder verwaschen, Kontraste verschwimmen. 

Viele Patienten brauchen auch am Tag mehr Licht, zum Beispiel beim Lesen. Sie sind empfindlicher gegenüber Blendung, sehen gerade Linien verschwommen und verzerrt oder klagen beim Lesen über eine verminderte zentrale Sehschärfe.

Vorsorge selbst bezahlen

Letztlich gibt es nur einen sicheren Weg, eine AMD frühzeitig zu erkennen: die Untersuchung beim Augenarzt. »Alle Menschen ab 60 Jahren sollten einmal jährlich zur Augenkontrolle gehen, Risikopersonen schon früher«, sagte Hackmann. Der Augenarzt stellt die Pupille mithilfe von Augentropfen weit und untersucht dann den Augenhintergrund auf Veränderungen (»Augenspiegelung«). Leider übernehmen die Krankenkassen die Kosten dieser Vorsorge nicht. Erkennt der Augenarzt typische Veränderungen am Augenhintergrund, wird er mit dem Patienten das weitere Vorgehen besprechen. Gegen die feuchte Form der AMD, an der 10 bis 15 Prozent der Patienten leiden, gibt es eine medikamentöse Therapie, die das Fortschreiten des Sehverlusts aufhalten kann.

Für den Betroffenen und seine Lebensqualität sei es enorm wichtig, die medizinische Hilfe anzunehmen, erklärte Lechtenfeld. »Die Therapie und geeignete Hilfsmittel durchbrechen die Hilflosigkeit.« Solche Hilfsmittel, zum Beispiel Leselupen, Bildschirmlesegeräte oder Handys für Sehbehinderte, seien eine »entscheidende Brücke in den Alltag«, denn sie helfen, die noch vorhandene Sehkraft zu nutzen und zu trainieren. 

Die Selbsthilfeverbände und regionalen Blindenorganisationen unterstützen die Patienten -dabei, die geeigneten Alltagshilfen herauszufinden, betonten Lechtenfeld und Bethke. »Doch der entscheidende Schritt ist, selbst aktiv zu werden.«

Bewahren Sie Ihr Augenlicht

In der Initiative gegen die altersbedingte Makuladegeneration kooperieren sechs gleichberechtigte Partner: 

  • der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e. V., 
  • die Pro Retina Deutschland e. V., 
  • das Bayerische Sozialministerium,
  • der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V., 
  • die Retinologische Gesellschaft und 
  • die Novartis Pharma. 

Das Pharma-Unternehmen finanziert die Aktionen. Informationen im Netz unter www.bewahren-sie-ihr-augenlicht.de.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
bm.gensthaler(at)t-online.de