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Aus PTA-Schulen

Eine Kuh für jede Witwe

22.09.2009  10:27 Uhr

Aus PTA-Schulen

Eine Kuh für jede Witwe

von Frauke Repschläger

Unterstützt durch Schulleiterin Marion Romer und die Lehrkräfte der Bernd-Blindow-Schule für PTA in Bonn/Bad Godesberg haben sich die Absolventen des Jahrgangs 2009 für eine Alternative zu der üblichen Abschlussfeier entschieden.

Sie verzichteten auf mit Schülernamen bedruckte T-Shirts zugunsten des Projektes AVEGA (Association des Veuves du Genocide d’Avril). Diese Organisation gründete Esther Mujawajo-Keiner im Januar 1995 gemeinsam mit 50 anderen Witwen. Esthers erster Ehemann und 17 Familienmitglieder kamen 1994 während des Völkermordes in Ruanda ums Leben. Die Selbsthilfeorganisation AVEGA hat mittlerweile 10000 Mitglieder. Sie betreut 35000 Witwen und 100000 Kinder in Ruanda psychisch und medizinisch, bietet ihnen juristische Hilfe und Unterstützung bei der Reintegration an. Mujawajo-Keiner arbeitet seit 2002 im Psychosozialen Zentrum in Düsseldorf, wo traumatisierte Flüchtlinge betreut werden. Unablässig engagiert sie sich für AVEGA, sammelt Spenden, hält Vorträge und hilft vor Ort. Mujawajo-Keiner hat für ihr Engagement bereits viele Auszeichnungen erhalten. 

Neben ihrem Einsatz für die Überlebenden des Völkermords unterhält die Ini-tiative Beschäftigungsprojekte sowie Kleinkredit-Programme. Das Projekt »Eine Kuh für jede Witwe« sorgt  dafür, dass Witwen durch eine Kuh eine neue Lebensgrundlage erhalten. In Ruanda ist eine Kuh gleichzeitig Lebensversicherung, Bankkonto und Chance zum Überleben. »Ein Mensch, der jemandem eine Kuh schenkt, hat mit diesem einen Pakt fürs Leben geschlossen«, so Mujawajo-Keiner. 

Die Unterstützung eines sozialen Projektes sei für die PTA-Schüler wichtig, denn viele von ihnen hätten einen Migrationshintergrund und einige oder deren Familienangehörige stammten aus Krisen- oder Kriegsgebieten. Insofern stehe das Projekt auch symbolisch für andere Länder der Welt, die dringender Hilfe bedürfen.

»Eine Kuh für jede Witwe« wurde gewählt, da sich im Abschlussjahrgang eine Schülerin aus Ruanda befindet, und das Projekt neben sozialen auch gesundheitsfördernde Aspekte beinhaltet. Eine Kuh kostet in Ruanda 100 Euro. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) trinken ruandische Kinder gerade einmal 13 Liter Milch pro Jahr, empfohlen sind aber mindestens 200 Liter jährlich. Daher werden jedes Jahr 500 000 Liter Milch nach Ruanda importiert. Eine unnötige Ausgabe, denn das ostafrikanische Land verfügt über Weideland und geeignete klimatische Bedingungen für die Viehzucht.

Doch der Bürgerkrieg hat das Land um Jahrzehnte zurückgeworfen, und die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise fließt immer weniger Geld in Entwicklungsländer. Umso wichtiger und nötiger ist jedes noch so kleine Projekt, auch um zu zeigen, dass die Menschen in den armen Ländern der Erde nicht in Vergessenheit geraten sind.