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Was ich noch erzählen wollte

Glasklarer Luxus

16.09.2008
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Was ich noch erzählen wollte...

Glasklarer Luxus

von Annette Behr

Wasser bedeutet Leben. Das klare Element wird zunehmend knapp und kostbar. Während große Teile der Weltbevölkerung keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, avanciert das belebende Nass in Wohlstandsgesellschaften zum trendigen Lifestyledrink.

»Wasser ist das Blut der Erde«, philosophierte schon Leonardo da Vinci über die kostbare Flüssigkeit, ohne die kein Leben auf der Erde möglich ist. Der menschliche Körper besteht überwiegend aus Wasser, und ohne Wasser verdurstet der Mensch binnen drei bis vier Tagen. Weltweit haben 1,1 Milliarden Menschen nicht genug sauberes Wasser zum Leben. Verunreinigtes Wasser und mangelnde Hygiene zählen invielen Entwicklungsländern zu den Haupttodesursachen von Säuglingen und Kindern. Welch’ ein Luxus ist es daher, täglich über sauberes Wasser aus der Leitung zu verfügen und dazu noch aus einem unerschöpflichen Angebot an Mineralwassersorten wählen zu können? 

Galt Wasser in früheren Zeiten noch als fades Getränk, ist es in den letzten Jahren zum trendigen Lifestyledrink geworden. »Ich trinke nur noch Black Forest Still. Das ist besonders natriumarm«, sagt meine gesundheitsbewusste und modeorientierte Freundin Jana bei unserem monatlichen Kaffeeplausch. Nicht nur meine Freundin hat den glasklaren Trunk zum gesunden Trendelixier erkoren. Denn Wasser steht für Lebenskraft, ist Synonym für Fitness, Vitalität und Schönheit. Das Wasser »To go« in der Hand gehört inzwischen sogar zum Outfit moderner Businessmenschen ebenso wie zum Stadtflaneur.

Auch wenn optisch ein Wasser dem anderen gleicht, Unterschiede gibt es nicht nur im Geschmack. Über die Herkunft und die Zusammensetzung von Tafel-, Heil-, Quell-, Mineral- und auch von Leitungswasser wacht der Gesetzgeber. Die Mineral- und Quellwässer sprudeln aus unterirdischen Quellen. Das Wasser muss am Quellort abgefüllt werden, bevor es auf die Reise geht. Mineralwasser enthält neben den natürlichen Ionen wie Calcium, Kalium, Magnesium, Chlorid, Natrium und Sulfat noch wichtige Spurenelemente wie Eisen, Jod, Zink und Fluor. 

Zusätzlich belebend und anregend sollen die »Near-Water-Getränke« den Geschmack der jugendlichen Kundschaft treffen. Die dem Wasser ähnlichen Getränke sind mit Zusatzstoffen angereichert. Sie sehen aus wie Mineralwasser, sind es aber nicht. Aufgepeppte Wellness-Wässer, zum Beispiel die Sorten Balance oder Emotion, sollen mit exotischen Geschmackskombinationen wie Waldbeere/Pfeffer oder Mango/Guave die Sinne beleben. Die Anreicherung mit künstlichen Aromen ist bei Ernährungswissenschaftlern allerdings sehr umstritten.

Prominente Wasserwelt

Wie bei einem edlen Wein bestimmt auch die Herkunft des Mineralwassers dessen Geschmack. Manche schmecken salzig, andere eher süßlich, schal oder weich. Das Angebot von Wässern aus Norwegen, Beverly Hills, den Pyrenäen oder den Fidschi-Inseln findet in vielen Hotelbars und Nobelrestaurants, neben den einheimischen Wässern, großen Anklang. Im Berliner KaDeWe können die Kunden beispielsweise unter 150 Sorten auswählen. »Das Hotel Adlon in Berlin hat eine Wasserbar mit über 40 Sorten«, schwärmte meine Schwester kürzlich. Sie hatte bei einem Preisausschreiben eines Frauenmagazins eine Wochenendreise nach Berlin, plus Aufenthalt im Luxushotel, gewonnen. 

Für die Welt der Snobs und Neureichen entwarf Christian Lacroix gar ein limitiertes Haute Couture Behältnis: Die Flasche »Bling« zieren Swarovski-Kristalle. Das High-Society-Wasser aus einer Quelle in Tennessee kostet 75 Euro pro Flasche. Als Geheimtipp in Promikreisen gilt das kanadische Prämiumwasser »10thousand BC« (Zehntausend vor Christus). Es besteht zu 100 Prozent aus aufgetautem Gletschereis, das über 10.000 Jahre gefroren und von jeglichen Umwelteinflüssen unberührt war. 

»Teure Mineralwässer sind doch nur spleenige Angeberei«, empört sich meine Freundin Susanne und trinkt dabei das dritte Glas Wasser direkt aus der Leitung. Leitungswasser ist sicher der billigste Durstlöscher. Ich bleibe doch lieber bei Mineralwasser, auch wenn ich seit einiger Zeit Sorten mit viel Kohlensäure nicht mehr mag. Aber aus Sicht von Ernährungsexperten ist es ziemlich egal, ob man stilles oder kohlensäurehaltiges Wasser trinkt. Wichtig sei nur die ausreichende Menge. Jeder sollte täglich mindestens 2 Liter Wasser trinken, zusätzlich zu Kaffee, Tee und Fruchtsäften. 

Braindrink und Schönheitselixier

In psychischen Stress-Situationen oder bei physischer Anstrengung hält Wasser den Kreislauf in Gang. Daher der Tipp: Bei sportlicher Betätigung schon vor, zusätzlich während und natürlich auch danach trinken, damit der Körper nicht mit Schwindelgefühlen und Kopfschmerzen reagiert. »Wasser ist die einfachste Medizin«, diese Meinung vertreten nicht nur Ärtze. 

Auch in Sachen Schönheit hat der vermehrte Wasserkonsum einen angenehmen Nebeneffekt: Gut durchfeuchtete Hautzellen sehen frisch und straff aus. Manches Topmodel behauptet sogar, die fabelhafte Figur vorwiegend dem Genuss von Wasser zu verdanken. Das wage ich zu bezweifeln, doch ein Selbstversuch kann nicht schaden. Daher mit dem »Schönheitselixier« nicht geizen. Besonders in klimatisierten Räumen darf Wasser am Arbeitsplatz nicht fehlen. Ein paar Regeln helfen, den Flüssigkeitshaushalt im Gleichgewicht zu halten:

  • Mineralwasser in kleinen Flaschen, in der Nähe des Arbeitsplatzes bereitstellen, so behält man sein Tagespensum im Blick.
  • Pausen ebenfalls für einen Schluck Wasser nutzen. Einfach zu jeder Tasse Kaffee oder Tee auch ein Glas Wasser trinken.
  • Nicht zu viel Wasser auf einmal trinken. Besser sind kleinere Mengen über den Tag verteilt.
  • Beim Essen im Bistro oder Restaurant immer ein Glas Wasser mit bestellen.
  • Während Arbeitsbesprechungen sollte Mineralwasser nicht fehlen. So bleibt der Kopf klar für neue Ideen.
  • Wer Sport treibt, sollte immer an die Flasche Mineralwasser in der Sporttasche denken.
  • Abends kurz nachdenken, wie viel Wasser man im Laufe des Tages getrunken hat. War es zu wenig, gleich den fehlenden Bedarf »auffüllen«, und am nächsten Morgen den Tag mit einem Glas Wasser beginnen. 

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
blaubehr(at)gmx.net