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Dermatologie

Juckreiz typisch für Ekzeme

28.09.2010  11:52 Uhr

Juckreiz typisch für Juckreiz typisch für Ekzeme

von Tanja Schweig

Wer zum ersten Mal ein Ekzem auf seiner Haut entdeckt, sollte den Dermatologen aufsuchen. Da sich die Erscheinungsbilder sehr ähneln, kann oft nur der Facharzt die verschiedenen Formen des Hautausschlags voneinander unterscheiden. Allen gemeinsam ist, dass sich die Haut entzündet und unerträglich juckt. Zwischen 15 und 25 Prozent der Patienten einer Hautarztpraxis leiden an einem Ekzem. Arznei- oder Hautpflegemittel aus der Apotheke helfen, den schrecklichen Juckreiz zu lindern.

Zu den Ekzemen zählen alle Hautkrankheiten, bei denen sich die Epidermis nach Kontakt mit einer reizenden Substanz oder aufgrund einer immunologischen Reaktion entzündet. Fast immer sind die Hauterscheinungen lokal begrenzt und laufen nach ähnlichem Schema ab: Zunächst rötet sich eine Stelle und schwillt an. Es entstehen kleine Knötchen oder Bläschen, die plötzlich heftig jucken. Geplatzte oder aufgekratzte Bläschen führen zu offenen, nässenden Arealen, die allmählich von gelb- bis rötlichen, eitrigen Krusten bedeckt werden. Dauert die Entzündung der Haut Wochen bis Monate, verändert sie sich zunehmend und wird immer gröber. Der Dermatologe stellt die Diagnose unter anderem mittels spezifischer Blut- und Hauttests. Sind die auslösenden Noxen erkannt, kann die gezielte Therapie beginnen. Eine Übersicht über die verschiedenen Ekzemformen und deren Häufigkeit gibt Tabelle 1.

Tabelle 1: Einige Unterscheidungsmerkmale der Ekzeme

Ekzem Häufigkeit (in Prozent) Alter Geschlecht Jucken
Seborrhoisches Ekzem 1 bis 5 Gesamtbevölkerung Männer etwas häufiger +
Allergisches Kontaktekzem 7 Erwachsene Frauen etwas häufiger ++
Irritatives Kontaktekzem 6 bis 10 Erwachsene unabhängig +++
Dyshidrosiformes Ekzem 6 bis 10 Erwachsene unabhängig +++
Atopische Ekzem 13 Kinder unabhängig +++
Atopische Ekzem 2 Erwachsene unabhängig +++

Wie der Entzündungsprozess abläuft, ist mithilfe mikroskopischer Untersuchungen angefärbter Gewebeschnitte gut bekannt: Zuerst strömen Zellen des Immunsystems in die Epidermis ein. Dann folgen Erythrozyten und Leukozyten. Nachfolgend weichen die Epithelzellen auseinander, weil sich zwischen ihnen Flüssigkeit sammelt. Schließlich entstehen Bläschen.

Viele Auslöser bekannt

Die Auslöser dieses Prozesses sind je nach Art des Ekzems unterschiedlich. Beim irritativen Kontaktekzem schädigen aggressive Substanzen direkt die Hautzellen, zum Beispiel Laugen oder Lösungsmittel. Je nach Stoff entzündet sich die Epidermis innerhalb von Minuten, manchmal erst nach Stunden. Wirken weniger aggressive Stoffe wie Reinigungsmittel regelmäßig, unter Umständen sogar jahrelang auf die Haut ein, kann sich im Laufe der Zeit ein sogenanntes chronisches kumultativ-toxisches Kontaktekzem entwickeln. Häufig entstehen diese Ekzeme an den Händen, wenn jemand beruflich mit Detergentien, Färbemitteln oder Zement arbeitet.

Im Unterschied dazu beruht das allergische Kontaktekzem auf einer Immunreaktion. Zunächst dringen kleine Moleküle, sogenannte Haptene, in die Haut ein, werden von Makrophagen und Langerhanszellen aufgenommen und zu T-Lymphozyten transportiert. Diese erkennen die Haptene als Antigene und verursachen nach ein bis drei Tagen eine Entzündung der Haut. Bis auf wenige Ausnahmen bilden sich die Ekzeme immer dort, wo der Kontakt mit dem Allergen stattgefunden hat, beispielsweise am Ohrläppchen durch Ohrringe. Das erleichtert die Suche nach dem Auslöser, denn insgesamt sind über 3000 Kontaktallergene bekannt. Am häufigsten bereiten Metallionen wie Nickel im Modeschmuck Probleme, aber auch Duftstoffe und Konservierungsmittel in Kosmetika führen zu allergischen Kontaktekzemen. Tabelle 2 listet die häufigsten Allergene und ihr Vorkommen auf.

Tabelle 2: Kontaktallergene nach absteigender Sensibilisierungsrate

Allergen Vorkommen zum Beispiel in
Nickelsulfat Modeschmuck, Reißverschluss, Jeansknopf, Münzgeld
Duftstoffe Parfüm, Waschmittel, Kosmetika, Schmuck, Metallverschlüsse
Kobaltchlorid Zement, blaue Farben, Kunstdünger, blauer Kajal
Kaliumdichromat Zement, Baustoffe
Kolophonium Instrumentenwachs, Pflaster, Klebstoffe, Mascara, Lidschatten,
Para-Phenylendiamin (PPD) Druckfarben, Fotoentwickler, Haarfärbemittel, Farbintensivierung von Henna
Wollwachsalkohole Salben, Cremes, Kosmetika, Skiwachs, Imprägnierungsmittel
Quecksilberdiaminchlorid Desinfektions- und Konservierungsmittel, Tattoos
Neomycinsulfat Antibiotikum in Ohren- und Augentropfen sowie Salben
Parabene Konservierungsmittel in Kosmetika, Arznei- und Lebensmitteln
Epoxidharze Klebstoffe, Farben, Gießharz
Teebaumöl, Eukalyptusöl, Perubalsam Kosmetika
Thiomersal Konservierungsmittel in Impflösungen
Benzocain Arzneimitteln

Atopie und viele Trigger

Beim atopischen Ekzem ist dagegen nie ein einziger Auslöser für die Hautentzündung verantwortlich. Immer verursachen mehrere Faktoren den ersten und weitere Schübe. Viele Betroffene haben die Veranlagung zu diesem Ekzem von ihren Eltern geerbt. Ärzte nennen diese genetische Disposition Atopie. Hinzu kommt, dass die Epidermis der Atopiker zu wenig Lipide produziert und die Hornschicht zu wenig Wasser speichert. Dadurch trocknet die Haut extrem aus und wird sehr empfindlich. Bei Säuglingen entstehen die Ekzeme überwiegend im Gesicht, am Hals und an den Außenseiten der Extremitäten, bei älteren Patienten vor allem in den Gelenkbeugen, an Handgelenken und Füßen. Der äußerst heftige Juckreiz während eines Schubs raubt den Betroffenen den Schlaf. Welche Provokationsfaktoren (= Trigger) beim Einzelnen einen Schub auslösen, ist von Patient zu Patient verschieden. Daher führt jeder Erkrankte am besten ein Tagebuch. Tabelle 3  fasst die unterschiedlichen Auslöser zusammen.

Tabelle 3: Triggerfaktoren bei atopischem Ekzem

Faktoren zum Beispiel
Inhalationsallergene Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben
Nahrungsmittel Kuhmilch, vor allem bei Kleinkindern, Hühnereiweiß,
Kontaktallergene Nickel, Duftstoffe, Desinfektionsmittel
Irritantien Wolle, Polyester (Nylon, Perlon), Polyamid, Polyacryl,
Bakterien, Pilze Staphylococcus aureus, Pityrosporum ovale
Klima Trockene Luft, Wärme
Psychische Faktoren Freude ebenso wie Disstress
Hauttrockenheit Falsche Waschgewohnheiten
Schweiß Körperliche Anstrengung
Kratzen Fingernägel, Instrumente

Stecknadelkopfgroße, klare, meist juckende Bläschen an Handflächen oder Fußsohlen sind das typische Symptom des dyshidrosiformen Ekzems. Obwohl es der Name vermuten lässt (griechisch hidros = Schweiß), besteht nur ein geringer Zusammenhang zwischen starker Schweißbildung und den Hautveränderungen. Vermutlich verursacht die Kombination aus atopischer Veranlagung, Kontaktallergenen, Hautreizung, Rauchen, Schweiß sowie Pilzinfektionen das Ekzem.

Gelb- bis rötliche schuppende Herde sind das Kennzeichen des seborrhoischen Ekzems. Sie jucken meist mäßig, selten stark. Die Herde entstehen bevorzugt an Körperarealen mit hoher Talgproduktion, vor allem an Kopfhaut, Augenbrauen, Stirn, Achseln sowie in den Leistenbeugen. Manche Herde nässen und werden danach von Krusten bedeckt. Als Ursachen diskutieren Wissenschaftler unter anderem die Immunreaktion auf einen Hautpilz sowie eine genetische Veranlagung. Das Ekzem tritt vermehrt bei Neugeborenen und Männern auf. Der Ausschlag bei Säuglingen heißt volkstümlich Grind oder Kopfgneis. Eltern verwechseln ihn oft mit dem stark juckenden Milchschorf, der Erstmanifestation des atopischen Ekzems.

Bloß nicht kratzen

Der unerträgliche Juckreiz belastet die meisten Betroffenen sehr. Kratzen hilft leider nur kurzfristig und fördert sogar den Prozess: Sobald der Schmerz nachlässt, der den Juckreiz überdeckte, ist alles wie zuvor. Wer dann weiter kratzt, schädigt seine Haut, heizt die Entzündungsvorgänge an und fördert das Jucken. Ein Teufelskreis entsteht. Der Haut sieht man ihr Martyrium schließlich an: Es bilden sich Hämatome, Blutungen, Erosionen bis hin zu Geschwüren, runde oder längliche Krusten. Kratzen birgt zudem die Gefahr, dass Keime von unter den Fingernägeln in die Wunden eindringen und Superinfektionen verursachen. Daher ist ein wichtiger Tipp: Betroffene sollten statt zu kratzen, die Haut nur drücken, kneten oder mit der flachen Hand reiben. Manche Eltern lenken ihre betroffenen Kinder erfolgreich mit manuellen Tätigkeiten wie Basteln ab, sodass die Kleinen das Jucken zeitweise vergessen.

Wegen des starken Hautjuckens fragen viele Patienten auch PTA oder Apotheker um Rat. Diese können dann eine Reihe allgemeiner Maßnahmen empfehlen, die den Juckreiz eindämmen. Gemäß der Regel »feucht auf feucht, fett auf trocken« sollten die Produkte und Maßnahmen immer zum Hautzustand passen.

Jucken im Keim ersticken

Auf offene oder nässende Hautstellen legt man daher am besten feuchte und kühlende Umschläge für circa 15 bis 20 Minuten. Diese können mit schwarzem Tee oder Badezusätzen aus synthetischen Gerbstoffen (wie Tannolact® 40% Badezusatz oder Tannosynt® flüssig) getränkt sein. Das verwendete Wasser sollte kalt oder höchstens lauwarm (32 bis 35 °C) sein. Wichtig: Bei akut entzündeter Haut, die bereits bei leichter Berührung brennt und schmerzt, die vom Hersteller genannte Konzentration verringern. Lässt der Juckreiz dann nicht nach, können fett-feuchte Umschläge zum Einsatz kommen (Anleitung im Kasten).

Anleitung für den fett-feuchten Verband

  • Zwei Schlauchverbände (wie Tubifast®) in passende Stücke schneiden.
  • Rückfettende Basiscreme auftragen (wie Excipial® Fettcreme).
  • Ersten Verband in handwarmes Wasser tauchen, auswringen und über Arm, Schulter oder Bein ziehen.
  • Zweiten, trockenen Verband darüber streifen und dann ankleiden.
  • Nach 3 Stunden den unteren Verband mit handwarmem Wasser neu anfeuchten.
  • Nach 6 Stunden den gesamten Verband abnehmen, erneut Creme auftragen und Schläuche wieder darüber ziehen. Die Schläuche können circa zehnmal wieder
    verwendet werden.

 

Quelle: Nach D. Abeck, J. Ring; Atopisches Ekzem im Kindesalter, zeitgemäßes Management

Bei intakter Haut helfen wasserhaltige Zubereitungen wie Lotionen oder Sprays, beispielsweise mit betäubendem Polidocanol, kühlendem Menthol (zum Beispiel Eucerin® Akut Spray) oder Gerbstoffen (wie Tannolact® Lotio, Tannosynt® Lotio).

Ist die Haut lediglich gerötet und trocken, ihr Zustand also eher subakut, können PTA oder Apotheker die Kombination von Harnstoff und Polidocanol empfehlen (wie in Optiderm® Lotio). Doch Vorsicht: Auf offenen Hautstellen brennt Harnstoff. Juckreiz, der sich scheinbar über den ganzen Körper ausbreitet, stoppt eine kurze, kalte Dusche. Die Haut danach nur abtupfen, nie abreiben und mit einer Körperlotion rückfetten. Die beste Kleidung sind Textilien aus Baumwolle oder Seide.

Alle Reizstoffe meiden

Potenziell allergisierende oder irritierende Substanzen, beispielsweise in Umschlägen mit Kamille, Teebaumöl oder Rivanol, verstärken den Juckreiz. Außerdem sollten die Patienten alles meiden, was ihre Haut zusätzlich austrocknet: zu langes und heißes Duschen oder Baden, starkes Erhitzen des Körpers und Schwitzen beim Sport oder Saunabesuch, Seife sowie alkoholische Lösungen. Ebenso vertragen die meisten in der akuten Krankheitsphase keine heißen oder stark gewürzten Speisen oder Getränke, Alkohol und Zitrusfrüchte. Beobachten die Patienten, dass Anspannung, Stress und Aufregung den Juckreiz verstärken, sollten sie Entspannungstechniken erlernen.

Corticoide als Feuerwehr

Wenn alle Maßnahmen den Juckreiz nicht eindämmen, verordnen Dermatologen Arzneimittel. Dabei gehen sie in Stufen vor, die sich nach dem Schweregrad des Juckreizes, der Ursache des Ekzems und den Nebenwirkungen der Arzneisubstanzen richten. Nur die Glucocorticoide der ersten Stufe eignen sich kurzzeitig zur Selbstmedikation, beispielweise um die Zeit bis zum Arztbesuch zu überbrücken. Kinder bis zum vollendeten 6. Lebensjahr, Schwangere und Stillende dürfen die Corticoide nur auf ärztliche Verordnung anwenden. Nicht verschreibungspflichtig sind derzeit nur Hydrocortison-Präparate mit der maximalen Konzentration von 0,5 Prozent.

Bei Ekzemen helfen meist nur die 0,5-prozentigen Zubereitungen. Im Gesicht und in den Hautfalten, wo die Haut dünner ist, müssen Glucocorticoide mit Vorsicht zum Einsatz kommen, dort besser nur 0,25-prozentige Präparate einsetzen.

Der akute Zustand erfordert die ein- bis dreimal tägliche Anwendung. Hat sich die Haut gebessert, reicht zunächst das einmal tägliche Auftragen und dann der 2-Tages-Rhythmus. Bei 0,5-prozentigen Präparaten darf die Behandlung maximal zwei Wochen, bei 0,25-prozentigen vier Wochen dauern. Die Behandlungsfläche sollte nicht mit einem Verband abgedeckt werden und ein Zehntel der Körperoberfläche nie überschreiten. Als geeignete Zubereitungen sind Sprays, Cremogele und Cremes auf dem Markt. Sprays (wie Ebenol® 0,25 % oder 0,5 %, Fenistil® Hydrocort 0,5 %, Soventol® HydroSpray 0,5 %) kühlen die Haut am intensivsten, lassen sich berührungsfrei und auf stark behaarter Haut verteilen, eignen sich für stark juckende, normale bis fettige Haut wie beim seborrhoischen Ekzem. Cremogele (wie Soventol® HydroCort 0,25 %) kühlen und pflegen zugleich. Cremes (wie Ebenol 0,25 % und 0,5 %, Fenistil® Hydrocort Creme 0,25 % oder 0,5 %, Soventol® HydroCort 0,5 %) eignen sich besonders für trockene Haut, zum Beispiel bei atopischem Ekzem.

Lässt der Juckreiz die Betroffenen gar nicht mehr schlafen, helfen systemische H1-Antihistamika der 1. Generation (zum Beispiel Dimetindenmaleat in rezeptfreiem Fenistil®; Sirup und Tropfen für Kinder ab 1 Jahr, Dragees ab 3 Jahren). Ihr sedierender Effekt lässt die Patienten in der Nacht zur Ruhe kommen. Zwar reduzieren auch die nicht sedierenden Antihistaminika der 2. Generation das Jucken, allerdings sind die meisten Arzneistoffe – mit Ausnahme des Terfenadins – nur zur Behandlung der Urtikaria zugelassen. Terfenadin ist aber verschreibungspflichtig. 

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
tschweig(at)online.de