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Tiermedizin

Schluss mit dem Flohzirkus

22.09.2009  09:12 Uhr

Tiermedizin

Schluss mit dem Flohzirkus

von Rolf Vajna

Flohbefall bei Hund und Katze können die Besitzer ohne großen Aufwand verhindern. Dennoch hat jedes fünfte Haustier in Deutschland Flöhe. Und auch der Mensch ist vor Flohbissen nicht gefeit. Guter Rat aus der Apotheke leistet hier mehr als nur schnelle Hilfe.

Als flügellose Insekten haben Flöhe ein besonderes Mobilitätskonzept perfektioniert: den Hoch- und Weitsprung. So wechseln sie leicht von Blutspender zu Blutspender. Für ihren gesamten Lebenszyklus brauchen Flöhe jedoch nur einen Wirt. Dabei sind sie nicht besonders wählerisch. Seitensprünge kommen durchaus vor. In Deutschland ist der Katzenfloh (Ctenocephalides felis) der häufigste Floh, seltener sind der Hunde- und der Igelfloh. Katzenflöhe befallen auch gerne Hunde und Menschen.

Die gesamte Entwicklung eines Flohs dauert unter günstigen Umständen etwa drei Monate. Fallen Floheier aus dem Katzen- oder Hundefell in eine warme, ausreichend feuchte und geschützte Umgebung, zum Beispiel ins Körbchen, auf Polster, Decken und Teppiche, entwickeln sich daraus innerhalb von 2 bis 14 Tagen Flohlarven. Diese bevorzugen dunkle Ecken und verstecken sich in Bodenritzen und ähnlichen Schlupfwinkeln. Als Nahrung dient ihnen organisches Material wie der nährstoffreiche Kot erwachsener Flöhe, den sie in ihrer Umgebung finden. Zur Verpuppung spinnen die Larven aus ihrem Speichel einen sehr widerstandsfähigen Kokon, der sie vor Umwelteinflüssen schützt. Nach der Metamorphose kann der fertige Floh Monate in der Puppe auf Beute warten. Erst wenn ihm Körperwärme, Bodenerschütterung oder Atemluft die Nähe eines geeigneten Wirts signalisieren, verlässt der fertige Floh innerhalb von Sekunden den sicheren Kokon.

Im ausgewachsenen Zustand ernähren sich Flöhe ausschließlich von Blut. Während des täglichen Blutsaugens können sie das Zehn- bis Zwanzigfache ihres Magenvolumens aufnehmen. Ein erwachsener Floh lebt durchschnittlich ein bis drei Monate. Schon ein bis zwei Tage nach der ersten Blutmahlzeit beginnt das Flohweibchen mit der Eiablage. Bei bis zu 50 Eiern pro Tag kann es unter optimalen Bedingungen innerhalb von nur acht Wochen eine Nachkommenschaft von 125 000 Flöhen hervorbringen. 

Flohbefall häufige Diagnose

Nur 5 Prozent der gesamten Population befinden sich als Flöhe auf dem Wirt, 95 Prozent als Eier, Larven und Puppen in dessen Umgebung. Das Flohproblem ist deshalb in der Regel wesentlich größer, als man denkt. Immer wieder suchen Besitzer den Tierarzt wegen des Flohbefalls ihres Hundes oder der Katze auf. Nach einer in Deutschland durchgeführten Studie aus dem Jahr 2006 diagnostizieren 70 Prozent der 1700 befragten Kleintiermediziner häufig Flohbefall bei Hunden und Katzen. Aus Großbritannien stammt eine Studie aus demselben Jahr. Dort waren Flöhe die zweithäufigste Diagnose bei Katzen und die vierthäufigste Diagnose bei Hunden, und von 3707 Tierarztbesuchen mit Haustieren standen 21 Prozent in Verbindung mit Hautproblemen infolge eines Flohbefalls beziehungsweise einer Flohallergie.

Flohstiche peinigen Mensch und Tier besonders dann, wenn sie auf den Flohspeichel allergisch reagieren. Dies passiert nicht unbedingt beim ersten Kontakt mit Flöhen, sondern erst, wenn das Immunsystem des Tieres auf den Flohspeichel überreagiert. Der Juckreiz ist dann besonders heftig. Ein einziger Flohstich reicht in diesem Fall aus, dass die Tiere sich blutig kratzen. Die verletzte und ungeschützte Haut ist eine ideale Eintrittspforte für Bakterien. Infektionen können schließlich zu eitrigen Hautentzündungen mit großflächigem Haarausfall sowie Verdickungen und Vernarbungen führen.

In Deutschland übertragen Flöhe potenziell den sogenannten Gurkenbandwurm, ein häufiger Bandwurm von Hund und Katze. Seine Larven siedeln im Darm der Flöhe. Verschlucken Hund oder Katze bei der Fellpflege einen infizierten Floh, gelangen die Wurmlarven in den Verdauungstrakt des Haustieres und entwickeln sich dort zum ausgewachsenen Bandwurm. Außerdem können Flöhe durch ihren Stich Bartonella-Bakterien auf die Katze übertragen und die sogenannte Bartonellose hervorrufen. Beißt oder kratzt die mit diesen Bakterien befallene Katze einen Menschen, können die Bartonellen in dessen Organismus gelangen und zur Katzenkratzkrankheit führen. Die ersten Symptome dieser Infektionskrankheit zeigen sich nach vier bis sechs Tagen. Zunächst entsteht am Ort der Hautverletzung eine Papel oder Pustel, dann schwellen die Lymphknoten in der näheren Umgebung an. Meist verläuft die Infektion gutartig, und die Symptome verschwinden spontan innerhalb von ein bis zwei Monaten.

Flohbefall sicher erkennen

Erste Hinweise:

  • Dunkle Krümel (Flohkot) oder »Salz und Pfeffer« (Floheier und -kot) im Fell beziehungsweise auf dem Schlafplatz des Tieres.
  • Einfacher Nachweis: Färben sich die dunklen Krümel, die man im Fell und auf der Decke des Tieres entdeckt hat, beim Verreiben in einem feuchten Taschentuch rot, hat das Tier sicher Flöhe. Denn die dunklen Krümel sind Flohkot, der unverdautes Blut enthält.
  • Heftiger Juckreiz und Unruhe durch krabbelnde Flöhe.
  • Hautrötungen und Pusteln vor allem an Bauch und Schenkelinnenseiten
  • Fellschäden und Hautverletzungen durch Kratzen und Benagen der juckenden Haut.
  • Eitrige Hautentzündungen durch Bakterien.
  • Großflächiger Haarausfall, Verdickung sowie Vernarbung der Haut in fortgeschrittenen Fällen beziehungsweise bei massivem Befall.

Da die Hauptgefahr vom Flohspeichel ausgeht, fordern Tierärzte, die Flöhe am Tier möglichst rasch abzutöten. Als Flohmittel beziehungsweise Antiparasitika zur Anwendung direkt an den Tieren oder für ihre Umgebung kommen verschiedene Substanzen zum Einsatz: Imidacloprid (in Advantage®), Selamectin (in Stronghold®), Fipronil-Methopren (in Frontline® Combo), Pyriproxifen und Cyfluthrin (in Bolfo® Fogger), Propoxur (in Bolfo®), Fenthion (in Tiguvon®) oder Metaflumizon (in ProMeris Duo).

Flohmittel im Vergleich

Die Tierärztliche Hochschule Hannover hat im vergangenen Jahr eine Vergleichsstudie gängiger Flohmittel durchgeführt. Imidacloprid schnitt dabei als Flohbekämpfungsmittel wie folgt ab: sehr schneller Wirkeintritt nach Verabreichung, höchste Abtötungsgeschwindigkeit in den zwei Folgewochen und größte Wirksamkeit noch nach fünf Wochen. Noch empfehlenswerter allerdings ist die regelmäßige Flohprophylaxe. Eine Ampulle pro Monat in den Nacken des Tieres geträufelt mit den sogenannten Spot-On-Lösungen kann Flohprobleme wirksam verhindern. 

Wer erst einmal Flöhe im Haus hat und nachhaltig bekämpfen will, also auch die versteckten Eier, Larven oder Puppen, muss auf vier Feldern gleichzeitig aktiv werden: 

  1. in der Sofortbekämpfung am Tier, 
  2. vorbeugend am Tier, 
  3. in der häuslichen Umgebung und 
  4. gegen den Bandwurm. 

Für alle vier bieten Apotheken wirksame Produkte an. Und noch ein Tipp: Überall da, wo es möglich ist, sollten Katzen- oder Hundebesitzer unterstützend mit dem Staubsauger Schlafplätze, Sofas und Teppiche gründlich und regelmäßig reinigen, um sie von Eiern und Flohkot zu säubern. Im Anschluss ist es wichtig, dass der Staubsaugerbeutel sofort vernichtet wird. 

Neben der fachkundigen Beratung können Apotheken Katzen- und Hundebesitzern mit apothekenpflichtigen Produkten eine Komplettlösung gegen den Flohbefall ihres Haustiers anbieten.

E-Mail-Adresse des Verfassers:
rolf.vajna(at)gmx.de