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Prävention

Eine wichtige Aufgabe gemeinsam übernehmen

19.08.2011  14:12 Uhr

Von Annette van Gessel / Viele Apotheken bieten routinemäßig Leistungen an, die der Vorsorge und Früherkennung von Krankheiten dienen. Wer sich auf diesem Gebiet besonders engagiert, muss mit den Ärzten seiner Umgebung gut kooperieren und das Apothekenteam für Sonderaktionen motivieren. PTA-Forum befragte Apotheker Dr. Rolf-Günther Westhaus und PTA Sabine Voß zur Umsetzung der Präventionsidee in der Praxis.

PTA-Forum: Warum engagieren Sie sich als Apotheker für die Prävention?

Westhaus: Vorsorgeuntersuchungen im klassischen Sinn können selbstverständlich nur Ärzte durchführen. Daran kann und darf sich nichts ändern. Menschen jedoch auf die bestehenden Möglichkeiten der Vorsorge hinzuweisen, vor allem sie über die Chancen der Früherkennung von Krankheiten zu informieren – das sehe ich als wichtige Aufgabe von Apothekern und ihren Mitarbeitern. Wir sind die Ansprechpartner vor Ort und für Menschen – egal ob gesund oder krank – am schnellsten und einfachsten zu erreichen. Deshalb betrachte ich diese Aufgabe als Verpflichtung für jeden im Apothekenteam.

PTA-Forum: Welche verschiedenen Präventions-Angebote machen Sie in Ihrer Apotheke?

Westhaus: Schon lange bieten wir Kunden bestimmte Screening-Maßnahmen zur Früherkennung von Krankheiten an, beispielsweise ihre Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bestimmen. Das reicht von der Messung des Blutdrucks bis hin zu einzelnen Blutparametern wie Cholesterol, HDL- und LDL-Cholesterol und auch den Blutzuckerwert. Sobald jedoch der Verdacht auf eine Erkrankung besteht, endet unser Aktionsradius. Dann müssen wir zum Arztbesuch raten.

PTA-Forum: Wie beziehen Sie Ihre Mitarbeiter in besondere Aktionen ein?

Westhaus: Große Aktionen führen nur dann ein Erfolg, wenn alle im Team von deren Sinn überzeugt sind und am selben Strang ziehen. Jeder muss in der Offizin potenzielle Interessenten ansprechen. Das kann nicht nur die Aufgabe der Apotheker sein. Wir bereiten uns theoretisch auf das jeweilige Thema der Aktion vor, damit wir auch spezielle Fragen beantworten können. Außerdem überlegen wir, welche Materialien wir verteilen.

PTA-Forum: Sie haben letztes Jahr auf der Expopharm-Messe in München mit zwei weiteren Arzt-Apotheken-Teams eine Auszeichnung von der Ärzte-Zeitung zum »Besten Arzt-Apotheken-Team« erhalten. Auf welche Aktion bezieht sich diese Auszeichnung?

Westhaus: In Essen gab es seit 2004 den sogenannten Essener Zirkel Darmerkrankungen, einen Zusammenschluss von niedergelassenen Ärzten und Klinik-Ärzten, Kliniken, Apotheken, Selbsthilfegruppen und Krankenkassen. Das Ziel dieser Kooperation ist es, die Betreuung und Behandlung von Patienten mit chronischen Darmerkrankungen zu verbessern. Dazu zählen zum Beispiel regelmäßige gemeinsame Fortbildungen. Bei einem Treffen entstand die Idee, ein größeres Projekt zur Früherkennung von Darmkrebs durchzuführen. Für diese Aktion erhielt ich die Auszeichnung. Inzwischen gibt es den ursprünglichen Zirkel nicht mehr, denn wir haben im Juli den Verein »Prävention Ruhr« gegründet. Die Ziele des Vereins sind dieselben wie die des Zirkels.

PTA-Forum: Wie aufwendig ist es, solche Aktionen vorzubereiten und zu organisieren?

Westhaus: Zunächst braucht man dazu ein gut funktionierendes Netzwerk und natürlich auch Organisationsgeschick. So konnten die Essener Apotheken bei einem ortsansässigen Großhandel Hämoccult®-Tests zu besonderen Konditionen einkaufen. Diese gaben wir dann kostenfrei an Kunden der Zielgruppe ab. Gleichzeitig haben wir sie darüber informiert, dass sie den Test beim Arzt kostenfrei auswerten lassen konnten. Apotheker und Ärzte haben somit die Aktion auch finanziell getragen.

PTA-Forum: Was bedeuten solche Aktionen für den Apothekenalltag? Sind sie eine Bereicherung oder eher eine Belastung?

Voß: Wir betrachten besondere Aktionen als Herausforderung, uns intensiv mit einem Thema der Vorsorge oder Prävention zu beschäftigen. Zu Anfang sind nicht immer alle im Team begeistert. Doch während der Planung gelingt es den Motivierten unter uns, die anderen vom Sinn der Aktion zu überzeugen. Außerdem bemerke ich während der Aktionen, dass uns die Kunden und Patienten – viel mehr als im üblichen Alltag – als kompetente Ansprechpartner in Sachen Gesundheit erleben. Das stärkt das Selbstvertrauen. Insgesamt verbessert es die Zusammenarbeit im Team.

PTA-Forum: Wie informieren Sie Ihre Kunden und Patienten über geplante Aktionen?

Westhaus: Im Fall der Krebsvorsorgeaktion hat der Essener Zirkel eine Pressemitteilung herausgegeben, die in den Medien vor Ort veröffentlicht wurde. Das hat uns sehr geholfen, die Aktion bekannt zu machen. Darüber hinaus haben wir in der Apotheke natürlich auch Kunden gezielt angesprochen.

PTA-Forum: Wie bereiten Sie sich auf spezielle Präventionsaktionen vor?

Voß: Ohne besondere Aufgaben gerät manches Wissen schnell in Vergessenheit, und die Aktionen sind immer eine gute Gelegenheit, seine Kenntnisse aufzufrischen. Davon profitieren wir anschließend noch. Und es macht uns immer wieder Spaß, im ganzen Team zu lernen. Beispielsweise hört man aufmerksam zu, wie die Kollegin eine schwierige Frage beantwortet und prägt sich die Antwort ein. In manchen Fällen bitte ich auch den Apotheker, die Beratung zu übernehmen.

PTA-Forum: Lohnt sich denn der Aufwand für solche Aktionen?

Westhaus: Den Erfolg sehe ich immer langfristig. Wenn wir dazu beitragen können, dass Menschen länger gesund bleiben oder Erkrankungen im Frühstadium erkannt werden, dann profitieren die Menschen davon und letztlich auch die Krankenkassen, weil sie Geld sparen. Zum einen machen diese Aktionen unsere Aufgabe als Heilberufler deutlich, zum anderen stärken sie den Zusammenhalt im Team. /

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