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Finanzkrise trifft europäische PTA

28.09.2010  21:15 Uhr

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Finanzkrise trifft europäische PTA

von Jutta Brielich

Seit vielen Jahren nimmt auch die Adexa-Fachgruppe PTA an den jährlichen Treffen des europäischen PTA-Netzwerks Committee of European Pharmacy Technicians (CEPT) teil. Wichtige Anliegen des Netzwerks sind der Austausch über die aktuellen Arbeitsbedingungen sowie die Erleichterung von Auslandsaufenthalten für PTA. Diesen Sommer trafen sich Vertreter aus elf Ländern sowie zwei Gastnationen in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon.

Mitglieder des CEPT sind aktuell Dänemark, Deutschland, England, Finnland, Frankreich, Irland, Kroatien, Norwegen, Portugal, Schweden und Slowenien. Erstmals waren auch Kolleginnen aus Ungarn und Tschechien als Gäste mit von der Partie. Österreich, die Schweiz sowie Italien fehlen bei den CEPT-Treffen, da es in diesen drei Ländern das Berufsbild der PTA nicht gibt.

Damit das Netzwerk mehr politischen Einfluss bekommt, soll das CEPT in Zukunft einen Vorstand und damit offizielle Ansprechpartner erhalten. Als derzeit vorrangige Ziele formulierten die Teilnehmer in Lissabon: die PTA in Europa zu fördern und den Beruf attraktiver zu machen, als berufspolitische Interessenvertretung auf europäischer Ebene anerkannt zu werden und sich für die Sicherheit der Patienten einzusetzen. Langfristig streben die Teilnehmer ein Büro in Brüssel an. Ein neuer Name soll dieses Selbstverständnis auch nach außen tragen: The European Association of Pharmacy Technicians (EAPT).

Zahlreiche Unterschiede

Eine Internetseite soll in Zukunft interessierten PTA, die einmal in einem anderen Land arbeiten möchten, Ansprechpartner vermitteln und über die Arbeitsbedingungen vor Ort informieren. Was in vielen anderen Berufen durchaus üblich ist, eine gewisse Zeit im Ausland zu arbeiten, scheint für PTA immer noch mit großen Hürden verbunden zu sein.

Die Landessprache zu beherrschen, ist natürlich Grundvoraussetzung – schließlich gehört der Dialog mit den Patienten zum A und O des Berufs. Zahlreiche Unterschiede in den Tätigkeitsbereichen und Kompetenzen führen jedoch manchmal zu enttäuschenden Erfahrungen. Dazu einige Beispiele: In England oder Irland sitzen PTA in supermarktähnlichen Kettenapotheken den ganzen Tag an der Kasse. In anderen Ländern stehen PTA fast nur im Labor und dürfen keine Rezepte bearbeiten.

Dass andere europäische Länder den deutschen PTA-Titel automatisch anerkennen, ist noch nicht in Sicht. Im schlimmsten Fall kann es der PTA passieren, dass sie erst umfangreiche Prüfungen absolvieren muss und ihr hohe Kosten durch beglaubigte Übersetzungen von Unterlagen entstehen. Für einen kurzen Auslandsaufenthalt ist dieser Aufwand oft zu hoch. Dann kann ein Praktikum in einer Apotheke eine Alternative sein.

Mangelnder Nachwuchs

Im Mittelpunkt des Treffens stand der Erfahrungsaustausch über die aktuellen Arbeitsbedingungen. Die Kolleginnen aus Dänemark berichteten von chaotischen Zuständen in den Apotheken, da die Krankenkassen alle acht Wochen mit anderen Generikafirmen Lieferverträge abschließen. Außerdem klagten sie über mangelnden beruflichen Nachwuchs. Arbeitslose PTA gibt es in Dänemark daher nicht. Allerdings ist jede PTA in Dänemark automatisch gewerkschaftlich organisiert.

Auch in Portugal sind nahezu alle PTA in Lohn und Brot. Aufgrund der Finanzkrise konnten dort in diesem Jahr keine Gehaltserhöhungen ausgehandelt werden. In Großbritannien fielen aus dem gleichen Grund etliche Fortbildungen für PTA unter den Tisch, und auch die Ausbildung hat sich deutlich verschlechtert. Lediglich die PTA in Krankenhäusern konnten sich über höhere Gehälter freuen. Bis 2011 müssen sich alle PTA offiziell registrieren lassen, um beruflich anerkannt zu werden. Bisher sind jedoch nur etwa die Hälfte der PTA dieser Aufforderung nachgekommen.

Aufgrund der Wirtschaftskrise mussten letztes Jahr in Irland viele Apotheken schließen. Erschwerend kam hinzu, dass der Staat über die staatlichen Krankenhäuser einen Einstellungsstopp verhängte. Zusätzlich machen die Approbierten den PTA Konkurrenz, da sie vielerorts anbieten, zum PTA-Gehalt zu arbeiten. PTA mit einer Arbeitsstelle akzeptieren daher meist klaglos Überstunden. Die Gehälter wurden vielfach eingefroren. Das geht in Irland völlig problemlos, da die Chefs die Höhe des Gehalts selbst festlegen. Tarifverträge oder Richtlinien sind dort unbekannt.

Hinweise zum Arbeiten in Europa

Zahlreiche Hinweise finden interessierte PTA auf den Webseiten der Europäischen Kommission unter http://ec.europa.eu oder http://ec.europa.eu/citizensright . Auch der Internetauftritt des Bundeswirtschaftsministeriums unter www.bmwi.de lohnt sich. Unter www.ba-auslandsvermittlung.de gibt die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit wertvolle Tipps.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
J.Brielich(at)t-online.de