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Gesundheitstage

Tag der Endometriose

21.09.2009  21:58 Uhr

Gesundheitstage

Tag der Endometriose

von Tanja Schweig

Wenn Frauen sich jahrelang mit starken Unterleibsschmerzen herumquälen, könnte sich eine Endometriose dahinter verbergen. Im Durchschnitt vergehen sieben Jahre bis zur Diagnosestellung. Deshalb rief die Selbsthilfe-Initiative Landesnetzwerk Endometriose Baden-Württemberg am 8. November einen Gesundheitstag ins Leben, an dem die Öffentlichkeit über die noch immer weitgehend unbekannte Erkrankung informiert werden soll.

Die Gebärmutter ist innerlich von einer Schleimhaut (Endometrium) ausgekleidet. Diese wächst abhängig vom weiblichen Zyklus und wird gemeinsam mit Blut während der monatlichen Menstruation durch die Scheide abgestoßen.

Bei einigen Frauen siedeln sich Zellen dieser Schleimhaut außerhalb der Gebärmutter an und vermehren sich daraufhin im Beckenraum, zum Beispiel in der Muskelschicht der Gebärmutter, auf den Eierstöcken, Eileitern oder dem Bauchfell, im Bereich der Blase und des Darmes, sogar bis hinauf zur Lunge. Mediziner nennen die Erkrankung Endometriose. Die Zellwucherungen oder Zysten sind zum Teil nur so groß wie ein Stecknadelkopf, können sich aber auch über mehrere Zentimeter ausdehnen.

Wie diese Zellen in falsche Regionen gelangen, ist bisher ungeklärt. Einige Fachleute vermuten, dass sie sich über die Lymph- oder Blutgefäße ausbreiten. Andere nehmen an, dass Teile der Menstruationsblutung statt aus der Scheide in umliegendes Gewebe fließt und Endometriumzellen mitschleppt. Anscheinend vernichtet das Immunsystem dieser Frauen die gestreuten Zellverbände nicht.

Ursache für Unfruchtbarkeit

Obwohl die Wucherungen gutartig sind, verursacht die Endometriose bei vielen Frauen einen chronischen Leidensdruck. Die meisten haben kurz vor oder während der Regelblutung heftige, krampfartige Schmerzen im Unterbauch oder Rücken, manchmal ziehen diese bis in die Schultern oder Beine. Ebenso können Stuhlgang, Harnlassen, Geschlechtsverkehr oder gynäkologische Untersuchungen den Frauen Beschwerden bereiten. Manche Betroffene leiden auch unter besonders starken und unregelmäßigen Monatsblutungen.

Die Stärke der Regelschmerzen korreliert dabei nicht mit der Größe der Zellverbände oder ihrer anatomischen Lage. Das heißt, auch kleine Endometrioseherde können heftige Schmerzen verursachen, während Frauen mit ausgedehnten Herden unter Umständen gar nichts spüren. Wahrscheinlich reizen die Zellwucherungen nur punktuell kleinste Nervenfasern im Beckenraum. Doch wenn das Gewebe mehr und mehr wächst, folgen weitere Gefahren: Große Zellverbände können beispielsweise einen Harnleiter abdrücken, bis eine Niere Schaden nimmt. Oder sie verschließen einen Eileiter, was zu Kinderlosigkeit führt. Die Fruchtbarkeit betroffener Frauen ist schon allein dadurch beeinträchtigt, dass die Zellwucherungen Botenstoffe aussenden, die die Qualität der Eizellen herabsetzen. Studien ergaben, dass jede zweite Frau, die nicht schwanger werden konnte, eine Endometriose entwickelt hatte.

Neben den körperlichen, bleiben seelische Probleme nicht aus. Das Wohlbefinden der Frauen ist oft stark eingeschränkt. Einige fühlen sich müde, erschöpft und sind infektanfälliger. Auch belasten die Beschwerden häufig die Partnerschaft empfindlich.

Einer Studie aus England zufolge sind an Endometriose erkrankte Frauen im Schnitt 45 Tage im Jahr arbeitsunfähig. Die meisten benötigen Schmerzmittel. Fast immer vergeht viel Zeit, bis die Frauen wissen, was sie quält: Im Durchschnitt dauert es sieben Jahre, bis ein Arzt die Endometriose diagnostiziert. Schätzungen zufolge sind 7 bis 15 Prozent aller Frauen im geschlechtsreifen Alter betroffen, und über 30000 erkranken pro Jahr neu.

Schmerzkalender führen

Sprechen Frauen in der Apotheke ihre Probleme an oder verlangen wiederholt Schmerzmittel gegen Regelschmerzen, sollten PTA oder Apotheker ihnen zum Arztbesuch raten. Zusätzlich können sie den Frauen empfehlen, einige Monate lang einen Schmerzkalender zu führen. Einen vorgefertigten Kalender versendet zum Beispiel die Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V., Bernhard-Göring-Straße 152, 04277 Leipzig gegen die Gebühr von 2,50 Euro in Briefmarken.

Abtasten kombiniert mit einer Ultraschalluntersuchung reicht zur Abklärung des Befunds nicht immer aus. Manchmal ordnet der Gynäkologe eine Kernspin- oder Computertomografie an. Die bisher sicherste Methode der Diagnose ist allerdings die Bauchspiegelung (Laparoskopie) in Vollnarkose. Hierbei führt der Operateur durch einen winzigen Schnitt optische Geräte in den Unterbauch ein und sucht mit sichtbarem Licht die direkte Umgebung nach Zellwucherungen ab. Oft entnimmt er eine Gewebeprobe (Biopsie). Neue, noch in der Forschung befindliche Methoden nutzen ultraviolettes Licht, dass aktive Herde rot »leuchten« lässt. Dazu müssen die Patientinnen allerdings vor der Untersuchung einen Saft mit dem Wirkstoff 5-Aminolävulinsäure einnehmen. Kleine Herde schneidet der Chirurg bei dem Eingriff direkt heraus oder zerstört sie durch Hitze, Laserstrahlen oder Hochfrequenzstrom. Sind die Herde zu groß oder mit Organen verwachsen, ist meist eine Operation mit Bauchschnitt unausweichlich. Heutzutage führen Chirurgen jedoch nur noch selten »Totaloperationen« aus, bei denen sie die Gebärmutter und Eierstöcke entfernen.

Therapien mit Arzneimitteln

Gegen regelmäßige starke Schmerzen erhalten die Frauen in den meisten Fällen eine individuelle Schmerztherapie. Unter Umständen verordnet ihnen der Gynäkologe auch Hormon-Präparate, zum Beispiel Gestagene oder gestagenbetonte Antibabypillen, um das Wachstum der Endometrioseherde zu bremsen. In seltenen Fällen erhalten Patientinnen Analoga des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH-Analoga), die die natürliche Hormonproduktion vollständig stoppen.

Diese Arzneimittel versetzen die Frauen zeitlich begrenzt in die Wechseljahre, damit die Schleimhautzellen nicht mehr weiter wachsen. Einige Frauen haben auch mit der Akupunktur, Homöopathie und Phytotherapie positive Erfahrungen gemacht.

In Deutschland gibt es derzeit zwölf zertifizierte Endometriosezentren, die sich auf die Diagnostik und Behandlung der Endometriose spezialisiert haben. Die Zertifizierung nehmen die Europäische Endometriose-Liga, die Stiftung Endometriose-Forschung und die Endometriose-Vereinigung-Deutschland e.V. vor. Eine Liste der Zentren finden Interessierte im Internet unter www.endometriose-liga.eu/zertifizierte-endometriose-zentren.

Das Landesnetzwerk Endometriose Baden-Württemberg rief 2003 den Tag der Endometriose ins Leben, um die Bevölkerung über die Erkrankung aufzuklären. 2009 fällt der 8. November auf einen Sonntag. 

Aktionen zum Gesundheitstag

Deshalb werden etliche Vorträge und Veranstaltung für Betroffene in der Woche danach stattfinden. Auf der Homepage des Landesnetzwerks werden spätestens eine Woche vor dem Gesundheitstag die Termine veröffentlicht. Außerdem werden dort E-Mail-Adressen und Telefon-Hotlines zu finden sein.

Informationen im Internet

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
tschweig(at)online.de