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Tag der Zahngesundheit

Gesund beginnt im Mund

16.09.2008
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Tag der Zahngesundheit

Gesund beginnt im Mund

von Annette van Gessel

Der 25. September ist seit 1991 der Aktionstag für mehr Zahn- und Mundgesundheit. In jedem Jahr wird der traditionelle Slogan »Gesund beginnt im Mund« durch ein aktuelles Motto ergänzt. Im Unterschied zu früheren Jahren ist die Zielgruppe diesmal nicht eingegrenzt, denn 2008 lautet das Motto »Gesund beginnt im Mund – aber bitte mit Spucke«.

Bereits das achtzehnte Mal versuchen die 30 Mitgliedsorganisationen des »Aktionskreis Tag der Zahngesundheit« im September bundesweit mit unterschiedlichen Veranstaltungen die Eigenverantwortung der Erwachsenen und Kinder für die Gesundheit ihrer Zähne zu fördern. Die ganze Palette der Attraktionen reicht von zentralen Veranstaltungen, zum Beispiel durch die Landesarbeitsgemeinschaften zur Zahngesundheit und für Jugendzahnpflege, bis hin zu Aktionen einzelner Apotheken, Zahnarztpraxen, Dentallabore, Krankenkassen oder Gesundheitsämter. Die Teilnahme an den großen öffentlichen Veranstaltungen ist in der Regel kostenlos. Seit Gründung des Aktionskreises hat die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. die offizielle Leitung. Ebenfalls 1991 hat der Verein für Zahnhygiene e.V. die organisatorische Leitung und die finanzielle Unterstützung aller restlichen Aktivitäten des Aktionskreises übernommen. 

Das diesjährige Schwerpunktthema des Tags der Zahngesundheit wurde auf der Vollversammlung des Aktionskreises Ende Januar in Köln festgelegt. Damit steht ein wichtiger Aspekt der Mundgesundheit im Zentrum der vielfältigen Aktionen: In jedem Lebensalter hat der Speichel eine wichtige Funktion in der Prävention oraler Erkrankungen – vom Säugling bis zum alten Menschen. Doch die Rolle des Speichels ist nicht nur wichtig im Biotop Mund, sondern auch für die Gesundheit des ganzen Körpers. Somit bietet das Motto 2008 viele Anknüpfungspunkte für die Akteure. Jeder kann für die eigene Zielgruppe einen anderen Aufklärungsaspekt formulieren. Apotheker werden vermutlich andere Schwerpunkte setzen als Zahnärzte. Der bewusst etwas lässig formulierte Slogan soll gleichzeitig die Hemmschwelle herabsetzen, mit der einige Menschen diesem Thema begegnen. 

Für die Apotheke eignet sich das diesjährige Motto, besonders die Facetten der Prävention hervorzuheben. Als Themen für Aktionen bieten sich an:

  • das »Biotop Mundhöhle« unter dem Gesichtspunkt möglicher Infektionen,
  • der Speichel und seine Rolle bei der Bildung von Zahnstein beziehungsweise Plaque, 
  • die Mundtrockenheit unter dem Aspekt der Arzneimittel, die die Speichelproduktion hemmen können. 

Ein Zungenabstrich bringt es an den Tag: In der Mundhöhle leben mehr Kleinlebewesen als Menschen auf der Erde. Wissenschaftler haben circa 500 Bakterienarten identifiziert. Damit das Gleichgewicht zwischen lebensnotwendigen und potenziell schädigenden Bakterien aufrecht erhalten bleibt, bedarf es der konsequenten Pflege und des regelmäßigen Zahnarztbesuchs. Obwohl sich die meisten Menschen gesunde und schöne Zähne wünschen, vernachlässigen viele das tägliche Zähneputzen. Elektrische Zahnbürsten, beispielsweise Modelle mit spezieller »rotierender« Reinigungstechnologie, sind klinischen Untersuchungen zufolge den Handzahnbürsten überlegen. Gegen die Bakterien in den Zahnzwischenräumen helfen Zahnseide oder Interdentalbürstchen. Doch auf der Zunge überleben die meisten Bakterien den Angriff von Bürste und Zahnseide. Viele Menschen vergessen die Zunge zu putzen. Ein spezieller Zungenreiniger beseitigt die Bakterien dort. Zu den wichtigen prophylaktischen Maßnahmen gehört außerdem die professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt, da Plaque ein Risikofaktor für die Karies und Parodontitis ist. 

Bei Entzündungen im Mundbereich können PTA oder Apotheker antimikrobielle Mundspüllösungen empfehlen. Diese enthalten unter anderem synthetische Wirkstoffe wie Chlorhexidin, Dequaliniumchlorid oder Pflanzenauszüge aus Salbei, Kamille oder Myrrhe. Die Lösungen lindern Entzündungen im Mundbereich, fördern die Wundheilung und helfen gegen Mundgeruch. Um die Verfärbung der Zähne durch Gurgellösungen mit Chlorhexidin zu verhindern, sollte man sich vor der Anwendung dieser Mundspüllösungen die Zähne putzen, Spangen und Prothesen vor dem Spülen entfernen. »Auch wenn die Spüllösungen nicht gut schmecken, sollte man nicht unmittelbar danach etwas trinken oder essen. Dann können die Arzneistoffe länger einwirken«, so Professor Dr. Martin Schulz, Geschäftsführer Arzneimittel der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Die wenigsten Menschen machen sich Gedanken über die Bedeutung des Speichels für ihre Zähne und ihr Zahnfleisch. Die Speicheldrüsen Gesunder produzieren täglich zwischen 0,6 und 1,7 Liter Speichelflüssigkeit. Zwar besteht diese zu 99 Prozent aus Wasser, doch ihre weiteren Bestandteile wie Natrium-, Kalium-, Calcium-, Chlorid-, Phosphat- und Hydrogencarbonat-Ionen schützen die Zähne vor Demineralisation und Karies. Enthaltene Enzyme unterstützen die Zellen der Immunabwehr. 

Intuitiv weiß jeder, dass Speichel die Wundheilung fördert. Kinder spucken auf Schürfwunden und auch Erwachsene stecken automatisch Daumen oder Finger in den Mund und lutschen daran, wenn sie sich geschnitten oder verletzt haben. Menno J. Oudhoff und Kollegen von der Freien Universität Amsterdam identifizierten im menschlichen Speichel Histatin 1 und Histatin 2 als wichtigste Bestandteile für die Wundheilung. Erstmals wiesen die Wissenschaftler in einem Zellkulturversuch nach, dass die Histatine Bakterien abtöten und die Heilung von Wunden um ein Vielfaches beschleunigen. 

Ist die Speichelproduktion vermindert, kann dies verschiedene Ursachen haben. Zum einen lässt die Produktion im Alter nach, zum anderen ist ein trockener Mund häufig eine Begleiterscheinung bestimmter chronischer Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Parkinson oder Hypertonie. Experten schätzen, dass bei mehr als 30 Prozent der über 65-Jährigen der Speichelfluss vermindert ist. Die häufigsten Auslöser der Mundtrockenheit sind allerdings Medikamente (Kasten oben).

Arzneimittel, die die Speichelproduktion hemmen können

  • Antidepressiva wie Amitriptylin, Doxepin, Imipramin, Moclobemid, Opipramol, Sertralin, Trimipramin
  • Spasmolytika wie Atropin, Propiverin, Trospiumchlorid
  • Zentrales Muskelrelaxans wie Baclofen
  • Parkinsonmittel wie Biperiden
  • Raucherentwöhnungsmittel wie Bupropion
  • H1-Antihistaminika wie Clemastin, Dimetinden, Diphenhydramin, Doxylamin, Loratadin, Mizolastin
  • Antihypertonika wie Clonidin, Moxonidin
  • Antiadiposita wie Sibutramin
  • Lipidsenker wie Gemfibrozil
  • Antiarrhythmika wie Propafenon
  • Analgetika wie Morphin, Tramadol
  • Neuroleptika wie Perazin, Promethazin, Sulpirid

Über einen trockenen Mund klagen Patienten zumeist erst dann, wenn der Speichelfluss weniger als die Hälfte des Normalwerts beträgt. PTA oder Apotheker sollten versuchen ältere Patienten, die ein Medikament der Tabelle über längere Zeit einnehmen, auf diese Nebenwirkung anzusprechen. Manchmal können sie auch im Beratungsgespräch bemerken, dass dem Patienten quasi die Zunge am Gaumen kleben bleibt. Mundtrockenheit (Xerostomie) beeinträchtigt die Lebensqualität, kann zu Schmerzen beim Kauen, Schlucken oder Sprechen führen, zu Mundgeruch und letztlich zu Karies und Entzündungen im Mund. Im Gespräch können PTA oder Apotheker die Patienten daran erinnern, dass sie ausreichend trinken und ihnen gegebenenfalls Speichelersatzflüssigkeiten empfehlen.

Zahnpflege senkt das Risiko für Lungenentzündung

In den Industrieländern ist die Lungenentzündung eine der häufigsten tödlich endenden Infektionserkrankungen. Allein in Deutschland erkranken jährlich circa 200.000 bis 250.000 an Pneumonie. Auf der Suche nach Risikofaktoren und Ursachen werteten spanische Forscher um Professor Dr. Jordi Almirall von der Universität Barcelona die Daten von rund 1300 Patienten an der Ostküste Spaniens aus, die sich außerhalb von Krankenhäusern eine Lungenentzündung zugezogen hatten.  

Demnach erhöhen Alkoholkonsum, starkes Rauchen oder enger Kontakt zu Haustieren das Risiko, an einer Pneumonie zu erkranken. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Zähneputzen verringert die Gefahr einer Lungenentzündung, denn eine schlechte Zahngesundheit ist ein Krankheitsauslöser. So erkranken Menschen mit Parodontitis fast zehnmal häufiger an einer Pneumonie als Gesunde. Bekannt ist, dass Lungenentzündungen meistens durch Bakterien ausgelöst werden, seltener durch Viren und Pilze, und dass sich eine bakterielle Besiedlung im Mundraum schnell in Richtung Atemwege ausweitet. Mit ihren Ergebnissen haben die spanischen Forscher deutlich gemacht, dass die systematische Zahnpflege mit regelmäßigen Zahnarztbesuchen nicht nur für gesundes Zahnfleisch und strahlend weiße Zähne sorgt, sondern wirksam dazu beiträgt, eine gefährliche Infektionskrankheit zu vermeiden.

Quelle: Informationskreis Mundhygieneund Ernährungsverhalten