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Schwangerschaft

9 Monate mit 10 Übeln

28.09.2010  21:01 Uhr

Schwangerschaft

9 Monate mit 10 Übeln

von Maria Pues

Werdende Mütter suchen regelmäßig Rat in der Apotheke. Übelkeit, Sodbrennen, Verstopfung, Krampfadern oder Hämorrhoiden machen vielen während der Schwangerschaft immer wieder zu schaffen.

Oft ist das erste Anzeichen einer Schwangerschaft Übelkeit. Da sie meist morgens auftritt, betiteln viele Frauen sie als Morgenübelkeit. Das ist nicht ganz richtig, denn sie macht einigen werdenden Müttern auch im Verlauf des gesamten Tages und nachts zu schaffen. 50 bis 75 Prozent der Schwangeren leiden mehr oder weniger stark daran. Meist legen sich die Probleme nach dem dritten Monat wieder. Eine mögliche Ursache sollen die hormonellen Veränderungen sein. Studien haben gezeigt, dass Bewegung und eine berufliche Tätigkeit die Beschwerden weniger stark zutage treten lassen.

Einige Frauen quält die Übelkeit allerdings noch über die ersten drei Monate hinaus, selten die gesamte Schwangerschaft hindurch. Sie ist zwar harmlos, für die meisten aber unangenehm. Probleme entstehen dann, wenn sich die Schwangere häufig erbrechen muss. Durch das Erbrechen gehen dem Organismus die notwendige Flüssigkeit und Elektrolyte verloren. Bei sehr starkem oder andauerndem Erbrechen muss die Frau den Arzt aufsuchen.

Auch wenn es Überwindung kostet, kann die Schwangere die Übelkeit vermindern, wenn sie noch vor dem Aufstehen eine Kleinigkeit, zum Beispiel einen Zwieback, einen Keks oder ein wenig Knäckebrot isst. Sie muss sich die Portion abends griffbereit auf dem Nachttisch legen. Häufig sorgen Gerüche für plötzlich aufkommende Übelkeit. Dann vertreibt der Duft eines ätherischen Öls die Übelkeit, auch unterwegs. Tipp: einen Tropfen auf ein Papiertaschentuch geben und in der Luft »verwedeln«. Vorsicht mit Raumsprays oder künstlichen Luftbeduftern. Manche stehen im Verdacht, Allergien zu fördern.

Gegen die Übelkeit

Gegen die Übelkeit hat sich auch Ingwer bewährt, in Maßen als Tee getrunken oder als Bonbon gelutscht. Zwar sind auch Phythopharmaka mit Ingwer auf dem Markt, allerdings liegen weder Studien zum Einsatz bei Schwangerschaftserbrechen vor, noch Studien zur Teratogenität, um die Unbedenklichkeit der Anwendung nachzuweisen. Obwohl die Droge bei diesen Beschwerden wirksam ist, sollte eine Einnahme nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

Dagegen ist ein Versuch mit Pyridoxin (Vitamin B6) möglich, bei manchen Frauen lindert es leichte Übelkeit. Kombinationen der drei Vitamine B1, B6 und B12 (zum Beispiel Nausema®) sollen den erhöhten Bedarf in der Schwangerschaft decken und damit Übelkeit abmildern. Wendet sich die Frau an ihren Gynäkologen, weil ihr die Hausmittel nicht helfen, verordnet dieser meist Medikamente mit den Wirkstoffen Dimenhydrinat oder Metoclopramid. Bei Dimenhydrinat-haltigen Arzneimitteln sollte der Arzt sowie PTA oder Apotheker die angehende Mutter auf den sedierenden Effekt dieser Medikamente hinweisen.

Gegen Verstopfung

Die hormonelle Umstellung macht häufig auch den Darm träger. Die Nahrung verweilt dort länger als gewohnt, wodurch dem Nahrungsbrei reichlich Flüssigkeit entzogen wird. Ausreichend zu trinken, ist daher während der Schwangerschaft besonders wichtig. Ballaststoffe aus frischem Obst und Gemüse füllen den Darm ausreichend. Zusätzlich unterstützen Backpflaumen oder getrocknete Feigen die Verdauung. Allerdings sind deren Kalorien nicht zu unterschätzen, denn beim Trocknen haben die Früchte nur ihren Flüssigkeits-, aber nicht ihren Energiegehalt eingebüßt. Wer auf sein Gewicht achten muss, sollte stattdessen besser Weizen- oder Haferkleie in Joghurt oder Müsli einrühren. Leinsamen und Flohsamen sind noch quellfähiger, erhöhen das Volumen des Darminhalts und verbessern dessen Gleitfähigkeit. Der tägliche Verzehr wirkt sich positiv auf die Verdauung aus.

Milchzucker wirkt nur bei Personen mit einer Laktoseintoleranz abführend, außerdem sind die erforderlichen Mengen individuell sehr unterschiedlich und schwer einschätzbar. Bei Menschen mit intakter Enzymausstattung wird Milchzucker gespalten und die Energie verwertet. Zuverlässiger wirken Lactulose oder Macrogol, die Wasser im Darm zurückhalten. Einläufe sollten hingegen unterbleiben ebenso wie starkes Pressen, das unter anderem das Risiko von Hämorrhoiden erhöht. Erst wenn alle anderen Maßnahmen ohne Erfolg waren, kann ein Abführmittel zum Einsatz kommen. Der Wirkstoff Bisacodyl gilt als sicher.

Bei Hämorrhoiden

Viele Gewebe geben während der Schwangerschaft nach. Das sorgt für eine reibungslose Geburt, begünstigt jedoch auch, dass sich Hämorrhoiden entwickeln. Eines gleich vorweg: Wenn eine werdende Mutter über starke Schmerzen im Analbereich klagt, die unabhängig vom Stuhlgang auftreten, muss sie umgehend ihren Arzt aufsuchen. Es könnte sich bei diesen Beschwerden um eine Analvenenthrombose handeln. Symptome eines »normalen« schwangerschaftsbedingten Hämorrhoidalleidens sind eher Jucken und Nässen. Diese Beschwerden lassen sich gut lindern, zum Beispiel mit Sitzbädern, denen Kamillen-, Eichenrindenextrakt oder synthetische Gerbstoffe zugesetzt ist. Die Analregion sollte man nach jedem Stuhlgang nur mit Wasser ohne Zusatz von Seife oder Waschlotion reinigen, weil Stuhlreste die empfindliche Haut reizen und Juckreiz auslösen können. Wundsalben mit synthetischen Gerbstoffen oder Hamamelisextrakt beruhigen die gereizte Haut. Vorbeugend und lindernd wirken außerdem alle Maßnahmen, die für eine geregelte Verdauung sorgen.

Gegen Sodbrennen

Je weiter sich der Bauch wölbt, umso häufiger tritt Sodbrennen auf. Da Baby und Gebärmutter wachsen, heben sie den Magen an, der »Druck von unten« nimmt zu. In der Folge gelangt Magensäure in die Speiseröhre. Häufigere, dafür kleine Mahlzeiten sorgen dafür, dass der Magen nicht überfüllt wird. Vorbeugend wirkt auch, auf stark Gewürztes und allzu Fettiges zu verzichten. Die ersten Beschwerden lindern manchmal schon ein Stückchen trockenes Weißbrot oder ein Glas Milch.

Vor allem die Häufigkeit nächtlicher Beschwerden lässt sich reduzieren, indem die Schwangere mit leicht erhöhtem Oberkörper schläft. Bringen vorbeugende Maßnahmen nicht den erwünschten Erfolg, helfen Arzneimittel aus der Gruppe der Antacida. Magaldrat oder Hydrotalcit gelten als sicher. Bei andauernden stärkeren Beschwerden sowie Gastritis muss die Frau ihren Arzt aufsuchen. Dieser verordnet dann meist einen H2-Blocker, vorzugsweise Ranitidin, oder zur Behandlung der Refluxösophagitis einen Protonenpumpenhemmer, vor allem Omeprazol.

Bei Krampfadern

Veranlagung, steigendes Gewicht und nachgebendes Gewebe während einer Schwangerschaft verstärken vorhandene Besenreiser und Krampfadern. Stütz- und Kompressionsstrümpfe sind zwar meist unbequem, aber effektiv, sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie. Gegen leichtere Beschwerden helfen Reisestützstrümpfe. Bei ausgeprägten Krampfadern empfiehlt sich in jedem Fall der Gang zum Arzt, der Kompressionsstrümpfe verordnen kann. Zusätzliche Unterstützung erhalten die geplagten Venen durch Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen. Gut eignen sich auch Kneippsche Güsse oder Wechselduschen, die nebenbei die Müdigkeit vertreiben, über die Schwangere oft klagen. Langes Stehen oder Sitzen erschwert hingegen den Blutfluss. Schwere Beine und Schwellungen sind häufig die Folge.

Bei Ödemen

Gegen Ende der Schwangerschaft, manchmal auch früher, lagert sich vor allem in den Unterschenkeln und Beinen Wasser ein. Diese Ödeme sind bis zu einem gewissen Grad nicht ungewöhnlich. Sie gehen etwas zurück, wenn die Schwangere so oft wie möglich die Beine hoch lagert. Maßnahmen zur »Entwässerung« und sei es nur durch harntreibende Tees oder Reistage, sollten in jedem Fall unterbleiben. Zur Vorbeugung eignet sich alles, was auch gegen Krampfadern hilft.

Aufmerken muss die Frau jedoch, wenn Ödeme schon sehr früh in der Schwangerschaft auftreten und mit einem erhöhten Blutdruck einhergehen. Hier ist umgehend der Arzt gefragt, denn es kann sich um eine Gestose handeln.

Gegen Zahnfleischentzündung

Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Mundhygiene, um Zahnfleischentzündungen vorzubeugen. Vor allem in der späteren Schwangerschaft können regelrechte Zahnfleischwucherungen auftreten. Zahnfleischmassagen mit weichen Bürsten von Beginn der Schwangerschaft an sorgen für eine gute Durchblutung. Wer zusätzlich Mundspüllösungen (wie Meridol®) verwendet, reduziert die Zahl unerwünschter Plaque-Bakterien im Mund und beugt den Entzündungen vor. Zur Prophylaxe können diese während der gesamten Schwangerschaft hindurch benutzt werden. Dagegen sind die als Arzneimittel zugelassenen Mundspüllösungen mit den Wirkstoffen Hexetidin, Dequalinium und Chlorhexidin (wie Hexoral® oder Chlorhexamed®) nur zur kurzfristigen Behandlung geeignet, wenn der Zahnarzt sie verordnet. Schwangere sollten deshalb regelmäßig zum Zahnarzt gehen, damit dieser Mundhöhle und Zähne kontrolliert.

Gegen Kopfschmerz, Erkältung und Allergien

Zur Behandlung leichter Schmerzen eignet sich während der gesamten Schwangerschaft Paracetamol. Auch Migräne muss nicht unbehandelt bleiben, allerdings immer nach der Konsultation des Arztes. Nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen dürfen im letzten Schwangerschaftdrittel nicht mehr eingenommen werden, da sich dadurch der Ductus arteriosus Botalli beim Ungeborenen vorzeitig verschließen kann. Diese Verbindung zwischen Hauptschlagader und Lungenschlagader soll sich beim Kind aber erst nach der Geburt schließen. Paracetamol eignet sich auch zur Linderung einer Erkältung.

Falls außerdem ein trockener Reizhusten den Schlaf unmöglich macht, gilt Dextrometorphan als sicher. Der Arzt kann darüber hinaus Codein verordnen. Zur Behandlung verstopfter Nasen empfiehlt sich zunächst ein Versuch mit physiologischer Kochsalzlösung. Der Einsatz abschwellender Nasentropfen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin ist zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sollte jedoch auf Ausnahmen beschränkt bleiben.

Tränen Augen oder läuft die Nase regelmäßig aufgrund einer allergischen Reaktion, eignet sich sowohl zur Prophylaxe als auch zur Therapie eine lokale Behandlung mit Cromoglicinsäure. Zur systemischen Therapie gelten Loratadin, Cetirizin und Dimetinden als sicher. Eine bereits begonnene Hyposensibilisierung muss wegen der Schwangerschaft nicht unterbrochen werden. Damit neu zu starten, ist für werdende Mütter jedoch wenig ratsam.

Insgesamt liegen heute für zahlreiche apotheken- und verschreibungspflichtige Arzneimittel Erfahrungen vor, die eine Anwendung auch in der Schwangerschaft nicht mehr ausschließen. Nicht immer haben Beschwerden jedoch ihre Ursachen tatsächlich dort, wo man sie zunächst vermutet. Bestehen Zweifel, ob es sich bei den Symptomen tatsächlich um lästige, aber weitestgehend harmlose Begleiterscheinungen der Schwangerschaft handelt, müssen PTA oder Apotheker der Frau in jedem Fall zum Arztbesuch raten.

Wenn Frauen es wünschen, hilft bei Beschwerden in der Schwangerschaft auch der Griff in die homöopathische Schatzkiste (siehe Tabelle).

Homöopathie in der Schwangerschaft

Beschwerden Homöopathikum
Übelkeit und Erbrechen Nux vomica D6
Darmträgheit Carbo vegetabilis D6
Hämorrhoiden Aesculus D6
Sodbrennen Capsicum D6
Krampfadern Aesculus D6, Hamamelis D6
Ödemen Aesculus D6
Zahnfleischentzündungen Calendula D12
Kopfschmerzen Gelsemium D12, Iris D6
Erkältungen Bryonia D6, Phytolacca D4
Allergien Luffa D6, Euphrasia D4

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
maria.pues(at)t-online.de 

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