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Ektoparasiten bei Haustieren

Schmarotzer im Fell

28.09.2010  11:46 Uhr

Ektoparasiten bei Haustieren

Schmarotzer im Fell

von Regina Thomas

Versäumen Hunde- und Katzenbesitzer die notwendige Vorbeugung und übersehen sie erste Alarmzeichen, haben ihre Vierbeiner bald ein Problem: Ektoparasiten wie Flöhe, Zecken, Läuse, Haarlinge und Milben breiten sich auf der Körperoberfläche ihrer Wirte schnell aus. Leben die Haustiere eng mit Menschen zusammen, ist rasches Handeln erforderlich.

Die Gefahr droht Hund oder Katze, wenn sie sich gerade besonders wohl fühlen. Nachdem Jacky ausgelassen durch die Wiese getobt ist, kommt er mit Zecken im Fell nach Hause; Minka hat freudig Nachbars Katze begrüßt und zum »Geschenk« deren Flöhe mitgebracht. Kater Mikesch war die ganze Nacht unterwegs und kratzt sich jetzt am Ohr.

Je mehr Außenkontakte Hund und Katze haben, umso häufiger infizieren sie sich – fast zwangsläufig – mit Flöhen und Zecken, aber auch mit Milben, Haarlingen und manchmal sogar Läusen. Während die Besitzer ihre Tiere am besten vorbeugend vor Floh- und Zeckenbefall schützen, sollten sie den Befall mit Milben, Läusen oder Haarlingen rechtzeitig erkennen und behandeln. Unbehandelt kann er zu großen gesundheitlichen Problemen führen.

Flink im Fell unterwegs

Läuse und Haarlinge gehören zu den sechsbeinigen Insekten. Sie sind etwa 1,5 mm lang, nahezu transparent und daher im Fell ihrer Wirte kaum zu erkennen. Läuse und Haarlinge unterscheiden sich in ihrer Kopfform, was allerdings nur unter dem Mikroskop sichtbar wird: Bei der Laus ist der Kopf schmaler als der Körper, beim Haarling deutlich breiter. Mit Greifklauen an den Gliedmaßen umklammern beide Parasiten einzelne Haare ihrer Wirte und bewegen sich schnell und sicher durch deren Fell.

Übersicht Ektoparasiten von Hund und Katze

Flöhe Zecken Läuse / Haarlinge Milben
Biologie Insekten, 1 - 8 mm lang, seitlich abgeplatteter Körper, 6 Beine, hinteres Beinpaar als Sprungbeine besonders lang und muskulös Spinnentiere, 2 - 4 mm groß, vollgesaugt: 10 - 12 mm, 8 Beine, Larven: 6 Beine Insekten, 1,5 mm lang, plump wirkender Körper, 6 Beine, nahezu transparent Spinnentiere, 0,2 - 0,4 mm groß, 8 Beine, Larven: 6 Beine
Wichtigste einheimische Arten Holzbock (Ixodes ricinus), Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) Hundehaarling (Trichodectes canis), Katzenhaarling (Felicola subrostratus), Hundelaus (Linognathus setosus) Ohrmilben (Otodectes cynotis), Räudemilben (Sarcoptes canis und Notoedres cati), Haarbalgmilben (Demodex canis), Herbstgrasmilben (Neotrombicula autumnalis)
Übertragung Vor allem bei Kontakt von Tier zu Tier, auch aus der Vegetation Abstreifen aus der Vegetation in Gebieten mit Gräsern, Sträuchern, Unterholz (bis zu einer Höhe von max. 1,5 m) Durch direkten Körperkontakt mit einem infizierten Tier Durch Körperkontakt von Tier zu Tier, Herbstgrasmilben aus der Vegetation
Krankheiten Flohspeichelallergie, Übertragung von Bakterien (z.B. Bartonella, Rickettsia) und Viren, Übertragung des Gurkenkernbandwurms durch Verschlucken eines infizierten Flohs Holzbock: Übertragung von Borreliose und Anaplasmose, Auwaldzecke: Übertragung von Babesiose Starker Juckreiz: 1. Hautverletzungen durch Kratzen 2. bakterielle Folgeinfektionen, Allergische Hautreaktionen, Übertragung des Gurkenkernbandwurms durch Haarlinge möglich Zum Teil extremer Juckreiz : 1. Hautverletzungen durch Kratzen 2. bakterielle Folgeinfektionen
Hauptbetroffene Katzen und Hunde Hunde Hunde Katzen (Ohrmilben), Hunde (Ohr-, Räude- und Haarbalgmilben)
Zoonose-Risiko Juckreiz, allergische Reaktion auf Flohstiche, Katzenkratzkrankheit (Aufnahme einer Bandwurmfinne) Borreliose und FSME Keines (Aufnahme einer Bandwurmfinne) Juckende Hauterkrankungen, z.B. durch Räudemilben und Herbstgrasmilben
Bekämpfung Regelmäßige Vorbeugung am Tier, Bei Befall: Bekämpfung am Tier, Bekämpfung in der Umgebung, Bekämpfung des Bandwurms Regelmäßiger Zeckenschutz, möglichst mit repellierender und abtötender Wirkung Behandlung des befallenen Tieres mit Propoxur-haltigem Mittel oder Spot-on-Produkt, Vorbeugung (z.B. mit Anti-Parasiten-Halsband) Behandlung des befallenen Tieres mit Spot-on-Produkt vom Tierarzt, zusätzlich: Unterstützung der Haut- und Fellpflege durch Vitaminzusätze und Behandlung der Umgebung

Läuse sind Blutsauger, Haarlinge dagegen ernähren sich von Hautschuppen und austretenden Sekreten, beispielsweise bei Hautentzündungen. Anders als Flöhe und Zecken bleiben Läuse und Haarlinge ihrem Wirt recht »treu«. So wird der Hundehaarling (Trichodectes canis) eher keine Katze befallen und der Katzenhaarling (Felicola subrostratus) keinen Hund. Die Hundelaus (Linognathus setosus) kommt auch bei Füchsen vor. Katzen haben keine Läuse. Auch der Mensch hat von diesen speziellen Tierparasiten nichts zu befürchten, er hat seine »eigenen« Läuse.

Die Ansteckung mit Läusen oder Haarlingen von Tier zu Tier erfolgt durch direkten Körperkontakt. Allerdings können die Besitzer zum Beispiel Haarlinge von einem befallenen auf ein gesundes Tier übertragen, wenn sie zum Kämmen dieselbe Fellbürste verwenden. Beide Schädlinge sind in Deutschland relativ selten und finden sich vor allem bei Tieren, die unter schlechten hygienischen Verhältnissen gehalten werden.

Hautverletzungen durch Kratzen

Haben sich Läuse oder Haarlinge bei einem Vierbeiner eingenistet, verursachen sie durch ihr Umherkrabbeln im Fell und durch ihre Fressaktivitäten erheblichen Juckreiz. Die befallenen Tiere werden daher unruhig, kratzen sich oft heftig und fügen sich dadurch selbst Schäden an Fell und Haut zu. Ist die Haut verletzt, kann es in der Folge zu bakteriellen Infektionen mit eitrigen Entzündungen kommen. Manche Tiere reagieren allergisch auf Kot und Speichel der Parasiten. Außerdem können Haarlinge, ähnlich wie Flöhe, Bandwürmer übertragen, wenn sie von Hund oder Katze zerbissen und verschluckt werden.

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Ekto- und Endoparasiten gehören zu den wichtigsten Themen rund um die Tiergesundheit, auch in der Apotheke. Wer sich umfassend darüber informieren möchte, kann das im Rahmen der entsprechenden Bayer-Fernkolleg-Kurse tun. Weitere Informationen finden
Interessierte unter www.tiergesundheit.bay-as.de

Sobald die Besitzer den Befall entdecken, sollten sie ein Propoxur-haltiges Mittel ein- bis zweimal wöchentlich über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen anwenden, um alle am Tier befindlichen Entwicklungsstadien der Parasiten zu beseitigen. Bei Hunden mit Haarlingsbefall ist die Behandlung mit Advantage® zu empfehlen (zwei Anwendungen im Abstand von vier Wochen). Zusätzlich sollte das Tier von einem Tierarzt untersucht werden. So muss dieser beispielsweise Hautallergien und eitrige Hautentzündungen fachkundig versorgen.

Schlimmster Juckreiz

Milben gehören wie die Zecken zur Gruppe der achtbeinigen Spinnentiere und sind nur 0,2 bis 0,4 mm groß. Sie ernähren sich von Bestandteilen der Haut und von Gewebsflüssigkeit. Die Übertragung von Tier zu Tier erfolgt durch Körperkontakt, manchmal auch durch Milben, die beim Kratzen des befallenen Tieres in die Umgebung gelangt sind.

Die häufigste bei Hunden und Katzen auftretende Milbenart ist die Ohrmilbe (Otodectes cynotis). Sie lebt auf der Hautoberfläche des äußeren Gehörgangs. Ohrmilben verursachen eine stark juckende Entzündung, die häufig beide Ohren betrifft. Dabei füllt sich der Gehörgang mit Ohrschmalz, Blut und Sekreten aus der entzündeten Haut.

Räudemilben (Sarcoptes canis beim Hund und Notoedres cati bei der Katze) graben Gänge in die oberen Hautschichten und legen dort ihre Eier ab. Sie verursachen die am stärksten juckenden Hauterkrankungen. Bei Hunden beginnt die Erkrankung meist im Kopfbereich, am Bauch, unter den Achseln, in der Leistengegend, den Ellbogen und Fesselgelenken und breitet sich von dort über die gesamte Körperoberfläche aus. Bei Katzen bleibt die Räude meist auf den Kopf beschränkt. Vielfach sind streunende Katzen betroffen.

Haarbalgmilben (Demodex-Milben) gehören zu den natürlichen Hautbewohnern vieler gesunder Säugetiere, allerdings in geringer Anzahl. Beim Säugen kann beispielsweise die Mutterhündin diese Milben auf ihre Welpen übertragen. Die Tiere erkranken nur dann, wenn sich die Milben stark vermehren – zum Beispiel durch eine angeborene Immunschwäche des Hundes.

Herbstgrasmilben (Neotrombicula autumnalis) treten in Deutschland im Spätsommer und Herbst regional auf. Die Milbenlarven bevorzugen wenig behaarte, dünne Hautstellen um die Augen, Lippen und Ohren sowie im Genitalbereich und zwischen den Zehen. Sie sind als orangerote Punkte mit bloßem Auge sichtbar.

Ansteckung des Menschen möglich

Durch ihr Umherkriechen, ihre Fresstätigkeit und beim Graben der Bohrgänge verursachen viele Milbenarten extrem starken Juckreiz. Dieser wird unter Umständen noch verstärkt durch im Speichel der Parasiten enthaltene allergieauslösende Enzyme, die gewebsauflösend wirken, sowie den Milbenkot. Als Reaktion auf den Juckreiz kratzen und benagen die befallenen Tiere Fell und Haut und verursachen so Fellschäden und Hautverletzungen. Auf der geschädigten Haut siedeln sich Bakterien an und rufen eitrige Entzündungen hervor. In chronischen Fällen verdickt sich die Haut, verhornt, schuppt, verfärbt sich dunkelbraun und wird borkig und runzlig.

Bei engem Kontakt mit einem erkrankten Tier können sich die Menschen mit Milben infizieren. Dies kann zu juckenden Hauterkrankungen führen, die meist von selbst heilen. Bei Verdacht auf eine Milbenerkrankung ist der Tierarztbesuch zwingend erforderlich. Die Parasiten sind durch Spot-on-Produkte gut zu behandeln. In vielen Fällen verordnet der Tierarzt zusätzlich Antibiotika und juckreizstillende Medikamente. Leben mehrere Tiere in einem Haushalt zusammen, müssen alle behandelt werden, am besten auch die Lieblings- und Schlafplätze.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
thomas.regina(at)gmx.de